METAMORPHOSEN
herausgelöst
aus einem einzigen bild
aus dessen begrenztem
dasein in dem wie es ist
aus seiner vergänglichkeit
aus dem verfall in der zeit
siehst du andere bilder die
du wie in einem flug durch
die zeitlosigkeit erlebst du
der du längst schon vom tod
gezeichnet bist ausgeliefert
der schicksalhaftigkeit deiner
eigenen zeitvergänglichkeit
aus einer goldenen posaune
ertönt ein herbstliches lied
dann setzen klavierakkorde ein
und eine dunkle trauer vermischt
sich mit buntfarbenen blättern
die ein windstoß hineinweht
ins abendlich grelle sonnenlicht
alles ist vergänglich verändert sich
das weißt du schon längst denn alles
ist ja nur wie zum schein für dich da
aber doch die offenheit die unbegrenztheit
des einen geschauten bildes die sich
auffächert in viele neue einzelbilder die
dir eine ahnungsvolle schau gibt von
einem sein ohne jede vergänglichkeit
denn es gibt ein sehen jenseits aller
begrenzungen durch zeit und raum
die töne aus der posaune formen sich
nun zu einer leiser werdenden melodie
und du schaust durch ein fenster hinaus
in den golden leuchtenden herbstabend
und jetzt könnte ein cello einsetzen
das die töne übernimmt und fortträgt
hinaus ins dunkel einer endlosen nacht
Wien, 15.11.2022
![]()
Genug schon, aber nicht ohne Widerspruch
– Der Lyrik-Wegweiser Peter Paul Wiplingers durch 60 Jahre persönliche und vergessene und verdrängte Geschichte. –
Man kann es für nicht notwendig halten, sich mit Dingen zu beschäftigen, von denen keiner mehr etwas wissen will, die schon so lange zurückliegen, dass man sich nicht vorstellen kann, sie könnten noch etwas mit einem selber und der Gegenwart zu tun haben. Man kann denken, es ist nicht notwendig, jedes Mal, wenn irgendjemand irgendetwas behauptet, das auch nur unbedacht geäußert worden sein könnte, etwas dazu sagen zu müssen. Für einen Lyriker, der sich mit gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen und Entwicklungen auseinandersetzt und der sich nach seiner Rolle in diesen Verhältnissen und Entwicklungen fragt, ist das ausgeschlossen. Es ist nichts so nebensächlich, dass es ohne etwas anderes, in einem größeren Zusammenhang Stehendes passiert.
Peter Paul Wiplinger breitet in seinen ab 1960 bis 2023 ausgewählten Gedichten ein ganzes lyrisches Universum davon aus, Einzelheiten, auf die es im Einzelnen nicht ankommt, aber im Gesamten, Nebensachen, die als Nebensachen keine Rolle spielen, aber in ihren Zusammenhängen.
Abgeschlossenes Denken hat in seinem Leben und Schreiben keinen Platz. Wo etwas für andere längst zu Ende gedacht ist und es keinen Grund mehr gibt, sich weiter damit zu befassen, beschäftigt er sich und andere noch einmal und noch ein weiteres Mal damit, nicht auf der Suche nach einem vielleicht anderen Ende, aber nach einem weiteren möglichen Ergebnis.
Sein wichtigstes Mittel gegen Verfestigung ist Offenheit, der häufigste Grund für einen seiner immer nächsten neuen Anläufe, die Unabänderlichkeit verfestigter Verhältnisse, mit denen schon alle ihren Frieden geschlossen haben. Nicht auszuschließen ist, er hat manchmal auch nur wortlos genug, bis zum nächsten Anlass, bei dem sich herausstellt, genug schon, aber nicht ohne Widerspruch. Man soll ruhig glauben, er regt sich auf, es ist aber nicht er, der sich aufregt, sondern etwas, das ihn aufregt, über das man nicht einfach hinweggehen kann, als wäre es nicht da.
Offenheit setzt aus. Mit der Offenheit, mit der sich Peter Paul Wiplinger aussetzt, kommt man üblicherweise nicht weit, nicht in Funktionen und nicht als Autor. Es gelingt ihm trotzdem, indem er weder als Autor noch als Person darauf verzichtet, weder sich selbst noch seine Adressaten – Leser und Verantwortliche – mit all den Unstimmigkeiten, wie sie ihm begegnen, zu konfrontieren. So unverbindlich die Reaktionen auf seine Interventionen mitunter auch ausfallen können, übergangen werden kann das von ihm Aufgegriffene nicht.
Seine dabei immer strikt gezogene Grenze zur Agitation und zum Politjargon, sein Eingehen auf Ereignisse und Vorgänge, ohne sie zu illustrieren oder sie zu seinen Gefühlsschauplätzen zu machen, seine herunterkühlende Distanz zu Verhältnissen, für die ein vorhandenes Vokabular nicht mehr ausreicht, seine Verknappungen auf das Allernotwendigste und damit dessen Verdeutlichung sowie die Wiederkehr von Themen und Konstellationen, die Verknüpfung seiner persönlichen Geschichte und der seiner Familie und Freundinnen und Freunde in der halben Welt mit der österreichischen Geschichte und der Geschichte deren Länder ziehen sich durch die meisten seiner Gedichte.
Es passt zu ihm, sich hinzustellen und zu sagen, das ist mein bisheriges lyrisches Auswahl-Alles, das Gelungenere und das weniger Gelungene, das Unzulängliche und das vielleicht Treffendere, das für ihn aus heutiger Sicht vielleicht ein wenig zu sehr Vereinfachte und das Geistreichere, das alles war es, nur eines war es nie: herzlos. Mit diesem Ansatz und Anspruch breiten die ausgewählten Gedichte Peter Paul Wiplingers ein mit 21 Jahren begonnenes lyrisches Tagebuch vor seinen Leserinnen und Lesern aus, angefangen mit seinem Abschied von seinem Geburtsort Haslach, eines seiner bis heute lebensbestimmenden Zentren, bis zu seinen Abschiedsgedichten von seiner Heimatlosigkeit mit 84 Jahren.
Das Zuhause Peter Paul Wiplingers ist ein anderes, es sind die Menschen, die ihm etwas bedeuten, die von ihm geschriebenen Gedichte, die Themen, die ihm wichtig sind, seine Fotografien, seine Sammlungen, seine Geschichte und eine Welt, für die und in der es sich lohnt, einzutreten.
Eigenschaften, die ihn ausmachen, finden sich in seinen Gedichten, und Eigenschaften, die seine Gedichte ausmachen, bei ihm, sie waren und sind und bleiben der wahrscheinlich wichtigste Bestandteil seines Lebens, nie bitter, nie verzweifelt, nie sorglos, nie zaghaft, immer weiter am Weg nach dem vorläufig Letzten zum schon in Angriff genommenen Nächsten, denn selbstverständlich hat Peter Paul Wiplinger nicht vorgehabt oder aufgehört, nach dem letzten Gedicht dieses Bandes vom 8.10.2023 Gedichte zu schreiben, er hat es nur für diesen Band mit Wegweisergedichten durch seine persönliche und die vergessene und verdrängte Geschichte der letzten 60 Jahre dabei belassen.
Gerhard Ruiss, Vorwort
Mehr als bloß ein Nachwort
Der Schriftsteller muß für die Interessen des Menschen im Sinne der Unverletzbarkeit menschlicher Lebensgrundrechte, für Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Würde eintreten. Sein Werk darf sich von diesen ethischen Grundforderungen nicht loslösen, er muß für die Wahrung dieser Grundrechte eintreten, als Künstler und als Mitglied der menschlichen Gemeinschaft. Überall dort, wo diese Rechte eingeschränkt, verweigert, mit Füßen getreten werden, hat er die mahnende Stimme seines Gewissens zu erheben, dafür einzutreten, auch unter Inkaufnahme von Repressalien und Verfolgung.
Peter Paul Wiplinger in „Die Furche“ 25. Juli 1991
So kennen wir Peter Paul Wiplinger, der seit Jahrzehnten unermüdlich und dabei keinen Konflikt scheuend der Einhaltung der Menschenrechte das Wort redet. Relativieren ist bei ihm in Fragen der Humanität nicht angesagt. Diese Haltung entspricht dem Grund- und Gründungsgedanken des PEN, der für sich das Recht beanspruchen darf, sich als die älteste Menschenrechtsorganisation zu bezeichnen. Amnesty International, Internationale Föderation für Menschenrechte von Helsinki, Reporter ohne Grenzen, Internationale Friedensbrigaden, International Peace Observers Network usw. usf. sind um vieles jünger. Dies schmälert deren Bedeutung nicht, sondern unterstreicht die Wichtigkeit des Gründungsgedankens des PEN. Allerdings, der Gedanke allein macht es nicht, es geht um die Umsetzung desselben. Bei Peter Paul Wiplinger lässt sich diese in zweifacher Hinsicht feststellen.
Die erste Hinsicht: In Gedichten, Briefen, Reden und Essays hat Wiplinger seine warnende Stimme erhoben und auf Unzulänglichkeiten hingewiesen. In dem Gedicht „Bilanz unseres Jahrhunderts“ datiert mit 10.5.1992 heißt es:
die UNO und das geschwätz von frieden
von menschenwürde menschenrecht
politische pragmatik weltdiplomatie
der mensch zertreten und zerstört
in afrika der hunger und die seuche aids
und in der „freien welt“ die sattheit
und ein irr-blasphemisch spiel
in disneylands als spiegelbild
all dessen was als rest uns bleibt
als clowns in masken irgendwas zu spielen
vielleicht den eignen untergang
anstatt ganz einfach mensch zu sein
In einem Brief an Melitta Jungwirth schrieb er zwei Jahre früher:
Ich hab auch genug von all den großen, hohlen Sprüchen und Phrasen von Politikern, Wirtschaftsleuten, Pseudointellektuellen, Beamten, Funktionären, Bürgermeistern, Gemeinderatstrotteln, von dem ganzen Smog der Freizeitindustrie, dem Jugendfetischismus, diesem progressiven Getue, hinter dem nichts steckt außer einem aufgeputschten Zwang zur Aktivität.
(31.5.1990)
In seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse am 22.12.2003 sagte Wiplinger:
Denn der Schriftsteller ist einer, der im Dienste der Wahrheit zu demaskieren, klarzustellen hat; der auch zur rechten Zeit das rechte Wort sagen kann und muß.
In einem Brief vom 8.4.2011 an die VorstandskollegInnen der IG Autorinnen Autoren steht:
Wir Schriftsteller und Intellektuelle sind sowieso immer und überall die Idioten bzw. die Feindbilder. Und auch bei uns in Österreich gibt es dieses höflich maskenhafte Lächeln von Leuten, die den Staat und seine Institutionen, ja das ganze Land als Selbstbedienungsladen sehen und benützen.
In dem Brief vom 28.12.2012 an Christa Bohaumilitzky schrieb er:
Engagieren wir uns doch einfach für den unterdrückten und hilflosen Menschen, egal welcher Rasse (allein schon diese Nazi-Bezeichnung ist widerlich und unsinnig!)…
Etwas verallgemeinert formuliert, ließe sich sagen: Engagieren wir uns doch ganz einfach für den Menschen, der unsere Hilfe braucht.
In seinem Buch Positionen 1960–2012 ist mehrfach nachzulesen, wie vehement er die Einhaltung der Menschenrechte forderte. Er tat dies auch in öffentlichen Stellungnahmen gleichermaßen wie in Briefen. Wer nun eine engstirnige oder gar bornierte Haltung vermuten würde, die nur das billigt, was seiner eigenen Haltung entspricht, muss sich eines Besseren belehren lassen. In einem Brief an Alois Vogel schrieb er:
Ich möchte den Geburtstagsabend für Ernst Schönwiese wirklich bestens vorbereitet wissen. Der Mann hat sich das verdient. Er ist ein Maßstab dieser oft so oberflächlichen Autorenschwätzergesellschaft. Und wir sind es ihm schuldig.
Alle, die das Werk und die Person Schönwieses kennen, wissen, wie sehr sich Schönwiese von Wiplinger unterscheidet. Was Peter Paul Wiplinger das Engagement, war Schönwiese die Einverwandlungskraft, die es den Menschen gestattet, mit anderen Augen zu sehen. Schönwiese forderte in seiner Poetik die Verschmelzung von Subjekt und Objekt:
Beim anderen Zustand werden Subjekt und Objekt eins. Sie verschmelzen im Erleben. Sie werden dank der Einbildungskraft eins. […] Die Einbildungskraft, ein Wort, in dem die Fähigkeit, sich in einen Anderen hineinzubilden, mitschwingt, hieße vielleicht besser: die Einverwandlungskraft.
Solche Überlegungen sind in dieser Weise ausgedrückt bei Wiplinger nicht zu finden. Unterschiedlicher kann man sich kaum der Welt annähern! Doch zur gelebten Republik des Geistes gehört die respektierte Unterschiedlichkeit, die Wiplinger exemplarisch klar ausdrückt.
Ich komme zur zweiten Hinsicht: Peter Paul Wiplinger hat nicht nur geschrieben und argumentiert, sondern auch bereitwillig seinen Wohnraum geöffnet, hat bewirtet und Schlafplätze gegeben. Er hat seinen Wohnraum geteilt und hat den Kollegen, die er für würdig empfunden hat, unterstützt und gefördert. Er war ein unermüdlicher Anwalt für die Literaturen der Nachbarländer, hat seine Seelenverwandtschaft mit den slawischen Völkern entdeckt und seiner Liebe zu ihnen uneingeschränkt Ausdruck verliehen. Eine besondere Zuneigung gehört seit vielen Jahren den Sinti und Roma und er gehört zu den ersten im PEN, welche die Notwendigkeit sahen, dass die marginalisierte Volksgruppe ordentlich vertreten ist und auch gehört werden muss. Sein Engagement für Ceija und Karl Stojka sei stellvertretend genannt.
Auch als den Frauen Zugeneigter hat er sich zu erkennen gegeben:
Die Frauen sind es ja, die mit uns nicht nur die schönen festlichen Tage und Stunden teilen, sondern auch die, wo wir nur kleine Menschlein sind.
Zu der zweiten Hinsicht gehört auch ein Pendeln zwischen Daheim- und Fremdsein in dem Land, in das er hineingeboren ist und in dem er seine Heimat hat. Peter Paul Wiplinger erblickte das Licht der Welt im oberösterreichischen Mühlviertel und lebt seit Jahrzehnten in Wien. In seinem Heimatgedicht heißt es:
hinter der maske
des biedermanns
lauert noch immer
der nationalismus
die unduldsamkeit
gegen einen jeden
der anders ist
als die norm
[…]
dann ein schluck bier
das lachen von allen
In solch einer Heimat, in der grausige Fratzen sich hinter Stammtischen zusammenrotten und mit Saufen zum Lachen und Verhöhnen kommen, kann sich niemand uneingeschränkt daheim fühlen. Es ist eine Heimat auf Widerruf. Sie lässt sich nicht in ihren Untiefen erfassen. Zu dieser gehören beschwichtigende Bilder, wie sie in dem Gedicht „Lyrik aus Wien“ verwendet werden: Lyrik aus Wien führt zur Frage: Was ist das? Und neben den Lipizzanern kommt der gnadenlose Sprachbewahrer Karl Kraus zu stehen.
Die Fragwürdigkeit des Selbstbildes von Wien benannte Wiplinger in einem Schreiben an die polnische Germanistin Arletta Szmorhun:
Grundhaltung der Wiener ist die Verleugnung der Wirklichkeit, die (gewollte) Selbsttäuschung, die Vortäuschung einer nicht vorhandenen Wirklichkeit, woran man schließlich auch selber glaubt. Der Schein der Dinge und der Welt anstatt diese selbst.
Die Selbsttäuschung hat fatale Auswirkungen auf das Hier und Jetzt. Peter Paul Wiplinger hat das Hiersein längst als eines auf Abruf erkannt. Jede/r Einzelne ist nur vorübergehend auf Erden zu Gast und sollte sich dementsprechend zu benehmen wissen:
WIE IM MÄRCHEN
farbenpracht
der anemonen
und ein haus
in dem wir wohnen
und ein wind
in dem wir sind
[…]
und du atmest
leben zeit und To
In einem anderen Gedicht wird das Thema der unauflöslichen Verschränkung zwischen Leben und Tod, Liebe und Tod mit schlichten, dafür klar gesetzten Worten gesagt:
irgendwo sang einer leise
von der liebe und vom tod
Weil das Hier und Jetzt für eine begrenzte Zeitdauer gilt, legt es dem Lebenden eine besondere Verpflichtung auf. Niemand kann sich berechtigt auf eine Heilslehre oder auf Kleriker stützen. Den aufrechten Gang und die klare Haltung muss die/der Einzelne üben:
DER VATIKAN
Eingemauert in die
Glaubenswahrheiten
lebt hier der Papst,
regiert hier die Kurie.
Hunderttausende Pilger
beten, schreien, winken.
Alle in voller Verzückung.
Ein Fest der Massenhysterie!
[…]
Nur der Einzelne gilt, sage ich,
verantwortlich seinem Gewissen.
Ich kehre zum Ausgangspunkt zurück: Peter Paul Wiplinger ist ein Ruheloser, einer, der sich nicht mit dem Vorgefundenen zufriedengibt, sondern Veränderungen wünscht, die zur Vermehrung von Humanität führen. Wie zartfühlend, wie sensibel er eigentlich ist, können einige Zeilen aus einem Brief (13.4.2010) an Elisabeth Schawerda belegen:
Ich gehöre dem Himmel, den Wolken, dem Regen, dem Schnee, den Wiesen, den Blumen, dem Wald, dem Wasser, den Hügeln und Bergen, meinen Gefühlen, meiner Leidenschaft, meinem Ausgesetztsein, meinem Scheitern, dem lebendigen Leben; und somit doch auch mir selbst.
Diese Bemerkung ist berührend und gleichzeitig der Beweis eines Lebenskampfes, eines Ringens mit sich selbst. Sie ist der Ausdruck von Suchen und Zweifeln, von Finden und Verwerfen, von Augenblicken voll der Hoffnung, über denen die Schatten der Verzweiflung hängen. Der Wunsch, den eigenen Idealen treu zu bleiben, hat bisweilen die Tendenz der Selbstzerfleischung. All das spricht unmittelbar aus diesen Zeilen.
Peter Paul Wiplingers Werk ist ein exemplarisches, das allen Widrigkeiten auf Erden Widerstand leistet. Unbeirrbar hält er an seiner Überzeugung fest. Die Welt lässt sich durch den Willen und die Tat der Menschen gestalten. Es gilt, wach zu bleiben und nicht aufzugeben.
Helmuth A. Niederle, Nachwort
Aussagen zu Peter Paul Wiplinger und seinem Werk
Ihre Gedichte habe ich aufmerksam gelesen und glaube, von Ihnen sagen zu können, daß ich die Heftigkeit, den erregten Zustand der Wörter, die literarisches Wort werden, gut in Ihnen erkennen kann.
Karl Krolow – Darmstadt 1963
Wiplinger geht es nicht um ästhetische Werte, um irgendeinen Ismus, sondern um das Seinsbewußtsein, um den Menschen.
Paul Wimmer – im ORF, 1971
Wiplingers Lyrik ist von einem für den deutschen Sprachraum selten hohen Maß an politischer wie menschlicher Verantwortung.
Gert Niers – New York 1978
Peter Paul Wiplinger ist ein ganz und gar heutiger Autor, und doch sind seine Arbeiten Verse und können als poetisch gerühmt werden – noch oder schon wieder. Er ist ein lyrischer Zeitgenosse, erwachsen, klug und sprachmächtig.
Hans Weigel – Wien 1980
Was er formuliert, ist wichtig. Es hat Würde und Gewicht. … Still und zielbewußt rebelliert Peter Paul Wiplinger gegen eine Welt, die ihre eigene Grausamkeit als Fügung des Schicksals hinnimmt.
György Sebestyén – Wien 1982
Gedichte, die durch ihren Inhalt geformt sind, komprimiert sind, sodaß alles überflüssige weggelassen ist; reduzierte Gedichte. Gedichte als Gerüste des Denkens und Fühlens, des Widerstandes gegen das Vergessen.
Erich Fried – Wien 1987
Peter Paul Wiplinger ist einer der aussagekräftigsten und politisch-konkret engagiertesten Lyriker des heutigen Österreich.
Robert Gratzer 1987
Seine Gedichte zeigen eine oft beinahe atemberaubende Kunstfertigkeit, die keine blinde Stelle durchläßt, kein überflüssiges Wort.
Albert Janetschek – Wien 1988
Dichtung als Bekenntnis, das Wort und die Sprache aber auch als Waffe gegen alles Inhumane und gegen die Verderbtheit der Gesellschaft, das ist Wiplingers Maxime, wie sie deutlich aus seinen Gedichten spricht.
Toschko Toschkow – Sofia/Wien 1991
Seine Gedichte sind seine Lebensgeschichte. Ihr Stenogrammstil ist für ihn gewiß keine Erlösung, das Gedicht ist keine Ver- oder Bearbeitung des Erlebten, sondern dessen Benennung, ein Splitter aus dem Gesamtbild, scharf und verletzend.
Elisabeth Schawerda – Wien 1998
Subjektive Befindlichkeiten und objektive Befunde werden sprachlich auf den Punkt gebracht in klaren Prägungen und elementaren Bildern von größtmöglicher Knappheit und Einfachheit. Dieser lakonische Stil ist seit eh und je ein Kennzeichen der Lyrik P.P. Wiplingers.
Johann Lachinger – Linz 2000
In knappen Sentenzen und Verszeilen evoziert Wiplinger nahezu eine tagebuchartige Wiedergabe seiner Erlebnisse und Gedanken über die Defizite und Verluste des Lebens.
Lev Detela – Wien 2003
Peter Paul Wiplinger ist unbeirrbar. Er ist unbeugsam autonom, selbstbestimmend, nachhaltig.
Matthias Mander – Wien, 2003
Er skizziert Stimmung, Sinneseindrücke, Augenblicke auf die für ihn typische karge, klare Weise. Es ist eine asketische Lyrik, die sich nicht an Metaphern berauscht, der Aufrichtigkeit ein wichtiges Anliegen ist.
Elisabeth Schawerda – Wien 2013
Wiplinger ist ein österreichischer Poet, der sich selbst auferlegt hat, zu politischen, die Menschenrechte berührenden Fragen nicht zu schweigen, sondern mit seinem dichterischen Wort „gegen den Wahnsinn der Welt zu kämpfen“. – Wiplingers Poesie ruft zum Widerstand gegen die Verdrängung der Wirklichkeit, Verleugnung der Wahrheit und gegen das Vergessen auf…
Arletta Szmorhun – Wroclaw/Breslau 2013
Peter Paul Wiplinger ist eine der eindrucksvollen poetischen Stimmen des Landes.
Heinz Sichrovsky – Wien 202
52 Buchpublikationen gibt es von Wiplinger, eine unvorstellbare Anzahl an Wörtern, Empfindungen und Gedanken, ein in Sprache gegossenes Leben, immer von schonungsloser Authentizität.
Elisabeth Schawerda – Wien 2021
Fakten und Vermutungen zum Autor + Instagram 1 & 2 + Facebook + Archiv 1 & 2 + IZA + Kalliope + Begegnungen + Ehrenzeichen 1 & 2
Peter Paul Wiplinger ließt seine Gedichte. Haslach, Mühlviertel Oktober 2019.








0 Kommentare