Park – Heft 35/36

Mashup von Juliane Duda zu der Zeitschrift Park

Park

schwarzen pirols pfeil
wie erkennst du ihn
keime aus den wörterbüchern eines zitronenblassen
aaaaahimmels
entfernen sich gesichter
wer wird lesen
die großfernen vokale
die völkerwinter
das schneegestöber der ellbogenausdrücke
er wird finster er plant fußtritte kennzeichen des lebens
ans kinn mit dem linken ein tritt
des fernen vokals
des winters adernverflechtungen
welches ,vielleicht‘ hinterließen wir mit den sohlen
zahlen des tages sprengend
schleudern des schwarzen pirols in pupillen und zerrissenen buchstaben
windkreis schrei sonne säte
und hier auf der erde oder im schotter
oder ist es eine krümmung der wolken ein schwanken der libellen
durchbohrte dich die sonnenlanze fußtritte
zeit verdichtet sich im klumpen blut
tropft von oben geht weg durch den schotter
ist weg der pirol röchelt hell
du bitest um schonung lebst

Olga Denissowa
aus dem Russischen von Sascha Wonders

 

 

 

Die Zeitschrift PARK

wurde 1976 begründet mit dem Ziel, neue Tendenzen der Gegenwartspoesie zu entdecken und in Erstdrucken vorzustellen. Sie will ohne programmatische Festlegung die Formen jüngster Lyrik erkennbar machen. Zwar konzentriert sich das Interesse auf das Werk jener Dichter, die sich der hermetischen Tradition verpflichtet fühlen, gleichzeitig steht PARK aber anderen Strömungen offen und bringt auch Texte von Autoren, die sich literarischen Zirkeln und Schulen konsequent entzogen haben.
Ein Schwerpunkt liegt bei der Präsentation jüngerer begabter Lyriker. Eine Daseinsberechtigung erhält PARK rückblickend dadurch, daß viele von ihnen später den Weg in größere Verlage gefunden haben.
Texte von über 150 Schriftstellern sind in den bisherigen 48 Ausgaben der Zeitschrift erschienen, die damit gleichsam eine Lyrik-Anthologie in Erstdrucken darstellt. Die Namen der Autoren spiegeln Entwicklungen wider, die die deutsche Lyrik in den letzten zwanzig Jahren genommen hat. So sind u.a. vertreten: Christoph Meckel, Friederike Mayröcker, Gerhard Falkner, Rose Ausländer, Paul Celan, Uwe Kolbe, Jan Koneffke, Richard Anders, Wolfgang Bächler, Michael Buselmeier, Dieter M. Gräf, Margarete Hannsmann, Helmut Heißenbüttel, Uta Mauersberger, Detlev Meyer, Bodo Morshäuser, Oskar Pastior, Johannes Poethen, Ralf Rothmann, Sabine Techel, Jürgen Theobaldy, Hans-Ulrich Treichel, Ernest Wichner und Lioba Happel.
Einen festen Bestandteil der Zeitschrift bildeten von Anfang an Dossiers über Gegenwartspoesie in fremden Sprachen. Bisher wurden Dichtungen aus 18 Ländern präsentiert, – meist zweisprachig und mit instruktiven Einleitungen. So konnte man zeitgenössische Gedichte aus Griechenland, Italien, Spanien, Schweden, Frankreich, England, Jugoslawien, USA, Polen, Rußland, Irland und Lateinamerika kennenlernen. Erstübertragungen von Arbeiten auch hierzulande vielbeachteter Dichter, wie Octavio Paz, Andrea Zanzotto oder Gennadij Ajgi, stehen dabei neben Expeditionen zu unbekannten Poesien, etwa aus Estland, Iran oder Argentinien.
Wenn auch das Hauptgewicht der Zeitschrift bei der Lyrik liegt, so veröffentlicht PARK darüber hinaus kürzere Prosaarbeiten, Rezensionen wichtiger Neuerscheinungen und oft auch literaturästhetische und poetologische Essays, z.B. von Hans Blumenberg oder Gerd Henniger.

Waschzettel, Heft 29/30, Februar 1987

 

Das Haus für Poesie feiert das 40-jährige Bestehen von Park – Zeitschrift für neue Literatur.
Zu Ehren der Zeitschrift haben am 7.2.2017 vier PARK-Autoren der letzten Jahre im Haus für Poesie gelesen: Kenah Cusanit, Gerhard Falkner, Kerstin Preiwuß und Monika Rinck. Michael Speier und Michael Braun führten durch den Abend.

 

Fakten und Vermutungen zu Michael Speier + Kalliope +
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Beitragsbild von Juliane Duda zu Richard Pietraß: Dichterleben – Michael Speier

 

Michael Speier liest beim 11. Internationalem Poesiefestival von Medellín im Juni 2001.

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