Borges

Titelbild von Juliane Duda zu der Beitragsserie „Felix Philipp Ingold: Haupts Werk“

BORGES WAR DA; da er weiß, daß
jedermann weiß, daß er blind
ist, läßt er sich lieber sehen als hören. Er
überläßt es einer bemühten,
rasch ermüdenden
Ulrike, ihn am grünen
Tisch ausgiebig zu zitieren, während
er seine fleckigen Hände wie ein altes aufgeschlagenes
Buch dicht vors Gesicht
hält. Fragen
beantwortet er mit lakonischen Gegenfragen; geistreich,
verächtlich. Seine
Worte sind Akkorde lauten Denkens, vorübergehend
lautgewordenen Denkens, Worte aus einem jetzt
im Entstehen
begriffenen Urtext. Denn nicht mit uns
spricht Borges; er kommuniziert
mit den Quellen. Und für einen einzigen
treffenden Begriff würde er wohl gleich von seinen Feinden
– den Lesern –
ablassen und uns allesamt verkaufen.

(Emmat, an einem 30. Oktober; mit M. K.)

 

aus: Felix Philipp Ingold: Haupts Werk Das Leben
Ein Koordinatenbuch vom vorläufig letzten bis zum ersten Kapitel.

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Türe? Kelter! Leere? getürkte Kür! (rückt und leckt:) Lücke im Teer!

Michel Leiris ・Felix Philipp Ingold

– Ein Glossar –

lies Sir Leiris leis

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