Kerstin Hensels Gedicht „Gloria“

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KERSTIN HENSEL

Gloria

Nichts bin ich Gott nichts bin ich Gott
Im leeren Mund der Engelsgruß
Ich steh in meiner kleinen Not
Mit dir auf gutem Hasenfuß
Was hängt das schwarze Glöcklein da
Excelsis Deo Gloria?

2008

aus: Kerstin Hensel: Alle Wetter. Luchterhand Literaturverlag, München 2008

 

Konnotation

Der Hymnus „Gloria in excelsis Deo“ („Ehre sei Gott in der Höhe“) ist seit vielen Jahrhunderten ein zentrales Element der katholischen und evangelischen Liturgien. Er geht zurück auf die biblische Geschichte, in der erzählt wird, dass sich die Engel, nachdem sie den Hirten auf dem Feld die Nachricht von Jesu Geburt überbracht haben, zur gemeinsamen Verherrlichung Gottes zusammenfinden.
Das lyrische Subjekt in Kerstin Hensels (geb. 1961) Gedicht stemmt sich in verzweifeltem Fatalismus gegen die Heilsverheißung der biblischen Erzählung. Der Text formuliert eine bittere Negation der frohen Botschaft – das Ich proklamiert sich selbst als veritables Nichts, dem kein Hymnus gesungen wird. Es ist ein durchweg düsteres Glaubensbekenntnis, das hier als Stoßgebet daherkommt. Denn die Verbindung zu Gott erwächst in diesem Fall aus Opportunismus – und selbst die christlichen Symboliken sind negativiert.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2010, Verlag Das Wunderhorn, 2009

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