Christoph Meckels Gedicht „Und du?“

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CHRISTOPH MECKEL

Und du?

Die Schnecke
hat ein Haus
ohne Fenster,

der Wiedehopf
eine Feder
ohne Hut,

der Teufel
einen Pferdefuß
ohne Pferd,

und was hast du?

aus: Christoph Meckel: Pferdefuß. Ravensburger Taschenbuch Verlag, Ravensburg 1988

 

Konnotation

Es ist die Domäne der Dichter, vernunftlose Träume zu erkunden. Mit ihren Phantasmagorien und Traumgesichten erkunden sie jene Bereiche der Wirklichkeit, die jenseits der positivistisch erfassten Faktizitäten liegen. Einer der hellsichtigsten poetischen Träumer ist der Schriftsteller und Grafiker Christoph Meckel (geb. 1935). Er ist ein Phantastiker mit einer großen Empfindlichkeit für die Wunder, die auch noch in unserer entzauberten Welt der Moderne zu entdecken sind.
Oft lockern sich in Meckels Gedichten die vertrauten Weltverankerungen, und alles gerät in eine surreale Schwebe. Der Autor hat auch eine gewisse Vorliebe für graziös verspielte Kindergedichte, in denen die Wunder der Schöpfung in fast naiver Beschwörung aufgerufen werden. So entsteht in diesem Gedicht aus den 1980er Jahren ein schönes Rätselbild, das faszinierende Charakteristika von Tieren und eines Dämons benennt, um danach nach den Eigentümlichkeiten des Menschseins zu fragen.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2010, Verlag Das Wunderhorn, 2009

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