Provinzielle Nachbarschaften (X)

Titelbild von Juliane Duda zu der Beitragsserie „Felix Philipp Ingold: Endnoten“

Seit vielen Jahren gehört P. G. zu meinen engsten Nachbarn. Ich kenne ihn allerdings nur flüchtig, da er mehr als die Hälfte des Jahrs − Sommer/Herbst − auf seinem Gutshof im Piemont verbringt. Dass er dort nicht nur einen ausgedehnten Olivenhain bewirtschaftet, sondern zudem als Maler und Zeichner arbeitet, weiss ich erst seit gestern, als er mir seinen Werkkatalog über die Mauer reichte. Es ist ein schwerer, gediegen gestalteter Band mit zwei- bis dreihundert Abbildungen und diversen Texten von ihm selbst sowie von Künstlerfreunden.
In einem knappen autobiographischen Statement unterstreicht P. G., dass er seine Malerei von Beginn an und dann über Jahrzehnte hin als einen „Kampf gegen die Väter“ praktiziert habe. Blättere ich nun die umfangreiche Dokumentation auf, befinde ich mich gleich auf einem kunstpädagogischen Durchgang durch das 20. Jahrhundert: Von Kandinsky und Mirò über Klee und Poljakoff bis hin zu Rothko, Adami, Buren und andern mehr malt P. G. seine Vorbilder sorgfältig nach − technisch untadelige Imitate, die er aber offenkundig für eigenständige Originalwerke hält: Auch eine Art, „die Väter“ zu vernichten − man tut es ihnen gleich, geht in ihnen auf bis zur Unverwechselbarkeit.
Eigentlich möchte ich den Nachbarn ernsthaft fragen, wie er es schafft, aus dem systematischen Selbstbetrug soviel Selbstvertrauen zu gewinnen?

 

aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne

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„Suppe Lehm Antikes im Pelz tickte o Gott Lotte"

Formel

(vor lauter Lärm fromm geworden in Rom).

Michel Leiris ・Felix Philipp Ingold

– Ein Glossar –

lies Sir Leiris leis

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