ALLE MAL HERHÖREN!
Ihr Dinosaurier,
Auerochsen und Berberlöwen.
Ihr Wollnashörner, Dodos und Labradorenten.
Tasmanischen Beutelwölfe. Magenbrüterfrösche.
Ihr Neuseeländischen Forellenhechtlinge,
Kurznasen-Maränen und Blauen Glasaugenbarsche.
Ihr Karpatenwisente, Kaninchennasenbeutler,
Breitwangen-Hüpfmäuse und Riesenfingertiere.
Ihr Schlitzrüssler und Sardischen Pfeifhasen.
Ihr Stummelschwanzferkelratten, Nacktbrustkängurus
und Südlichen Wüstenwarzenschweine…
Ihr, die ihr ausgestorben seid
vor Hunderten, vor Tausenden von Jahren,
hört und lasst euch sagen:
Wir werden die Zeiger der Weltenuhr zurückdrehen
und noch einmal von vorn beginnen!
Auf geht’s!
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Zum Schluss
Ich lebe und arbeite seit über vierzig Jahren in einem Dorf an der schleswig-holsteinischen Westküste. Das flache Land unterm endlos weiten Himmel hat mich geprägt. Hat mich angeregt. Tief bewegt. Aufgeregt. Hat mir Geschichten geschenkt. Gedanken. Und diese Gedichte. Die meisten sind in den Jahren 2021 und 2022 entstanden. Nahezu alle atmen die salzige Luft der See und schmecken nach Ebbe und Flut. So ist das. Und doch ist alles ganz anders.
Ich habe mich immer wieder verirrt, in den Amtsblättern früherer Regierungen, im Alten Testament und anderen Schriftstücken, habe in diesen vergilbten Blättern Worte und Sätze gefunden, die meinen Gedichten auf eine besondere Weise nah sind. Sie ließen sich nicht scheuchen. Also blieben sie.
Den Dichterfreunden Uwe-Michael Gutzschhahn und Arne Rautenberg danke ich herzlich für den kritischen Blick, für Zuspruch und Anregung.
Manfred Schlüter, Nachwort
Manfred Schlüter: Tanze nachts auf wilden Wellen
Manfred Schlüter legt mit Tanze nachts auf wilden Wellen einen neuen Gedichtband vor – diesmal ohne eigene Illustrationen, dafür aber kongenial vom Verlag mit einem magisch dunkel nachtblauen Umschlag ausgestattet, der in seinem helleren Feld wie in Kupfer gestochene Wellen andeutet, was im Innenteil zu den Überschriften der drei Teile und einem „Abgesang“ noch variiert wird.
Unter „Die toten Geister sind nicht tot“ versammeln sich pointiert skizzierte Erinnerungen an Menschen und ihre Eigenheiten, die sie im nordisch knappen Singsang sofort geradezu plastisch vor Augen und Ohren führen.
Bei „Bin Fisch jetzt unter Fischen“ wird in die Ich-Perspektive gewechselt, mal in die des Autors mal in die eines Tieres, das wie z.B. die Möwen auch im überzeugenden Sprachrhythmus Widerspruch wagt.
„In deinem Feuer möchte ich brennen“ heißt es zum fulminanten Ende hin, das die Schöpfungen von Flora und Fauna in vielen Nuancen feiert, von schwarzhumorig lakonisch, wenn nach idyllischer Reihung von Geräuschen als letztes die Säge kreischt, bis scheinbar unverbesserlich optimistisch, wenn allen ausgestorbenen Tierarten verkündet wird, dass die Zeiger der Weltenuhr zurückgedreht werden und so alles samt ihren ausgestorbenen Existenzen von vorn beginnen kann.
Veröffentlichte Schlüter bislang hauptsächlich für Kinder und Jugendliche oder auch All-Age-Titel, wendet er sich diesmal ausschließlich an Erwachsene.
Denn als Ganzes handelt es sich bei diesem Gedichtband um ein Potpourri an Rückblicken, das nicht zuletzt auch älter und altgewordene Leser und Leserinnen ansprechen wird.
Mittlerweile über 70 Jahre alt hat er längst einen eigenen erkennbaren Ton gefunden, der auch ohne zusätzliche Illustrationen einen unangestrengt weise formulierten Metaphernreichtum ausbreitet und somit reich an Sprachbildern ist, die sich schnell im Gedächtnis der Leserschaft verhaken. Und fließend, die Grenzen seiner Begabungen auflösend, wird es nicht zuletzt da, wo er Treibgut bzw. Fundstücke am Meeresstrand nicht nur als Bildender Künstler, der er ja auch ist, zu kunstvollen Plastiken transformiert, sondern ihnen hier in einem Gedicht neue-alte Bedeutung gibt. Und einen dann mehr als plausiblen Schritt weiter, nutzt er auch Fundstücke von Schriften, wie einen Auszug aus den Naturalis Historia von Plinius, drei höchst informative Schleswiger Amtsblätter von 1871 und 1872, Rundschreiben von 1871 zur Ausstattung von Schulen, eine märchenhaft-gruselige Beschreibung der Region von Karl Müllenhof und zuletzt einen erschreckenden Auszug einer apokryphen Schrift aus dem Alten Testament nach Jesus Sirach zur Erziehung von Kindern. Die korrespondieren dann allesamt mit seinen Gedichten davon oder/und haben sie überhaupt erst angeregt.
Alles zusammen Dichtkunst, die preiswürdig ist und verdient in die Büchernachlese-Bestenliste eingereiht zu werden. Chapeau!
Ulrich Karger, buechernachlese.de
Augustins Lyrikkiste
Der Dichter und Sams-Erfinder Paul Maar hat ihm einst ein feines kollegiales Vorwort zu seinem Kindergedichtband Reime EimeR verpasst. Und als Meister hochgewitzter Gedichte für die Jüngsten ist Manfred Schlüter, der an der Westküste Schleswig-Holsteins als Schriftsteller und Bildkünstler lebt und arbeitet, bekannt wie ein bunter Seehund. Dass er nun, im zarten Alter von 72 Jahren, seinen ersten Gedichtband für Nicht-mehr-Kinder, vulgo für Erwachsene vorlegt, ist ein Glücksfall. Wer seit Jahren Gedichte für Kinder geschrieben hat und schreibt, weiß nur zu gut, dass jede Art von Schwurbelei, hermetischer Abriegelung oder Herablassung schlicht und einfach Gift ist für das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger. Entstanden ist hier ein Band mit Gedichten, in denen ein Weltbürger aus dem Vollen regionaler Natur und Geschichte schöpft. Heimatliteratur im allerbesten Sinne, ohne jeden Anflug von Provinzialität.
Michael Augustin, Lesart, Nr. 1/2026
Weitere Beiträge zu diesem Buch:
Man spürt den Wind im Gesicht, hört die Wellen rauschen, hat einen weiten Blick über das platte Land. Wie sehr du mit Land und Leuten verwachsen bist! In unserer immer flüchtiger werdenden Welt ist deine Beständigkeit wie ein Anker für das Kleine, Unscheinbare, Wesentliche. Danke dafür, lieber Freund!
Herbert Günther / Schriftsteller und Übersetzer (aus einer Postkarte an den Autor)
ein großartiger gedichtband. ein wichtiger gedichtband auch für SH.
mein lieblingsgedicht bleibt dein auftaktgedicht. einfach großartig, das bild.
die klaviatur des salzes, des meeres, des windes – und der menschen,
die damit klarkommen müssen.
mir gefällt auch, dass deine gedichte sowohl in die höhe, als auch in die tiefe gehen.
es wird auch mal geflattert, doch dann rasch wieder das lot gesetzt.
und nicht nur hoch und tief, es wird auch weit nach hinten und (kritisch) nach vorn geblickt – –
du hast in deinem ersten gedichtband für erwachsene ein fettes brett gebohrt.
gratulation dazu! – – und ich wünsche deinen feinen gedichten den verdienten erfolg!
auch die visuelle ebene mit der stahlstichoptik ist völlig passend und überzeugend.
kurzum: chapeau!
dies mit den wertschätzendsten grüßen
arne
Arne Rautenberg / Lyriker und Bildender Künstler (aus einer Mail an den Autor)
Hier ist (…) ein Päckchen angekommen mit Deinem wunderbaren Gedichtband. Ich bewundere (…) Deine nie zu enden scheinende Kreativität und Schaffenskraft und freue mich sehr, dass ich davon etwas abbekomme.
Mareike Krügel / Schriftstellerin (aus einer Mail an den Autor)
Er hat viele Bücher illustriert, darunter von Autoren wie Michael Ende und Boy Lornsen, seine Bilderbücher sind in renommierten Verlagen erschienen, er hat aber auch immer Gedichte geschrieben. Die neuesten sind hier versammelt. Es sind Gedichte, die man nur schreiben kann, wenn man eine tiefe Verbindung zu diesem Land, zum Watt, zum Meer und zu den Menschen hat, die hier leben.
Zwischen diesen wunderbaren Gedichten, die oft eine leise Heiterkeit besitzen, finden sich kurze, bisweilen höchst skurrile Fundstücke, aus alten Amtsblättern, aus dem Alten Testament, aus antiken Schriftstücken – und alles passt wundersam zusammen.
Wir haben hier bei uns einen großen Künstler, wir müssen ihn nur würdigen!
Gabriele Scheller / Buchhändlerin (Der Bücherbrief)








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