Die Bäume sind unter allen Lebewesen die erhabensten, sie erwachsen, um zu ragen und zu schweigen, ihr Rauschen oder Säuseln ist nicht von ihnen selbst verursacht, es wird angeregt ausschliesslich von bewegter, bewegender Luft.
Die Schönheit und Würde jedes Baums ist unbegriffen, bleibt unbegreiflich, zu beschreiben ist sie schon gar nicht.
Die mächtige Stämmigkeit und Beständigkeit der hochragenden Bäume steht in gespanntem Verhältnis zu ihrer eleganten minimalen Elastizität.
Jeder Baum „stammt“ und „stimmt“ auf eigene Weise, wird mir, bei einlässlicher Betrachtung, zum Denkmal: Denk mal darüber nach, was für eine Naturfabrik das ist, ein Baum − welche chemischen und biologischen Prozesse, welche physikalischen Gesetze in ihm wirksam sind.
Im Unterschied zum eigens errichteten Denkmal aus totem Material, das stets nur für Vergangenes steht (der Sockel symbolisiert’s), markiert der Baum − statt eines Sockels hat er Wurzeln − reale Gegenwart und lässt immer auch an Zukunft denken.
aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne








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