H

H

 

HAUS

HEIM

(vgl. BAU-
WERK,
GANZHEIT)
HOCHZEIT

 

 

HÖHE

 

(vgl. BAU-
WERK,
LEBEN)

 

 

 

(vgl. OPTIK,
RUSSLAND)

 

(vgl. GANZ-
HEIT)

 

Gewohnt hat Gogol nie. Zu Hause war er unterwegs – »en route« in seiner Kalesche, dem fahrbaren Sarg; daheim – in seinem Werk, das er sich bald als gläsernen Babelbau, bald als horizontal verlaufende Permanentszene, in der sämtliche Architekturformen, -stile und -epochen resümiert gewesen wären, zurechtgerückt hat: erst viel später, nach explosionsartiger Gogolscher Zellteilung, sind die Hochzeiten der Scheerbarts, Habliks, Tauts, Gaudis möglich und sogar legal geworden. Ja, man halte sich an den gothischen Gogol: »Sein Gebäude flog himmelwärts; die schmalen Fenster, die Säulen, die Gewölbe strebten unendlich in die Höhe; die luftige Turmspitze, wie aus feinem durchbrochenem Gewirk, schwebte rauchgleich über ihnen, und das majestätische Gotteshaus – si-sic!.. – war so groß gegenüber den gewöhnlichen Behausungen der Menschen, wie die Bedürfnisse unserer Seele groß sind gegenüber denen des Körpers.« Und weiter, noch höher: »Das Gebäude soll ins Unermeßliche sich erheben, geradezu überm Kopf des Betrachters, damit er innehalte, überwältigt von plötzlichem Staunen, kaum imstande, mit den Augen die Höhe zu fassen. Und deshalb wirkt ein Bauwerk immer besser, wenn es auf einem engen Platze steht.« Und so hat auch Gogol, der Autor, die Enge des Exils gewählt, um Rußlands Größe und Weite auf einen Blick – durch den Spion gewissermaßen – umgreifen und auf Millimeterpapier festhalten zu können. Doch das von ihm projektierte Bau-Werk – sein Lebens-Werk – ist ein amorpher »Haufen«, ein »Scherbenhaufen«, ein gefährlicher »Riesenberg« geblieben; so jedenfalls lauten die Synonyme, mit denen Gogol stets Eines und Dasselbe zu bestimmen suchte – den Wert seiner literarischen Arbeit, und das heißt: die Wohnlichkeit seines Werks.1

 

aus: Felix Philipp Ingold: Haupts Werk Das Leben
Ein Koordinatenbuch vom vorläufig letzten bis zum ersten Kapitel.

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