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Eine Gabe, die mir fehlt und die ich doch gern haben möchte, ist Geistesgegenwart; wäre ich geistesgegenwärtig genug, ich könnte den Augenblick, im punktuellen Triumph über die Zeit, weit mehr genießen, und wär’s auch nur deshalb, weil ich mit einem raschen Wortwitz im Gespräch, am Telephon die Oberhand gewänne. Aber gewinne ich sie. Und wenn ich sie gewinne … was gewinne ich wirklich. Vielleicht meine Präsenz im Augenblick; gewiß nicht den Augenblick in meiner Präsenz. Der Verlust, denke ich, würde größer sein als der Gewinn, den Geistesgegenwart, als Gabe, bedeuten könnte für mich. Was mir, wäre ich tatsächlich geistesgegenwärtig, verlorenginge, ist die Zeit nachzudenken, zu schweigen oder Fragen zu stellen. Und … aber womöglich bleibt Nachdenklichkeit, bei allem Verlust an unmittelbarer Satisfaktion, dennoch ergiebiger als die siegreiche Geste dessen, der hier und jetzt die richtige Antwort zu geben weiß … eine Antwort, die nur falsch sein kann, weil sie, als richtige, keine Frage mehr zuläßt.

 

aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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