Mehrwert

«Go on failing. Go on. Only next time, try to fail better.»
Versuchsweise könnte man Samuel Becketts ultimative Aufmunterungsformel so übersetzen: «Mach weiter mit Scheitern. Mach weiter. Nur solltest du nächstes Mal besser scheitern.»
Die grimmige Ironie des Autors – oder der Sprachwitz selbst – will es, lässt es zumindest zu, dass in «… fail better» immer auch dessen Gegenteil, feel better, mitschwingt. Wer besser zu scheitern vermag, so darf man lautlich assoziieren, wird sich danach sicherlich besser fühlen.
Zu übersetzen ist diese Assoziationsfinesse nicht. Doch eine Finesse hält auch die Zielsprache bereit. Hier nämlich erweist sich «scheitern» als ein Kofferwort, in dem das andre, durchaus gegensätzliche Wort heiter integral enthalten ist.
Nicht der Autor, auch nicht der Übersetzer, nur der Zufall kann den doppelten zwischensprachlichen Parallelismus – «fail better»/feel better und «scheitern»/heiter – gewollt haben.
Doch Autor wie Übersetzer müssen jenen Zufällen auf die Schliche kommen, für die der Sprachwitz immer mal wieder gut ist.

 

aus: Felix Philipp Ingold: Gegengabe
zusammengetragen aus kritischen, poetischen und privaten Feldern

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