DER TOD ALLEN SEINS, INKLUSIVE NEW YORK CITY
was soll ich denn mit dem Ozean?
und was soll ich denn mit dem Himmel?
(Dean Wareham)
Selbst wenn da Stare sein sollten, scheiß drauf.
Und Amseln? sorry. Spottdrossel? nee, tut mir leid. Rotkehlchen,
Hüttensänger, Grasmücke, Trauertaube – nicht
dein Ernst? Selbst Blässralle, Gimpel, Kuhstärling,
Geier – die Vogelwelt hat ausgedient.
Selbst Babys und Affären und Sprache – Blumen kann man auch
vergessen. Die verseuchteste Blume auf der Erde ist noch zu
schön, die schlimmste Ehe zu romantisch, das infamste Kleinkind
noch zu kostbar und unseriös.
Heute wies uns die Regierung an, das Wasser nicht zu trinken, nicht die Luft
zu atmen, so dass, sobald ich trinke, atme, ich niemandem die Schuld
zuschieben kann, und im Gegensatz dazu den frühmorgendlichen Spielplatz zu beschreiben,
die angenehme Brise, Tiere mit Gefieder, wäre unglaubwürdig
und das ist doch blöd, so sind Stare trotz des Charmes des ihnen gegebenen Namens
ein Ärgernis – geräuschvoll, garstig zu anderen Vögeln – gute Metapher übrigens
für unsere Söhne, so wie sie immer *%&)@(&#!
aber wir sind beide todkrank von „so wie…“
und was auch immer danach folgt.
Heute sag ich, schließt den Holland, den Lincoln und den Midtown Tunnel! Ich sag
sperrt die Brücken und Straßen und Wasserwege vor der Vergleichbarkeit
von allem und jedem. Sag Nein! zu nach Farben benannten Fischen, nach Säugetieren
benannten Vögeln, nach Menschen benannten Blumen. Selbst Namen von Krankheiten
sind zu delikat, scharf, apropos, beunruhigend lyrisch. Vernichtet die Adjektive
und alles was mit A anfängt: Anämie, Areola, Arroyo, – alles viel zu elegisch – und
fahrt fort damit in der Unmenge von Alphabeten, die es nicht mehr gibt.
Die New York Times berichtet, seit 1886 habe man im Central Park
mehr als 200 Vogelspezies gezählt. Kanadareiher und Höckerschwan kommen
das ganze Jahr vor. Der Schornsteinsegler ist den Sommer über täglich Gast.
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaNa und?
Es ist zu spät, die Welt zu schildern.
(…)
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Ein Museum, durch das das Leben rauscht:
Rachel Zuckers buchlanger Gedichtzyklus lotst uns so lebhaft wie schonungslos durch die Stromschnellen ihrer Erfahrungen als Frau, Autorin, Jüdin, Ehefrau und Mutter im New York der Nullerjahre. Kinder haben, Fehlschläge auf dem Weg dahin, gesellschaftliche und gesundheitliche Defizite, das Handhaben der so wunderbaren wie komplizierten Daseinsform Familie und nicht zuletzt die Liebe: Rachel Zucker nimmt uns mit in ihre eigenen banalen wie illustren Zu- und Unfälle. Und so pulsieren die Gedichte auf Basis ganz real verschlingender Nöte, aber funken doch auch Schönheit und funkeln in ihrer alerten Leidenschaft vor Humor und tatsächlich auch durch ihre Lakonie. Es geht diesem Museum nicht darum, die Dramatik des Alltags vornehm künstlerisch zu präparieren, sondern die Zumutungen und eigenen Neurosen unverstellt in Poesie zu übersetzen. Nichts ist zu gering und alles attackiert. Und wird von Zucker geschmeidig in immer neue Form gebracht. Aufmüpfig und hochsensibel, fintenreich und schnippisch, als autofiktionales Arrangement oder experimentell verspieltes Schlaglicht.
Elif Verlag, Klappentext, 2022
Beiträge zu diesem Buch:
Maureen McLane: Museum of Accidents, by Rachel Zucker
bookcritics.org, 16.2.2010
Marjorie Tesser: Rachel Zucker’s Museum of Accidents
literarymama.com, 28.5.2010
Rob McLennan: Rachel Zucker, museum of accidents
rob mclennan’s blog, 17.5.2010
Fakten und Vermutungen zur Übersetzerin
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shi 詩 yan 言 kou 口
Ron Winkler liest zweites urbanes Panneau im Maxim Gorki Theater Berlin („Hardcover Studio“) am 5.2.2011.
Interview von Sophie Oliver mit Rachel Zucker im September 2018 in The White Review
Fakten und Vermutungen zur Autorin + poets.org + X









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