Heiner Feldkamp (Hrsg.): Reiner Kunze – Materialien zu Leben und Werk

Feldkamp-Reiner Kunze – Materialien zu Leben und Werk

JUNGEN LESERN VORGESTELLT: „SOMMERSPROSSE“

Das winzige Gedicht, über das ich sprechen möchte, schrieb der tschechische Dichter Milan Kundera. Hier die deutsche Übersetzung:

SOMMERSPROSSE

Eine wunderschöne Sommersprosse
schwimmt auf deinen Wangen!
Ach nein, ach nein…
Deine Schönheit hat da nur
über ihrem Laden
einen goldnen Teller ausgehangen.

Wovon ist in diesem Gedicht die Rede? Von einem Gesicht mit einer Sommersprosse, und da der Dichter von Schönheit spricht, dürfte es das Gesicht eines Mädchens oder einer Frau sein. Das Mädchen, zu dem der Dichter sagt

Eine wunderschöne Sommersprosse
schwimmt auf deinen Wangen!

scheint sich jedoch verletzt zu fühlen, denn er fügt hinzu:

Ach nein, ach nein…
Deine Schönheit hat da nur
über ihrem Laden
einen goldnen Teller ausgehangen.

Die Rede ist auch von diesem Verletztsein. Gesprochen wird also zugleich von etwas Äußerlichem, der Haut, und von etwas, das im Menschen vorgeht, von einer Kränkung.
Das, wovon in diesem Gedicht gesprochen wird, ist nichts Außergewöhnliches. Jeder möchte auf den anderen so angenehm wie möglich wirken und fühlt sich getroffen, wenn ihm ein körperlicher Makel vorgehalten wird, der unabänderlich ist. Aber hält der Dichter die Sommersprosse für einen Makel? Er sagt:

Deine Schönheit hat da nur
über ihrem Laden
einen goldnen Teller ausgehangen.

Früher hängten Handwerker bestimmter Berufe, zum Beispiel Bäcker und Barbiere, morgens einen goldenen oder silbernen Teller über die Tür, um anzuzeigen, daß sie im Laden sind, und dem Dichter erscheint die Sommersprosse plötzlich als ein solcher Teller.
Der Dichter wird über diesen Einfall vielleicht ebenso erstaunt gewesen sein, wie wir es sind; denn bei einer Sommersprosse an einen goldenen Teller zu denken, liegt nicht nahe. Doch dann wird er erkannt haben, daß eine Sommersprosse und ein goldener Teller in ihrem Äußeren Gemeinsamkeiten aufweisen: sie sind beide rund, und ein wenig ähneln sie einander in der Farbe. Schließlich wird er eine Entdeckung gemacht haben – die Entdeckung, daß den goldenen Teller und die Sommersprosse auch etwas Wesentliches miteinander verbindet: Beide sind sie ein Blickfang.
Die Sommersprosse aber einmal nicht als Schönheitsfehler, sondern als Blickfang für die Schönheit eines Gesichts zu sehen, ist außergewöhnlich. Es ist um so außergewöhnlicher, als die Sommersprosse dadurch nicht nur im Gesicht eines Menschen als liebenswert erscheint, den wir sowieso lieben. Erhoben zu einem kleinen goldenen Teller, bekommt sie selbst etwas Glanz ab.
Dieser Einfall ist für den Dichter eine Erlösung. Die Betroffenheit des Mädchens wird auch ihn betroffen gemacht haben. Doch seine eigenen Blicke waren von der Sommersprosse eingefangen und auf die Schönheit des Gesichts hingelenkt worden. Anfangs hatte er gespöttelt:

Eine wunderschöne Sommersprosse
schwimmt auf deinen Wangen!

Nun rückt die Sommersprosse in seiner Meinung nach oben, und das Bild von der Schönheit, die da über ihrem Laden einen goldenen Teller ausgehangen hat, hebt das Verletzende auf.
Ein Reim, ein Zusammenklang, bindet die beiden Teile des Gedichts versöhnend aneinander.

Eine wunderschöne Sommersprosse
schwimmt auf deinen Wangen!
Ach nein, ach nein…
Deine Schönheit hat da nur
über ihrem Laden
einen goldnen Teller ausgehangen

(Erste Nachbemerkung: Ihr sagt, in diesem Gedicht sei die Rede von nur einer Sommersprosse, aber im Gesicht seien es meist mehrere. Ihr habt recht. Über dem Laden aber hängt nur ein goldener Teller, und deshalb muß im Gedicht die eine Sommersprosse für alle anderen stehen.
Zweite Nachbemerkung: In einem Laden würden Dinge angepriesen, sagt ihr; ob man, so gesehen, das Gesicht mit einem Laden vergleichen könne? Aber preisen wir uns denn nicht an? Wozu dann Puder, Wimperntusche, Lidschatten und Lippenstift? Wozu Rasierapparat und Duftwasser? So gesehen, stimmt das Gleichnis schon, und ein Laden ist nichts Verachtenswertes. Nur – und hierin teile ich euere Bedenken: Charakter und Verstand müssen halten, was das Gesicht verspricht, so wie Geschmack und Güte des Brotes halten müssen, was der Laden des Bäckers verspricht, auf den der goldene Teller hinweist.)

Reiner Kunze

 

 

Einleitung

Von niemandem gezwungen sein, im brot
anderes zu loben
als das brot

– Eine Skizze zu Werk und Wirkung Reiner Kunzes. –

Das Jahr des Erscheinens dieses Materialienbandes ist für Leben und Werk Reiner Kunzes ein besonderes Jahr: Seit fünfundzwanzig Jahren lebt und arbeitet er als freier Schriftsteller, von 1962 bis 1977 im thüringischen Greiz und seit zehn Jahren in einem kleinen Ort in der Nähe von Passau. Wer nun jedoch von dieser einleitenden Skizze biographische Details zum Leben dieses Autors erwartet, der sei ausdrücklich auf die Chronik zu Leben und Werk in diesem Band (Seite 335) verwiesen, die dazu beitragen möchte, daß jene zahlreichen Arbeiten – Porträts zumeist – in den Hintergrund der Kunze-Rezeption gedrängt werden, die unverbesserlich und unbeirrbar „das unerträglich versimpelnde Gleichheitszeichen zwischen Poesie und Biographie“ setzen, in der Regel mit der Attitüde von Eingeweihten. Auch so wichtige Fragen wie die nach Kunzes Ästhetik, Poetik und Selbstverständnis können hier nur gestreift werden. Was hingegen ausführlich dargestellt werden soll, ist eine kleine Phänomenologie der Rezeption, insbesondere der letzten zehn Jahre. Dabei sind zumindest vier Bereiche, wenn sie auch in interdependenten Zusammenhängen stehen, voneinander zu unterscheiden: die feuilletonistische, die schulische, die wissenschaftliche und die „Leser“-Rezeption.

I.
So gering die Beachtung des freien Schriftstellers Reiner Kunze während fünfzehn Jahren in Zeitungen und Zeitschriften der DDR war, so unvermindert stark ist sie auf den Seiten der Feuilletons in der Bundesrepublik, aber auch mit gewisser Verzögerung – in den romanischen und angloamerikanischen Ländern. Dieser Tatsache trägt der umfangreichste Teil dieses Bandes Rechnung, indem er viele Rezensenten (von 1964-1986) zu Wort kommen läßt. Von einer feuilletonistischen Rezeption in der Bundesrepublik kann jedoch erst seit 1969 gesprochen werden, als im Rowohlt Verlag der Gedichtband Sensible Wege erschien. Der Lyrikband Widmungen, der 1963 in dem unbekannten Hohwacht Verlag in Bad Godesberg publiziert wurde, blieb bis auf wenige Ausnahmen unbeachtet. Singulär ist angesichts dieser Nichtbeachtung Milan Kunderas Besprechung der tschechischen Ausgabe der Widmungen (Věnování), die gleichsam von Anfang an biographische und politische Aspekte der Lyrik Kunzes ästhetischen und poetischen Fragen nachordnet.
Erst im Jahre 1969 werden die Leser in Westdeutschland auf Reiner Kunze aufmerksam. Besonders verdienstvoll und wegweisend sind dabei die mehr porträtierenden Arbeiten von Heinz Piontek und Hans-Jürgen Heises, denen man geradezu Entdeckerfreude anmerkt und die die poetische Qualität der Sensiblen Wege herausstellen. Dieser Entdeckung des Werks Reiner Kunzes in der Bundesrepublik folgt postwendend dessen Verurteilung aus kulturpolitischen Motiven in der DDR.
Erstaunlich ist auch heute noch, daß Kunze nicht wenige Schwierigkeiten hatte, 1972 für seinen Gedichtband Zimmerlautstärke einen Verlag in der Bundesrepublik zu finden. Wie Karl Corino feststellt, war das „bezeichnend für die literarische und politische Blindheit in der Bundesrepublik zu Beginn der siebziger Jahre“. Dieser Gedichtband, der schließlich im S. Fischer Verlag erschien, fand noch größere Beachtung, was sowohl die Zahl der Buchbesprechungen als auch deren Qualität beweist.
Fragen nach ästhetischen Prinzipien, künstlerischen Kriterien und literarischen Einflüssen standen im Vordergrund dieser Rezensionen. Politische Vereinnahmung und Beifall von der falschen Seite blieben größtenteils aus, denn man konzedierte Kunze auf erstaunlich unpolemische Weise, daß er für eine immanente Veränderung der Gesellschaft in der DDR schreibe. Erwähnenswert sind hier vor allem die Arbeit von Werner Weber und der Essay von Hans Dieter Schäfer, der eine nach wie vor gültige Periodisierung des Werkes vornimmt und es in die Tradition der DDR-Lyrik stellt. Eine Veränderung erfuhr diese sachliche und teilweise analytische Rezeption, als 1976 der Prosaband Die wunderbaren Jahre publiziert wurde, der in den Feuilletons deutschsprachiger Zeitungen ein Echo von seltener Einmütigkeit fand, während fast gleichzeitig Reiner Kunze aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen und Wolf Biermann aus der DDR ausgebürgert wurde.
Diese politischen Begleitumstände und die im Vergleich zur Lyrik leichter zugängliche Prosa von Kunzes national wie international erfolgreichstem Buch führten dazu, daß viele Journalisten ihren Besprechungen politisch-ideologische Kriterien zugrunde legten. Biographistische Artikel häuften sich, Reiner Kunzes Name war sowohl in politischen Kommentaren als auch im Kulturteil zu finden. Wie man sich in solcher Medienhektik einem durchaus nicht unkomplizierten Buch wie den Wunderbaren Jahren nähern kann, dafür ist die Kritik Heinrich Bölls ein schönes Beispiel, die beim Wiederlesen schmerzlich bewußt werden läßt, wie sehr uns dieser Schriftsteller auch als genau lesender Rezensent fehlt.
Böll schreibt:

Man muß diese Prosa langsam lesen, langsam einatmen (ich frage mich, ob wir mit unserem vergröberten Wahrnehmungsvermögen dazu noch fähig sind), um die Satire zu bemerken, die sich hier aus der dargestellten Wirklichkeit selbst ,anliefert‘. Vielleicht wäre die Formulierung angebracht: Kunze stellt die Wirklichkeit, die ihm in die Falle geht. Wie lange, wie geduldig, mit welcher Ausdauer muß da einer auf der Lauer gelegen haben!

Im Jahr 1977 überschlugen sich die Ereignisse geradezu: Im Februar erhielt Kunze (zusammen mit Friederike Mayröcker) den Georg-Trakl-Preis, am 13. April übersiedelte er in die Bundesrepublik, im Mai erhielt er (zusammen mit Rose Ausländer) den Andreas-Gryphius-Preis und im Oktober den Georg-Büchner-Preis. Im Frühjahr desselben Jahres erschien, von Jürgen P. Wallmann herausgegeben, ein Materialienband, der, beim Gedichtband Sensible Wege beginnend, Rezensionen, aktuelle Interviews, Reden und Pressemeldungen versammelte. Im Vordergrund stand oft die Person und der „Fall“ Kunze. Der Film Die wunderbaren Jahre, zu dem Kunze das Drehbuch schrieb, wurde im Frühjahr 1980 zu einem Fall bundesrepublikanischer Filmkritik, bei dem es donnerte und blitzte. Manfred Jäger führt dies darauf zurück, „daß die Filmfachkritik einem Außenseiter mit dem Hintergrund des Bestsellerautors nur zu gern nachwies, daß der Schuster bei seinem Leisten bleiben möge“. Und Sabine Brandt scheint es „als könnten diese Kritiker in der Bundesrepublik Deutschland Opposition gegen die DDR nur dann vertragen, wenn der Opponent noch in der DDR wohnt, der Fall sich also außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland abspielt“. Reiner Kunzes erster Lyrikband nach seiner Übersiedlung traf deshalb 1981 auf eine besonders gespannte und gespaltene Rezeptionssituation. Bezeichnend war, daß viele der Rezensenten bei der Buchbesprechung auf den Film zu sprechen kamen. Den biographisch, aber auch künstlerisch veränderten Bedingungen, aus denen sich der Lyriker Reiner Kunze nach neun Jahren zurückmeldete, versuchten nur wenige gerecht zu werden. Möglicherweise war es aber auch die Tatsache, daß der Band Auf eigene Hoffnung eher im „Zeichen der Kontinuität als des Neubeginns“ stand, die entweder zu Affirmation oder Verriß führte.
Im Frühjahr 1982 legte Reiner Kunze einen Band mit Gedichten Jan Skácels vor, die er aus dem Tschechischen übersetzt hatte. Die Spur, auf die Milan Kundera bereits 1964 aufmerksam gemacht hatte, kann man hier auf höchst eindrucksvolle Weise wiederfinden, und unschwer wäre zu belegen, daß dem Lyriker Kunze nur gerecht werden kann, wer auch den Übersetzer (Skácels) zur Kenntnis nimmt. Deshalb sind in diesen Materialienband Übersetzungen Kunzes aus dem Tschechischen und Englischen aufgenommen. Soweit das wenige Monate nach dem Erscheinen von Reiner Kunzes zweitem Gedichtband nach seiner Übersiedlung – dem Band Eines jeden einziges Leben – möglich ist, sei hier festgestellt, daß die feuilletonistische Rezeption wieder stärker zu ästhetisch-literarischen Kriterien zurückgefunden hat. Die unverhältnismäßig starke Berücksichtigung von Kunzes Nachwort zu diesem Gedichtband deutet darauf hin, aber sie beweist auch, daß man den neueren, schwierigen und bisweilen sogar hermetischen Gedichten eher ausweicht und lieber Poetologisches zitiert und diskutiert. Erstaunen dürfte bei allen, die sich an Hans-Jürgen Heises polemischen Verriß des Bandes Auf eigene Hoffnung erinnerten, dessen lobende Besprechung des Bandes Eines jeden einziges Leben ausgelöst haben. Beide Rezensionen sind hier aufgenommen worden, um auf die Schnelllebigkeit und Wandelbarkeit feuilletonistischer Rezeption aufmerksam zu machen.

II.
Kein anderer (ehemaliger) Autor der DDR hat im Bereich der Schule eine solche Resonanz gefunden wie Reiner Kunze. Vorausgeschickt werden muß dabei, daß Texte Kunzes aus ideologischen Gründen nie Aufnahme in Schul- und Lesebücher der DDR fanden. In dem Gedicht „Wiederbegegnung bei euch“, das 1985 geschrieben wurde, heißt es:

Wenn eure lesebücher die verluste melden werden,
die eure zeitungen verschweigen – dann
vielleicht

Und in dem Gedicht „Siebzehnjährig“ aus dem Jahre 1969 werden folgende Zeilen aus einem offiziellen Lesebuchlied zitiert: „Wir sind jung / die welt ist offen“. Nicht zuletzt wird in den Prosaminiaturen der Wunderbaren Jahre die Zwiespältigkeit der DDR-Schulbücher, in denen indoktrinierende Texte vorherrschen und ideologiekritische totgeschwiegen werden, überaus deutlich; man denke an Texte wie „Literaturunterricht“ oder „Erbe“. Kurz: Kunze konnte als Autor in DDR-Schulbüchern nicht vertreten sein, weil seine gesellschaftskritischen Texte den Erziehungsprinzipien des Staates entgegenstehen und weil seine Texte sich gegen die offizielle Lesebuchliteratur wenden und für die unterdrückte Literatur einsetzen.
Seit 1976/77 haben Kunzes Texte jedoch in Schulbüchern der Bundesrepublik Einzug gehalten, worüber Rolf Eigenwald eingehend informiert. Kunzes Gedicht „Sensible Wege“ wurde sogar vom Bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus in den Kanon auswendig zu lernender Gedichte aufgenommen. Gründe für die breite Rezeption Kunzes bei Schülern, Lehrern, Schulbuchautoren und Lehrplanverfassern dürfte es viele geben. Kunzes Themen sind in ganz spezifischer Weise Themen junger Menschen; ja, die Prosa der Wunderbaren Jahre handelt fast ausschließlich von (psychologischen, familiären, schulischen und gesellschaftlichen) Konflikten Jugendlicher in einem autoritären System. Aber auch viele Gedichte, allen voran die „Monologe mit der Tochter“, kreisen um junge Menschen und suchen das Gespräch mit ihnen. Schließlich wird ein Autor, der Kinderbücher schreibt, auch im vorschulischen und schulischen Bereich verstärkt rezipiert. Grundsätzlich aber dürfte die Interpretierbarkeit der Texte Reiner Kunzes – d.h. die Texte geben Antwort, wenn man sie genau und nachdrücklich befragt – ein wesentliches Kriterium für ihre schulische Wirkung sein. Kunze bemüht sich auch in besonderer Weise um ein junges Publikum, wenn er wiederholt Lesungen in Schulen durchführt, wenn er durch Selbstkommentare und Selbstinterpretationen – man denke an die Büchnerpreis-Rede – schulischer Rezeption entgegenkommt. Er scheut sich auch nicht, schulische Publikationen, die eine Auswahl seiner Texte bieten, zu unterstützen. So ist es nicht übertrieben, wenn man feststellt, daß dieser in Schulbüchern der DDR totgeschwiegene Autor in besonderer Weise in denen der Bundesrepublik eine Heimat gefunden hat. Zu hoffen ist, daß dadurch keine Rezeption gefördert wird, die ideologische Vorbehalte bestätigt, sondern die Zugang verschafft zum „winzigen Reich des freien Verses“.

III.
Literaturwissenschaftler dagegen haben sich nur zögernd mit dem Werk Reiner Kunzes befaßt. Dabei dürfte das Gedicht „Grob“, das sich ausdrücklich, aber auch sehr ironisch an Germanisten wendet, eher als Einladung denn als Ausgrenzung zu verstehen sein. Nach wie vor aber ist es für eine mehr historisch orientierte Disziplin kein geringes Wagnis, sich auf die Imponderabilien des Literaturgeschehens einzulassen. Im Vorfeld wissenschaftlicher Publikationen, in Seminar- und Examensarbeiten, jedoch wird das Werk Reiner Kunzes zur Kenntnis genommen und analysiert, jedenfalls an deutschen Universitäten. Die italienische Dissertation von Helga Anania-Hess aus dem Jahre 1974 steht dem auf Aktualität, Biographie und Spekulation basierenden Genre des Feuilletons noch sehr nahe. Aber die Arbeiten von Hans Dieter Schäfer, Manfred Jäger und Marie Luise Linn, die in den 70er Jahren entstanden, sind gelungene Beispiele von Analysen eines Werkes, dessen Popularität ästhetische Qualität nicht ausschließt.
Ein zweiter, allerdings schmaler Materialienband des Literaturwissenschaftlers Rudolf Wolff versuchte im Frühjahr 1983, durch Nachdrucke und Erstveröffentlichungen analytischer Arbeiten für die Rezeption des Werks eine „größere Objektivität der Betrachtung“ (Günter Kunert) als bisher zu erreichen. Der vorliegende Materialienband weiß sich derselben Intention verpflichtet und möchte nachdrücklich auf die Kunze-Rezeption in Frankreich hinweisen, die die Germanistin Erika Tunner so kennzeichnet:

Die französischen Arbeiten sind nicht von außerkünstlerischen Erwägungen bestimmt, wenngleich außerkünstlerische Informationen verständlicherweise nicht zu umgehen waren. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht jedoch die Poetik Reiner Kunzes, die künstlerische Relevanz, die auch eine politische Relevanz ist, nicht als Manifest, nicht als geschickt verbrämte Propaganda oder Anti-Propaganda, sondern – als Kunstwerk.

Dieser Ansatz kommt dem Literatur- und Kunstverständnis Kunzes entgegen, der in seiner Büchnerpreis-Rede von 1977 feststellte: „Kunst braucht, um zu entstehen, nicht immer ein Gegen; auch ein Gegenüber kann inspirieren.“ Und in einem Gespräch mit Wolfgang Kraus im Dezember 1983 spricht Kunze das Rezeptionsverhalten im Westen direkt an, wenn er sagt:

Und es ist ein Grundirrtum der westlichen Rezeption von Literatur […] anzunehmen, ein literarisches Werk oder ein Kunstwerk überhaupt wirke nur dann antitotalitär, wenn es sich gegen ein totalitäres Regime richtet. Ein Kunstwerk wirkt antitotalitär, weil es ein Kunstwerk ist, weil es die schwächenden Gefühle – denn was schwächen sie denn, sie schwächen die Fähigkeit, brutal zu sein, die Fähigkeit, über die Menschen hinweg zu handeln – weil es die schwächenden Gefühle am Leben erhält und die Menschen sensibler macht.

Dennoch bleibt unzweifelhaft, daß der „Platzwechsel“ für Autoren wie Sarah Kirsch, Günter Kunert und Reiner Kunze nicht nur mit biographischen, sondern auch mit künstlerischen Orientierungsproblemen verbunden war oder noch ist. Ideologisch und ästhetisch polarisierende Kriterien können diesen Problemen jedoch nicht beikommen. Hier dialektisch zu argumentieren und bei aller Gemeinsamkeit auch die künstlerischen Eigenheiten der genannten Autoren herauszuarbeiten, wäre Aufgabe einer Arbeit, die Literaturgeschichte und Literaturgeschehen gleichermaßen kritisch ins Auge faßt.
Eine Frage, die nach dem Platzwechsel auch an das Werk Reiner Kunzes zu stellen ist, ist die Frage nach der realistischen Schreibweise. Kunze steht wie viele DDR-Autoren in der Tradition realistischer Literatur. Aber bereits in der DDR hatte Kunze sich die Freiheit genommen, die künstlerische Maxime der Genauigkeit wörtlicher zu nehmen, als es der kanonisierte sozialistische Realismus erlaubte. Und auch in der Bundesrepublik bedeutet diese Maxime nicht mimetisches Abbild, sondern Präzision des Gedankens und Stimmigkeit des poetischen Bildes. Kunzes Schreibweise steht durchaus noch in der Tradition eines Brechtschen Realismus, aber sie hat ihren Platz ebenso im Museum der modernen Poesie und steht der surrealen Bildlichkeit des tschechischen Poetismus nahe. Ebenso bedeutsam ist die Frage nach der Subjektivität der Lyrik Kunzes. In der DDR, wo Kunze zur Gruppe jener Autoren zählte, die den subjektiven Standpunkt bis zu einer „Rehabilitierung des Ich“ führten und dem kulturpolitisch propagierten „Wir“ entgegensetzten, führte dies zum Verdikt vom antikommunistischen Individualismus. Dieser subjektive Standpunkt war in der DDR immer auch ein politischer. In der bundesrepublikanischen Gesellschaft wurde in den 70er Jahren in der Lyrik die „neue Subjektivität“ vieler Autoren richtungsweisend. Mit ihr hat Kunzes sehr formbewußtes Kunstverständnis aber ebensowenig gemein wie mit der politischen Unverbindlichkeit bürgerlicher Innerlichkeit. Daß es für ihn auch im Westen Deutschlands eine künstlerische Perspektive lyrischer Subjektivität geben kann, hat Kunze nicht nur in seiner Büchnerpreis-Rede zum Ausdruck gebracht. Sie könnte mit Günter Kunerts Worten wie folgt beschrieben werden:

Jedes Gedicht ist sowieso ein Akt des Widerstands gegen alle Welt, welche den letzten individuellen Ausdruck, den letzten leidlich persönlichen Schmerz in ihr Raster pressen und dem Vorrat ihrer Muster zuschlagen will.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland könnte in der unkorrumpierten, höchst individuellen Sprache dieser „privaten Texte“ eine politische Kraft liegen, die sich jeder Sprachregelung widersetzt. Gerade in den neueren, im Westen entstandenen Texten von Sarah Kirsch („Irrstern“), Günter Kunert („Stilleben“) oder eben Reiner Kunze („Eines jeden einziges Leben“) ist eine bemerkenswerte sprachliche Widerstandskraft in all dem „Bimbam von Worten“ zu entdecken.
Was den politischen Zukunftsoptimismus der DDR-Gesellschaft betrifft, so hatte ihm Reiner Kunze in seinem Prosabuch Die wunderbaren Jahre eine deutliche Absage erteilt. Den negativen Zukunftsvisionen, die viele westliche Demokratien plagen, versagt sich Kunze aber auch, denn er steht, darin Günter Kunert verwandt, in der Tradition eines Existentialismus im Sinne Camus’. Zu dessen Essenz gehört – allen spekulativen Weiterungen zum Trotz – weder eine gesellschaftspolitische noch eine heilsgeschichtliche Utopie. Trotzdem ist dem Werk Reiner Kunzes, im Gegensatz zu Kunerts Texten, ein individuell formuliertes Dennoch eigen, von dem ein hoher moralischer Anspruch und Hoffnung ausgehen.
Daß zu Reiner Kunzes Werk die politische Lyrik gehörte und gehört, kann kaum ernsthaft bestritten werden. Allerdings wehrt sich Kunze nach wie vor gegen Etikettierungen wie „politischer Lyriker“ oder „oppositioneller Schriftsteller“. Wichtiger scheint dabei die Frage zu sein, ob die politischen Gedichte dieses Autors in der Bundesrepublik mit den selben Mitteln arbeiten wie in der DDR. Agitprop steht Kunzes schriftstellerischem Temperament und Selbstverständnis nach wie vor diametral entgegen. Anspielungen, Andeutungen und Verschlüsselungen sind hingegen seine Mittel, Mißstände zu benennen und zu entlarven. Ob dies in einer permissiven Gesellschaft die geeigneten Mittel sind, kann hier nicht entschieden werden. Zu beobachten ist, daß politische Gedichte in den letzten beiden Gedichtbänden Kunzes eher seltener zu finden sind. Zudem verlangt die nuancenreiche Bildersprache mit ihren Zwischentönen und Unbestimmtheitsstellen vom Leser, die gesellschaftskritischen Töne zwischen den Zeilen zu suchen.
Was nun die wissenschaftliche Rezeption des Kunzeschen Œuvres betrifft, so gäbe es noch weitere Desiderate. Schon Karl Corino hat gesehen, daß „Kunzes Übersetzertätigkeit mangels entsprechender Aufmerksamkeit der Slawisten bis heute noch nicht gewürdigt“ ist. Die poetologischen und hermeneutischen Fragestellungen, die Gérard Raulet in seinem Aufsatz aufgreift, laden zu weiterführender Analyse und zum wissenschaftlichen Diskurs ein. Ein Musikwissenschaftler mit strukturalistischem Inventar könnte auf systematischem Wege das fortsetzen, was Walter Heise mehr assoziativ zum Gedicht „Die Bringer Beethovens“ zusammengetragen hat. Von größtem Interesse wäre eine rezeptionsgeschichtliche oder rezeptionsästhetische Untersuchung, die Kunzes Werk in einen gesamtdeutschen Kontext stellt. Nicht zuletzt fehlt eine Arbeit, die der Interpretierbarkeit der Gedichte Kunzes Rechnung trägt und – auf welchem methodischen Weg auch immer die allenfalls propädeutischen Interpretationen aus der Frankfurter Anthologie zu analytischen Deutungen ausbaut.

IV.
Fehlte in der DDR die feuilletonistische, schulische und wissenschaftliche Rezeption Kunzes fast völlig, und hatte Kunze in den Zeitschriften und Verlagen der DDR von 1962-1977 kaum oder nur sehr schlechte Publikationsmöglichkeiten, so hatte er dennoch über Jahre hinweg eine große Hörer- und Leserschaft. Seine Texte kursierten in Abschriften, und wenn einmal ein Buch verlegt wurde, war es wie der Auswahlband Brief mit blauem Siegel, der in einer Auflage von 30.000 Exemplaren erschien, sofort vergriffen und wurde von nicht wenigen wie „ein Brevier“ gelesen. Nur im Frühjahr 1974 konnte Kunze in einer öffentlichen Lesung während der Leipziger Messe im Gohliser Schlößchen mit dem Plazet der Kultusbehörde seine Gedichte vortragen. In Studentengemeinden und kirchlichen Räumen aber fand Kunze sein – oftmals junges – interessiertes Publikum. Dieser Autor erreichte also trotz größter Hindernisse und Behinderungen seine Leser und Hörer. Zum einen liegt das an der kritischen und kommunikativen Qualität seiner Texte, zum andern gehört es zum Selbstverständnis Kunzes, den Leser auch als Brief- und Dialogpartner ernstzunehmen. Die Hochschätzung des Lesers als Dialogpartner, dem man schöpferische Rezeption nicht nur zutraut, sondern auch zumutet, teilt Kunze mit vielen DDR-Autoren seiner Generation, und er hält auch in der Bundesrepublik ebenso daran fest wie Günter Kunert, der nicht ohne Selbstironie schreibt:

Denn ohne ihn, ohne den Leser, ruhen die Dichter und Schriftsteller und selbst jene, die die Profession nur vortäuschen, in ihren kartonierten oder leinengebundenen Särgen, ärger gebannt als Graf Dracula. Solange sie nicht mittels des Wortes in den Leser eindringen können, sind sie nichts anderes als nutzloses Material. Das jedoch heißt, daß die Unsterblichkeit des Dichters konsequent die Unsterblichkeit des Lesers erfordert.

Mit anderem Temperament als Kunert, ohne Ironie, aber mit großem Ernst und Pathos formuliert es Reiner Kunze.

DER LESER
(für Toni Pongratz)

Wo,
aaawo bliebe das wort, abgeschwiegen
dem tod, wäre, hochgesetzt,
der hallraum nicht
eines herzens

Wie viele Lyriker in der Bundesrepublik gibt es, die wie Reiner Kunze imstande sind, in vielen Städten der Bundesrepublik, Österreichs und der Schweiz Säle mit interessierten Zuhörern zu füllen? Kunze sucht wie in der DDR auch hier sein Publikum (auf). Er geht in Buchhandlungen, Hörsäle und Studios, um seine Leser zu erreichen und zu gewinnen. Durch eine genaue Textauswahl und einen prononcierten Vortragsstil gelingt es ihm hier seit fast zehn Jahren, ein Publikum zu erreichen, das nicht mit „leichter Kost“ zu gewinnen ist. In dieser Öffentlichkeitsarbeit ist das Komplement zu Kunzes bewußt gewählter Zurückgezogenheit zu sehen, die er zum Schreiben braucht. Die Abgeschiedenheit des Bayerischen Waldes aber führt ihn auch zu kulturellen Aktivitäten abseits vom etablierten Kultur- und Literaturbetrieb. Die enge Zusammenarbeit mit dem Hauzenberger Ein-Mann-Verlag des Toni Pongratz ist ein Beispiel dafür. Ein anderer ungewöhnlicher Kontakt entstand zwischen Reiner Kunze und dem jungen Maler Mario Schosser, der über mehrere Jahre hinweg Bilder zu Gedichten Kunzes malte. Sie wurden im November 1986 in Landshut ausgestellt.
Eher verwundert es, daß das Publikum Kunze auch dann folgt, wenn er ihm, wie in seinem neuen Gedichtband, ästhetisch komplexe lyrische Texte zumutet, besser: zuspricht. Manchmal scheint es, als mißtraute der Autor seinem Erfolg, wenn er formuliert: „Viel und Dichtung schließen einander aus. Alle und Dichtung schließen einander aus.“ Im Grunde spricht aus diesem Credo Kunzes Verteidigung und Wertschätzung der Poesie bzw. der Kunst, die er, darin ganz in der Tradition der Romantik stehend, zum höchsten Wert erhebt:

Eine politische Partei oder konfessionelle Gemeinschaft kann also nur mit der Kunst leben oder gegen sie – je nachdem, ob es im Interesse der betreffenden Partei oder Gemeinschaft liegt, daß der einzelne Mensch aus seiner eigenen Mitte heraus lebt, oder ob sich das Interesse darauf richtet, diese Mitte zu okkupieren und ihn zu unterwerfen. Für eine bestimmte parteipolitische oder konfessionelle Richtung gibt es keine Kunst, wenn diese Richtung nicht die Richtung der Kunst ist.

Diese antiideologische Grundhaltung Kunzes ist verbunden mit einem zweifellos idealistischen Kunstbegriff, der jedoch, wie die dritte Nachbemerkung der Zimmerlautstärke zeigt, zu relativieren ist: „Gedichte sind mißbrauchbar. Wie die macht.“

V.
Will man dem Schriftsteller Reiner Kunze gerecht werden, muß man die drei Bereiche, in denen er schriftstellerisch arbeitet, beachten. Zuerst ist Kunze Lyriker; als Lyriker ist er auch Übersetzer, zumeist aus dem Tschechischen, und hier besonders von Gedichten Jan Skácels. Schließlich ist Reiner Kunze Autor von Kinderbüchern. Diese drei Formen schriftstellerischer Tätigkeit bestimmten und bestimmen Kunzes Leben, ob in der DDR oder in der Bundesrepublik. Für Kinder schreibt Kunze, „weil mir Kindergeschichten einfallen, und weil Kinder nach Geschichten hungern. Hinzu kommt, daß für Kinder zu schreiben heißt, sie fröhlich machen und dabei auf die Tragik vorbereiten helfen, die das Leben für jeden bereithält.“

Was die Übersetzertätigkeit betrifft, so hat Kunze an verschiedenen Orten von ihren Mühen gesprochen. Ein Gedicht von 1982, dem Jahr des Erscheinens von Skácels Gedichtband wundklee, läßt diese Kunst in poetischen Bildern sichtbar werden:

NACHDICHTEN

Mit der goldwaage wiegen
und das herz nicht anhalten dabei

Noch dort dem dichter folgen wo der vers
im dunkeln läßt

Den kopf hinhalten für ihn

Was den „unverbesserlichen Lyriker“ Reiner Kunze auszeichnet, kann gut mit Hilfe einer Kurzcharakteristik Hilde Domins gesagt werden:

Der Mut, den der Lyriker braucht, ist dreierlei Mut, mindestens: der Mut zum Sagen (der der Mut ist, er selbst zu sein), der Mut zum Benennen (der der Mut ist, nichts falsch zu benennen und nichts umzulügen), der Mut zum Rufen (der der Mut ist, an die Anrufbarkeit des andern zu glauben).

Den Mut zum Sagen, zum Ich-Sagen hat Reiner Kunze in 25 Jahren nicht verloren, wenn auch das Wort „ich“ in seinen Gedichten relativ selten zu finden ist. Der Mut zum Sagen erkennt die Realität des Unbewußten in besonderer Weise an; letztlich ist es der Mut zu allen Facetten des Subjekts. Marie Luise Kaschnitz hat dies einmal in der subjektivsten Gattung, im Gedicht, so ausgedrückt:

Zeile für Zeile
Meine eigene Wüste
Zeile für Zeile
Mein Paradies

In einem ähnlich unvergeßlichen Bild spricht Reiner Kunze in seinem mit Recht oft zitierten Gedicht „Sensible Wege“ aus dem Jahre 1966 vom Subjekt und seiner Gefährdung:

SENSIBLE WEGE

Sensibel
ist die erde über den quellen: kein baum darf
gefällt, keine wurzel
gerodet werden

Die quellen könnten
versiegen

Wie viele bäume werden
gefällt, wie viele wurzeln
gerodet

in uns

Die Innenperspektive ist nur eine Ebene des Gedichts, denn mit dem Bild vom „Roden der Wurzeln“ beginnt Kunze einen lyrischen Dialog mit dem Werk und der Person des Dichters Peter Huchel, der bis heute unvermindert anhält. Der Mut zum Sagen ist bei Kunze schon sehr früh und sehr eng verbunden mit dem Mut anderer Dichter. In Peter Huchels Gedicht „Der Garten des Theophrast“, das 1962 erstmals in der letzten von Huchel verantworteten Nummer der Zeitschrift Sinn und Form veröffentlicht wurde, lauten die Schlußzeilen: „Sie gaben Befehl, die Wurzel zu roden. / Es sinkt dein Licht, schutzloses Laub.“ Das Gedicht trägt die Widmung „Meinem Sohn“, wodurch ihm das Gewicht eines Vermächtnisses zukommt. Kunze hat dieses Vermächtnis in seiner Lyrik immer wieder zum Leben erweckt und dem Dichter Peter Huchel in seinen Gedichten einen festen Platz eingeräumt. Was Huchel, der 1971 die DDR nach vielen Jahren des Schweigens und der politischen Schikanen verlassen konnte, widerfuhr, faßt Kunze im selben Jahr mit großer Präzision und unverblümt in wenigen Zeilen zusammen:

GEBILDETE NATION

aaaPeter Huchel verließ die
aaaDeutsche Demokratische Republik
aaa(nachricht aus Frankreich)

Er ging

Die zeitungen meldeten
keinen verlust

Der Mut zum Benennen fällt in diesem politischen Spruchgedicht zusammen mit dem ästhetischen Mut zur Reduktion, wobei die wenigen Worte typo-graphisch arrangiert werden. Das Gedicht benennt einen konkreten Anlaß. Es reflektiert ein bestimmtes historisches Ereignis. 1962 war Peter Huchel als Chefredakteur der Zeitschrift Sinn und Form, die er seit 1949 geleitet hatte, entlassen worden. Bis zu seinem Weggang im Jahre 1971 wurde er in der DDR in eine künstlerische und politische Isolation gedrängt und lebte abgeschieden in Wilhelmshorst bei Potsdam. Huchels Gedichte wurden aus Lesebüchern entfernt, sein Name aus Lexika und Literaturgeschichten gestrichen. Man schwieg ihn tot. Man verschwieg dann auch, daß er die DDR verlassen hatte. Vom Weggang des Dichters war, so Kunzes Gedicht, nur aus dem westlichen Ausland zu erfahren. Mit Bitterkeit wird dieses Faktum kommentiert. Durch die Pressezensur wird ein Volk ideologisch „gebildet“. Der Gedichttitel benennt – für jeden Leser in der DDR direkt zu erkennen – diesen Tatbestand der Desinformation, indem er einen kulturpolitischen Slogan, „Auf dem Weg zur gebildeten Nation“, aufnimmt und den Titel der Sonntagsbeilage des Neuen Deutschland zitiert. Zugleich ist jedoch der schmerzliche Verlust dessen, der hier schreibt, nicht zu übersehen.
Der Mut zum Rufen schließlich ist für die Lyrik Kunzes ebenso konstitutiv wie der Mut zum Sagen und zum Benennen. Selbst die epigrammatischsten Texte haben noch eine dialogische Grundstruktur. Kunzes Gedichte sind Monologe eines Subjekts, aber als solche „Selbstgespräche für andere“ oder versuchte Dialoge. So auch das folgende Gedicht aus dem Jahre 1985, das bereits an früherer Stelle erwähnt wurde und das hier ganz zitiert werden soll, weil es zeigt, wie sehr die Gedichte Kunzes Teile eines (fortgesetzten) Gesprächs sind und miteinander korrespondieren:

WIEDERBEGEGNUNG BEI EUCH

aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaNicht gewillt,
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaum Milde zu bitten
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa
Peter Huchel

Wenn eure lesebücher die verluste melden werden,
die eure zeitungen verschweigen – dann
vielleicht

Doch zu ende zählen werden wir die tage nicht

Euch, die ihr gespräche dort pflanzt,
wo sie befahlen, die wurzeln zu roden,
hinterlasse ich den treffpunkt,
damit ihr ihn hinterlaßt:

Beim blauen schriftzug des eisvogels,
der nur dann seinen ort verläßt,
wenn den bächen das eis
bis zum quell steht

Dieses Gedicht wendet sich unzweifelhaft an ein Publikum in der DDR, von dem Kunze heute die Grenze trennt, die Deutschland teilt. Kunzes Weggang meldeten die Parteiorgane der SED 1977 nicht, nachgerufen wurden ihm allenfalls Schmährufe. Der Autor dieses Gedichts ruft über die deutsch-deutsche Grenze und führt einen lyrischen Dialog mit dem Dichter Peter Huchel. Das Gedicht setzt ein mit dem eingerückten Zitat zweier Verse aus Huchels Gedicht „Das Gericht“. Nicht Milde bestimmt den Zuruf, sondern Entschiedenheit. Erst wenn in den Lesebüchern der DDR Gedichte Huchels, Biermanns, Kunerts, Kunzes u.a. zu finden sein werden, ist eine Wiederbegegnung denkbar. Fast wörtlich nimmt Kunze in der ersten Versgruppe die Schlußzeilen des Gedichts „Gebildete Nation“ wieder auf. In den Zeilen 5 und 6 zitiert er zwei Zeilen aus Huchels Gedicht „Der Garten des Theophrast“, das auch Bezugspunkt für das Gedicht „Sensible Wege“ war. Kunzes Rufen ist ein Rufen mit der Stimme eines Verrufenen und Verschwiegenen. Das beschwörende Schlußbild vom Eisvogel ist poetische Chiffre einer existentiellen Wahrheit, die nicht mehr in dem Seneca-Motto des Bandes Zimmerlautstärke zu fassen ist:

… bleibe auf deinem Posten und hilf durch deinen Zuruf; und wenn man dir die Kehle zudrückt, bleibe auf deinem Posten und hilf durch dein Schweigen.

Das Gedicht spricht nicht mehr vom „Überwintern mit dem Maul am Grund“ oder von „Quellen, die versiegen“, sondern vom Vereisen des Flusses bis zum Quell, was selbst dem Eisvogel das Ausharren verwehrt. Ein Bild, das mit der Schlußfrage aus Peter Huchels „Winterpsalm“ korrespondiert, wo gefragt wird:

Atmet noch schwach,
Durch die Kehle des Schilfrohrs,
Der vereiste Fluß?

Reiner Kunze lebt seit zehn Jahren in der Bundesrepublik, und solange seine Gedichte, die Huchels und anderer nicht wieder zur Literatur der DDR gezählt werden, werden wir auch in seinen neuen Gedichten, die vom Mut zum Sagen, zum Benennen und zum Rufen getragen werden, mit der Grenze konfrontiert, die Wolf Biermann so benannt und besungen hat:

Was wird nur aus unsern Träumen
In diesem zerrißnen Land
Die Wunden wollen nicht zugehn
Unter dem Dreckverband
Und was wird aus unsern Freunden
Und was noch aus dir aus mir –

Heiner Feldkamp, Vorwort, November 1986

 

Inhalt

Einleitung….

I. Über die Poesie.
Drei Texte von Reiner Kunze

– Rede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises (1977)

– Auf der Rückseite der Gebirge.

– Rede für eine Lesung Ilse Aichingers (1982)

– Jungen Lesern vorgestellt: „Sommersprosse“ von Milan Kundera (1983)

II. Porträts und Analysen

1. Porträts

ERNST JANDL: Laudatio für Reiner Kunze. Zur Verleihung des Georg-Trakl-Preises (1977)

HEINRICH BÖLL: Laudatio auf den Georg-Büchner-Preisträger Reiner Kunze (1977)

LOTHAR SCHMIDT-MÜHLISCH: „Doch ich bin angekommen – auch dies ist mein Land.“ Zu Gast bei dem deutschen Dichter Reiner Kunze am Ende der bayerischen Welt (1984/85)

2. Analysen

HERBERT STRICKNER: Vom Kollektiv zum Individuum. Zur frühen Lyrik Reiner Kunzes (1986)

GERARD RAULET: Problematische Einfachheit. Hermetik und Kommunikation in der Lyrik Reiner Kunzes (1983)

III. Rezensionen

Vorbemerkung

1. Über den Gedichtband Widmungen (1963)

SABINE BRANDT: Des Regenbogens angeklagt (1964)

MILAN KUNDERA: Böhmen – Inspiration eines deutschen Dichters (1964)

Bibliographie

 

2. Über den Gedichtband Sensible Wege (1969)

PETER RÜHMKORF: Reiner Kunze „Partituren – Gedichte aus fünfzehn Jahren“ – Verlagsgutachten (1967)

HEINZ PIONTEK: Hunger nach der Welt (1969)

Bibliographie

 

3. Über den Gedichtband Zimmerlautstärke (1972)

WERNER WEBER: Zwischen Zuruf und Schweigen (1973)

HANS DIETER SCHÄFER: Zimmerlautstärke (1972)

Bibliographie

 

4. Über den Gedichtband Auf eigene Hoffnung (1981)

ALBERT VON SCHIRNDING: Geduld und Demut (1981)

HANS-JÜRGEN HEISE: Verlust der poetischen Unschuld (1981)

WERNER ROSS: Laudatio auf Reiner Kunze, den Geschwister-Scholl-Preisträger (1981)

Bibliographie

 

5. Über den Gedichtband Eines jeden einziges Leben (1986)

MARTIN AHRENDS: Eines jeden einziges Leben (1986)

HANS-JÜRGEN HEISE: Pathos des Herzens (1986)

HARALD HARTUNG: Und das Gedicht ist Verzicht (1986)

Bibliographie

 

6. Über den Prosaband Die wunderbaren Jahre (1976)

PETER HORST NEUMANN: Wertsache Buch: „Die wunderbaren Jahre“ von Reiner Kunze (1976)

HANS MAYER: Aus dem Alltag der Lüge (1976)

Bibliographie

 

7. Über den Film Die wunderbaren Jahre (1980)

SABINE BRANDT: Politische Polemik um einen deutschen Film (1980)

Bibliographie

 

IV. Bildteil. 20 Fotos zu Leben und Werk

V. Einzelinterpretationen

RAYMOND HEITZ: Entlarvte Phrasen. Zu dem Gedicht „Kurzer Lehrgang“ (1984)

MARGOT KAISER: „Warum sind Löwenzahnblüten gelb?“ Zu einem Kindergedicht Reiner Kunzes (1986)

HANS MAYER: Vollständiger Lebenslauf. Zu dem Gedicht „Erster Brief der Tamara A.“ (1976)

OTTO KNÖRRICH: „Auf dich im blauen Mantel“. Zu einem Liebesgedicht Reiner Kunzes (1986)

VOLKER HAGE: Gegen Verlockungen. Zu dem Gedicht „Tagebuchblatt 74“ (1978)

GERTRUD FUSSENEGGER: Schattenwelt mit Oberlicht. Zu dem Gedicht „Literaturarchiv in M.“ (1987)

 

VI. An Reiner Kunze. Zwölf Gedichte

JÜRGEN BECKER: Die wunderbaren Jahre

WOLF BIERMANN: Selbstportrait für Reiner Kunze

VOLKER BRAUN: R.

HARALD GRILL: sommernacht überm vorwald

WULF KIRSTEN: stufen

VÍT OBRTEL: DUB / DIE EICHE

EWALD OSERS: CATHEDRAL, TOLEDO / KATHEDRALE, TOLEDO

HEINZ PIONTEK: Von einem gebrannten Kind und seinem widersinnigen Feuer

ULRICH SCHACHT: AUSSICHT

JAN SKÁCEL: BÁSEŇ, KTERÁ ODMÍTÁ MÍT NÁZEV / GEDICHT DAS ES ABLEHNT EINEN TITEL ZU HABEN

THOMAS STOLLE: WINTERLICHER ANSCHAUUNGSUNTERRICHT

GERALD ZSCHORSCH: Traumreise

VII. Anhang

HEINER FELDKAMP: Reiner Kunze. Kleine Chronik zu Leben und Werk

HEINER FELDKAMP: Reiner Kunze. Eine Bibliographie

Quellenverzeichnis

Danksagung

 

Über dieses Buch

1987 arbeitet Reiner Kunze seit 25 Jahren als freier Schriftsteller. Was 1962 im thüringischen Greiz in der DDR begann, setzte Reiner Kunze nach der erzwungenen Übersiedlung 1977 in der Bundesrepublik Deutschland, wo er in der Nähe von Passau wohnt, fort. Das „zerrissene Land“, von dem Wolf Biermanns Leben und Werk so bestimmt ist, kennzeichnet gleichermaßen die schriftstellerische Existenz Reiner Kunzes. Auch zehn Jahre nach der Übersiedlung ist sein schriftstellerisches Engagement, das Öffentliches und Privates umfaßt, ungebrochen. Reiner Kunze ist sich als freier Schriftsteller treu geblieben, d.h. er will sich nie mehr von einer politischen Partei vereinnahmen lassen und dennoch immer wieder in seinen Gedichten Partei ergreifen für die Freiheit, Würde und Leidenschaft des Menschen.
Bei aller Kontinuität und Konsequenz hat Reiner Kunze künstlerisch einen weiten Weg zurückgelegt, der nicht erst beim „Opus 1“, den Widmungen, 1963 begann und der bis zum Gedichtband Eines jeden einziges Leben von 1986 reicht. Es ist der Weg eines Autors, der konsequent für sich selbst schreibt und der schreiben muß, ohne nach literarischen Moden zu schielen. Aus dieser Haltung heraus, die keinen Kompromiß duldet, der die künstlerische Freiheit substantiell einschränkt, entstehen bildkräftige und lakonische Gedichte, die Moralität mit ästhetischer Qualität zu einer „Ästhetik des Humanen“ (Heinrich Böll) vereinen. So ist es nur folgerichtig, daß Kunzes Dichtung von vielen Lesern in mehr als zwanzig Sprachen gesucht und gefunden wird.
Dieses Buch bietet den bisher umfassendsten Überblick über Leben und Werk, Wirken und Wirkung Reiner Kunzes. Es dokumentiert die breite feuilletonistische Rezeption durch charakteristische Kritiken und versucht, durch Interpretationen und Essays Wege wissenschaftlicher Rezeption aufzuzeigen.
Seine sieben Teile: Über die Poesie. Drei Texte von Reiner Kunze / Porträts und Analysen / Rezensionen / 20 Fotos zu Person und Werk / Einzelinterpretationen / An Reiner Kunze. Zwölf Gedichte / Anhang: Chronik zu Leben und Werk, Bibliographie.

Fischer Taschenbuch Verlag, Klappentext, 1987

 

Kunze-Preis-Rede

Gebeten, anlässlich der erstmaligen Verleihung des Reiner-Kunze-Preises einige Worte zu finden, mit denen ich mein Verhältnis zum Namensgeber dieses Preises beschreiben könnte, beschränke ich mich auf einige wenige Erinnerungen an gemeinsame Unternehmungen mit Reiner Kunze, weitab möglichst von dem, was man gemeinhin „Literatur“ nennt und schon nicht mehr auch nur in „Versuchter Nähe“, wie Hans-Joachim Schädlich es bezeichnen könnte, zum sogenannten „Literaturbetrieb“. Kürzer gesagt, will ich etwas erzählen, allerdings in indirekter Weise, vom Menschen Reiner Kunze und meinem Verhältnis zu ihm, und nur an den Rändern tauchen wir vielleicht gemeinsam auf auch als Schriftsteller und haben durch unser Verhalten gegenüber dem Leben, im Leben dann auch ein „Verhältnis“ als Schreibende zueinander, nach dem hier gefragt wurde.

VIER BILDER ZU REINER KUNZE

Erstes Bild: Die Reise einer alten Dame
Im späten Herbst 1979 begab sich eine Rentnerin aus Reichenbach im Vogtland auf Verwandtenbesuch nach Hessen, sie benutzte den sogenannten „Interzonen-Zug“ von Warschau nach Frankfurt am Main, der am Nachmittag jeden Tages wie selbstverständlich auch in Reichenbach im Vogtland hielt. Weitab vom heutigen Maien-Sonntag und zurück in eine andere Zeit, „Im traurigen Monat November war’s / Die Tage wurden trüber, / Der Wind riß von den Bäumen das Laub, / Da reist sie nach Deutschland hinüber…“, bin ich versucht zu sagen. – Aber das wusste ich nicht, kannte nur Heines Eingang zum Wintermärchen, und das Einfärben der Blätter an den Bäumen hatte ich in diesem Herbst 1979 nicht mehr sehen können und miterleben, denn ich saß seit meiner Verhaftung an einem frühen sonnigen Oktobertag in einer Einzelzelle mit Glasziegel-Fenstern des Stasi-Untersuchungsgefängnisses Karl-Marx-Stadt und wartete auf das täglich mehrstündige Verhör.
Die mit der Mutter meiner Schwägerin befreundete Rentnerin aber kam an diesem Tag im November gut über die innerdeutsche Grenze bei Eisenach, nur wenig kontrolliert von den mit Bauchläden und Fahndungsbuch durch den Zug patrouillierenden Uniformierten, die auch nicht versäumt hatten, wie immer, ihre Schäferhunde über die gesamte Länge des Zuges unter den Waggons entlangzuschicken. – Und doch war es geschehen, dass dem Gesicht der Rentnerin und besonders den Wangen während der Kontrolle ihres Ausweis-Dokuments eine leichte Röte angeflogen war, über deren Ursache sie sich in vollem Bewusstsein befand, nicht etwa Scham, zu schämen hatten sich in diesen Zeiten, die es nicht taten, sondern nacktes Erschrecken, keineswegs aber Angst, war in diesem Moment über ihren Mut gekommen. Vielleicht dämpfte, so hoffe ich noch immer, ihren jetzt leicht beschleunigten Herzschlag zumindest optisch ein wenig, und daher für die Uniformierten unsichtbar, gerade der in ihrem Mantel eingenähte Brief, den sie mutig aus den Händen meiner Verwandtschaft an sich und schließlich mit auf ihre Reise genommen hatte. Über diese Grenze. Auf dem Umschlag war ausgewiesen als Adressat: Herr Reiner Kunze – über S. Fischer Verlag – Frankfurt am Main. In Hessen bei ihrer Verwandtschaft angekommen, klebte die Rentnerin auf den, nun aus dem Futter ihres Mantels herausgetrennten Brief, eine Marke, ohne sich vielleicht um deren Motiv weiter zu kümmern, und schickte ihn auf seinen, den ihm bestimmten Weg. Der Brief erreichte seinen Adressaten, und der Dichter Reiner Kunze erfuhr, dass ich im Gefängnis saß unter dem Vorwurf der „staatsfeindlichen Hetze“ wegen meiner Gedichte.
Viele Male fuhr Reiner Kunze damals dann mit dem Nachtzug den langen Weg von Passau nach Bonn, um mit beginnendem Tag dort beizutragen innerhalb einer Kommission, deren Vorsitzender zu dieser Zeit gerade Helmut Kohl war, die politische Häftlinge der DDR auf eine Liste für Verhandlungen setzte, um deren „Freikauf“ zu erreichen. – „Sie sind der Dreiundsiebzigste, den wir raushaben!“, schrieb mir Reiner Kunze später in seinem ersten Brief, als ich nach einem Jahr und zwei Monaten in den Gefängnissen von Karl-Marx-Stadt und Cottbus endlich nach Westberlin gelangt war.

Zweites Bild: Die Holzbank am Rande der Stadt
Anderthalb Jahrzehnte später, 1994, rief mich das Bayerische Fernsehen an, die Dokumentarfilm-Regisseurin Siegrid Esslinger, und fragte an, ob ich nicht als Interview-Partner an einem Film über Reiner Kunze mitwirken wolle und könne, den die ARD die Absicht hätte zu drehen.
Ich kannte Reiner Kunze und seine Gattin seit Weihnachten 1974 persönlich, also seit zwanzig Jahren, seit ich ihm damals in einem Dezember während eines kurzen Urlaubs einige Materialien zu meinem „Rausschmiß“, meiner Relegation von der Oberschule, von Reichenbach nach Greiz brachte, die er später für sein großes Buch Die wunderbaren Jahre verwenden sollte. Ein für mich unvergessliches Wunder stellte sich jedoch damals bereits während unserer Zusammenarbeit ein, als mir während des Gesprächs seine Gattin, Elisabeth Kunze, wahrhaftig einen Jasmin-Tee servierte. – So sagte ich jetzt natürlich dem Fernsehen sofort zu und fuhr einige Tage später von Reichenbach im Vogtland die wenigen, die neun Kilometer, nach Greiz in Thüringen, so, wie ich es immer getan hatte.
Das Interview gab ich im Hof des großen gelben Postgebäudes in der unmittelbaren Nähe des Greizer Bahnhofes, und ich sah in meinem hellblauen Sommerhemd schon fast wie ein von Reiner Kunze selbst erträumter Briefträger aus. Einige am Film ebenfalls beteiligte Menschen aus Greiz gingen dort umher mit aufgeschlagenen Briefmarken-Alben, eine Frau, natürlich Verehrerin Kunzes, zeigte mir ihr Album, die Doppelseite vor allem mit Schmetterlingsmarken, und verwies auf Texte des Dichters wie etwa die „21 variationen über das thema ,die post‘“, die ich, natürlich, so gut wie auswendig kannte.
Ich gab vor der Kamera einige gewollt „kernige“ Sätze, möglichst schlagende, von mir, wobei mir derjenige meiner Gedanken heute noch am treffendsten in der Erinnerung wieder erscheint, Reiner Kunze hätte, im Gegenteil ganz zu den Absichten des Staates ihm gegenüber, sagte ich, eingelöst in einmaliger Weise, was die DDR als Programm von ihren Schriftstellern stetig und lauthals einforderte. Reiner Kunze, sagte ich, hat wie kein anderer, beinahe im umgekehrten Sinne, auf gegensätzlichen Wegen und höchst unfreiwillig im Sinne der Doktrin, dies erfüllt: ein wirklicher Volksdichter zu sein. –
Ich war damit zufrieden, die Regisseurin Siegrid Esslinger schien es auch, und ich fuhr wieder nach Reichenbach, die neun Kilometer nach Hause.
Als der Film Der Schriftsteller Reiner Kunze dann im Herbst des Jahres in der fertigen Endfassung über den Bildschirm ging, sah ich während eines nachgezeichneten Rundganges Reiner Kunzes auf den Wegen seiner Kindheit und frühen Jugend in der Stadt Oelsnitz im Erzgebirge, den Dichter sitzen auf einer Bank am Rande dieser Stadt. Gefragt, ob er noch mitkommen wolle auf den Berg gegenüber, zur Burg Hoheneck, die nichts anderes war als ein berüchtigtes Gefängnis für Frauen, wo auch Räuberinnen und Mörderinnen zusammen mit politisch inhaftierten Gefangenen zu DDR-Zeiten einsaßen, sagte er „nein“, „eher nicht“, es „reiche ihm all dies hier schon“, und meinte wohl die gesamte Bürde, die auf seinem Leben lag, das begonnen hatte in dieser Stadt.
Ich, der beigetragen hatte zu diesem Film mit kernig-schlagenden Worten, einigermaßen sicher meiner selbst und der Wirkung meiner Worte, war verwundert und staunte für einen kurzen Moment: Reiner Kunze nahm sich, auf einer Bank am Rande seiner Geburtsstadt verweilend, die Freiheit zum Eingeständnis einer Müdigkeit, der ureigen seinen.

Drittes Bild: Der leere Platz
Ein nachgetragenes Gedicht, auf Grund dessen (und wegen vier weiteren Gedichten) ich im Herbst 1979 inhaftiert und zu 27 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Man sollte zu diesem natürlich unbedingt auch Reiner Kunzes Gedicht „EINLADUNG ZU EINER TASSE JASMINTEE“ kennen, von dem es ausgeht und dem es geschuldet ist – als mögliche Antwort eines Menschen, der diese Einladung in jungen Jahren angenommen hat:

THÜRINGISCHE LEGENDE
für Reiner Kunze

Einen hat man
vertrieben.
Dem zog der Jasmin nach.

Er ließ aber noch stehen
ein Glas Tee aus Schweigen
das keiner mehr Zeit fand
auszutrinken
bevor es bitter war.

(geschrieben im Mai 1977, wenige Tage nach der Ausbürgerung der Familie Kunze aus der DDR und aus Greiz…)

Viertes Bild: Die freien Plätze

(dieses Bild widme ich dem gemeinsamen Freund von Reiner Kunze und mir, Jürgen Fuchs, der an einem solch sonnigen Maisonntag wie heute vor acht Jahren gestorben ist)

Um ein freier Autor zu sein, bin ich jetzt schon im fünften Jahr angestellt mit einem Werkvertrag bei einer Behörde, die sich nennt Sächsischer Landesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. In deren Auftrag bin ich vom Spätsommer bis in den Winter hinein unterwegs als Bürgerberater für Opfer des Regimes der ehemaligen DDR, deren ideologischer Basis, der Einheits-Partei, der SED, und deren „Schild und Schwert“, des Staatssicherheitsdienstes, der „Stasi“. Es kommen also zu meinen Sprechstunden in die Rathäuser und Landratsämter der Städte Sachsens ehemals beruflich Verfolgte und politisch Gemaßregelte oder solche, die durch einen rechtsstaatswidrigen Verwaltungsakt zu Zeiten der DDR geschädigt wurden, man denke hierbei an politisch motivierte Enteignungen, und es sprechen vor in Vielzahl ehemalige politische Häftlinge, Menschen, die ihrer Überzeugungen wegen ins Gefängnis kamen. Man schätzt deren Zahl in vierzig Jahren DDR auf eine Viertel Million Menschen, von denen etwa einhunderttausend noch am Leben sind. – In Kamenz zum Beispiel kam ein großer wuchtiger Mann zu mir ins Landratsamt, ich tippte sofort auf einen Bauern, dicke braune Cord-Hosen und ein Holzfällerhemd, breite Hosenträger darüber, er blieb gleich noch in der Tür stehen und fragte:

Sind Sie noch von früher wie alle hier, oder kann man offen sprechen?

Schöner Klartext, denke ich… Und im Rathaus in Niesky stellte sich ein Ehepaar zur Sprechstunde bei mir ein, bei dem sich herausstellte, dass der Mann erst in der Nacht vor diesem Termin, seiner Frau erzählt hatte, dass er, bevor sie sich kennenlernten, noch als junger Mann, einst politisch inhaftiert war. Auffallend bei vielen, den meisten Vorsprechenden, anfangs deren ungebrochener, ja unverwüstlicher Glaube, dass ihnen Recht geschehen werde in der heutigen Zeit, jetzt, an diesem Tag, da sie zu mir gekommen sind. Dass es an dem für die Mehrzahl nicht so ist, dass auch ich ihnen nur ein paar wenige Wege weisen kann, oft gerade nur diese, wie sich bei weiterem Gespräch herausstellt, die sie aus eigenen Kräften schon gegangen sind und oft erfolglos, weist, um es zusammengefasst zu sagen, hin auf die Ohnmacht, ja die Unmöglichkeit, für ein sogenanntes rechtsstaatliches System, die juristischen und schon gar nicht die menschlichen Folgen einer Diktatur aufzuarbeiten, mitunter nicht einmal zu mildern.

So sprechen die in diesen Tagen anlässlich der beabsichtigten Einführung einer Ehrenpension für ehemalige politische Häftlinge der DDR bekannt gewordenen Zahlen eine fatale Sprache: Die Regelung betrifft lediglich sozial bedürftige Menschen unter ihnen, und die Opferrente wird nur bei etwa 16 Tausend von ihnen wirklich ankommen. Das wird etwa 48 Millionen Euro kosten, während allein im Jahr 2006 (laut Angaben des Arbeitsministeriums) für die Systemträger der untergegangenen Diktatur rund vier Milliarden Euro, davon allein 1,6 Milliarden für ehemalige Angehörige der Stasi, des Zoll, der „Volksarmee“ und der „Volkspolizei“ an Versorgungs- und Rentenleistungen erbracht wurden.
Dies ist, so denke ich, die direkte Folge einer nach 1990 sehr bewusst verfolgten „Burgfrieden-Politik“, die, um etwaigen sozialen Spannungen in den „Gründerjahren“ der neuen Bundesrepublik zu vermeiden, vor allem um die ehemaligen Eliten des alten Systems besorgt schien und in der Folge-Zeit wie nebenbei alle ihre vorher gegebenen und möglichen Zeichen gegenüber den Millionen von Menschen, die von diesem System versklavt, gedemütigt und verfolgt wurden, eben nicht in Wirklichkeit zu übersetzen. Und dabei, gewollt oder nicht, eine seit dem 19. Jahrhundert klar erkennbare Traditionslinie deutscher Politik fortsetzte, dass eben das Eintreten des einzelnen Bürgers mit seinem Leben und seiner Gesundheit, mit seinem Verzicht auf Karriere und auch dem Festhalten an seinem Glauben, in Deutschland wiederum bestraft wird, anstatt, wie so sehr erhofft, sozial anerkannt, und das zur unbeschreiblichen Enttäuschung weiter Bevölkerungsteile, die sich von nun an betrogen fühlen von einer Gesellschaft und einem Staat, der sich über Jahrzehnte hinweg, als Gegenbild der real existierenden Diktatur, als Bewahrer der so dringlich vermissten Grundrechte, in ihren Köpfen verankert hatte.
Der verinnerlichte Glaube und das folgerichtige Eintreten für diese Rechte, der staatsbürgerliche Mut des Einzelnen, und das über Jahrhunderte darauf aufbauende Vertrauen auf den erwiesenen und gelebten Erfolg eines zivilen Ungehorsams und des Menschenrechts auf gewaltfreien Widerstand sind nach 17 Jahren dieser Politik eines neuen wiedervereinten Deutschland tiefer verschüttet als je zu Zeiten einer DDR, eines sogenannten „Dritten Reiches“ einer Weimarer Republik und eines deutschen Kaiserreiches. – Ich fürchte sehr, die mutigen Rentner von morgen, gebeten, rettende Briefe zu überbringen, werden ausbleiben.
Ich habe in den letzten Jahren in meinen Bürgerberatungen mit etwa 5.000 betroffenen Bürgern allein nur in Sachsen gesprochen. Dabei fiel mir eine Personengruppe auf, Menschen, die, so scheint es mir, eine besondere Haltung bewahren konnten, einen natürlichen Gestus innehatten und aufrecht erhielten, wenn sie bei mir vorsprachen. Sie wußten offensichtlich schon, dass sie nichts zu erwarten hatten, hoffend auf nichts, schon gar nicht, wenn es „von oben kommt“. Sie nämlich hatten und haben allesamt ein anderes „Oben“. Es waren dies gläubige Menschen, die gleich zu Beginn unseres Gespräches darauf beharrten, dass sie keineswegs hofften, irgendwie irdisch „belohnt“ zu werden für zerstörtes Leben, mühsamste Um- und Irrwege und für das für sie ausgefallene Glück. Sie kamen meistens am späten Nachmittag zu mir, hatten die Arbeitskleidung noch übergezogen und brachten die Spuren ihrer Arbeit an den Händen mit. Manche hatten erst kurz noch ihre Tiere versorgt und entschuldigten sich bei mir für ihr spätes Kommen. Sie sagten mir, dass sie gar nicht erst versucht hatten, damals in alten Zeiten, Teil des Systems zu werden, Abitur zu machen, eine Karriere anzustreben. Fragten meistens auch kaum für sich selbst nach, eher nach Möglichkeiten einer Rehabilitierung für ihre Kinder, für Bekannte, wollten nur mal sehen, wie ihre Position, ihr Wert, ihr moralisches Gewicht zu Buche schlüge in so einer Sprechstunde für SED-Opfer, in der ihnen der Staat in Gestalt meiner Person gegenüber sitzt, in den alten angst-kontaminierten Gebäuden der Landratsämter und Rathäuser Sachsens. Aufgrund der juristischen Lage, den bestehenden Gesetzen, jedem einzelnen von diesen Menschen musste ich Auskunft und damit sein Recht geben: Sie haben vom irdischen „Oben“ fast nichts zu erwarten. – Manchmal, an Tagen, an denen bei mir noch Kraft übrig ist, gebe ich ihnen ein Trostwort mit auf ihre Wege, von denen meine Dienstvorschriften nichts wissen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Elisabeth Kunze, lieber Reiner Kunze und die anwesenden Freunde, lassen Sie uns an diesem Mai-Sonntag ein wenig ausruhen, ein wenig auch die Müdigkeit miteinander teilen, wenn Sie von ihr aus gleichem Grunde betroffen sein sollten.
Ein wenig am Rande seiner jeweiligen Geburtsstadt zu sitzen auf einer Bank aus gutem erzgebirgischen Holz, das den Menschen lange Zeit im Leben trägt, an einem Sonntag im Mai und mit guten Gründen, ist sehr klug, denke ich.
Reiner Kunze nun auch zitierend, doch auf ihn selbst zurück reflektiert, ergibt sich für mich, verwandelt, seine Frage an ein Auditorium, das einst in ihm Georg Büchner ehrte: Habe ich an Reiner Kunze vorbei gesprochen? Ich danke Ihnen.

Utz Rachowski, März–Mai 2007, aus Matthias Buth und Günter Kunert (Hrsg.): Dichter dulden keine Diktatoren neben sich, Verlag Ralf Liebe, 2013

Michael Wolffsohn: REINER KUNZE – der stille Deutsche

In Lesung und Gespräch: Reiner Kunze (Autor, Obernzell-Erlau), Moderation: Christian Eger (Kulturredakteur der Mitteldeutschen Zeitung, Halle). Aufnahme vom 17.01.2012, Literaturwerkstatt Berlin. Klassiker der Gegenwartslyrik: Reiner Kunze. Wenn die post hinters fenster fährt blühn die eisblumen gelb.

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AUF EIGENE HOFFNUNG
nach Reiner Kunze

MAHNUNG AN DIE DICHTER, SO BEHUTSAM WIE
IRGEND MÖGLICH MIT DEM WORT UMZUGEHN

aaaaaaaana na

Manfred Bieler

 

Zum 60. Geburtstag des Autors:

Harald Hartung: Auf eigene Hoffnung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.8.1993

Zum 70. Geburtstag des Autors:

Katrin Hillgruber: Im Herzen barfuß
Der Tagesspiegel, Berlin, 16.8.2003

Lothar Schmidt-Mühlisch: Eine Stille, die den Kopf oben trägt
Die Welt, 16.8.2003

Beatrix Langner: Verbrüderung mit den Fischen
Neue Zürcher Zeitung, 16./17.8.2003

Sabine Rohlf: Am Rande des Schweigens
Berliner Zeitung, 16./17.8.2003

Hans-Dieter Schütt: So leis so stark
Neues Deutschland, 16./17.8.2003

Zum 75. Geburtstag des Autors:

Michael Braun: Poesie mit großen Kinderaugen
Badische Zeitung, 16.8.2008

Christian Eger: Der Dichter errichtet ein Haus der Politik und Poesie
Mitteldeutsche Zeitung, 16.8.2008

Jörg Magenau: Deckname Lyrik
Der Tagesspiegel, 16.8.2008

Hans-Dieter Schütt: Blühen, abseits jedes Blicks
Neues Deutschland, 16./17.8.2008

Zum 80. Geburtstag des Autors:

Jörg Bernhard Bilke: Der Mann mit dem klaren Blick: Begegnungen mit Reiner Kunze: Zum 80. Geburtstag am 16. August
Tabularasa, 18.7.2013

artour: Reiner Kunze wird 80
MDR Fernsehen, 8.8.2013

André Jahnke: Reiner Kunze wird 80 – Bespitzelter Lyriker sieht sich als Weltbürger
Osterländer Volkszeitung, 10.8.2013

Josef Bichler: Nachmittag am Sonnenhang
der standart, 9.8.2013

Thomas Bickelhaupt: Auf sensiblen Wegen
Sonntagsblatt, 11.8.2013

Günter Kunert: Dichter lesen hören ein Erlebnis
Nordwest Zeitung, 13.8.2013

Marko Martin: In Zimmerlautstärke
Die Welt, 15.8.2013

Peter Mohr: Die Aura der Wörter
lokalkompass.de, 15.8.2013

Arnold Vaatz: Der Einzelne und das Kartell
Der Tagesspiegel, 15.8.2013

Cornelia Geissler: Das Gedicht ist der Blindenstock des Dichters
Berliner Zeitung, 15.8.2013

Johannes Loy und André Jahnke: Eine Lebensader führt nach Münster
Westfälische Nachrichten, 15.8.2013

Michael Braun: Süchtig nach Schönem
Badische Zeitung, 16.8.2013

Jochen Kürten: Ein mutiger Dichter: Reiner Kunze
Deutsche Welle, 15.8.2013

Marcel Hilbert: Greiz: Ehrenbürger Reiner Kunze feiert heute 80. Geburtstag
Ostthüringer Zeitung, 16.8.13

Hans-Dieter Schütt: Rot in Weiß, Weiß in Rot
neues deutschland, 16.8.2013

Jörg Magenau:  Der Blindenstock als Wünschelrute
Süddeutsche Zeitung, 16.8.2013

Friedrich Schorlemmer: Zimmerlautstärke
europäische ideen, Heft 155, 2013

 

Fakten und Vermutungen zum Autor + Rede + Interview 1 + 2 + 3
DAS&D + Georg-Büchner-Preis
Porträtgalerie: Autorenarchiv Isolde Ohlbaum +
Autorenarchiv Susanne Schleyer + Dirk Skiba Autorenporträts
shi 詩 yan 言 kou 口

 

Richard Pietraß: Dichterleben – Reiner Kunze

 

Reiner Kunze – Befragt von Peter Voss am 15.7.2013.

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