Heinrich von Veldekes Gedicht „Die dâ wellen hœren mînen sanc“

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HEINRICH VON VELDEKE

Die dâ wellen hœren mînen sanc

Die dâ wellen hœren mînen sanc,
ich wil, daz si mîr sin wizzen danc
stæteclîche und sunder wanc.
die ie geminneten oder noch minnen,
die sint vrô in manigen sinnen,
des die tumben niene beginnen,
wan si diu minne noch nie betwanc
noch ir herze ruochte enbinden.

 

Die da hören wollen meine Lieder

Die da hören wollen meine Lieder,
ich will, dass sie mir dafür danken
immer und ohne zu wanken.
Die jemals liebten oder noch lieben,
die sind froh in allen Sinnen,
was die Einfältigen nie beginnen,
weil sie die Liebe noch nie in Fesseln schlug
noch nie ihr Herz befreite.

Übersetzung: Doris und Michael Braun

vor 1200

 

Konnotation

Nach den wenigen gesicherten Quellen, die über Leben und Werk des Minnesängers Heinrich von Veldeke vorliegen, wurde er 1150 bei dem belgischen Ort Hasselt nahe Maastricht geboren und durchlief eine Ausbildung in allen Disziplinen seiner Zeit: römisch-antikische Dichtung, Rhetorik, Versbau, Architektur und Kirchenrecht. Neben einem umfangreichen Auftragswerk über das Leben des Maastrichter Bischofs Servatius von Tangern und einem Versroman nach dem Vorbild der Aeneis von Vergil verfasste er eine Reihe von Minneliedern, die sich teilweise parodistisch mit diesem Genre beschäftigten.
Es zeugt vom enormen Selbstbewusstsein des um 1210 verstorbenen Minnesängers Veldeke, dass er über die Wirkungen seiner Lieder als zentrales Kriterium für menschliche Empfindungsfähigkeit definiert. Der gesellschaftliche Rang des Minnesangs wird hier sehr hoch angesetzt – es ist ein Vergnügen für die Eingeweihten, die das Abenteuer der Liebe kennen.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2011, Verlag Das Wunderhorn, 2010

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