Rede

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Vom Wissen als Hinderungsgrund starken Denkens und Schreibens handelt auch Rabbi Nahman; wer stark, also auf neue Weise sich artikulieren wolle, müsse, meint er, »so tun wie jemand, der nicht weiß«. Das ist, nicht zuletzt, kritisch an die Meister … an die Autoren adressiert, welche die Sprache zu beherrschen glauben und deshalb, wie sie glauben, das Sagen … die Wahrheit haben. Dagegen führt Nahman an, daß der einzelne überhaupt und besonders eben der Meister-Autor, niemals selbst rede; daß er vielmehr geredet werde.
»Der redende Mensch wird geredet, er wird geredet durch die Rede der Institutionen, die dogmatische Rede. Noch bevor er geboren wird, ist der einzelne bereits geredet worden, einfach deshalb, weil die Institutionen existieren und funktionieren.« Freilich scheint Nahman dieses Geredet-Werden, das ja wohl auch das Geerdet-Sein des Menschen bewerkstelligen, jedenfalls ermöglichen soll, als ungute Fatalität einzuschätzen, als eine Art Redezwang, eine Art von Fernsteuerung des einzelnen durch eine längst institutionalisierte und automatisierte Fremdsprache, die ihn lebenslang der Sprachfremde aussetzt.
»Die stets verfügbare Rede ist die Rede der Institutionen und die der öffentlichen Meinung.« Von daher, vermute ich, kommt beim Rabbi von Bratzlaw die hohe Wertschätzung des Fragens wie auch des Schweigens vor jeglichem affirmativen oder dogmatischen Reden.
Die einzig mögliche Rede vom Erhabenen, Heiligen, und mithin deren höchste Ausdrucksform ist Schtika, das Schweigen als Frageform: »Die Fragen, welche aus der Leere kommen, gehören dem Reich des Schweigens an. Es gibt weder den Verstand noch die Sprache, um auf sie zu antworten.« Die Sprache muß also, um wahrhaftig zu sein, verstummen; nur so wird sie stimmen.

 

aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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