Felix Philipp Ingolds Skorpioversa – Die Farbpalette der Dichtung (Teil 3)

Die Farbpalette der Dichtung
Eine kleine koloristische Poetik

Teil 2 siehe hier

Vladimir Nabokovs koloristisches Interesse war durch seine synästhetische Veranlagung vorgegeben – die Laut- und Schriftgestalt sprachlicher Zeichen (Buchstaben, Wörter) fügten sich bei ihm unwillkürlich zu komplexen Wahrnehmungsdaten, die Aussenstehende für gesucht und künstlich halten mögen, die er selbst jedoch als einen naturhaften Automatismus begriff. «Farbhören ist vielleicht nicht ganz der richtige Begriff», präzisierte er in seinem Erinnerungsbuch («Speak, memory!», 1951, 1954, 1966), «denn die Farbempfindung scheint dadurch hervorgerufen zu werden, dass ich mit dem Mund einen Buchstaben [als Laut] bilde, während ich mir seinen Umriss [als Letter] vorstelle.»
Nabokov nutzte diesen Automatismus konsequent als Triebkraft für seine literarische Arbeit: Synästhetische Vergleiche und Gleichsetzungen gehören zu den unverwechselbaren Charakteristika seines Personalstils. Der von ihm praktizierte Kolorismus führt vor Augen, wie effizient reale und eingebildete Farben in der Dichtung zur Geltung gebracht werden können, doch gleichzeitig lässt er den ebenso bedeutsamen metaphorischen und symbolischen Einzugsbereich des Farbvokabulars ausseracht. Die Farbe interessiert ihn als solche, als reines, vielfach wandelbares Phänomen, und keineswegs als Bedeutungsträger für irgendwelche Ideen oder Gefühle.

… Fortsetzung hier

© Felix Philipp Ingold & Planetlyrik

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