Peter Gans Gedicht „Die Toten“

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PETER GAN

Die Toten

Immer fremder werden wir den Erben,
schon die Enkel kennen uns nicht mehr.
Dieses noch mal nach dem Tode sterben
fällt uns Armen fast noch mal so schwer.

Immer noch in unsern morschen Tüchern
geistern wir umher und schwören stumm
auf die Wahrheit in den alten Büchern.
Keiner kehrt sich um.

nach 1958

aus: Peter Gan: Ausgewählte Gedichte. Hrsg. von Friedhelm Kemp. Wallstein Verlag, Göttingen 1994

 

Konnotation

Unter den literarischen Emigranten der Nazi-Zeit gehörte der studierte Jurist und Romanist Peter Gan (1894–1974) zu den weltläufigsten. Der als Richard Moering geborene Sohn eines Hamburger Anwalts hatte als Zeitungskorrespondent und Verlagslektor gearbeitet, bevor er vor den Nazis nach Frankreich und schließlich nach Spanien fliehen musste. 1958 nach Hamburg zurückgekehrt, behielt er seinen spielerisch-eleganten Ton bei, den er in seinem ersten Gedichtband Die Windrose (1935) ausgebildet hatte. Aber es gibt auch dunkle Töne bei Gan.
Das Klagelied der Toten beschwört das fortschreitende Vergessen der Nachkommen; die Erinnerungslosigkeit der Nachgeborenen bedeutet einen zweiten Tod für die Existenzen im Schattenreich. Was den Toten bleibt, sind hilflose Gesten, das vergebliche Aufrufen der alten Wahrheiten in den „alten Büchern“.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2008, Verlag Das Wunderhorn, 2007

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