Klabund: Sämtliche Werke – Band I Lyrik – Erster Teil

Klabund-Sämtliche Werke – Band I Lyrik – Erster Teil

DIE SONNENUHR

Wie bist du doch in eine Welt
Von Tag und Glanz hineingestellt!
Dich treibt der Strahlen Her und Hin
Erst zur Besinnung und zu Sinn.
Auf deines Bilds besonntem Runde
Zeigt grau der Zeiger Stund um Stunde.
Wie golden früh- und spätere Stunde funkelt!
Die gegenwärtige allein ist schattenschwarz umdunkelt.

 

 

 

Vorwort

I.
Am 14. August 1928 ist der Dichter Klabund in einem Sanatorium in Davos seinem schweren Lungenleiden erlegen. Der siebzigste Todestag dürfte Anlaß genug sein, der literarischen Persönlichkeit Klabunds mit den ersten Bänden der Wissenschaftlichen Ausgabe seiner Sämtlichen Werke zu gedenken.
Klabund, mit bürgerlichem Namen Alfred Henschke, war am 4. November 1890 in Crossen an der Oder als Sohn eines Apothekers geboren. Mit 16 Jahren erkrankte er unheilbar an Tuberkulose. Das nicht abgeschlossene Literaturstudium, das er im Wintersemester 1909 in München begonnen hatte, führte ihn in die Bahnen eines Berufsschriftstellers, der es in verhältnismäßig kurzer Zeit zu Erfolg und Ruf brachte. Kein geringerer als der gestrenge Alfred Kerr förderte ihn und sprach bereits um 1912 von den „ungewöhnlich begabten Poesien eines, der sein Sach’ auf nichts gestellt“ habe.

Das literarische Pseudonym Klabund wurde sehr bald zum Gütezeichen eines ungemein schreibfähigen Autors, der sich der meisten Gattungen und Textsorten bediente und in mehreren Stilarten versiert war. Im Laufe der Zeit entfaltete er sich in seinen Dichtungen zu einem sensiblen Sprachbeherrscher und Sprachspieler. Seine literarische Tätigkeit, für die er nicht einmal zwei Jahrzehnte Zeit hatte, weist ihn als Lyriker, Chanson-Dichter, Romancier und Erzähler, als erfolgreichen Theaterautor, als Essayisten, Feuilletonisten, Literaturkritiker, Übersetzer und Bearbeiter fremder, insbesondere orientalischer und asiatischer Vorlagen und als belletristischen Herausgeber aus. Er hatte am turbulenten literarischen Leben seiner Zeit regen Anteil und war selbst ein – auch heute noch – hoch interessanter Repräsentant davon – in allem, was er publizierte, im Beständigen wie im Flüchtigen, das für den Tag und den besonderen Anlaß verfaßt wurde.

Obwohl Klabund zu seiner Zeit, vor allem in den zwanziger Jahren, viel gelesen wurde und beachtliche Theatererfolge erringen konnte, und obwohl er als Autor bis in die Gegenwart kein Unbekannter ist, schwankt seine Wertschätzung in Literaturkritik und Literaturwissenschaft zwischen schwärmerischer Sympathie, interessierter Neugier und schnöder Ablehnung. Auch in der Literaturgeschichte ist sein Platz noch unbestimmt. Daß er Sitz und Stimme in der Literatur der zwanziger Jahre hat, dürfte sicher sein, wenn man sein Gesamtwerk und dessen Echo in der Zeit zugrunde legt. Werk und Person repräsentieren in vielen Facetten das typische Literatentum der sog. ,Golden Twenties‘ in Deutschland, vor allem in Berlin und München. Unter diesem Aspekt dürfte sich ein angemessener Weg zur Würdigung Klabunds bahnen lassen. Die vorliegende Ausgabe möchte dazu die notwendigen Voraussetzungen bieten.

II.
Die Art und Weise, wie Klabund – ökonomisch gesprochen – seine ,Produktion vermarktete‘, zeitigt beträchtliche Konsequenzen für die Konstituierung einer Edition des Gesamtwerkes. Der Autor bestritt seinen Lebensunterhalt im wesentlichen von kärglichen Honorareinnahmen. Das brachte mit sich, daß er neben Buchpublikationen vor allem literarische Zeitschriften, Almanache, Theaterprogramme und die Feuilletons zahlreicher Tages- und Wochenzeitungen bediente. Bisher haben sich für die Jahre zwischen 1911 und 1928 Beiträge in nahezu 250 verschiedenen Publikationsorganen ermitteln lassen – ohne daß damit Anspruch auf absolute Vollständigkeit erhoben werden kann.
Insofern ist die Ermittlung der unselbständig publizierten Titel sehr arbeits- und zeitaufwendig gewesen; sie vollständig zu erfassen, dürfte vorerst kaum möglich sein. Noch schwieriger ist es, Klabunds unveröffentlichte Texte in Handschriften, Abschriften oder Typoskripten zu ermitteln. Den Herausgebern ist es immerhin gelungen, abgesehen von den bekannten Nachlaß-Sammlungen im Deutschen Literaturarchiv, Marbach am Neckar, und im Archiv der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin, einzelne Bestände an Klabund-Autographen und Typoskripten in privaten Nachlässen aufzuspüren und der Ausgabe zu integrieren. Fast alle bekannt gewordenen Besitzer von Klabund-Handschriften haben dankenswerterweise die Herausgeber unterstützt und ihre Bestände zum Abdruck freigegeben. Gleichwohl ist mit Ergänzungen von weiteren Klabund-Texten zu rechnen – seien sie nun an entlegenen Orten veröffentlicht worden oder mögen sie sich in bisher nicht bekanntem Privatbesitz befinden, oder sie kommen bei der Aufarbeitung der Nachlässe der zeitgenössischen Autoren nach und nach zum Vorschein… Die Herausgeber wären für entsprechende Informationen dankbar. Solange die Edition nicht abgeschlossen ist, könnten diese Texte ggfs. noch berücksichtigt werden.
Die umfangreichen Recherchen zur Ermittlung waren nur zu leisten, indem jedes Mitglied des Teams ein Ressort in der Edition verantwortlich betreute und sich gleichermaßen an den gemeinsamen zu erledigenden editorischen Vorarbeiten beteiligte.

Die Edition ist ein konkretes Projekt aus dem praxisorientierten Programm des Studiengebiets ,Editionswissenschaft‘ am Fachbereich Germanistik der Freien Universität Berlin. Die Mitglieder der Projektgruppe haben gemäß des Prinzips ,Learning by doing‘ unter Beratung und Leitung des Hochschullehrers diese Edition von Grund auf erarbeitet und konzipiert. Sondermittel, außer denen für die Beschaffung von Mikrofilmen und Kopien, standen ihnen nicht zur Verfügung. Am Ende der Arbeiten verantwortet jedes Mitglied der Projektgruppe als Herausgeber den von ihm bearbeiteten Band. Am Ende jeden Bandes werden die editorischen Beigaben in einem Teilband vorgelegt werden. Ohne dieses didaktische Modell wäre die Ausgabe in absehbarer Zeit nicht zustande gekommen.

III.
Die unbefriedigende Überlieferung von Klabunds Schriften und die Absicht, sein umfassendes Werk möglichst vollständig wieder zugänglich zu machen, führten zur Konzeption einer Wissenschaftlichen Edition – wissenschaftlich in dem Sinne, daß, sofern textgenetisch relevantes Material überliefert ist, nach den Verfahrensweisen historisch-kritischer Edition vorgegangen wird, sofern aber nur einfache Überlieferung vorliegt, diese kritisch geprüft und nötigenfalls emendiert wird. Nach Lage der Dinge verbot sich eine Auswahlausgabe von selbst.
Als Ziel der Wissenschaftlichen Ausgabe galt darüberhinaus, ihr kommentierende Erläuterungen zu jedem Text und eine breite Materialdokumentation beizugeben.
Die Struktur der Ausgabe ist am Schaffensvorgang Klabunds und an dessen Publikationsusancen orientiert worden. Die Herausgeber haben das Werk zunächst in einzelne Komplexe gemäß den verwendeten Gattungen bzw. Textsorten geordnet:

I. Lyrik
II. Erzählungen und kleine Schriften
III. Dramen und Szenen
IV. Romane
V. Nachdichtungen und Übersetzungen

Innerhalb dieser Komplexe werden zunächst die ,Selbständigen Veröffentlichungen‘ in Buchform nach der Chronologie der Publikationsdaten geboten. Danach folgen die sog. ,Unselbständigen Einzelveröffentlichungen‘, ebenfalls in der Chronologie der Erstveröffentlichung.
Bei diesem Vorgehen ergaben sich für die Herausgeber Probleme besonderer Art, die sich aus Klabunds eigenartiger Publikationsweise herleiten: Sie betreffen die Komplexe I Lyrik, II Erzählungen und Kleine Schriften. Klabund hat zahlreiche kleine Texte einzeln in Tageszeitungen, Zeitschriften, Almanachen, Programmen u.ä. publiziert, aber fast gleichzeitig thematisch orientierte Sammelbände gestaltet, in die er ausgewählte, bereits vorliegende Einzelpublikationen und neue, erstmals veröffentlichte Texte aufnahm. Wie sich zeigte, lassen die Sammelbände fast immer vom Autor intendierte Kompositionsprinzipien in Anordnung und Thematisierung erkennen. Hinzu kommt, daß vor allem durch diese Sammelbände die Ansichten der Rezipienten über Werk und Autor nachhaltig geprägt wurden. Diese Sachlage kompliziert sich noch, indem der Autor später publizierte Sammelbände mit ausgewählten Texten, die bereits in früheren Sammelbänden vorlagen, mit einzelveröffentlichten Texten und neuen Texten ausstattete.

Diese jeweils vom Autor getroffene Neugestaltung einzelner Sammelbände mit früheren Beiträgen stellte die Herausgeber vor die Aufgabe, die wiederholten Abdrucke einzelner Texte im Rahmen der wissenschaftlichen Ausgabe zu vermeiden, da dadurch eine unnötige Erweiterung des Umfangs entstanden wäre. Andererseits ist aber der Autor-Wille der einzelnen Band-Komposition als Information für den Leser zu konservieren. Das führte zur folgenden Lösung:

Die Sammelbände werden nicht aufgelöst. Beim Abdruck in der Wissenschaftlichen Ausgabe werden die darin enthaltenen kleinen Texte in der Reihenfolge des einzelnen Sammelbands beibehalten. Texte, die in mehreren Sammelbänden enthalten sind, werden aber nur einmal aufgenommen. Das Inhaltsverzeichnis des betreffenden Sammelbandes wird im Apparat mitgeteilt, damit der Benutzer die inhaltliche und formale Komposition des Bandes rekonstruieren kann. Außerdem wird bei den Angaben zur Textgenese jedes Titels auf dessen möglicherweise mehrfachen Abdruck als Einzelpublikation und/oder in Sammelbänden hingewiesen. Einzelne weitere Sonderprobleme werden in den Apparatbänden von den Herausgebern dargestellt. Der Leser dieser Ausgabe hat also zu beachten, daß die späten Sammelbände Klabunds ,ausgedünnt‘ erscheinen, da sie früher abgedruckte Texte übergehen. Nur auf diesem Wege ließ sich ein sinnvoller Ausgleich zwischen Autor-Intentionen und Erwartungen an eine moderne vollständige Edition erreichen.

Im Anschluß an die Veröffentlichungen in Sammelbänden werden dann die Einzelveröffentlichungen in chronologischer Reihenfolge geboten. Danach folgt der Abdruck von bisher unpublizierten kleinen Texten, soweit sie sich in einzelnen Nachlässen auffinden ließen und eine Berücksichtigung rechtfertigten.

Die Herausgeber haben auf eine radikale Lösung, die eine Werkanordnung der kleinen Texte nach ihren individuellen Kriterien erfordert hätte, absichtlich verzichtet.

IV. 
Die Herausgeber haben Wert darauf gelegt, daß im Sinne moderner wissenschaftlicher Ausgaben die Editorischen Beigaben in sinnvoller Ausführlichkeit die Klabund-Ausgabe absichern helfen und den Benutzern die nötigen Informationen zuspielen.

Jeder Komplex, der in mehreren Teilbänden vorgelegt wird, schließt mit den üblichen Angaben zur Überlieferung und zur textkritischen Konstituierung des einzelnen Textes und bietet – sofern gegeben – ein Verzeichnis der Varianten. Kommentar und Register runden den Apparatband ab.

Als Abschluß der Ausgabe werden zwei Materialienbände vorgelegt werden, in denen Dokumente zur Biographie des Autors und eine breite Auswahl der kritischen Rezeption des Werkes in seiner Zeit publiziert werden. Die umfangreichen bibliographischen Recherchen der Herausgeber werden in die ,Personalbibliographie Klabund‘ münden, die als letzter Materialienband erscheinen wird.

Eine Ausgabe der Briefe von und an Klabund ist im Rahmen der Wissenschaftlichen Ausgabe in Gestalt von Anschlußbänden vorgesehen. Allerdings werden die Recherchen sehr umständereich und zeitaufwendig sein, so daß sich diese Arbeiten mit der Edition der Texte nicht in gleichem Maße koordinieren ließen.

V.
Die verlegerische Betreuung der Ausgabe und deren Vertrieb haben die Verlage Editions Rodopi B.V. (Amsterdam und Atlanta, GA/USA) und Königshausen & Neumann (Würzburg) in Kooperation übernommen. Im Einvernehmen zwischen Herausgeber und Verleger werden die Textbände auch einzeln zu erwerben sein. Dadurch sollen interessierte Leser die Möglichkeit haben, sich die Textbände als ,einfache Leseausgabe‘ anzuschaffen, bei der aber die wissenschaftlich fundierte Textqualität garantiert ist.

Hans-Gert Roloff, Juni 1998, Vorwort

 

Klabund – Der Frauenfischer aus Crossen

Die Dämmerzustände zwischen Wachsein und Schlaf sind die ehrlichsten Zustände. Sie vermitteln den Zusammenhang von Leben und Tod – und nicht den Riß, den Bruch, mit dem das Bewußtsein schreckt. Der davon gewußt und in unvergleichlicher Weise darüber geschrieben hat, hieß Alfred Henschke und nannte sich Klabund.

Schließ die Augen – so wirst du sehen. Du bist offenbar:
In dir.
Offenbare dich!

Klabund wurde knapp 38 Jahre alt. Klabund litt an Tuberkulose. Er hätte länger leben können. Aber dann hätte er anders leben müssen, als er gelebt hat. Statt intensiv unbeteiligt, statt zupackend zurückhaltend, statt radikal oberflächlich, statt rauschhaft frustriert, statt vielfältig einfältig, statt frei gefesselt – an die Krankheit.
Klabund mischte Feuer mit Schnee: in seinem Leben und in seiner Dichtung. „Aus deinen Rippen brichst du doch die Sprossen / Der Himmelsleiter, die dich aufwärts führt“, bekannte er und schrieb:

Das Es der Dinge, dem ich mich verschrieben,
Es mildert sich im Du der Träumerei.
Ich werde ewig meine Seele lieben
In ihrer Ruh, in ihrer Raserei.
Geliebte, Ewige an meinem Mund:
Ich bin und war und werde sein Klabund

Klabund kam am 4. November 1890 in Crossen zur Welt. Klabund starb am 14. August 1928 im schweizerischen Davos. Dazwischen lag ein turbulentes Leben mit gesundheitlichen Zusammenbrüchen in immer kürzer werdenden Abständen. Er dichtete besessen er liebte besessen. „Ich hoffte, da war ich schon verzweifelt. Ich lebte. Da starb ich schon“, notierte er. „Seitdem ich langsam sterbe, bin ich Dichter geworden.“ Irgendwo in einem seiner Romane sagt jemand:

Man muß selber sein Schicksal spielen, auch sein schlimmes. Schicksal bedeutet nur Einsicht.

Mit Witz, Schnoddrigkeit, Derbheit umhüllte er den harten Kern des Todes, der in ihm wuchs. In dem Gedicht „Die Kette“ heißt es:

Das tut so weh wie eine Tote lieben:
Dem abendlichen Tag ins Antlitz sehen.
Sein Wandertum ist dürr zu Staub zerrieben,
Von seinen Strahlen ist
ein Strahl geblieben,
Und alle Wolken müssen westwärts wehen.

Mich trugen Hände, weicheste und rauhste.
Kaum Mädchen: dreizehnjährig.
Frauen greisend
So klein – und reinliche! So ganz verlauste
Voll roter Läuse. Solche: Gottbehauste
Und solche ohne Ziel im D-Zug reisend

Und Wassermädchen, böse Gouvernanten
Fräuleins, beim Teufel Zahnarzt sich ergehend.
Ihr unverwandt und basenhaften Verwandten!
Ihr Tänzerinnen, die den Tanz nicht kannten!
Maschine! blonde! Zigaretten drehend!

Ihr aus den ölig funzelnden Kontoren!
Du Köchin! Ladnerin! Telegraphistin!
Ihr Mädchen stumm für jeden Dienst geboren!
Ihr Schicksen, an die Wanderung verloren –
Wenn ihr den Weg nicht wüßtet, ach, wer wüßte ihn?
Und die mit großen Hunden sich vermählten
Verrückte, die auf Eisenstangen saßen
Vergeizte, die die Lust nach Hellern zählten
Und andre, die sie wie Kartoffeln schälten.
Und Zärtliche, die keinen Kuß vergaßen.

Du schlanke Amme! Malerin! Verzierte!
Du Frau des Freundes! Und des Freundes Mutter!
Du Vogel, welcher Hüte braun garnierte!
Du, die den Gymnasiasten einst verführte
Im Kirchenstuhl mit einem Lied von Luther…

Daß euer aller Leib in einer einzigen Umarmung sich mit mir verflechte
Im schwarzen Park! Im Glanze des Gelages!
Das Ende zeugt unendlichere Rechte
Die Freiheit meines nie beherrschten Tages
Euch dank ich sie: der dunklen Knechtschaft meiner Nächte

Als Lyriker wurde Klabund im Jahre 1913 von dem berühmt-berüchtigten Alfred Kerr für dessen Zeitschrift Pan entdeckt. Die Veröffentlichung dreier seiner Gedichte brachte Klabund öffentlichen Wirbel ein: Strafantrag wegen Gotteslästerung. Klabund wurde in Berlin zu einer Geldstrafe verurteilt – trotz gutachterlicher Unterstützung der Dichter Richard Dehmel, Max Halbe und Frank Wedekind. Die Strafkammer urteilte, daß folgendes Gedicht die Grenzen der Kunst überschritten habe:

Es hat ein Gott mich ausgekotzt,
Nun lieg ich da, ein Haufen Dreck,
Und komm und komme nicht vom Fleck.

Doch hat er es noch gut gemeint,
Er warf mich auf ein Wiesenland,
Mit Blumen selig bunt bespannt.

Ich bin ja noch so tatenjung.
Ihr Blumen sagt, ach, liebt ihr mich?
Gedeiht ihr nicht so reich durch mich?
Ich bin der Dung! Ich bin der Dung!

Der Skandal um Klabund machte den Verleger Erich Reiß hellwach. Er veröffentlichte noch im Jahre 1913 den ersten Gedichtband des jungen Mannes aus Crossen. Den zündenden Gedichten, Bänkelliedern und Songs entsprach der für damalige Zeit knallige Titel des Buches Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!
Alfred Kerr nannte die Lyrik Klabunds „Lieder eines Desperados“. Frank Wedekind urteilte:

Von allem, was jung ist und Verse macht, wird nur einer bestehen: Klabund.

Mit Karl Valentin trat Klabund auf der Brettlbühne auf. Bertolt Brecht, ein Frauenfischer wie Klabund, wurde nach dem Ersten Weltkrieg sein Freund, der fleißig literarische Anleihen bei ihm machte. Kurt Tucholsky, der gestrenge Kritiker, kam ins Schwärmen und schrieb über Klabunds Lyriksammlung Die Harfenjule:

Das ist eines von den Heften, das ich einmal – in achtzig Jahren – vergilbt und halb zerbröckelt zur Nachkontrolle lesen möchte. Mindestens zwanzig dieser Lieder werden dann noch frisch sein. Und das ist sehr viel.

In der Harfenjule findet sich manches, was sich losgelöst hat von dem Namen seines Schöpfers:

Meine Mutter liegt im Bette,
Denn sie kriegt das dritte Kind;
Meine Schwester geht zur Mette,
Weil wir so katholisch sind.
Manchmal troppt mir eine Träne
Und im Herzen pupperts schwer;
Und ich baumle mit de Beene,
Mit de Beene vor mich her…

*

Ich lieb ein Mädchen, welches Margot heißt,
Sie hat zwei Brüste wie zwei Mandarinen.
Wenn wir der holden Göttin Venus dienen,
Wie gern mein Mund in diese Früchte beißt.

Klabund hinterließ 1928 ein literarisches Werk von 76 Büchern, darunter 17 Gedichtbände, zehn Romane, acht Dramen, zahlreiche Erzählungen, eine Literaturgeschichte, viele Nachdichtungen ostasiatischer Lyrik, Übersetzungen und Bearbeitungen fremder Texte. Seine künstlerische Produktivität war atemberaubend. So atemberaubend, daß im Romanischen Café, dem Berliner Treffpunkt der Poeten, das geflügelte Wort umherging, wenn dort jemand irgendeine Episode erzählte:

Wiederhol das bloß nicht, wenn Klabund kommt. Der macht heute nacht noch ein Chanson daraus oder einen Roman.

Die Anekdote umschreibt nicht nur die außergewöhnliche literarische Reizbarkeit Klabunds, sie umschreibt auch ein Vorurteil gegen diesen Autor, das sich bis in unsere Tage erhalten hat: Mangelnder Ernst im Umgang mit dem Wort. Die Germanistik – und nicht nur sie – billigt Klabund lediglich literarhistorische Bedeutung zu. Sie sieht in ihm den Bruder Leichtfuß des schwergewichtigen Bertolt Brecht, den Nachempfinder fremder Stile und fremder Inhalte, den Hans-Dampf-in-allen-Gassen des Sentiments.
Ist von Klabund irgendwo heute die Rede, dann kommt mit Sicherheit der alte Totschlagsatz des Ernst Lissauer aus dem Jahre 1926 auf den Tisch:

Klabund ist nach meinem Eindruck durchaus ein Virtuose, das ist: jemand, der Ausdruck besitzt ohne Auszudrückendes.

So dümmlich sahen es noch nicht einmal die Nazis: Den toten Klabund konnten sie zwar nicht mehr verfolgen, aber seine Literatur fürchteten sie. Diese Literatur kam zwar so gut wie nie vordergründig politisch daher, aber ihre politische Wirkung erzielte sie durch Gedichte dieser Art:

Ich bin ein Zeitfreiwilliger, und stehle dem lieben Gott die Zeit. Es lebt sich billiger, wenn man: nieder mit den verfluchten Spartakisten schreit. Fuffzehn Märker den Tag. Daneben alles frei. Es ist ein herrliches Leben. Juchei.
Ich verdiente mir meine Sporen bei Kapp. Als dessen Sache verloren, zog ich ab. Ich gehöre wieder zu den Regierungstreu’n und habe den Schutz der Verfassung erkoren. Ich breche alle Eide von acht bis neun, die ich von sieben bis acht geschworen.
Neulich bei Mechterstädt: Pst… zeigten wir’s den Arbeiterlaffen, falls es irgendwo ruhig ist, muß man eben künstlich Unruhe schaffen. Laßt die Maschinengewehre streichen! Ins Kabuff. Immer feste druff. Unsere Anatomie braucht Leichen.

Klabund stand politisch links. Doch die organisierte Linke in der Weimarer Republik sah in ihm einen „Individualitätstrottel“. Eine Sicht, die allen galt, die nicht nur den Terror von rechts, sondern auch den von links ablehnten. Klabund machte aus seinem Sozialismus keine großen Worte. Immer, wenn er irgendwo zu Geld kam, half er. Ohne Absenderangabe schickte er Beträge an Arbeiterorganisationen und an die Kollegen, deren Notlage ihm bekannt war. Klabund urteilte:

Die Menschen verwechseln wieder einmal wie so oft in der Geschichte des letzten Jahrhunderts Kultur und Zivilisation. Sozialismus und Demokratie müssen werden. Aber es sind nur Wege – und die Menschen glauben, in ihnen liege das Ziel des Geistes. Das liegt nur in uns selber.

In seinem schönsten Roman, einer märkischen Eulenspiegel-Geschichte mit dem Titel Bracke, schrieb Klabund:

Bracke ging an die Oder und bedachte Anfang und Ende, da sah er ein kleines Mädchen, das Wasser aus der Oder in einen leeren Blumentopf füllte, der unten an seinem Boden ein Loch hatte, durch den das Wasser immer wieder abfloß. Aber unermüdlich schöpfte das Kind. „Was tust du da“, fragte Bracke. Das Kind antwortete: „Ich schöpfe die Oder in diesen Topf…“ Da besann sich Bracke, daß er sei wie dieses Kind und keinen Deut klüger: daß er, so sehr er sich auch bemühe, den Strom der Ewigkeit zu erfassen, es ihm nicht gelingen werde, mehr davon in seine Schale zu füllen, als dieses kleine spielerische Mädchen aus der Oder in seinen Blumentopf. „Wenn es mir nur gelingt, die Richtung des Stromes zu begreifen, so will ich schon zufrieden sein“ – und sah, wie die Oder abwärts floß von Crossen nach Frankfurt, von Frankfurt nach Lebus, von Lebus nach Stettin – und bis ins Meer.

Klabund erkrankte im Alter von 16 Jahren an einer Lungenentzündung. So jedenfalls diagnostizierten die Ärzte, und sie übersahen seine TB-Erkrankung. Wochenlangem Krankenhausaufenthalt folgte eine Erholungspause im milden Klima von Locarno. Klabunds Vater war Apotheker in Crossen. Er begleitete den Sohn, der nach seiner Rückkehr hektisch das Leben in sich hineinfraß. Er tat von nun an alles exzessiv. Er ruderte, schwamm, er fuhr Rad, er spazierte stundenlang durch die Wälder – immer bis zur Erschöpfung.
Da es im heimatlichen Crossen keine Abiturmöglichkeit gab, besuchte er von der Obersekunda an das Humanistische Friedrichsgymnasium in Frankfurt/Oder. Er wurde Klassenprimus. Er lernte leicht. Doch mehr als die Schule interessierte ihn die Literatur, von der er in der Schule nichts erfuhr: Die Bücher der Vaganten unter den Poeten, allen voran die Peter Hilles. Fasziniert las er die Lieder aus dem Rinnstein, eine Sammlung von deftigen Versen unbekannter Landstreicher, vergessener Schriftsteller und zeitgenössischer Autoren, die das alte Spottlied wieder aufnahmen und weiterführten. Unter den Neuen: Frank Wedekind, Erich Mühsam, John Henry Mackay und die damals berühmte Margarete Beutler.
An dem Ton dieser Lieder schulte sich der Gymnasiast in seinen freien Stunden. Er schrieb für sich mehr als 500 Gedichte, 30 Erzählungen und 13 Einakter. Als Alfred Henschke 1909 sein Abitur gemacht hatte, stand für ihn fest: ich werde Schriftsteller. An der Münchner Universität besuchte er die Vorlesungen des später zu Ruhm gelangenden Theaterwissenschaftlers Professor Arthur Kutscher. Kutscher verschaffte dem Studenten der Germanistik Zutritt zur Bohème. Er nahm ihn mit an den Stammtisch Frank Wedekinds, des Dramatikers, Balladendichters und Moritatensängers, der die Schönheit des Leibes verherrlichte („Das Fleisch hat seinen eigenen Geist.“), der ketzerte, lästerte, wider den Stachel löckte, der wegen Majestätsbeleidigung eine Festungsstrafe hinter sich hatte. Nach zwei Semestern wechselte Klabund an die Universität Berlin. Die Bohème tauschte er mit dem Leben unter Proletariern ein. Er studierte sie. Er mietete sich in einer dürftigen Bude in der Gegend zwischen Ackerstraße und Frankfurter Allee ein. Wie immer in seinem Leben, lernte er Leben mit und durch Frauen kennen. Nachts streifte er durch die Tanzsäle, wie der Walhalla in der Elsässer Straße, und griff nach dem, was er bekommen konnte. Und dann ging er wieder zurück nach München, hin zu den Künstlertreffpunkten. Marietta, die Muse vieler, wurde auch seine. Die 21jährige Diseuse, die im Simplicissimus in der Türkenstraße auftrat, ließ sich nicht aussuchen, sie suchte aus. Die Liaison dauerte kurz. Doch kurz oder lang – Klabund schickte jeder Geliebten entweder ein Gedicht oder ein Stück Prosa nach. Im Falle der Marietta einen „Liebesroman aus Schwabing“, in der er der Geliebten diese Sätze in den Mund legte:

Es ist fünf Uhr früh
Der junge Tag schwingt seinen gelben Hut
Zwischen Wolken hervor.
Wir wandern durch die Leopoldstraße
Die Pappeln stehen steif wie männliche Glieder, aber belaubt.
Ich erzähle ihm von Paris.
Er schweigt wie ein Parlograph, in den man alles spricht,
der alles treu bewahrt.
O, daß er mich ganz bewahre!
Nicht meine Sprache nur: auch meine Locken.
Meine kleinen Brüste.
Meine schiefen obszönen Augen, meine turmschlanken Füße
Und meinen durstigen Mund.
Ich bin sein Kind.
Ich liege gekrümmt in seinem Bauch.
Die Hände vor meinen blinden Augen zu Fäusten geballt.
Wen wollen sie schlagen, wenn
meine Blicke sehend werden?
Er wird mich gebären.

Dieses Stück Erinnerung erschien nach Klabunds erstem Lyrikband Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!. Doch das Liebeserlebnis lag genau in jener Zeit, in der aus Alfred Henschke Klabund wurde. Die ersten Gedichte waren unter bürgerlichem Namen veröffentlicht, ohne Aufsehen erregt zu haben. Auch Alfred Kerr hatte einige von ihnen im Pan gebracht. Keine Chance, als Unbekannter mehrmals bei ihm unterzukommen. Alfred Henschke erinnerte sich der Lieder aus dem Rinnstein und spielte gegenüber Kerr den Landstreicher Klabund. Er hatte den Namen aus den beiden Wörtern Klabautermann und Vagabund zusammengezogen. In einem Brief an den Herausgeber der Zeitschrift Pan formulierte Klabund:

Entschuldigen Sie, wenn ich auf Telegrammformularen schreibe, aber ich habe kein anderes Papier. Ich habe überhaupt nichts: weder Papier noch Geld noch Beruf noch richtige Wohnung.

Der Trick zog, die mitgeschickten „gotteslästerlichen“ Lieder machten den Mann namens Klabund über Nacht bekannt. Kerr nahm die Täuschung nicht übel.
Mit dem Erfolg seines ersten Lyrikbandes beim Berliner Reiß-Verlag stellte sich zugleich die Gewißheit ein, daß Klabund zwar an geschlossener, aber schwerer Lungentuberkulose erkrankt war. Ein Aufenthalt nach einer neuen Schwächeperiode im italienischen Gardone brachte die niederschmetternde Diagnose: beide Lungenflügel von TB befallen! Sein weiterer Lebensweg führte den Dichter von nun an immer wieder auf die „Zauberberge“, in die Sanatorien der Schweiz nach Arosa, Davos und Locarno. Lange vor Thomas Mann nahm Klabund die TB zum Anlaß, um unter dem Titel „Die Krankheit“ über die Tuberkulose eine Erzählung zu schreiben.
Klabund hatte eine starke Konstitution. Die Ärzte stellten eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufes bei völliger Ruhe in Aussicht. Ruhe erschien ihm als trügerisches Bild. Er lehnte es ab, sich vom Tod, vom Todeszeitpunkt durch ein gebremstes Leben zu entfernen. Gebremstes Leben erschien ihm ein Stück Tod vor dem Tod. Im Angesicht des Todes halfen ihm Frauen. Er liebte viele. Aber immer bedurfte er eines einzigen Wesens, um zu leben und alle anderen zu lobpreisen. In den Verbindungen zu Frauen verlor die Nacht ihre Schrecken. Klabund flocht Licht in Dunkel. Klabund dichtete:

Der Anfang: Das ist nicht der Ur-Anfang
Denn der Ur-Anfang ist kein Anfang
Der Anfang:
Ist das Erwachen der Kreatur zu sich.
Wenn der Stein fällt und aufschlägt: Ich, so ist dies der Anfang.
Wenn der Baum blüht und schattet: Ich, so ist dies der Anfang.
Wenn die Woge rauscht und wirft sich über den Strand: Ich, so ist dies der Anfang.
Aller Anfang ist leicht.
Aber schwer ist das Fortschreiten:

aaaVom Ich zum Du
aaaVom Du zum Wir
aaaVom Wir zum Ihr
aaaVom Ihr zum Es

Klabund schaute zurück. Klabund schaute weit zurück. Die Angst vor dem Tod spiegelte sich in der Angst vorm Leben. „Dies weiß ich“, schrieb er, „daß ich mich gegen das Erwachen wehrte. Mit Händen und Füßen sträubte ich mich gegen das Geborenwerden. Wenn die Inder verkünden, daß die Seelen sich zur Geburt drängen, so kann ich von mir das Gegenteil beschwören… Nun da ich am Leben bin, in weißer Wiege liege, fühle ich im tiefsten Herzen, daß mit dem Nabelstrang auch das gleichsam seidene Band riß, das mich mit der Seligkeit verknüpfte… Und wie ein Schwalbenfittich rauscht kaum hörbar durch mein kleines Hirn die Erkenntnis: in jenem Blick der Mutter, mit dem sie mich abends bettet, ist ein Strahl des verlorenen Paradieses eingefangen. Und leise hebe ich meine Hände, den Strahl zu halten.“ Klabunds Literatur wurde ein Stück Training für das Sterben. Er trainierte die Verknüpfung von Leben und Tod, das Hinüberfließen. Er trainierte es bei den Frauen. Sie merkten es:

ZUWEILEN

Geht der Tod durch dich
Heimlich hindurch.
Zum Beispiel: wenn du bei einer Frau liegst.
Du ahnst es nicht
Aber sie
Verschwärmte Schwester des Schwarzen
Wird unruhig
Reißt dich rauh
An die zarte Brust…

Klabund und der Tod – in dieser Verbindung entstanden viele seiner besten Gedichte:

Niemand weiß, daß ich gestorben bin.
Alle sehen freundlich zu mir hin.
Manche meinen mit verglastem Lächeln
Trost und Heiterkeit mir zuzufächeln.

Manche fragen, wie es mir erginge?
Ob wie sonst ich singe oder springe?
Oder ob mein Flötenmund
verstummt sei?
Und warum so dunkel ich vermummt sei?

Ärzte diagnostizieren edel
Jemand klopft erstaunt an meinen Schädel.
Und das klingt, als ob an einer Türe
Einlaß heischend wer die Finger rühre…

*

Ewig bist du Meer und rinnst ins Meer,
Quelle, Wolke, Regen – Ahasver…
Tor, wer um vertane Stunden träumt,
Weiser, wer die Jahre weit versäumt.
Trage so die ewige Last der Erde
Und den Dornenkranz mit Frohgebärde.
Schlägst du deine Welt und dich zusammen,
Aus den Trümmern brechen neue Flammen…
Tod ist nur ein Wort, damit man sich vergißt…
Weh, Sterblicher, daß du unsterblich bist!

*

Zwischen meinen Rippen schossen
Hecht und Barsch.
Stichling nistete in meinen Achselhöhlen;
Und ein Schleier Samenfische
Hing
Baldachin
Über meinem kühlen Schlaf.

Klabund schrieb das Leichte, das so schwer ist:

Süden: meine Sehnsucht!
Norden: mein Heim-weh,
Osten: meine Hoffnung,
Westen: mein Ziel.

*

Was wollen die großen Worte?
Sie rollen wie ein Kiesel klein
Am Weg, an der Straßenborte
In den Morgen hinein

Sie hängen in manchem Baume
Wie Früchte halbgereift.
Sie haben von manchem Traume
Den zarten Puder gestreift

Sie schmecken wie Galle so bitter.
So spei sie aus dem Spiel!
Sie sitzen im Fleisch wie Splitter.
Ein Wort ist schon zuviel.

*

Man soll in keiner Stadt länger bleiben als ein
halbes Jahr.
Wenn man weiß, wie sie wurde und war,
Wenn man die Männer hat weinen sehen,
Und die Frauen lachen,
Soll man von dannen gehen,
Neue Städte zu bewachen.

Läßt man Freunde und Geliebte zurück,
Wandert die Stadt mit einem als ein ewiges Glück.
Meine Lippen singen zuweilen
Lieder, die ich in ihr gelernt,
Meine Sohlen eilen
Unter einem Himmel, der auch sie besternt.

*

Hui über drei Oktaven
Glissando unsre Lust.
Laß mich noch einmal schlafen
An deiner Brust.

Fern schleicht der Morgen sachte,
Kein Hahn, kein Köter kläfft.
Du brauchst doch erst um achte
Ins Geschäft.

Laß die Matratzen knarren!
Nach hinten schläft der Wirt.
Wie deine Augen starren!
Dein Atem girrt!

Um deine bleiche Stirn der Morgen
Flicht einen bleichen Kranz
Du ruhst in ihm geborgen
Als eine Heilige und Jungfrau ganz.

Dem Schriftsteller Manfred Sturmann, der heute in Jerusalem den Nachlaß Else Lasker-Schülers verwaltet, schrieb Klabund:

Heute fangen so viele junge Menschen an, mit dem stereotypen, typischen Erlebnis von ,Ideen‘, die sie persönlich gar nicht erlebt haben, die sie sich anlesen, ansuchen, angaffen. Leben, leben und zum dritten Male: leben. Das ist die Hauptsache. Nicht wie der Dichter Axel Martini in Thomas Manns Königliche Hoheit das Leben den anderen überlassen und selber nur seinen Senf dazu geben: sondern leben wie Leutnant Glahn in Hamsuns Pan. Mit beiden Beinen auf der Erde stehen, denn sie hat, wie alle Sonnen, auch alle ,Ideen‘ schon in sich, die desto herrlicher emporblühen werden, je tiefer man in sie verwurzelt ist.

Die totale Verstrickung in sich selbst endet bei Klabund 1916 während des Ersten Weltkrieges. Da lernt er in einem Schweizer Sanatorium die 20jährige Brunhilde Heberle aus Passau, Tochter eines Justizrates, kennen, die an Tuberkulose leidet wie er. Er gewinnt ihre Liebe. Er heiratet sie. Er nennt sie Irene, seinen Frieden. Doch Irene stirbt bei der Geburt eines Siebenmonatskindes, das nur wenige Monate lebt. Der Tod, mit dem Klabund lebt, trifft jemand anderen. In der kurzen Beziehung zu dieser Frau wird er wach für das Elend anderer. Er schließt sich in der Schweiz den Pazifisten um den Schriftsteller René Schickele an, er, der 1914 glaubte, Deutschland mit Kriegsgedichten unterstützen zu müssen, da er als Kriegsfreiwilliger wegen seiner Krankheit nicht genommen worden ist. Am 3. Juni 1917 fordert Klabund den Kaiser in einem offenen Brief in der Neuen Zürcher Zeitung zur Abdankung auf:

Denn das deutsche Volk ist in Jahren unsagbaren Leidens gereift und den Kinderschuhen entwachsen: Es braucht keine Bevormundung mehr. Es hat sie satt…

In Deutschland wird gegen Klabund ein Verfahren wegen Vaterlandsverrats und Majestätsbeleidigung eingeleitet. Der Haftbefehl wird just in dem Augenblick vollstreckt, als das Kaiserreich zusammengebrochen ist, als Klabund Deutschland in den Wirren der bayerischen Räterepublik besucht. In Nürnberg vollstrecken die Truppen der sozialdemokratischen Regierung den alten Haftbefehl. Durch das Eingreifen seines Schwiegervaters wird Klabund aus der Untersuchungshaft entlassen. Die verratene Revolution von 1918 beschreibt Klabund so:

Und als sie zogen in den Krieg –
Vater war Maikäfer – Maikäfer flieg –
Da standen am Fenster die zwei,
Vergrämt, verhungert, Mutter und Kind,
Tränen wuschen die Augen blind:
Vater ist auch dabei –
Der Krieg war zu Ende. Er kam nach Haus.
Er zog die zerlumpte Montur sich aus.
Am Fenster standen die zwei:
„Geh nicht auf die Straße!“ „Ich muß ich muß –“
Und Schuß auf Schuß! Hier Spartakus!
Vater ist auch dabei!

Vorbei der Traum der Revolution;
Wenn früh die Kolonnen ziehn zur Fron,
Stehen am Fenster die zwei:
Es zieht ein Zug von Hunger und Leid
In Ewigkeit – in Ewigkeit – Vater ist auch dabei.

*

Am Kurfürstendamm da hocken zusamm
die Leute von heute mit großem Tamtam.
Brillanten mit Tanten, ein Frack mit was drin,
Ein Nerzpelz, ein Steinherz, ein Doppelkinn.
Perlen perlen, es perlt der Champagner.
Kokotten spotten: wer will, der kann ja

Fünf Braune für mich auf das Tischtuch
Zählen…
Na, Schieber, mein Lieber? – Nee, uns kanns
Nich fehlen,
Und wenn Millionen vor Hunger krepieren:
Wir wolln uns mal wieder amüsieren…

*

Millionen krepierten in diesem Krieg,
Den nur ein paar Dutzend gewannen.
Sie schlichen nach ihrem teuflischen Sieg
Mit vollen Säcken von dannen.
Im Hauptquartier bei Wein und Sekt
Tät mancher sein Liebchen pressen.
An der Front lag der Kerl,
Verlaust und verdreckt
Und vergessen, vergessen, vergessen.

Es blühte noch nach dem Kriege der Mord,
Es war eine Lust zu knallen.
Es zeigte in diesem traurigen Sport
Sich Deutschland über Allen.
Ein jeder Schurke hielt Gericht,
Die Erde mit Blut zu nässen.
Deutschland, du sollst die Ermordeten nicht
Und nicht die Mörder vergessen.

Klabund schreibt Songs für Max Reinhardts Kabarett Schall und Rauch in Berlin. Für die Rechte in der Weimarer Republik ist er ein rotes Tuch – und für die Linke auch. Das Volk mag ihn. Seine Romane Moreau, Bracke, Franziskus, Mohammed machen Auflage. Seine Gedichtbände Die Himmelsleiter, Der Himmlische Vagan“, Dreiklang, Das heiße Herz und vor allem Die Harfenjule enthalten Gedichte, die sitzen im Kopf wie Lieder. Die Harfenjule bringt Klabund als billiges Heftchen heraus damit es für jeden erschwinglich wird. Klabund ist es, der in Nachdichtungen ostasiatische Lyrik in Deutschland populär macht:

Wenn der Sommer kommt, gehen die Frauen mit ganz
Langsamen Schritten durch den Garten.
Ihre Füße träumen schwer. Und ihre Brüste warten,
Daß jemand unversehens von hinten sich heranschleicht und
Sie packt: ein Knecht, ein Strolch, ein Hirt –
Und ihre Wehrlosigkeit zur süßen Schande wird.

Im Deutschland der Inflation hat Klabund Mühe, seine kostspieligen Schweizer Sanatoriumsaufenthalte zu finanzieren. Statt sich zu erholen, arbeitet er sich kaputt. Die zu Ruhm und Glanz aufgestiegene Schauspielerin Elisabeth Bergner, die zusammen mit Heinrich George und Alexander Granach das „Schauspieltheater“ als Kollektiv gegründet hat, kommt dem kranken Klabund zu Hilfe. Sie bittet ihn, die chinesische Vorlage des Kreidekreis-Dramas zu bearbeiten. Bei dem Gespräch stellt sie fest, daß Klabund sich kaum noch verständlich machen kann. Die Krankheit hat auf die Stimmbänder übergegriffen, und Klabund kann ihren Worten nur mit Kopfnicken und Kopfschütteln folgen. Klabund macht sich an die Arbeit. Da bricht das Theaterkollektiv der Bergner und ihrer Freunde auseinander. Doch sie erreicht vom Deutschen Theater in Berlin eine Option auf das Stück und eine Vorauszahlung für Klabund.
Die Uraufführung findet am 1. Januar 1925 in Meißen statt und wird ein Erfolg. Das Deutsche Theater aber führt das Stück Klabunds ein dreiviertel Jahr später zum Triumph. In über hundert Vorstellungen spielt die Bergner die Haitang. Bertolt Brecht greift zum Klabund-Text und schreibt seinen Kaukasischen Kreidekreis. Das Klabund-Stück läuft über alle Bühnen Deutschlands und sichert ihm endlich Einnahmen, von denen er leben kann.
An seiner Seite sieht man nun die 23jährige Münchner. Schauspielerin Carola Neher. Er hat sie ein Jahr zuvor in der Ringlinie 2a der Münchner Straßenbahn kennengelernt, ist so fasziniert von der ihm bis dahin nicht bekannten Frau gewesen, daß er sie ganz einfach angestarrt hat, bis es ihr zuviel geworden ist und sie ihn angezischt hat:

Wenn Sie mich ganz ungeniert betrachten wollen, müssen Sie ins Theater gehen, ich spiele heute in den Kammerspielen in der Büchse der Pandora.

Klabund schickt Rosen in die Garderobe, und aus der Straßenbahn-Bekanntschaft entwickelt sich die zweite große Liebesbeziehung Klabunds. Für Carola Neher schreibt er das Gedicht „Kukuli“:

Kleiner Vogel Kukuli, flieh den grauen Norden, flieh,
Flieg nach Indien, nach Ägypten über Gräber, über
Krypten, über Länder, über Meere, kleiner Vogel, laß
Die schwere Erde unter dir und wiege dich im Himmels-
Äther – fliege zwischen Monden, zwischen Sternen bis
Zum Sonnenthron, dem fernen, flieg zum Flammengott
Der Schmerzen und verbrenn’ in seinem Herzen!

Über die Beziehung zu Carola Neher notierte Klaus Mann:

Mit Carola Neher ihn zu beobachten war beinahe beunruhigend, so sehr liebte er sie. Ich vergesse nie den werbenden, gedämpften, zarten Ton, den seine Stimme, sprach er zu ihr, hatte. Ich weiß noch, daß ich mit den beiden zusammen war in einer kleinen Münchner Bar, die Neher hatte vorher irgendeine Posse gespielt. Sie war kapriziös und mochte nicht essen; ich sehe Klabund, als sei es heute, wie er sich zu ihr neigte und besorgt scherzte: „Ich als dein Manager muß unbedingt darauf bestehen, daß du eine Kleinigkeit nimmst“. Ich glaube, sie bestellte trotzdem nichts.

Klabund folgt Carola Neher von Engagement zu Engagement: von München nach Breslau, von Breslau nach Berlin – ohne Rücksicht auf seine Krankheit, die immer weniger das Klima in Deutschland verträgt. Er, der in seinen Frauenbeziehungen den Tod vorweggenommen hat, indem er zum wievielten Male den Tod der Liebe bestimmt hatte, stirbt nun selbst vor Angst, er könne diese Frau verlieren. Mächtig und stark war er, solange er sich nicht band. In der Bindung zu Carola Neher verkehrt sich alles.
Als Carola Neher im Frühjahr 1925 an einer Blutvergiftung lebensgefährlich erkrankt, befürchtet er die Wiederholung des Schicksals seiner ersten Frau. Er schwört sich, sie zu heiraten, wenn sie vom Tod verschont bleibe. Carola Neher überlebt. Am 5. Mai 1925 heiraten die beiden. Er ahnt, daß er sich ausliefert:

Aber es gibt ja Wunder. Ein Wunder hat ihr das Leben gerettet. Vielleicht wird ein Wunder auch unsere Ehe retten.

An Hermann Hesse schreibt Klabund:

… anbei muß ich Ihnen, eitel wie ich bin, einmal meine Frau vorstellen. Wie gefällt sie Ihnen? Sie ist so schön, so klug, so genial, daß sie, in ihrem Theaterjargon gesprochen, mich völlig an die Wand gespielt hat und Sie von mir nicht mehr viel übrig finden werden. Einmal kommt ja die Frau, die uns unbewußt an allen anderen Frauen rächt und die uns radikal frißt. Mit Haut und Haaren, Leib und Seele. Auch nicht ein Seelenzipfelchen bleibt unverspeist. Denn die gesunde Sphinx hat einen gesunden Appetit…

Carola Neher probt, spielt Theater, flirtet hier und da. Er schreibt ein Gedicht, in dem er sie sprechen läßt:

Freund meines Herzens –
Kleiner Freund –
Großer Junge –
Sei nicht nervös –
Das bin ich selbst –
Geh – geh –
Bleib – bleib –
Eine Stunde –
Oder zehn Minuten
Ich kann dich nicht länger halten.
Alle Frauen
Die dich früher liebten
Hatten so viel Zeit für dich.
Ich hab gar keine Zeit –
Nicht für dich
Kaum für mich.
Ich habe nur Zeit
Zu einem flüchtigen Kuß
Und einer verwehenden oder bösen Zärtlichkeit.
Je nachdem ich gelaunt bin.
Ich habe den ganzen Tag Probe.
Abends spiele ich Theater.
Dazwischen: Masseure, Friseure, Photographen –
Wann soll ich dich lieben?
Nachts nach der Vorstellung bin ich todmüde.
Verzeih mir, daß ich dich nicht lieben kann.
Vielleicht im Sommer
In Interlaken oder Brioni.
Aber bis dahin wirst du nicht warten wollen.
Schade.

Ein Freund Klabunds notiert:

Da traf ich ihn wie heimatlos mitten durch das Gewühl streifend, er war im Smoking, der um seinen abgemagerten Leib schlotterte… Er trug eine kleine, kostbare Damenhandtasche an sich gepreßt… Ich nahm ihn am Arm. „Klabund! Sie sind in diesem eiskalten Winter noch in Berlin“ – Er sah mich zerstreut und unruhig an. – „Haben Sie meine Frau gesehen?“

Der Journalist Stefan Grossmann trifft den Dichter im Winter 1927/28 in einer Berliner Weinstube:

Ein Zeitungshändler brachte uns das Abendblatt, aus dem wir ersahen, daß Carola bei einer Probe eines für sie wichtigen Dramas abgesagt hatte. War sie krank, wirklich krank? Ich traute mich mit der Frage nicht so richtig raus… Klabund hörte, was ich verschwieg. „Sie hat sich erkältet“, sagte er endlich, „aber Sie brauchen nicht um sie fürchten… Gewiß möchte ich immer um sie sein, aber ich wohne nicht mit ihr, seitdem ich so krank bin… Ich kann doch nicht plakatieren: ja, ich bin Carolas Gatte, aber ich habe mich dazu gebracht, mich physisch fern, sehr fern von ihr aufzuhalten. Je länger, je unerwartet länger ich lebe, desto mehr bin ich mit ihr vermählt, aber zwischen meinem Davos und ihrem Berlin liegen Hunderte von Kilometern, und diese Distanz wird größer, wenn es mich nach Berlin reißt!“

Literarisch beschreibt Klabund seine Situation so:

Sie legten mir ein weißes Tuch übers Gesicht wie einem Toten. Ich dachte schon, ich wäre tot. Aber unten auf der Straße, wo ich in das Sanitätsauto geschoben wurde, hob ein neugieriger Junge das weiße Tuch ein wenig ab und sagte enttäuscht: „Och – der lebt ja!“

Klaus Mann sieht Klabund um jene Zeit beim Vortrag von Gedichten:

Seine heisere und reduzierte Stimme hatte, wenn sie vom Podium sprach, unvergeßliche Intensität. Freilich war sie überspannt, wie eine Saite, die bald reißen muß.

Im Mai 1928 fährt Klabund mit seiner Frau Carola nach Brioni. Er erkrankt an einer Lungenentzündung und einer Bauchfellreizung. Zu spät kommt er nach Davos. Die ärztliche Behandlung bringt keine Besserung. Seinen Arzt fragt er nach den Symptomen einer Gehirnhautentzündung. Er brauche diese Auskünfte für eine Geschichte, die er schreiben wolle. Der Arzt erklärt ihm die Symptome. Klabund erleidet einen Blutsturz. Er rafft sich auf und schreibt eine Postkarte ohne Datum an seine Eltern nach Crossen:

Liebste Eltern, herzlichsten Gruß aus Davos! Ist es Euch nicht möglich, sagen wir innerhalb acht bis zehn Tagen nach Davos zu kommen?…

Dann telegraphiert er nach Berlin, bittet seine Frau zu kommen. Carola Neher mitten in den Proben zu Brechts Dreigroschenoper, in der sie als Polly die Hauptrolle spielen soll, reist zu ihrem Mann. Der dämmert vor sich hin, geplagt von quälenden Kopfschmerzen. Eine neue Blutung schwemmt die Tuberkelbazillen in den Blutkreislauf und erzeugt die todbringende Meningitis. Brecht meldet sich mehrmals täglich telefonisch bei Carola Neher. Er denkt nur an seine bedrohte Theateraufführung. „Ist er schon tot? Ist er schon tot?“ ist seine ständige Frage. Am Morgen des 14. August 1928 ist Klabund tot. Die Urne mit seiner Asche wird nach Crossen gebracht.
Gottfried Benn, der um vier Jahre ältere Freund des Dichters, sagt auf der Trauerfeier:

Und wenn ich an seine Urne etwas zu schreiben hätte, wäre es ein Satz aus einem der großen Romane von Joseph Conrad, über die ich in letzter Zeit mit Klabund sprach. Ein Wort, das die Verwirrung des Menschenherzens und der Menschheitsgeschichte raunend erhellt: „Dem Traum folgen und nochmals dem Traum folgen und so weiter – usque ad finem“.

In Klabunds Himmelsleiter steht das Gedicht:

Du wanderst deinen kleinen Weg alleine.
Der Wind, der dünengrün am Strande weht,
Er klirrt auch durch die moosigen Gesteine
Und durch der Städte staubiges Gerät.

Doch wenn du stirbst, fühlst du mit dir Erbarmen,
Und müde fällst du schwach auf dein Genick.
Es ruht wohl sinnlich wer in deinen Armen,
Doch sein Gesicht verbirgt sich deinem Blick.

Du wanderst würdig auf betauten Auen.
Der Blumen Farbe dünkt dir königlich.
Und aus den Tälern steigt ein Hauch von Frauen,
Wie sommers er durch die Kastanien strich.

Doch dieser Atem wuchs aus keinem Munde,
Und seine Zärtlichkeit ist so bedroht
Von dem Gedanken einer irdenen Stunde,
Daß du es weißt: so duftet nur der Tod.
Du ahnst, daß er dir wie ein Sohn bekannt ist
(Wer Ahnung hat, der ist nicht mehr allein…),
Geführt von einer Hand, die keine Hand ist,
Gehst du bestrahlt im Firmamente ein.

Das war Klabund, noch nicht 38 Jahre alt, ein Biß-chen Leben!

*

Carola Neher unterschrieb 1933 einen Aufruf antifaschistischer Künstler gegen Hitler. Nach dem Reichstagsbrand floh sie nach Prag. Dort heiratete sie den deutsch-rumänischen Ingenieur Anatol Becker. Sie ging mit ihrem Mann in die Sowjetunion nach Moskau. In Moskau kam ihr Sohn Georg zur Welt. Im Herbst 1936 wurde das Ehepaar verhaftet. Wegen „Spionage“ wurden beide zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Die Verurteilung wurde mit dem Kontakt der beiden zu Stalin-Gegner Erich Wellenberg begründet, den sie in Prag kennengelernt hatten. Carola Nehers Mann wurde 1937 im Alter von 34 Jahren im Lager von NKWD-Beamten erschossen. Die Sowjets wollten die 42jährige zwingen, nach Deutschland zurückzugehen und dort für Moskau als Agentin zu arbeiten. Sie weigerte sich. Die NKWD-Beamten liquidierten sie daraufhin am 28. Juni 1942 durch Genickschuß. Carola Nehers Sohn durfte 1975 in die Bundesrepublik ausreisen.

Jürgen Serke, in Jürgen Serke: Die verbrannten Dichter, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983

 

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