Namenskunde 

Titelbild von Juliane Duda zu der Beitragsserie „Felix Philipp Ingold: Endnoten“

Lew Schestows Sprachskepsis geht so weit, dass er Adam, dem ersten Menschen, zum Vorwurf macht, die Dingwelt mit Namen versehen und damit ihrer Wahrhaftigkeit beraubt zu haben – dies, obwohl Gott selbst ihn dazu aufgefordert hat.
„Und als die Namen einmal gegeben waren, fand sich der Mensch abgeschnitten von allen Quellen des Lebens.“
Das gilt allerdings ebenso für den Tod, der sich jeder begrifflichen Vergegenwärtigung, jeder Beschreibung, jeder Erklärung entziehe und der einzig in unartikulierter Rede irgendwie zum Ausdruck gebracht werden könne. „Doch Geschrei, Gestöhn und Geheul gelten unter Menschen nicht als Ausdruck der Wahrheit und werden deshalb“, meint Schestow (in Wagnisse und Unterwerfungen, 1923), auf jegliche Weise ,gelöscht‘ – non ridere, non lugere, neque detestari, sed intellegere.
Tatsächlich wollen die Leute nur Verständliches haben. Jenes ,Unverständliche‘, das in Schreien, unartikulierten Lautreihen oder andern, sprachlich nicht wiederzugebenden ,äussern‘ Zeichen zum Ausdruck kommt, bleibt für sie unverbindlich.“

 

aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

„Suppe Lehm Antikes im Pelz tickte o Gott Lotte"

Muhen

Numen (human?). – Who? Men!

Michel Leiris ・Felix Philipp Ingold

– Ein Glossar –

lies Sir Leiris leis

Würfeln Sie später noch einmal!

Lyrikkalender reloaded

Luchterhand Loseblatt Lyrik

Planeten-News

Planet Lyrik an Erde

Tagesberichte zur Jetztzeit

Tagesberichte zur Jetztzeit

Freie Hand

Haupts Werk

Gegengabe

0:00
0:00