KARL KRAUS
Die Zwangslage
Wie rächen sich die Zwerge
an den Riesen?
Sie machen sich über die Berge
oder Psychoanalysen.
1930
Konnotation
Zu den berühmtesten Sottisen gegen die Psychoanalyse Sigmund Freuds zählt das Bonmot des Wiener Sprachkritikers und Lyrikers Karl Kraus (1874–1936): „Psychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält.“ Weniger bekannt ist sein wunderbarer Vierzeiler über die „Zwangslage“ der Zwerge, der in der Sammlung Worte in Versen abgedruckt ist, die Gedichte aus den Jahren 1922 bis 1930 versammelt.
Zeitlebens blieb Kraus ein vehementer Gegner der Psychoanalyse, die er in jeder Spielart ablehnte und gegen die er bösartigste Aphorismen und Gedichte mobilisierte. Das Gedicht „Die Zwangslage“ zählt noch zu den freundlicheren Sprüchen. Weitaus derber formuliert er in einer Philippika gegen die „unbetugte Psychologie“ im November 1913: „Die Psychoanalytiker, der Auswurf selbst dieser Menschheit, ein Beruf, in dessen Namen schon die Psyche mit dem Anus verbündet erscheint.“
Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2009, Verlag Das Wunderhorn, 2008








Erheiternd – jedenfalls für Menschen wie mich, die mangels tieferer fachlicher Kenntnis, vielleicht auch wegen einer gewissen Ignoranz, die Psychoanalyse und andere Bestrebungen, ins Innere der menschlichen Seele zu blicken, nicht besonders ernst nehmen.
Auf diese Seite stieß ich, weil Kraus am Ende der Folge “Entlassen Sie diesen Mann nicht!” der Kriminalserie “Derrick” zitiert wurde.