Bertolt Brechts Gedicht „Ich will mit dem gehen, den ich liebe. …“

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BERTOLT BRECHT

Ich will mit dem gehen, den ich liebe.
Ich will nicht ausrechnen, was es kostet.
Ich will nicht nachdenken, ob es gut ist.
Ich will nicht wissen, ob er mich liebt.
Ich will mit ihm gehen, den ich liebe.

1939

aus: Bertolt Brecht: Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Band 14: Gedichte 4. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1993

 

Konnotation

Die Entschlossenheit und Unbedingtheit einer Liebeserklärung setzt sich hier über alle potentiellen und faktischen Widerstände hinweg. Vernunftgründe und pragmatische Rückfragen lässt das lyrische Ich nicht gelten. Das Bekenntnis zu einem geliebten Menschen ist stärker als alle säkularen Sinngebungen. Diesen Typus des absolut Liebenden hat Bertolt Brecht (1898–1956) um 1939 in sein Drama Der gute Mensch von Sezuan integriert.
Im Kontext des Sezuan-Stücks lässt Brecht die Protagonistin Shen Te diese Verse in der 5. Szene sprechen, um ihre Entscheidung für den arbeitslosen Flieger Sun zu rechtfertigen. Brechts kleines Liebespoem existiert aber auch als gesondertes, originäres Gedicht, das 1954 in einer Anthologie mit Liebesgedichten publiziert wurde. In Brechts Stück ist die Liebe Suns nur vorgetäuscht. Herausgelöst aus dem Stück-Kontext, handelt das Gedicht vom wirkungsmächtigen Eigensinn der Liebe.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2011, Verlag Das Wunderhorn, 2010

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