Versprochen

Titelbild von Juliane Duda zu der Beitragsserie „Felix Philipp Ingold: Gegengabe“

«Lange Zeit», sagt Ilse Aichinger in einem Interview, «habe ich das Nichtschreiben als eigentliche Tätigkeit des Schreibens angesehen.» Klingt wie ein Romanbeginn. Beginn einer Geschichte des Verrats. Verrat an einem – diesem – Glaubenssatz.
Aber was wäre der Gegenstand des Glaubens, des Verrats? Das Schreiben? Das Nichtschreiben?

Offenbar gilt hier praktiziertes Nichtschreiben als das Eigentliche, und das Schreiben – uneigentliche Bemühung – als ein gescheitertes Nichtschreiben. Oder übertragen auf alltägliches Sprachverhalten: Was ich sage, wie ich’s sage, kann immer nur Beleg dafür sein, dass ich ein Schweigen – höchste Form des Sprechens – gebrochen habe.

Das Schreiben, so verstanden, wäre ein stetiges Versprechen; das Sprechen nichts als Verrat.
(Schreiben – Spuren hinterlassen, um so spurlos wie möglich zu verschwinden.)

 

aus: Felix Philipp Ingold: Gegengabe
zusammengetragen aus kritischen, poetischen und privaten Feldern

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– Ein Glossar –

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