DIE KLEINE DUNKLE GASSE
In den kleinen dunklen Gassen
wachsen Perlen auf den Wiesen,
die sich von den Schloßterrassen
über Nacht herüberbliesen.
Diese kann man ernten, zähmen
oder kochen, nach Belieben,
weil sie sonst zu Staub verkämen
und als Würmer übrig blieben.
Wer sie kocht und ißt, kann fliegen
zu den Finken auf Formosa
oder sich im Walzer wiegen,
teils in Reimen, teils in Prosa.
Ja, die kleinen dunklen Gassen
kann ich jedermann empfehlen.
Sie sind einsam und verlassen,
aber köstliche Juwelen.
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Zufällig in San Francisco – Unbeabsichtigte Gedichte
Manche Gedichte in diesem Buch sind absurd, die kommen der Wahrheit am nächsten. Man schreibt sie nicht absichtlich, sie werden einem eingeflüstert, sind also unbeabsichtigte Gedichte. Ich fange jeden Morgen an zu dichten und höre erst abends damit auf, das heißt: Ich werfe das Gedichtete in den Papierkorb, und falls der Papierkorb schon voll ist, lege ich es statt dessen in eine Schublade und vergesse es. Dann kommt es, ebenfalls unbeabsichtigt, in ein Buch wie dieses.
Einem Gedicht muß man gehorchen, während man es schreibt, denn in einem halbwegs guten Gedicht ist alles wahr, auch das Gegenteil. Man kann einem Gedicht gleichgültig gegenüberstehen, aber das Gedicht selbst ist dir gegenüber nie gleichgültig, es fordert dich heraus. Meine Gedichte sind aber nicht nur unbeabsichtigt, sie sind auch verbesserungsbedürftig, wie jedes Gedicht. Wer ein Gedicht schreibt, darf nicht sterben, denn er muß seine Gedichte immer weiter verbessern.
Viele Leute meinen, daß vor allem unsere Welt verbesserungsbedürftig ist und daß Gedichte lediglich ihren Teil beitragen können. Aber jeder Dichter weiß, daß er nichts beitragen kann, er kann höchstens seine Gedichte verbessern, nicht die Welt, denn die Welt ändert sich nicht durch Nachdenken, sondern durch Taten. Allerdings, wer Taten vollbringen will, um die Welt zu verbessern, muß verrückt sein, zum Beispiel: Wozu wollte Napoleon die Welt erobern? Was hätte es ihm genützt, wenn er erfolgreich gewesen wäre? Er hätte nachdenken sollen, damit hätte er Erfolg haben können. Phantasie ist gesund, und Napoleon war verrückt.
Gelegentlich muß man gegen seinen Willen tätig werden, um intelligenten Verrückten wie Napoleon das Handwerk zu legen, darauf weise ich auch in einigen meiner Gedichte hin. Wer aber unnötigerweise tätig wird, um Abenteuer zu suchen, ist auf einem der vielen Holzwege. Napoleon steht heute unkommentiert in den Geschichtsbüchern, es hat ihn leider gegeben, das ist alles. Aber über Nachdenker wie Nietzsche zerbricht man sich noch immer den Kopf. Die haben überlebt und werden noch lange überleben, um uns zu begeistern.
Dichter überleben heutzutage nur selten. Shakespeare, zum Beispiel, war tot in dem Moment, in dem jugendliche Regisseure ihre schmutzigen Hände nach ihm ausstreckten. Goethes Tod ist noch nicht amtlich bescheinigt, aber es kann nicht mehr lange dauern. Einige Komponisten wie Mozart oder Gershwin überleben, aber die meisten toten Überlebenden sind Architekten, denn Pyramiden oder Kathedralen sind schwer zu zerstören.
Mir tut jedes Gedicht, das ich geschrieben habe, ein bißchen leid, denn nichts wird so unhöflich abgefertigt wie ein Gedicht. Längere werden nicht zu Ende gelesen, kurze liest man naserümpfend von oben herab, und wenn die Zeilen sich reimen, hält man sie für Kinderlektüre. Aber Kinder lesen heute nicht mehr, sondern überlegen, ob sie Verbrecher werden sollen oder nicht. Was generell übersehen wird, ist, daß ein gutes Gedicht unter anderem schön ist, manchmal so schön, daß es weh tut. Kein Gedicht ist eine Insel. Wir leben in einer Welt von „du oder ich“, und ein Gedicht heißt: Beide. Aber ich muß mich nicht rechtfertigen, denn es sind ja unbeabsichtigte Gedichte.
(…)
Georg Kreisler, Auszug aus dem Vorwort, 2010
„Manche Gedichte in diesem Buch
sind absurd, die kommen der Wahrheit am nächsten. Man schreibt sie nicht absichtlich, sie werden einem eingeflüstert, sind also unbeabsichtigte Gedichte.“ Die unbeabsichtigten Gedichte von Georg Kreisler haben es in sich. Scheinbar leichthin und beschwingt geschrieben, verweisen sie auf Abgründe und Absonderlichkeiten. Der Dichter ordnet die Welt, indem er sie erfindet. Er erfindet sie, um sie vorzeigen zu können. Kreisler erweist sich in diesem, seinem ersten ausschließlichen Lyrikband als ein ebenso hellsichtiger wie subtiler Dichter.
„Hüte dich vor Kompromissen! / Das sind keine Leckerbissen. // Meide jede Konzilianz, / denn die nagt an der Substanz.“
Verbrecher Verlag, Ankündigung
Unbeabsichtigte, absichtliche Gedichte
− Es ätzt und juckt. Georg Kreisler legt einen Lyrikband vor. −
Kreisler zitiert Max Beerbom: „Wenn man ein Schaf auf zwei Beine stellt, ist es deswegen kein Mensch. Aber wenn man eine ganze Schafherde auf zwei Beine stellt, ist es ein Publikum.“ Das laute Lachen im Leipziger Centraltheater quittierte Georg Kreisler mit dem Satz: „Das ist nicht nur komisch, sondern auch richtig.“ Und weiter: „Das Publikum ist grausam, fast so grausam wie ein Literaturkritiker, wobei ein Publikum, im Gegensatz zum Kritiker, intelligent ist.“
Der Autor, Komponist und Satiriker hat seinen ersten Band ausschließlich mit Lyrik vorgelegt, stellte diesen zur Leipziger Buchmesse vor. „Zufällig in San Francicso – unbeabsichtigte Gedichte“ heißt das Buch, das jüngst im Berliner Verbrecher Verlag erschienen ist. Das Wort „unbeabsichtigt“ erklärt Kreisler im Vorwort so: „Ich fange jeden Morgen an zu dichten und höre erst abends auf, das heißt: Ich werfe das Gedichtete in den Papierkorb, und wenn der Papierkorb schon voll ist, lege ich es stattdessen in eine Schublade und vergesse es. Dann kommt es, ebenfalls unbeabsichtigt, in ein Buch wie dieses.“ Seine Texte nennt der nunmehr 87-Jährige „verbesserungswürdig“, und folgert: „Wer ein Gedicht schreibt, darf nicht sterben, denn er muss seine Gedichte immer weiter verbessern.“
Das Buch enthält 50 Gedichte und drei längere Texte; neben Betrachtungen übers Dichten an sich wird einmal mehr in ihnen ein roter Faden sichtbar, der auch Kreislers Lieder, die er seit 2001 nicht mehr selber aufführt, durchzieht: die Geschichte von Emigration, Exil, die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus, eine politisch-satirische Abhandlung von Militarismus und Duckmäusertum und ätzende Gesellschaftskritik. Aber auch die nachdenkliche Auseinandersetzung mit dem Alter findet sich in mancher Zeile.
Das Exil ist etwas, das Kreisler, 1922 in Wien geboren und 1938 mit seiner Familie von den Nazis zur Emigration in die USA gezwungen, prägt: „Während man ein Gedicht zu Papier bringt, ist man allein und, ganz ähnlich, wenn man verfolgt wird, ins Exil geht oder träumt, ist man allein. […] Exil ist nicht traurig, Exil ist definitiv.“
Zusammen mit seiner Frau, der Schauspielerin und Sängerin Barbara Peters, las Kreisler im März im Centraltheater. Mit klarer Stimme, wachen Augen und einer Mimik, die alleine Bände spricht, brachte er das Publikum mit, einzelnen Zeilen oder ganzen Passagen immer wieder zum Lachen – nur einen Satz weiter blieb das Lachen aber wieder im Halse stecken.
In Händen hält man ein hellblaues, freundlich daherkommendes Buch mit teils unfreundlichem Inhalt, garstigen Betrachtungen und Einschätzungen. Gefällig gereimt wird es sicherlich dem einen oder anderen bürgerlichen Leser ein freundliches „Hohoho!“ entlocken oder ein erzürntes „Das geht nun wirklich zu weit“. Gerade das macht die „unbeabsichtigten Gedichte“ so lesenswert: „Ein Gedicht ist eine rundum glückliche Sache, außer für den Dichter. Die meisten Leute glauben zu wissen, was sie sich wünschen, dabei wünschen sie sich nur, was man ihnen einredet, ein Gedicht hingegen will nichts vom Leser, ein Gedicht muss der Mensch lesen wollen, über ein Gedicht muss er nachdenken wollen.“
KUNST
Da wundert man sich über gar nichts mehr!
Es liegen mir Dornen zu Füßen,
und der Fürst von Trabant und die Bundeswehr
lassen mich herzlich grüßen.
Und mein Nachbar hat meine Schulden bezahlt,
und der Papst wurde heute ertränkt,
und der Fink und der Funk und der Staatsanwalt
haben mir einen Goldfisch geschenkt.
Und ein Pferd hat genau vor der Oper gekotzt,
und ein Löwe hat’s aufgefressen.
Eine schöne Frau hat mit angeglotzt
und mich dann als Nachtisch gegessen.
Und die Blumen und Bäume blühen in pink
und die Nachtigallen in blau.
Meine Frau wurde plötzlich ein Schmetterling
und ein Schmetterling meine Frau.
Da hab ich gerufen: Das ist alles so schön!
Paßt auf, daß es nicht wieder kracht!
Und blutüberströmt blieben alle stehn
und haben mich ausgelacht.
Jörg Meyer, Neues Deutschland, 7.4.2010
Anklangreiche Träume. Kreisler, Georg: Zufällig in San Francisco
− Wo sich „Adieu“ auf „Paprikatee“ reimt: Über die eigenwillige Lyrik von Georg Kreisler. −
Was haben Friedrich Hölderlin und Georg Kreisler gemeinsam? Nichts. Deshalb erhält Kreisler den Friedrich Hölderlin-Preis 2010 der Stadt Bad Homburg. Das ist aber nicht der einzige Widerspruch im Leben dieses alten Mannes. Der 1922 in Wien geborene Jude Kreisler musste 1938 mit seinen Eltern in die USA flüchten, begann dort eine Musikerkarriere, kehrt 1955 nach Österreich zurück und erlangte als musikalischer Kabarettist und „schwarzer Lieder“-Macher im deutschsprachigen Raum hohe Popularität.
Doch der großartige „Kleinkünstler“ Kreisler will schon seit langem nicht mehr als solcher gelobt und geliebt werden, sondern als ein richtiger, ernsthafter Dichter. Den Wunsch erfüllt ihm die Hölderlinpreisjury insofern, als sie darauf hinweist, dass Kreisler „mit Liedern, Gedichten und Stücken, erzählenden und autobiographischen Schriften . . . im freundlichen Asyl der Künste Refugien gesucht und gefunden“ hat, und indem sie feststellt: „Ihn im Namen Hölderlins auszuzeichnen, heißt, mit dem Wechsel der Töne auch dem dauerhaft poetischen Rang seines Œuvres Reverenz zu erweisen“.
Wie beschaffen dieser Rang ist, erweist sich anhand der Lektüre des jüngsten Kreislerwerks, das prosaische und lyrische Stücke enthält. Zum Beispiel ein Vorwort, in dem sich der Autor – wie schon so viele vor ihm – mit Karl Kraus anlegt („eine Modeerscheinung, die Staub aufgewirbelt hat“ und „viel Unheil angerichtet“), diesen der Sprachunbeherrschung zeiht und eines Besseren belehren will, und sich dadurch – wie schon so viele vor ihm – bloßstellt und blamiert.
Gewiss kann und darf man den Kraus’schen Gedanken und Argumenten über Wesen, Sinn und Zweck des deutschen Reims kritisch begegnen, aber nicht auf einem Oberlehrerniveau, wo jemand, weil er ja selber Reime schmiedet, allerdings „auf natürliche Weise“, das Sprachkunstbild „in des Wortglücks Augenblick“ kurzerhand als falsch bezeichnet und, gönnerhaft aus dem Born seines seichten Sprachverstands schöpfend, richtigstellt: „Was er meint, ist natürlich der glückliche Augenblick, in dem einem Dichter das richtige Wort einfällt“. Zum Beispiel: in des Wortglücks Augenblick. Doch das versteht der Kreisler nicht. Auch das hat Kraus schon vorhergewusst: „Die Blinden wollen nicht zugeben, daß ich Augen im Kopf habe, und die Tauben sagen, ich sei stumm“.
Mit einem Wort: Kreisler hat vom Dichten wie vom Reimen eigene Vorstellungen und Ansichten. „Träumen ist ganz genau dasselbe wie dichten“, dichtet er. „Wer das begriffen hat, macht vielleicht Karriere.“ Aber Vorsicht! „Allerdings ist dichten nicht dasselbe wie träumen. / Das wäre ja einfach, wenn es so einfach wäre.“ Und gereimt ist das auch (wie alle Gedichte dieses Bändchens)! Denn, wie Kreisler konstatiert: „manche Dichter können einfach nicht reimen, / und ich kann’s“.
Als wär’s ganz einfach. Und wenn sich die in seinen Gedichten entfaltende Leichtigkeit des Reims mit schönem Wortglück paart, entstehen so seltene Reimpaare wie diese: Krokodil – Profil, Verschnürung – Globalisierung, erzählt – geölt, Juli – Patschuli, Töchter – Gelächter, Erdbeeren – wert wären, Formosa – Prosa, renitenter – Einkaufs-Center, Paprikatee – Adieu.
Erinnert das nicht an Fritz Grünbaum und Karl Farkas? Gewiss, wie ja Kreislers Lyrik überhaupt, auch in Tonfall und Thematik, eine sehr anklangreiche ist: man erkennt Spurenelemente u.a. von Ringelnatz, Kästner, Tucholsky, Eugen Roth, Wilhelm Busch, ja sogar von Heine. Kreisler beschäftigt sich in seinen Gedichten mit der Kunst und den Künstlern, dem Lauf der Zeit, dem Leben, der Zukunft, dem Paradies, häufig mit sich selbst, und stellt sich dabei als ein romantisch-melancholisch-konservativ empfindsames Ich dar, das seine lyrischen Produkte so versteht: „sie sind weniger schöpferisch als interpretativ, eher naiv, Träume eines Schauspielschülers, die der Berufsschauspieler vergessen hat“.
Und wenn der aus seinen Träumen erwacht, paraphrasiert er vielleicht Hölderlin: Größers wolltest auch du, aber das eigne Talent zwingt / All uns nieder . . .
David Axmann, Wiener Zeitung, 10.4.2010
Vom Gedicht überrascht
− Wer hätte das gedacht: Georg Kreisler entpuppt sich im fortgeschrittenen Alter allen Ernstes als veritabler Lyriker: Eine Entdeckung. −
„Dieser Text ist verschwunden.“
Wulf Segebrecht, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.6.2010
„Zufällig“ so gute Gedichte schreiben, kann nur einer wie er
Einer, der schon lange Dichter war, bevor es bemerkt wurde. Georg Kreisler ist eher als Chansonnier oder Kabarettist bekannt denn als Schriftsteller. Welches Kaliber er hat, zeigt sein jüngstes Buch, ein Lyrikband, der auch drei Essays umfasst. Der Hölderlin-Preis der Stadt Homburg, den er am 6. Juni 2010 – kurz vor seinem achtundachtzigsten Geburtstag – verliehen bekommt, gebührt ihm allemal.
„Ich weiß nicht, was mich bewog, Gedichte zu schreiben, vielleicht das Wetter.“, lautet Kreislers überzeugendes Understatement. Was immer ihn bewogen hat, seine Gedichte bewegen den Leser. Sei es, wenn ein Reh auf eine Lichtung tritt, „dann trittst du unwillkürlich mit“. Sogar falls sich herausstellt, dass das Reh womöglich keins ist, denn „in einem halbwegs guten Gedicht ist alles wahr, auch das Gegenteil.“ Machen Sie sich keine Sorgen, Kreisler nimmt Sie an der Hand. Er weiß, ein Gedicht wird nicht vom Publikum gelesen, sondern von einzelnen Menschen. Mit jedem Satz sucht er nach der Wahrheit, mit jedem Vers nach dem, was er sagen will.
„Die Wahrheit soll ein Abgrund sein. / Leider springt kein Mensch hinein. / Er weiß, wer eine Wahrheit sieht, / fällt tot in Ohnmacht und entflieht.“
Schon bei den Liedern, mit denen Kreisler bekannt wurde, spielte der Text die Musik. Das Klavier verpackte die Worte so, dass einem ihre Bedeutung wie von selber ins Ohr schlüpfte. Die vorliegende Sammlung übertrifft die berühmten Lieder aus den 50er Jahren (wie „Taubenvergiften im Park“) fast noch an Vielschichtigkeit. Man kann einem Autor nur gratulieren, der die Dichtheit seiner Sprache bis ins hohe Alter zu konzentrieren weiß. „Das Wort ist die größte Sünde, / da müssen Sie vorsichtig sein. / Ja, alles hat seine Gründe / und seinen Gesangsverein.“
Kreislers Gedichte sind Pluralwesen, jedes für sich eine Persönlichkeit. Sie treten als Regisseur auf, als alte Tanten, als Tausendsassa, Heimatloser und ja, auch als Pessimist, können Freunde sein, eine Maschine, oder gar die ganze Kunst. In jedem Fall bleiben sie Ich, ganz Privat. „Es ist kein großer Unterschied zwischen Gedichten und Menschen, aber vielleicht fällt das nur mir auf. Andere können einwenden, dass Gedichte nicht auf Diät gehen oder die Fahrprüfung machen, aber andererseits gibt es männliche und weibliche Gedichte, und nur die weiblichen können Kinder kriegen.“ Sie ähneln ihrem Schöpfer, wie sich’s gehört. Sie nehmen keine Rücksicht auf Moden und kommen geschneidert daher – nach dem Maß des Dichters. Reime sind erlaubt und mehr als das. Sie müssen sich nicht verschämt irgendwo mitten in der Zeile herumdrücken, chamäleonartig im Schatten sitzen, um erst viel weiter unten einen Gleichklang zu finden, nein, fröhlich und klar, wie Hüte und spitze Schuhe, geben sie die Kontur. Wenn das der Einfluss des Amerikanischen ist – Kreisler lebte von 1938 bis 1955 in Hollywood und New York – so hat er sich das Beste angeeignet.
Kreislers Figuren werden von dem Zufall umhergetrieben, der das Leben ist. Das Pech lauert überall, zum Beispiel in Form eines Menschenpräsidenten oder eines kritischen Moments, der alle Menschen in ein Zimmer bündelt. Ehrgeizig sind diese Gestalten nicht und doch vertraut man darauf, dass sie einen Ausweg finden. Dem kritischen Moment könnte ja beim Anblick der Erde derart grausen, dass er auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Man verzweifelt hoffnungsvoll. „Meine Welt ist überall. / Gott sei Dank, sie ist misslungen. / Seinerzeit mit lautem Knall, / ist sie mir vom Leib gesprungen.“
Sprachlich überlässt der Autor nichts dem Zufall. Abstrakte Begriffe wie die „Zukunft“ knetet er zu greifbaren Dingen, die man aufklauben kann, betrachten und irgendwo anders hinlegen. Wo seine Gedichte in wenigen Zeilen ganze Lebenswege entwerfen, sind sie so liebenswürdig, dass man sie in den Arm nehmen und gar nicht mehr gehen lassen möchte. „Wenn ich nicht ich wär, möchte ich du sein, / säß dir im Hirn und wäre gescheit. / Wenn ich ein Tier wär, könnt ich ein Gnu sein, / spränge zu dir und täte dir leid.“ Leider hat die Angebetete in „Die Liebe“, eben weil sie du ist, schon einen Gunther. Der Erzähler sieht schwarz und beschließt, sich gleichzeitig zu erstechen und aufzuhängen.
Kaum etwas wirkt ausgedacht, das ist das Besondere bei Kreisler. Er ist ein Intellektueller, der sich den Zugang zu seinem Kinder-Ich erhalten hat. Kinder wären gute Dichter, wenn sie keine Kinder wären, schreibt er. Wieder einmal hat er recht, wie auch in seiner Autobiographie, wo es heißt, „Kein künstlerisches Werk darf sich sein Ende als Ziel setzen. (…) Wer sich ein Ziel setzt, wird nervös.“
Andrea Grill, literaturhaus.at, 25.5.2010
Ein Sprachjongleur
− Die „unbeabsichtigten“ Gedichte des Wiener Kabarettisten Georg Kreisler sind von beeindruckender gedanklicher Schärfe. −
Man kennt ihn als Taubenvergifter im Park, als Onkel Joschi oder als einsamen Triangelspieler in der Oer – kurzum als Mann am Klavier: den Wiener Autor, Komponisten und Interpreten seiner eigenen Chansons: Georg Kreisler (geboren 1922). Seit Anfang der 1960er-Jahre geht er mit seinen makabren und grimmigen Liedern gegen eine unheile Welt vor. Literarisch in der Tradition von Wedekind, Ringelnatz und Morgenstern stehend, waren seine Vorträge, ob Kunstlied oder Gassenhauer, stets musikalisch virtuos und vielgestaltig. Später wurde Kreisler kritischer, sein Protest direkter und seine Texte provokanter.
Im fortgeschrittenen Alter entpuppt oder versucht sich Georg Kreisler nun als „ernsthafter“ Lyriker. Doch was heißt hier „ernsthaft“? Eigentlich war er in seinen Chansons und Kabarett-Couplets schon immer Lyriker. Wir haben es bei aller Komik nur nicht gemerkt.
Im Berliner Verbrecher Verlag sind nun unter dem Titel Zufällig in San Francisco fünfzig Gedichte erschienen. Der Untertitel „Unbeabsichtigte Gedichte“ unterstreicht noch einmal die angebliche Zufälligkeit ihrer Entstehung. „Man schreibt Gedichte nicht absichtlich, sie werden einem eingeflüstert, sind also unbeabsichtigte Gedichte.“
Der Autor hat seine Verse fein aufgeteilt und verpackt: Vorwort, 25 Verse, Zwischenwort, 25 Verse, Nachwort.Fast scheint es, als wolle der Verfasser seine Gedichte nicht unkommentiert unter die Leser bringen. Immerhin nehmen die umfänglichen Kommentare in seinem Buch fast 30 Seiten ein.
Obwohl Georg Kreisler sein Vorwort mit der Feststellung beginnt, manche Gedichte in diesem Buch seien „absurd“, kämen damit aber „der Wahrheit am nächsten“, sind die meisten Gedichte von einer beeindruckenden gedanklichen und sprachlichen Schärfe. Andere sind beschwingt, aber immer zeigt sich Kreisler als veritabler Sprach-Jongleur.
Ganz kann der Autor jedoch seine kabarettistische Vergangenheit nicht ablegen und so sind seine „unbeabsichtigten Gedichte“ nicht nur nachdenkliche Verse sondern kommen oft auch schelmisch und mit einem morbiden Charme daher. Vor allem aber sind sie eine glänzende Gelegenheit, den Dichter einmal von einer anderen Seite kennenzulernen.
Manfred Orlick, literaturkritik.de, 8.8.2010
Der Schmäh als Fratze
− Georg Kreisler erhält den Hölderlin-Preis und veröffentlicht einen Band mit „unbeabsichtigten Gedichten“. −
Wenn der Chansonnier Georg Kreisler am 6. Juni dieses Jahres, einen guten Monat vor seinem achtundachtzigsten Geburtstag und rechtzeitig zum Erscheinen seines Lyrikbandes Zufällig in San Francisco, mit dem Hölderlin-Preis ausgezeichnet wird, beruht diese Ehrung auf einem mehrfachen Missverständnis.
Einerseits kommt sie zu spät: Denn wer hätte einen Literaturpreis, dem ein des Jakobinismus verdächtiger, gleichwohl als Klassiker rubrizierter romantischer Idealist den Namen gibt, früher erhalten dürfen als er? Andererseits kommt sie zu früh: Denn anders als die meisten Liedermacher, die noch gelegentlich mit ihrem Repertoire durch die Lande tingeln, hat Kreisler sich im Alter stark verändert. Er hat Romane und eine Autobiographie geschrieben und viele seiner Lieder umgetextet, weil sie ihm nicht mehr zeitgemäß erschienen. Statt auf sein Lebenswerk wie auf ein Denkmal zurückzublicken, behandelt er es als work in progress.
Damit freilich potenzieren sich die Missverständnisse. Es könnte nämlich der Eindruck entstehen, Kreisler werde geehrt, weil er noch immer schöpferisch und wandlungsfähig sei – einer jener jungen Alten, die unsere obsessiv agile Gegenwart so schätzt. Das jedoch ist ebenfalls falsch. Denn zum einen war die Entwicklung, die Kreislers Werk in den vergangenen Jahren genommen hat, nicht unbedingt eine zum Besseren. Zum anderen wäre es ungerecht, ihn am ästhetischen Gestus jener Klientel zu messen, die sich in Deutschland Liedermacher nannte und die Jugend gepachtet zu haben glaubte. Im Gegenteil lässt sich Kreislers Schaffen, auch wenn ihm selbst dies nicht bewusst sein mag, als Gegenentwurf zum Unwesen deutscher Liedermacherei verstehen.
Gegenstück zu Biermann
Die Bewegung der Liedermacher, die ihre Wurzeln in den frühen sechziger Jahren hat und sich im Zuge der Studentenbewegung politisierte, hatte mit dem französischen Chanson und dem populären jüdischen Lied, auf die sie sich teilweise berief, wenig gemein. Das Chanson und der jüdische Schlager, wie er in der Weimarer Republik populär gewesen ist, waren Erscheinungsformen urbaner Unterhaltungskultur. Ihr Blick auf die Moderne war melancholisch und euphorisch zugleich. Sie betrauerten den Verlust überkommener Sicherheiten, die Liquidierung des Zweckfreien in einer nüchternen Gegenwart, aber sie priesen auch die Leichtigkeit, Frivolität und Wurzellosigkeit der Stadt. An den Chansons von Georges Brassens, aber auch an den jüdischen Schlagern eines Max Hansen oder Willi Rosen aus den zwanziger Jahren, die Kreislers „Nichtarischen Arien“ ähneln, lässt sich dies erkennen.
Die deutschen Liedermacher dagegen waren Nachkommen der Jugendbewegung. Sie verachteten Zivilisation, Amerikanismus, Technik und Abstraktion und verherrlichten die bodenständige, basisdemokratische Kameradschaft. Kreislers wichtigstes Instrument, das Klavier, zu dessen Virtuose er als Emigrant in amerikanischen Bars geworden war, blieb den Liedermachern, die Klampfen und weltmusikalischen Klimbim bevorzugten, immer fremd. Und seine poetischen Verfahrensweisen – das surreale Lautspiel, die Sprachkritik, Kalauer und Nonsense – stammen aus ästhetischen Traditionen, die es in Deutschland, anders als in Österreich, immer schwer hatten.
Dennoch waren es die Liedermacher, die Kreisler hierzulande einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machten. Im Zuge dieser Popularisierung entstanden eine Reihe von Schallplatten, die Kreisler zwischen 1968 und 1975 teils mit seiner damaligen Partnerin Topsy Küppers, teils allein eingespielt hat: Anders als die anderen von 1969 mit dem eindringlichen kleinen Lied „Warum?“, einer Art lakonischem Gegenstück zu Wolf Biermanns großmäuliger Ermutigung im Steinbruch der Zeit; die Vorletzten Lieder von 1972 mit ihrer Mischung aus Militanz und Surrealismus; schließlich „Allein wie eine Mutterseele“ und „Purzelbäume“ von 1974 und 1975, die gegen blinde Politisierung und autoritäre Staatsverherrlichung einen konzessionslosen Individualismus vertraten. Politisch im Sinne des politischen Liedes ist kaum eines der dort versammelten Stücke. Ihr Medium ist die Parodie, die den Jargon der Reaktion adaptiert, um ihn gegen sich selbst zu kehren, wie es auch in Kreislers Wiener Liedern geschieht, die den Schmäh als Fratze der Inhumanität entlarven. Und wo die Liedermacher in Flugblattmanier zur Revolution aufrufen, zeichnet Kreisler das Bild einer besseren Zukunft in einer klang- und unsinnsverliebten Sprache in der Nachfolge von Ringelnatz und Morgenstern, etwa in seinen Liedern „Der Tag wird kommen“ oder „Die Schizophrenie“.
Dass sich Kreislers Werk jeder Forderung nach politischer Eindeutigkeit und identitärer Parteinahme verweigert, merkten auch die Liedermacher schnell, die ihn nie ganz als einen der ihren akzeptierten. Was Kreisler selbst auch nicht wollte. Statt dessen kooperierte er in späteren Jahren mit dem Chansonnier Tim Fischer, dessen Varietétimbre Kreislers schillernden Chansons besser entspricht. Gewisse Zugeständnisse an die Forderung nach Eindeutigkeit und Konsumierbarkeit hat er im Alter aber doch gemacht. Fast keines seiner Lieder aus den sechziger und siebziger Jahren hat er in den zahlreichen Bearbeitungen für Neuaufnahmen unverändert gelassen. Aus einem Anarchismus der Form ist auf diese Weise oft genug platte Gesellschaftskritik geworden.
Angemessene Flapsigkeit
Die in Zufällig in San Francisco versammelten Gedichte und Skizzen setzen diese Tendenz fort. Die Neudichtung des Nonsens-Klassikers „Zwei alte Tanten tanzen Tango“ etwa kommt als parodistische Texterklärung daher und nennt die enigmatischen Titelfiguren „zwei Emanzen“, die „in Mähren aufgewachsen und gestorben“ seien. Auch wenn solche scheinbaren Konkretisierungen am Ende ad absurdum geführt werden („Doch beim Dichter nachzufragen / schafft das größte Unbehagen“), erreicht der Text nicht die Dichte und Radikalität des früheren, der sich ohne jede selbstreflexive Koketterie dem deutenden Zugriff verweigert, indem er ganz und gar auf seine Sprachform vertraut.
Die Neigung, Aussagen, die in früheren Gedichten in der ästhetischen Form enthalten sind, unmittelbar auf die Inhaltsebene zu übertragen, ist vielen der hier versammelten Texte eigen. Manchmal entsteht eine angemessene Flapsigkeit, die an die Lyrik von Tucholsky oder Mascha Kaléko erinnert. Etwa in dem Gedicht „Außenpolitik“, das auf den Streit zwischen „altem Europa“ und „neuer Welt“ Bezug nimmt, um Europa als Gesellschaft der „Soundsos“ und „Gernegroße“ bloßzustellen:
Auf einer Insel irgendwo
sind die United States,
und manchmal fliegt Herr Soundso
dorthin und fragt: Wie geht’s?
(…)
Amerika ist beispiellos,
ist groß und voller Kraft,
Europa wäre gerne groß
und hat’s noch nicht geschafft.
Oder in „Ein Ärgernis“, wenn Kreisler sich gegen das populäre Gerücht wehrt, er sei ein „Kabarettist“. Oft genug aber bedienen die Texte abgeschmackte populistische Vorurteile – gegen die da oben („Wir sind da, um zu schuften und notfalls zu dienen / den Bossen, den Herrschern, dem Geld, den Maschinen“); gegen die Kapitalisten („Bewerbe Konsumenten / und brate Konkurrenten!“); gegen „die Behörden“, „die Religion“ und so weiter. Als wollte Kreisler endlich doch noch ein gewöhnlicher „politischer Dichter“ werden.
Freilich gibt es auch mehrere Ausnahmen von dieser Tendenz, Texte, in denen die spinnert-melancholische Phantasie der früheren Chansons aufleuchtet. Zu ihnen gehört das titelgebende Gedicht „Schwache Stunden“, in dem das lyrische Ich am „Strand von San Francisco“ den „Mond“ beobachtet, der „eine alte Narbe“ in ihm aufzureißen scheint. Oder „Das geheime Tor“, ein ebenso makabres wie heterodoxes Bekenntnis zum Judentum und zu Israel, dem Land, in dem das Ich sich vornimmt, „die Bibel wegzusingen“ und „die Tauben umzubringen“, womit sich Kreislers berühmtes Lied vom „Taubenvergiften“ rückblickend nicht zuletzt als ein Angriff auf die verlogene Friedenseligkeit der postnazistischen Ära erweist. Wenn der Hölderlin-Preis Kreisler für solche Zeilen zugesprochen wird, ist er doch nicht nur ein Missverständnis.
Magnus Klaue, der Freitag, 1.6.2010
Des geht sie scho aus!
– Großartiges neben Kleinkalibrigem: Als Dichter hat Georg Kreisler zwar zu Recht Selbstzweifel gehabt, aber sich stets die Geste des freien Geistes bewahrt. –
Die ständige Unzufriedenheit mit dem eigenen Geschreibsel ist schwer zu ertragen, so unzufrieden mit seiner Arbeit ist kein Rechtsanwalt, kein Arzt, kein Maurer, kein Tischler.
Dieser Satz aus dem Vorwort des pointierten Zweiflers Georg Kreisler zu seinem Gedichtband Zufällig in San Francisco nimmt einen Eindruck vorweg, den die Lektüre seiner Verse ebenso erzeugen kann – und soll. Zum Glück wissen wir um die immensen Verdienste des charmanten, zerrissenen, zänkischen Alten.
Ein Kritiker hat mich bezeichnet als Kabarettisten!
Und tatsächlich umreißt der Begriff ,Kabarett‘ nicht entfernt das Spektrum des augenzwinkernden Schwarzsehers. Der ungereimten Kleinschreibungslyrik abhold, spannt Kreisler seine Themen weit (und manchmal breit) über den Ozean. Dieser durch und durch säkulare Österreicher mit jüdischen Wurzeln, der vor den Schergen eines anderen Österreichers in die USA emigrierte (unfreiwilliger Transatlantiker!), hat eine Menge im Rucksack: die Nüchternheit des Weitgereisten, den bitteren Humor des Ausgegrenzten, die souveräne Geste des freien Geistes. Ein zuverlässiger Parteigenosse ist er nicht und will er nicht sein. Sein Publikum sieht sich in ihm wie in einem Zerrspiegel. Die desillusionierte Bürgerlichkeit artikuliert sich in Kreisler in mehr als ihrer Befindlichkeit: Die Zeitläufe haben ihre Wunden in den Künstler geschlagen. Auf kein Pferd zu setzen, scheint ihm die beste Option.
Mir tut jedes Gedicht, das ich geschrieben habe, ein bisschen leid, denn nichts wird so unhöflich abgefertigt wie ein Gedicht.
Darauf folgt eine unhöfliche Abfertigung von Karl Kraus, der „in seiner grenzenlosen Eitelkeit und Selbstüberschätzung auch fragwürdige Gedichte geschrieben“ habe. Nun, sein amerikanischer Kollege Tom Lehrer wüsste Selbiges über Kreisler zu sagen. Bereits die schöne Stabreimerei des Originaltitels „Poisoning Pigeons in the Park“ weist allein T. Lehrer als den Urheber aus. Wie sollte Kreisler ahnen, dass ausgerechnet ein Kuckucksei sein Signature Song werden würde? Bar jeden handwerklichen Mangels findet sich Großartiges neben Kleinkalibrigem, abgezirkelt Konzises neben wild Assoziiertem. Und nicht selten – wie hier in der Schlussstrophe des Gedichts „Die Maschine“ – taucht sie auf, die verschmitzt vorgetragene Sorge, dazuzugehören:
Sie sind Professor und Soldat,
Equilibrist und Demokrat,
und sie besitzen ein Mandat
als Konkubine.
Und eines Tages, fürchte ich,
entdeckt man mich versehentlich
und kommt hierher und schleudert mich
in die Maschine.
Was sich nebenbei von Kreisler lernen lässt, ist die Fertigkeit, nach dem Erfolg zu schielen, ohne betriebsblind zu werden. Der Mann konnte den Opportunismus auf den Tod nicht ausstehen, auch wenn er sich ihm bisweilen lieber durch Flucht entzog, als zu widerstehen.
In der Mitte des Buchs steht ein „Zwischenwort“, das fast allein die Neuveröffentlichung (das Werk erschien erstmals 2010) rechtfertigt. Denn es entfaltet ein ganzes Tableau gedichteter Kriegshetze aus dem Jahr 1914. Der militaristische Schund aus den Federn von Richard Dehmel, Alfred Kerr, Gerhart Hauptmann und Thomas Mann bildet nur den Auftakt zu einer Sinfonietta der Widerwärtigkeiten:
Auch die fortschrittlichen Komponisten Schönberg, Berg und Webern, die vom österreichischen Staat nur Missachtung und Ablehnung erlebt hatten, ja sogar der Psychiater Sigmund Freud waren damals kriegsbegeistert, und unter anderem gab es auch ein schreckliches ,Manifest‘, das zum ,Daseinskampf‘ aufrief und von etlichen Künstlern, beispielsweise Max Reinhardt, Siegfried Wagner, Engelbert Humperdinck und auch Max Planck unterzeichnet wurde.
Wir erinnern uns heute ganz ähnlicher Manifeste, unterschrieben von Autoren wie Daniel Kehlmann, Herta Müller, Maxim Biller, Wladimir Kaminer, Ilko-Sascha Kowalczuk, Sascha Lobo, die mehr und mehr Waffen für die Ukraine und gegen Russland fordern. Zumindest in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit sind das ja auch Künstler. Und sie dürfen irren, selbstverständlich. Aber es macht einen Unterschied, ob sich mein Installateur hinsichtlich der Steigung eines Gewindes irrt oder ob ein Mensch mit Öffentlichkeit eine Schraube locker hat. (An dieser Stelle seines Buchs übrigens hätte Kreisler Gelegenheit gehabt, Karl Kraus wieder ins rechte Licht zu setzen – der nicht nur der konsequenteste Antimilitarist der damaligen Zeit, sondern auch jener Mann war, ohne dessen Fackel Kreisler wohl kaum gewusst hätte, wer sich 1914 alles zum Kriegsnarren gemacht hatte.)
Kreisler, seltsam genug, fühlt sich der Aufklärung nicht verpflichtet. Zumindest behauptet er:
Ich persönlich fühle mich im Dunklen des Mythos wohl, im Licht zerrinnt alles.
Schreibt einer, der als Aufklärungsoffizier der US-Armee ins besiegte Hitlerdeutschland zurückkehrte, um Nazigrößen wie Julius Streicher und Ernst Kaltenbrunner zu verhören.
Dass die Gedichte Georg Kreislers auf den ersten Blick seinen Liedern nicht das Wasser zu reichen scheinen – wen wundert’s? Muss man sie doch selber lesen und richtig betonen. Wer kann das schon?! Mit seinem zu Kunst amalgamierten Dagegen (gegen alles Staatliche, Systemische, Hierarchische) war und ist er anschlussfähig für die linke Mittelschicht. Vorteil des gutgekleideten Anarchisten: Auch das bürgerliche Publikum, wenn es auf sich hält, hält ihm die Stange. Wenn es seiner Unterhaltung dient, wusste Kreisler, ist es zu jedem Missverständnis bereit.
Marco Tschirpke, konkret 9/24
(Zur Neuauflage des Buches)
Was der Mensch so alles schluckt
– Gallig, bis es schmerzt: Eine nützliche Neuausgabe von Gedichten Georg Kreislers. –
Vielen, denen die Freude an der Lyrik in der Schule ausgetrieben wurde, hätte dieser Service gewiss geholfen: „Gedichte“, hält Georg Kreisler fest, „sollten zum Leser nach Hause kommen, bei ihm Platz nehmen, mit ihm frühstücken.“ Damit sie willkommen sind, sollten sie, um das Bild fortzuschreiben, am besten eingängig und verständlich sein.
Und in der Tat benehmen sich die Texte im neu editierten Band Zufällig in San Francisco. Unbeabsichtigte Gedichte des 2011 verstorbenen österreichisch-jüdischen Songwriters und Kabarettisten ganz wie gute Gäste. Liedhaft und pointenreich sind sie kurz, verzichten auf komplizierte Satzakrobatik und nutzen Reime. Brav muten sie jedoch nicht an, sprechen sie doch durchaus über unangenehme Themen.
Zum Beispiel den mangelhaft aufgearbeiteten Nationalsozialismus. „Seit Hitler und andere Säue / in Deutschland so glücklich waren“, schauen dem 1938 ins US-Exil geflohenen Schriftsteller zufolge die meisten weg. Es gilt die Devise:
Wichtig ist das Vergessen.
Bei mir liegt nichts auf dem Tisch.
Ich schluck’s, dann ist es gefressen,
da bin ich nicht wählerisch.
Die bitterböse Ironie hat stets dasselbe Ziel. Sie adressiert das engstirnige Kleinbürgertum, den bräsigen Stammtischschwätzer, die, die mitlaufen und darauf hoffen, dass alles beim Alten bleiben möge. Denn „Umdenken ist ein gefährliches Wort. / Man kann es hegen, aber nicht pflegen“ – eine kognitive Dissonanz, die gerade in einer Gegenwartsgesellschaft, die von der Überwindung der Spaltung träumt und in großen Teilen der AfD Vertrauen schenkt, höchst aktuell erscheint.
Nur wie soll sich der Künstler zwischen den Lemmingen verhalten?
Geht er den bösen Weg? Hilft er den Schwachen?
Oder läuft er der Sonne entgegen
und genießt den Frühling? Was soll er machen?
Die Antwort liefern Kreislers Verse selbst. Er muss Ross und Reiter von Krisen klar benennen, Widersprüche offenlegen. Und zwar kompromisslos und mit scharfen Kontrasten. Allein mit Sarkasmus und Überzeichnungen kommt die Wahrheit an Licht, die einzige Macht, der sich der Dichter im modernen Pandämonium aus Kapitalismus und Dekadenz verpflichtet fühlt.
Mit Wiener Schmäh, der derbe Parodien nicht ausspart, und bar jedweder dichterischen Eitelkeit nähert sich Kreisler ihr an, so lange, bis es wehtut. Statt schmerzverzerrt zu schreien, lacht man, weil es nicht anders geht. Wenn man sich dann verschluckt, ist der Witz vollkommen. Dann stellt sich nämlich die Erkenntnis ein: gleißend hell, bei schwärzestem Humor.
Björn Hayer, Frankfurter Rundschau, 22.5.2025
(Zur Neuauflage des Buches)
Weiterer Beitrag zu diesem Buch:
Helmut Gollner: Georg Kreisler und die Rehabilitierung des Reims
Literatur und Kritik, Heft 559/450, 2010
Georg Kreisler
Wer ihm das erste Mal begegnet, sieht sich einem freundlichen Herrn in den besten Jahren mit nachsichtig-weisem Lächeln, melancholischen Augen, gepflegter Sprache und bedachten Bewegungen gegenüber. Die Sensibilität und Empfindlichkeit Georg Kreislers, die ihn zu seinen bösen Attacken und kritischen Betrachtungen treiben, sein skurriles, in überraschenden Sprüngen und Kapriolen sich überschlagendes Talent werden erst später deutlich.
Denn Georg Kreisler gehört nicht zu jenen, die mit knallharten Sensationen um sich werfen. Er verlangt von seinem Publikum Bereitschaft, Geduld und die Fähigkeit, aus scheinbaren Nebensächlichkeiten auf das Ganze zu schließen. Seine Methode ist subtil und hintergründig, er tritt leise auf, macht sich an Alltäglichkeiten zu schaffen – bis er plötzlich zuschlägt und ins Schwarze trifft: Der Dämon im Banalen, das Grauen hinter dem schönen Schein, die Angst vor der Vergänglichkeit werden aufgezeigt, Phrasen, Halbheiten, verlogene Gefühle und Kitsch demaskiert. Das Lachen wird aufgefangen – der Mensch zur boshaft dummen Kreatur.
Und trotzdem ist da auch noch eine gewisse Melancholie und Poesie, ein behutsames Anregen seelischer Schwingungen, das den Texten oft etwas von ihrer Härte nimmt. Kreislers böse Märchen haben Tiefgang. Er kann ein Wort völlig unbefangen und naiv betrachten, auf seine Grundelemente untersuchen, zerlegen, aneinanderfügen und ihm gleichzeitig damit eine neue Bedeutung geben. Der Wortwitz ist neben der Groteske, die sich mehr und mehr zur Aggressivität steigert, ein sehr wesentliches Element in seinen Liedern.
Die Vielseitigkeit der Begabung Georg Kreislers drückt sich auch in seiner Entwicklung aus. Während der Anfänge in der Marietta-Bar in Wien und der Zusammenarbeit mit Helmut Qualtinger, Gerhard Bronner und Carl Merz für das Kabarettprogramm Blattl vorm Mund vor allem makaber eingestellt, wurden seine Chansons in der Folge zusehends surrealistischer, um schließlich eher kritische Tendenzen anzunehmen. Das Makabre, der Witz, die Poesie und das skurril-groteske Element werden allmählich zum Hilfsmittel einer bewußten Gesellschaftskritik – deren Besonderheit es ist, daß ihr diese Mittel ausgiebig zur Verfügung stehen.
Hilde Schmölzer, 1973, aus Hilde Schmölzer: Das böse Wien, Nymphenburger Verlagshandlung, 1973
Hilde Schmölzer: Herr Kreisler, Sie sind bekannt als Vertreter des schwarzen Humors. Glauben Sie, daß die spezielle Wiener Situation eine spezielle Art von Reaktion geschaffen hat, die sich beispielsweise in makabrem Humor äußert?
Georg Kreisler: Sagen wir so: Der Wiener Humor ist makaber, aber makabrer Humor ist nicht unbedingt ein Wiener Humor. Und was mich betrifft, so möchte ich dazu sagen, daß ich mich vielleicht weniger damit befaßt habe, als man glaubt. Ich bin zwar nach dem Kriege wahrscheinlich einer der ersten gewesen – und das ist eine zweifelhafte Ehre –, der versucht hat, den schwarzen Humor in Wien und vielleicht auch außerhalb Wiens in Deutschland und in der Schweiz salonfähig zu machen. Ich halte ihn aber keineswegs für abendfüllend. Der schwarze Humor beschränkt sich eigentlich auf eine Groteske. Also das Rezept beruht auf dem Gegensatz zwischen dem, was gesagt wird, was vielleicht grausiger Natur ist, und etwas, das offensichtlich nicht zutrifft – sagen wir in dem Lied „Bidla Bu“ von mir, wo einer nicht nur seine Frau umbringt, sondern ein ganzes Dutzend Frauen. Das noch zu einer lustigen Melodie, so daß man es nicht recht glaubt. Diese Art von Groteske, von Gegensatz erschöpft sich bald. Man hat dann auch später meine Lieder zum Fürchten unter den schwarzen Humor eingereiht – meiner Ansicht nach sind sie das nicht, es sind echte Lieder zum Fürchten, und da ist nicht sehr viel Humoriges dabei. Und in meinen Wiener Liedern Der Tod, das muß ein Wiener sein ist auch nicht wahnsinnig viel zu lachen. Es wechselt eigentlich zwischen Lachen und Grauen. Ich würde das schon nicht mehr als schwarzen Humor bezeichnen.
Schmölzer: Wie haben sich Ihre Texte geändert – von den Anfängen in der Martetta-Bar bis heute? Sind sie politischer geworden?
Kreisler: Das glaube ich nicht. Nur hat man halt damals die Dinge nicht so direkt genannt. Politische Lieder zu schreiben war damals ein bißl verpönt. Protest war nur möglich in einer verschleierten, verhaltenen Form. Man hat sich in Wien über das goldene Wiener Herz lustig gemacht, man hat Schlager parodiert, indem man makabre Lieder als Schlager getarnt hat. Echte politische Aussagen wurden erst möglich, als echte politische Handlungen stattfanden. Also in den frühen 60er Jahren, als die Studenten zum erstenmal auf die Straße gingen – da fing man an, auch in Liedern konkreter zu sein, das zu sein, was man politischer nennt. Vielleicht haben sich meine Lieder in der Form geändert – aber inhaltlich kaum. Ich bin immer links gewesen, ich bin immer ein Protestler gewesen, ich war immer gegen die kapitalistische Gesellschaft, gegen das kapitalistische Leistungsdenken und die Schablonen, die im Rahmen dieses Systems geschaffen werden. Natürlich ist „Tauben vergiften“ nicht mehr aktuell, wenn mittlerweile Urwälder entlaubt werden. Man kann nicht mehr makabren, schwarzen Humor machen – das würde der Zeit nicht mehr entsprechen.
Schmölzer: Glauben Sie, daß Sie im Laufe Ihrer Entwicklung böser, kritischer und radikaler geworden sind?
Kreisler: Ich bin wahrscheinlich böser geworden – aber ich bin vor allem älter geworden.
Schmölzer: Und Sie meinen, dann muß man automatisch böser werden?
Kreisler: Man muß böser werden, wenn die Zeit böser wird. Schau’n Sie – in den 50er Jahren in Wien – da hat man noch geglaubt, mit einem Lied einen wirklichen Einfluß ausüben zu können. Man hat gehofft! Der Zweite Weltkrieg war erst kurz vorbei. Man hat sich gesagt: Wenn man Kabarett macht, wenn man Lieder schreibt, werden die Politiker, die Herrschenden ein Einsehen haben. Es hat sich herausgestellt, daß sie kein Einsehen haben. Daß die Machthaber dieser Welt absolut uneinsichtig sind und absolut so weitermachen: mit der Ausbeutung, mit einer Freiheit, die nur zu verwirklichen ist für wenige, wenn sie auf Kosten der vielen geht.
Schmölzer: Welche Rolle geben Sie der Kritik in Ihren Texten? Ist Kritik Ihr Hauptanliegen?
Kreisler: Ich finde, sie ist das Anliegen jeder Kunst.
Schmölzer: Na ja, Kunst bietet auch Unterhaltung. Oder sagen wir, eine Sache bietet mehr Unterhaltung und weniger Kritik und umgekehrt.
Schmölzer: Das, was wir reine Unterhaltungskunst nennen, ist im Grunde genommen etwas sehr Politisches. Nämlich etwas System-Stabilisierendes. Es gaukelt uns eine heile Welt vor, es will uns weismachen, daß in unserer Welt alles in bester Ordnung ist, und ist somit genauso politisch wie, sagen wir, ein aggressives Kabarettprogramm. Leute wie Peter Alexander sind Politiker.
Schmölzer: Sie finden jede Kunst politisch?
Kreisler: Ja, jede Kunst muß politisch sein. Wenn ich singe „Ich liebe Dich, und die ganze Welt ist himmelblau“, so ist das politisch. Denn wenn sich zwei Leute lieben, ist nicht unbedingt die Welt himmelblau: Sie haben kein Geld, sie haben keine Wohnung, sie müssen um ihre Existenz kämpfen. Sie können sich nicht ohne jede Schwierigkeit lieben, wie, wann, wo sie wollen.
Schmölzer: An die reine Liebe glauben Sie also nicht?
Kreisler: Nein, die gibt es nicht! Wo gibt’s denn so was? Vielleicht für ein paar Minuten. Aber irgendwann einmal hat man Hunger, irgendwann einmal muß man schlafen, irgendwann einmal wird man mit der Welt, mit der Konkurrenzwelt, mit der Leistungswelt, mit der Karrierewelt grausam konfrontiert. Und wenn ich das in der Kunst außer acht lasse, dann gehöre ich zu denen, die sagen: Laßt doch die Welt, wie sie ist, die Welt ist wunderschön – trotz Hungersnot, trotz Umweltverschmutzung, trotz Bevölkerungsexplosion, trotz der Tatsache, daß uns die namhaftesten Wissenschaftler sagen, wenn wir so weitermachen, geht die Welt in zwanzig, dreißig, fünfzig Jahren unter. Und unsere Nachkommen haben keine Chance mehr. Entweder wir bringen das jetzt in Ordnung oder nie.
Schmölzer: Wo stehen Sie politisch?
Kreisler: Ich bin ein Anarchist! Bitte Anarchismus nicht zu verwechseln mit Chaos, nicht zu verwechseln mit Bomben in Kaffeehäusern. Man hat uns den Anarchismus verteufelt. Die parlamentarische Demokratie hat immer versucht, den Anarchismus zu vermeiden. Er bedeutet, daß kein Mensch Macht über andere Menschen haben sollte. Hier warne ich auch davor, Macht mit Autorität zu verwechseln. Mein Schneider hat Autorität, was meine Anzüge betrifft, aber er hat keine Macht über mich. Unter Anarchismus verstehe ich zum Beispiel die Dezentralisierung – also ein Leben in kleineren Kommunen, in kleineren Gesellschaften, wo der Mensch sich noch verwirklichen kann. Anstatt daß er in der Großstadt eine Anonymität bleibt und vereinsamt. Ein Zurückkehren zu einer sinnvollen Arbeit, die dem Menschen Vergnügen macht, anstatt einer stumpfsinnigen Beschäftigung, die ihm wenig bedeutet – außer, daß er am Ende des Monats seinen Lohn bekommt, seine Miete und seine unmittelbaren Bedürfnisse zahlen kann. Eine Gesellschaft, die gerecht ist und human und in der vor allem einmal die grundlegenden Bedürfnisse aller Menschen befriedigt werden. 80 Prozent der Konsumgüter, die heute hergestellt werden – das ist statistisch festgestellt –, sind unnötig. Nur 20% haben wirklich eine praktische Bedeutung. Für die anderen 80 Prozent wird der Markt erst künstlich geschaffen. Aber zwei Millionen Menschen im Monat verhungern heute auf der Welt. Wir füttern sie nicht, weil das keinen Profit bringt. Wir leben in einer Profitgesellschaft. Das, was Profit bringt, wird gemacht. Die Waren werden in bunte Verpackungen gebracht, denn das bringt Profit. Man zerbricht sich aber nicht den Kopf, wie man diese Verpackungen wieder los wird, denn das bringt keinen Profit – daher Umweltverschmutzung! Weil es keinen Profit bringt, für eine saubere Umwelt zu sorgen.
Schmölzer: Wie stehen Sie zu Gewaltanwendung?
Kreisler: Ich glaube, es war Levine, der gesagt hat: Die Gewalt geht immer von den Herrschenden aus. Die erste Gewalt wird immer von den Herrschenden ausgeübt und nicht von den Revolutionären. Ich bewundere Leute, die sich wirklich tatkräftig solcher Gewalt gewalttätig wehren. Ich finde, das ist gut. Ich finde, das ist wichtig.
Schmölzer: Aber Sie würden sich nicht aktiv beteiligen – oder?
Kreisler: Absolut, warum nicht.
Schmölzer: Und warum tun Sie’s dann nicht?
Kreisler: Ja, die Gelegenheit fehlt, eigentlich! Vielleicht werde ich es tun. Wobei ich nicht glaube, daß vielen gedient wäre, daß es meine Sache wäre, auf die Straße zu gehen und mich arretieren zu lassen. Ich glaube, daß ich auf andere Weise einer Sache dienlicher sein kann.
Schmölzer: Sie haben sich in einem früheren Interview sehr für die Baader-Meinhof-Gruppe ausgesprochen. Sind Sie immer noch dieser Ansicht?
Kreisler: Natürlich! Die Pläne der Baader-Meinhof Gruppe waren sehr gut. Der Fehler war, daß sie zu früh angefangen haben – zu einer Zeit, als kaum eine Chance für die Verwirklichung dieser Pläne bestand. Wissen Sie – wenn Menschen wie die Meinhof (den Baader lassen wir jetzt einmal weg), wenn Menschen wie die Meinhof, die eine brillante Journalistin ist – oder war –, der wirklich der gesamte Journalisten-Markt offengestanden ist, die eine herrliche Karriere hätte machen können, oder jemand wie der Mahler, der ein brillanter Jurist ist, der eine wunderbare Anwaltskarriere hätte machen können – wenn solche Leute sagen: Nein, ich verzichte drauf. Ich kann hier nicht stehen und sagen: Die anderen sollen kämpfen für eine bessere Welt – ich muß es tun. Auch wenn dieser Kampf daneben gegangen ist – zumindest vorläufig –, so muß ich zumindest Respekt vor dieser Geisteshaltung haben.
Schmölzer: Aber ist es nicht äußerst zweifelhaft, ob Gewalt hier irgend etwas bewirkt? So etwas kann man vielleicht in Lateinamerika versuchen – in Ländern, wo es Diktaturen gibt. Aber nicht in einer Gesellschaft, die eine Demokratie zumindest versucht!
Kreisler: Ich glaube nicht, daß wir in einer Gemeinschaft leben, die eine Demokratie versucht. Wenn ich mir die Umweltverschmutzung ansehe, die Barackenstädte, das Elend, das unter Obdachlosen herrscht – dann bezweifle ich, daß wir in einer Demokratie leben, die das Nötigste versucht. Brecht hat gesagt: Was für ein Verbrechen ist der Raub einer Bank, verglichen mit der Gründung einer Bank? Dem kann man nur beistimmen. Die Banken, die gegründet werden, diese Riesen-Versicherungspaläste, in denen den Leuten – den armen und kleinen Leuten – das Geld aus der Tasche gezogen wird: mit Überredung, mit Gewalt, wenn Sie wollen. Vergessen Sie nicht, daß unsere Steuergelder zu einem Großteil für Rüstungen verwendet werden. Es gibt da Ziffern, die ins Ungeheuerliche gehen. Ein Starfighter: acht Krankenhäuser und zwanzig Volksschulen, oder so etwas Ähnliches. Ich weiß nicht, wieviel Lehrer ausgebildet werden könnten, wieviel Hungernde gefüttert werden könnten von dem Geld, das ein Starfighter in Deutschland kostet.
Schmölzer: Und das nennen Sie eine Gesellschaft, die versucht, eine Demokratie aufzubauen?
Kreisler: Wir reden immer von der Gewalt der Revolutionäre – und wir vergessen die Gewalt der Herrschenden. Ich muß schon wieder Brecht zitieren, der gesagt hat: „Der reißende Strom wird gewalttätig genannt, aber das Flußbett, das ihn einengt, nennt keiner gewalttätig.“ An die Gewalt der Herrschenden haben wir uns schon gewöhnt. Man gewöhnt uns an die geistige Gewalt, die uns mit der Werbung angetan wird. Es werden viele, viele Menschen immer wieder unschuldig verhaftet, sitzen einige Wochen fest, und dann werden sie freigelassen: Die Polizei hat sich geirrt. Es werden Leute totgeschlagen in Gefängnissen und gefoltert und alles mögliche! Das vergessen wir! Das gehört mit dazu – wir haben damit leben gelernt. Aber wenn in der Zeitung steht, daß irgendwer, der eine Bank berauben wollte, einen Polizisten dabei erschossen hat – dann regen wir uns wahnsinnig darüber auf. Das Verhältnis ist doch hundert zu eins. Das Verhältnis, in dem die Herrschenden Gewalt auf uns ausüben, in Dutzenden und Aberdutzenden von Wegen – über das reden wir nicht. Aber wehe, einer wehrt sich dagegen – notfalls mit Gewalt. Dann ist das ein Gewalttäter, ein Verbrecher.
Schmölzer: Und vielleicht ist es das, was einen gerade an Wien so stört: diese Heuchelei!
Kreisler: Die wird in Wien besonders groß geschrieben. Eine Heuchelei sondergleichen, ein Statusdenken sondergleichen. Es ekelt einen wirklich manchmal an: das „Habe die Ehre“, das falsche Lächeln, das devote. Die vielen Titel. Und dann diese Einstellung der führenden Persönlichkeiten von Wien, der Öffentlichkeit, der Politik (heute genauso wie früher): Bei uns sind die Künste zu Hause. Das war und ist eine Lüge. Die Künste sind in Wien nicht zu Hause. Heute ist der Mozart – die toten Künste sind in Wien zu Hause. Die Vorbilder sind in Wien sehr lebendig – man pflegt die Vergangenheit. Wien ist groß, wenn es um die Vergangenheit geht: Heimat, bist du großer Söhne! Aber die Söhne werden alle vernachlässigt. Es müßte heißen: Heimat, bist du großer Großväter!
Schmölzer: Und trotzdem hat Wien immer gute Leute hervorgebracht!
Kreisler: Ja, und diese guten Leute sind entweder in Wien unglücklich geworden, weil sie nicht anerkannt wurden – oder sie sind ausgewandert. Wissen Sie, es gibt da zwei Charaktereigenschaften, die wir an den Wienern finden und die die Künstler immer wieder in die Emigration treiben. Das ist erstens die Angst – jeder Theaterdirektor muß zum Beispiel Angst haben vor einem Risiko. Aber der Wiener Theaterdirektor, der Wiener Produzent hat einen panischen Schrecken, er könnte etwas machen, das ihm irgend jemand übel nehmen könnte. Diese panische Furcht vor Leuten, die eventuell in der Lage wären, ihn seines Postens zu entheben – das ist, glaube ich, typisch wienerisch. Diese Furcht gibt es überall, aber sie ist hier in Wien stärker ausgeprägt als in der Bundesrepublik, glaube ich. Und die zweite ist der Neid. Daß Leute, die in Konkurrenz zueinander stehen, aufeinander neidisch sind, ist nichts Neues. In Wien aber sind die Leute aufeinander neidisch, die in keinerlei Konkurrenz zueinander stehen. Also eine Ballettänzerin ist neidisch auf einen Filmproduzenten und umgekehrt. Ohne Grund. Ohne daß der eine etwas hat, das der andere gerne haben möchte oder haben könnte. Diese zwei Charaktereigenschaften, die Angst und der Neid, sind zum großen Teil dafür verantwortlich, daß es die Künstler hier schwerer haben als anderswo.
Schmölzer: Alle schimpfen sie auf Wien. Aber das ist ja gar nicht wahr, daß die meisten abwandern. Der größte Teil bleibt ohnedies da! Ich meine – wem’s nicht gefällt.
Kreisler: Wir alle leben heute ein schizophrenes Leben. Wir sind unzufrieden, wir haben das Gefühl, daß wir machtlos sind, wir fühlen irgendwie, daß Dinge über unserem Kopf entschieden werden. Aber wir müssen Kompromisse schließen – und darin liegt die Schizophrenie. Einerseits leben wir in einer Profitgesellschaft, in einer Leistungsgesellschaft, die uns nicht paßt. Andererseits wollen wir gerne raus.
Schmölzer: Aber ist diese Schizophrenie, die sich darin äußert, auf bestehende Zustände zu schimpfen und trotzdem zu bleiben, in Wien nicht besonders auffallend?
Kreisler: Die ist, glaube ich, überall dieselbe. Wir schimpfen überall. Vielleicht schimpfen die Wiener besonders auf ihre Stadt, weil ihnen in der Schule eingebleut wurde: Es gibt nur a Kaiserstadt, es gibt nur a Wien. Vielleicht auch ist der Wiener etwas künstlerischer. Vielleicht ist er draufgekommen, daß künstlerische Qualität immer unwichtiger wird und daß das Angebot und die Nachfrage – also die kapitalistischen Regeln, die auch auf die Kunst angewendet werden – immer wichtiger sind im Sinn von Leistung, von Karriere. Ich weiß nicht – vielleicht tendiert der Wiener auch ein bißl mehr zum Unglücklichsein.
Schmölzer: Was halten Sie eigentlich von diesen ganz „bösen“ Wienern? Von den Happenisten, den sogenannten Jungfilmern – diesen Schockern, Leuten, die vor allem schockieren wollen?
Kreisler: Ich halte viel von ihnen. Ich meine – jemand, der nur schockieren will und sonst nichts, hat natürlich keinen künstlerischen Wert. Aber das Schockieren an sich hat großen Wert. Schau’n Sie, nehmen wir zum Beispiel den Muehl. Es ist doch absolut notwendig, daß man auf der Bühne darstellen darf, was man will. Was künstlerisch notwendig ist. Wenn ich beispielsweise den Geschlechtsvorgang auf der Bühne darstellen will, so darf ich das nicht, denn das ist ein Tabu. Angenommen, ich habe nun in einem Stück eine künstlerische Situation, bei der es absolut notwendig ist, das zu zeigen – es nützt mir gar nichts. Aber durch Leute wie den Muehl werden diese Tabus allmählich ausgeräumt.
Wissen Sie, es ist ganz einfach so: Man wirft mir manchmal vor, daß ich so bedingungslos jemanden wie den Muehl und andere Schocker zu bejahen scheine. Man sagt, der hat’s nötig, eine reine Schweinerei, die der Muehl macht, und der sagt: großartig! Das hängt damit zusammen, daß einem das viel, viel lieber ist als die wirklichen Schweinereien, die das Fernsehen und der Funk machen, indem sie ewig Heurigenlieder bringen. Das ist die Schweinerei! Ich glaube, es war Marcuse, der gesagt hat, er findet einen General mit seinen Orden das Obszönste. Also das ist viel obszöner als alles, was der Muehl je machen kann. Und der Muehl versucht zumindest – oder andere Leute, ich nehme ihn jetzt als Stichwort, es muß sich auch nicht auf Pornographie beziehen, es können auch andere Dinge gemeint sein –, die versuchen zumindest aufzurütteln, indem sie sagen: Laßt euch doch diesen Schmarrn nicht mehr vorsetzen, laßt euch das nicht ewig gefallen. Und das ist mir persönlich noch immer viel lieber – auch wenn ich es nicht in jedem Fall hundertprozentig bejahe – als das, was die anderen machen.
Schmölzer: Wie ist die Reaktion auf Ihre Texte in Österreich, und wie ist sie im Ausland?
Kreisler: Solange wir einem vereinten Europa zustreben – also dem genauen Gegenteil des Anarchismus –, solange wir alles genormt vorgesetzt bekommen und jede Individualität im Menschen ausgemerzt wird, solange wird auch die Reaktion überall dieselbe bleiben. Die Leute waschen sich mit derselben Seife, sehen dasselbe Fernsehprogramm und verlieren ihren individuellen Geschmack. Sie leben ja kein individuelles Leben, sie gleichen sich alle an, sie werden alle genormt. Sie stehen alle zur gleichen Zeit auf, steigen alle zur gleichen Zeit in die Straßenbahn oder in ihr Auto, machen ihre Fließbandarbeit. Warum soll dann die Reaktion im Theater verschieden sein? Wenn ich ein Theater betrete und man mir sagt: Du kannst hier alles machen, wir üben keinerlei Zensur auf dich aus – so ist auch das falsch. Die Zensur besteht ja schon darin, daß in diesem Theater vor mir genormte Programme waren und nach mir genormte Programme kommen werden und daß das Publikum, das da hineinkommt, den ganzen Tag über, durch Jahre hindurch, genormt wurde. Wir werden den ganzen Tag mit Werbesprüchen überschüttet, es wird uns eingeredet, was wir gut finden sollen, solange, bis wir es gut finden, und was wir schlecht finden sollen, solange, bis wir es schlecht finden. Alles individuelle Denken, alles logische individuelle Denken wird uns ausgetrieben. Und das muß man bekämpfen, denn es ist der Untergang der Menschheit. Der Mensch muß sein Ich verwirklichen können – denn das heißt Mensch sein. Und wenn er das nicht kann, wenn er seinen persönlichen Geschmack, seine persönliche Leistung im Leben nicht durchsetzen kann, dann schaut’s auch mit der Kunst schlecht aus. Und wenn heute propagiert wird, daß jeder ein Künstler sein soll, so heißt das nichts anderes, als jeder Mensch soll individuell sein, jeder Mensch soll seine persönliche Eigenart suchen.
Schmölzer: Was haben Sie als nächstes vor?
Kreisler: Ich weiß es nicht. Ich warte es ab. Vorerst werde ich mich einmal hinsetzen und zwei Monate lang schreiben. Ich möchte auch für meine Frau noch etwas machen, die doch mit Heute Abend: Lola Blau einen sehr großen Erfolg gehabt hat. Aber Genaueres weiß ich noch nicht. Ich dachte auch daran, vor Arbeitern und kleinen Angestellten Programme zu machen – das heißt also, ein bißchen vom Theaterpublikum wegzukommen. Aber ansonsten habe ich keine großen Pläne mehr mit dem Auftreten, sondern eher mit dem Schreiben.
Schmölzer: Sie möchten aufhören aufzutreten, weil Sie das Gefühl haben, das führt nicht mehr weiter?
Kreisler: Ich habe das Gefühl, daß das Kabarett nicht mehr weiterführt. Meine letzte Platte, die ich gemacht habe, bringt Lieder wie „Das Kabarett ist tot“. Und eine Zeile, die vielleicht am wichtigsten ist: „Es hat keinen Sinn mehr, Lieder zu machen, statt die Verantwortlichen niederzumachen“. Es ist genug geredet worden, es ist genug gekasperlt worden. Kabarett ist nur insofern noch sinnvoll, als es zu Handlungen auffordert. Wenn ich Kabarett mache und dort ende, daß ich den Leuten sage: Werft euer Gerümpel auf die Straße, damit die Autos nicht vorbeifahren können. Oder: Schmeißt ein paar Fensterscheiben bei irgendeiner großen Firma ein, die ihre Arbeiter ausbeutet. Oder: Macht einen Marsch aufs Parlament. Dann kann ich mir ein sinnvolles Kabarett vorstellen. Aber mich lediglich auf eine Bühne zu begeben, zu witzeln und ein paar Bewußtseinsinhalte anzubringen, die den Leuten ja auch in den Zeitungen, in Büchern usw. zur Verfügung gestellt werden – das halte ich für weniger und weniger sinnvoll. Das einzig Sinnvolle an meinem jetzigen Programm ist die Diskussion am Schluß.
Schmölzer: Aber wenn man überhaupt an Kunst glaubt, dann ist doch Fensterscheiben-Einschmeißen – was ist das? Vielleicht der Versuch, etwas zu bessern. Aber Kunst?
Kreisler: Doch, ich halte Fenster-Einschmeißen unter Umständen für Kunst. Alles, was neu ist, ist Kunst. Sie wissen, der Aktionismus –
Schmölzer: Das ist etwas anderes. Auch das ist geplant. Aktionismus hat auch Form! Zur Kunst gehören Inhalt und Form. Wenn ich ein Fenster einschmeiße, ist vielleicht ein Inhalt da – weil ich etwas damit bezwecken möchte. Aber doch keine Form.
Kreisler: Die Form besteht darin, wie ich die Leute dazu bringe. Das Fenster-Einschmeißen ist nur das letzte Resultat. Das ist so etwas Ähnliches wie die Schlußpointe beim Black out bei einem Sketch. Wissen Sie, Kunst zu definieren ist etwas ungeheuer Schwieriges. Auf jeden Fall ist die Zeit der elitären Kunst vorbei. Die kann’s schon deshalb nicht geben, weil wir ja das Fernsehen haben – unter anderem!
1967, aus Hilde Schmölzer: Das böse Wien, Nymphenburger Verlagshandlung, 1973
KREISLER GEORG
Als Wölfchenklein da hatte ichs gut
Kriegte täglich zwei Liter frisches Blut
Und später musste ich nur heulen
Wollte ich Wildschweinkeulen
Vom Vater lernte ich brüllen
Zähnefletschen und loreley
Brachte mir die Mutter bei
Für die Hirschen und Katzen
Spielte ich den schrecklichen Isegrim
Und habe heute noch vor Mäusen Schiss
Ich schieb auf mein lädiertes Gebiss
Peter Wawerzinek
Peter Kümmel und Sabine Rückert Interview mit Georg Kreisler: „Man schreibt Böses, um gutes zu bewirken“, Die Zeit, 28.7.2011
Ijoma Mangold spricht mit Georg Kreisler: „Ich habe die Frau und den Zirkus ziehen lassen“, Die Zeit, 4.2.2012
Zur Person Georg Kreisler: „Ich war ein Ausgestossener“. Präsentation: Michael Schrott
Günter Rohleder: Lange Nacht über Georg Kreisler
Zum 65. Geburtstag des Autors:
Horst Hartmann: Rosarot verpackte Schwärze
Mannheimer Morgen, 17.7.1987
Henning Harmssen: Lieder zum Fürchten
Der Tagesspiegel, Berlin, 18.7.1987
Zum 70. Geburtstag des Autors:
dpa: 70. Geburtstag von Georg Kreisler
Neue Zürcher Zeitung, 18.7.1992
Dieter Herz: Liebesidyll und Lobesodol
Schwäbische Zeitung, 18.7.1992
Walter Schönenberger: Aber es gibt keine Tugend, ausser der Geduld
Der Bund, Bern, 18.7.1992
Ruprecht Skasa-Weiß: Grantelgenialer Galgenhumorist
Stuttgarter Zeitung, 18.7.1992
Ulrich Weinzierl: Der Fremde aus Wien
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.7.1992
Werner Burkhardt: Liedervergiften in Wien
Süddeutsche Zeitung, 18./19.7.1992
Zum 75. Geburtstag des Autors:
Hans-Klaus Jungheinrich: Der Glücks-Rabe
Frankfurter Rundschau, 18.7.1997
Marianne Kolarik: Der hochverehrte Taubenvergifter
Kölner Stadt-Anzeiger, 18.7.1997
Zum 80. Geburtstag des Autors:
Carmen Böker: Ich bin ganz gerne traurig
Berliner Zeitung, 18.7.2002
Peter Bollag: Respektvoll
Tages-Anzeiger, Zürich, 18.7.2002
Markus Böttinger: Zweiunddreißigmal Georg Kreisler
Badische Zeitung, 18.7.2002
Konstantin Kalveram: Der Meister des Makabren
Nürnberger Nachrichten, 18.7.2002
Thomas Thieringer: Altersloser Melancholiker, ewig junges Pokerface
Süddeutsche Zeitung, 18.7.2002
Christine Richard: Entschuldigung
Basler Zeitung, 19.7.2002
Zum 85. Geburtstag des Autors:
Hans-Dieter Schütt: Bester Böser
Neues Deutschland, 18.7.2007
Ulf Bierbaumer: „Dichterkomponistchansonnierpianist“
Die Furche, 19.7.2007
Zum 100. Geburtstag des Autors:
Clemens Sarholz: Die Kunst hat ihn gerettet
taz, 18.7.2022
Wolfgang Vichtl: Georg Kreisler, Liedermacher – „Tauben vergiften im Park“
BR2, 18.7.2022
Gerhard „GeWalt“ Walter: Georg Kreisler ➛ 18. Juli 1922 – 22. November 2011
andacht.at, 18.7.2022
Stefan Weiss: 100 Jahre Georg Kreisler: Vergiftete Tauben und Wien ohne Wiener
Der Standart, 17.7.2022
Oliver Das Gupta: „Noch ’ne schöne Zeit“: Erinnerungen an Georg Kreisler
Der Standart, 18.7.2022
Leonie Razumovsky: Georg Kreisler und die Wiener Seele
ORF, 17.7.2022
Alexander Dick: Wie schön wäre Wien ohne Wiener
Badische Zeitung, 18.7.2022
Hilmar Klute: Der Gegengiftmischer
Süddeutsche Zeitung, 18.7.2022
Fakten und Vermutungen zum Autor + Instagram 1 & 2 + KLG + IMDb + Info + Archiv + Internet Archive + Kalliope
Porträtgalerie: akg-images + Brigitte Friedrich Autorenfotos + gettyimages + IMAGO + Keystone-SDA
Nachrufe auf Georg Kreisler: Jungle World ✝︎ Die Zeit ✝︎
Georg Kreisler ist tot. Kulturzeit am 23.11.2011
Georg Kreisler zum 80. Geburtstag 2002: Und immer wieder Tauben vergiften.








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