Dirk Schindelbeck: Tropfenfänger & kreisende Kolben

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Dirk Schindelbeck: Tropfenfänger & kreisende Kolben

Schindelbeck-Tropfenfänger & kreisende Kolben

DER CONRAD & DER PETER

Der Conrad.1 Unauffällig. Guter Sohn
der Mutter, NVA-Soldat, voll Disziplin.
Kam 61, dreizehnter August. „Aktion
Rose“:2 Abriegelung von Ost-Berlin.

Conrad auf Posten. Tagelang. Bernauer
Straße. Sieht Pioniere vor sich. Sieht und ringt.
Sieht Stacheldraht, Sand, Steine. Das wird Mauer.
Und Conrad, unauffällig bislang, springt

in einen Wald von Kameras. Am besten
mit seinem Bildschussapparat traf ihn der Peter:
„Sprung in die Freiheit!“ Mega-Propaganda!

Nun war der Conrad aufgefallen und im Westen,
doch fand nie Ruhe, selbst auf der Veranda
des eignen Häuschens nicht, so dass er sich erhängte – später.

2014

 

3

 

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Betriebsanleitung

Es ist Zeit, das Sonett als Aufnahmeapparatur, Kommentator und Markenartikel zu begreifen – und es dieser Erkenntnis entsprechend zu (be)nutzen. Seine Architektur und Logistik ähnelt den Ablauffiguren industrieller und kommunikativer Prozesse. Es spiegelt moderne Strukturen von Produktion, Distribution und Konsumption, hat festgelegte Qualitätsstandards, entspricht rationeller Modulbauweise, ist stapelbar. Schon deswegen eignet es sich gut zur Darstellung unserer Lebenswelt – als Begriffs-Kompressor, Prozess-Analyst, Reporter, Gebrauchsanweisung, Marketing-Konzept, Lehrgedicht usw.
In diesem Sinne will ich den Gedichttyp als zielführendes, ergebnisorientiertes Sprachformat mit besonderen Eigenschaften und Bewegungsgesetzen verstehen und zeigen. Das Sonett hat ja den Vorteil, dass es einen festen Rahmen bietet; es ist begrenzt, auf 14 Zeilen definiert. Das macht es handlich und übersichtlich. Um mit Sonetten am PC zu arbeiten, muss man nicht scrollen: Es passt bequem auf eine Bildschirmseite, seine Gesamtarchitektur bleibt im Blickfeld und unter Kontrolle.
Leider kann man noch immer lesen, wer in einschlägigen Poetiken blättert, dass das Sonett lediglich ein recht kompliziertes Reimschema sei (z.B. in Ivo Braaks Poetik in Stichworten: abba abba cdc dcd oder abba abba cde cde usw.), aber nicht mehr. In Lyrikbänden wird man es nach wie vor durchgängig als gereimtes Gedicht vorfinden. Dennoch hat der vorgegebene Schemacharakter seit dem frühen 20. Jahrhundert deutlich an Definitionsmacht verloren. Dafür ist etwas anderes verstärkt in den Blick geraten: sein Gattungscharakter, sein vollständiger Formkörper, der den Schreibenden einerseits an die Hand nimmt und leitet, andererseits von ihm bestimmte Rücksichtnahmen auf seine Eigenheiten verlangt und „erfüllt“ sehen will.

(…)

Einladung in die Sonettwerkstatt
Nach diesem Ausflug durch Theorie und Geschichte des Sonetts ist der Zeitpunkt gekommen, eine Einladung in die eigene Werkstatt auszusprechen. Denn welchen Wert hat eine Theorie, haben alle Kenntnisse, wenn sie nicht in eine lebendige Praxis münden? Die folgenden Stücke, eine Auswahl aus fast 40 Jahren Schreibpraxis, verfolgen dabei auch eine pädagogische Intention: Sie sollen Mut machen zur eigenen Produktion. Sonettieren ist keineswegs unmodern. Denn wer heute glaubt, das Sonett sei tot, irrt sich sehr. Tag für Tag werden neue Sonette verfasst, im Internet präsentiert sich eine weltweit vernetzte Gemeinde unter www.sonett-archiv.de. Selbst arrivierte Autoren, bei denen man es vor 40 Jahren nie für möglich gehalten hätte, dass sie jemals in ihrem Leben Sonette schreiben würden, gehören inzwischen zu den Bekehrten. Stellvertretend für viele andere seien hier genannt Wolf Wondratschek (Die Einsamkeit der Männer. Mexikanische Sonette, 1983) oder Günter Grass (Novemberland. 13 Sonette, 2001). Dass die Aktualität der Gattung unvermindert diskutiert wird, zeigen nicht zuletzt die bemerkenswerte Rede Harald Hartungs über den „vierzehngliedrigen Salamander“ im Lyrik Kabinett München im Oktober 2010 oder das unlängst von Erika Greber und Evi Zemanek herausgegebene Werk Sonett-Künste: Mediale Transformationen einer klassischen Gattung.
Sicherlich braucht Poesie immer einen Impuls. Natürlich sind Liebesleid und Weltschmerz nach wie vor starke Triebfedern zum Sonett – vor allem bei jungen Menschen. Doch es gibt auch unverfänglichere und womöglich objektivere Anlässe, wie uns nicht zuletzt das Beispiel Rilkes lehrt. Sein vor mehr als 100 Jahren begonnenes Projekt, Strukturen und Eigenart des Sonetts als poetisch-phänomenologische Methode zu nutzen, kann auch heute noch ergiebig sein. Wie viele unbeachtete Alltagsgegenstände offenbaren nicht poetische Qualitäten, die sich erst in jenem Moment zeigen, wenn ein so strukturstarkes Gedicht sie aufgreift und zu einem Sprachereignis verwandelt.

Zur vorliegenden Sammlung
Die vorliegende Sammlung von über 70 Sonetten bietet einen Querschnitt dessen, was die Form ermöglicht. Auf unterschiedlichen „Arbeitsfeldern“ und „Einsatzorten“ zeigt sich das Sonett als strukturstarkes, leistungsorientiertes Gedicht. Das Spektrum seiner Themen gliedert sich in fünf Kapitel: „inbusschlüssel“, „Deutschmeister“, „Warenlager“, „Dialogfeld“ und „paar weise älter“ – Überschriften, die innerhalb einer Gedichtsammlung sicherlich ungewöhnlich sind. Gerade damit aber soll angezeigt werden, welch große – und bislang meist auch ungenutzte – Alltagstauglichkeit dem Formkörper eignet. Im ersten Kapitel tritt seine Neigung zur Selbstreflexion besonders hervor, die eigene Ablauf- und Denkfigur zu thematisieren – ja sie sogar zur Darstellung und Erklärung technischer Verfahren einzusetzen, indem es etwa zu einer Gebrauchsanweisung wird, einer Messstation oder einem Aufzeichnungsgerät. Im Kapitel „Deutschmeister“ dagegen zeigt sich das Sonett als Darsteller, Kommentator und Interpret gesellschaftlicher und historischer Phänomene. So kann das Sonett auch unbequemen Wahrheiten pointiert Ausdruck verschaffen, etwa in dem Stück „Judenvermögensabgabe und Reichsfluchtsteuer“ (S. 60). Im Kapitel „Warenlager“ werden seine Fähigkeiten genutzt, Sprachformeln generieren, handhaben und auf die Spitze treiben zu können: Jetzt wird das Sonett u. a. zum Werbefachmann, der die Techniken der schöpferischen Reduktion beherrscht, vermeintliches Warenlob aber auch unterläuft oder ins Gegenteil verkehrt. Was als panegyrische Geste beginnt, endet immer wieder als Satire. Im Kapitel „Dialogfeld“ wird jener dem Formkörper zutiefst eingeschriebene Sinn für Proportion genutzt, sich Werken der bildenden Kunst, in diesem Fall den Grafiken Gerd Grimms, öffnen zu können und ihnen mit sprachlichen Mitteln zu folgen und zu entsprechen. Im letzten Kapitel „paar weise älter“ kehrt das Sonett auf eines seiner klassischen Themenfelder, die Liebesdichtung, zurück.

Ungewohntes und Gewöhnungsbedürftiges
Sicherlich mögen viele Leserinnen und Leser schon die äußere Gestaltung dieser Sammlung als ungewohnt und irritierend empfinden. Gedichtbände präsentieren sich normalerweise schon von der Optik her anders. Hier herrscht dagegen selbst bei der Orthografie die größtmögliche Liberalität, finden sich sowohl in Barockschreibweise gesetzte Stücke als auch Kleinschrift- und Grafik-Experimente in der Tradition konkreter Poesie wie etwa in „Ostern im Vergnügungspark“ (S. 51) oder in „zylinder_kopf_dichtung“ (S. 55), wo die Unterstriche konkreter Ausdruck der in den Gedichtkörper eingebauten Zylinderkopfdichtung sind. Gerade weil das Sonett hier auf so verschiedenen Arbeitsfeldern eingesetzt wird, ändern sich sowohl Versbau als auch Optik und Grafik je nach seinem inhaltlichen Verwendungszweck.
Ebenfalls irritieren dürfte, dass manche Stücke mit Fußnoten ausgestattet sind. Auch das widerspricht den vorherrschenden Erwartungen an ein Gedichtbuch. Nach dem geltenden Lyrikverständnis sollen Gedichte ja subjektiver Empfindung unverstellten Ausdruck geben, dem lyrischen Ich Gefährt und Mittel sein, seine Erfahrungen und Empfindungen Sprache werden zu lassen, aber doch bitte nichts „erklären“. Hier jedoch, wo ein der Objektivität verpflichteter Formkörper in die Moderatorenrolle schlüpft oder gar als Wissenschaftsgedicht (vgl. „harter bolzen“, S. 48) auftritt, liegt es nah, Verfahren und Konventionen, wie sie im akademischen Bereich Geltung haben, ebenfalls aufzunehmen und zu nutzen.
Den unterschiedlichen „Verwendungszwecken“ entsprechend geschieht auch der Einsatz des gesamten Spektrums bekannter metrischer Muster, welche die Formgeschichte bietet. Es finden sich sowohl häufige Adaptionen aus der Barocktradition (Alexandriner) als auch das in der klassischen Periode dominierende Standardversmaß des Elfsilbers, jambische, trochäische und auch daktylische Verse – sowohl in der strengen Variante mit nur vier oder fünf Reimen, ebenso aber auch etliche Stücke, in denen die Handhabung von Vers und Reim eher locker anmutet.

„Seh-Gedicht“ und neues Sendeformat
Weil diese Sonette so welthaltig sind, erzählen, räsonieren, beobachten, analysieren sie, aber sie „singen“ nicht. Sie sind und bleiben kühl. Gegenüber Metapher und Bild, also den Instrumenten des lyrischen Sprechens, bewahren sie ein grundsätzliches Misstrauen. Dafür sind sie in der Kernzone der Grundproblematik von „Sprache im technischen Zeitalter“ angekommen. Mit ihren eigenen Bordmitteln machen sie sich auf, sich an der Wirklichkeit abzuarbeiten, mit Strukturstärke, Rhetorik, als Pointengenerator, als wissenschaftlicher Abstract oder als Markenartikel.
Da seine „gute Figur“ und seine Tendenz zur Plastizität das Sonett geradezu prädestinieren, ihm ein bildgewordenes Gegenüber – noch unlängst hatte Erika Greber es als „Seh-Gedicht“ bezeichnet – an die Seite zu stellen, haben sich Autor und Layouter bemüht, auch diese ständige Zwiesprache in diesem Buch durchgängig zu realisieren.
Ob dies gelungen ist, kann nur die Leserin oder der Leser entscheiden. Mut machen ist ebenfalls intendiert, es selbst mit dem Dichten zu versuchen. Insofern versteht sich diese Sammlung mit dieser „Betriebsanleitung“ sowohl als ein Lehr- und Übungs-, aber auch als ein Vergnügungsbuch, das zum Schmökern und Querlesen einladen will. Sollte sich bei der Lektüre ein Begriff davon einstellen, dass das Sonett mehr ist als eine leere alte Reimklapper, sondern ein kompletter Formkörper, dessen Gedankenarchitektur ein hohes Maß an Eigenarbeit verrichtet – in der Terminologie von Medienmenschen geradezu ein überaus alltagstaugliches „Sendeformat“ –, ist das Ziel schon halb erreicht.

Dirk Schindelbeck, Vorwort

 

 

Es erscheint kaum mehr vorstellbar:

ein Lyrikband, der gut unterhält und auch noch Wissen vermittelt! Dieser tut es, getreu der längst in Vergessenheit geratenen antiken Maxime prodesse et delectare („belehren und unterhalten“). Und er tut es auf ungewöhnliche Weise – mithilfe der poetischen Urform des Sonetts. Das Erstaunlichste daran: Kein Thema, das es nicht erreichte, keine Tonlage, die es nicht träfe, kein Experiment, das es sich versagen müsste.
Das funktioniert deshalb, weil der Gedichttyp hier nicht als überkommenes Reimsystem gehandhabt wird, sondern als kybernetisch arbeitendes Erkenntnisinstrument. Ob als Denkfigur oder Geschichtslehrer, als Marketingexperte, Kunsterzieher oder Beziehungs-Supervisor – das Sonett kann die Rolle eines Reporters oder einer Gebrauchsanweisung mit derselben Mühelosigkeit annehmen wie es zur Satire auf Politiker-Rhetorik oder ein Philosophie-Examen wird. Das macht Texte auf ein Panzermodell oder einen Tropfenfänger ebenso möglich wie auf den „deutschen Salzhering“ oder die „Chiquita-Banane“.
40 Jahre sonettischer Schreibpraxis finden Ergänzung und Erhellung in raffinierten Grafiken. Ein Gedicht zu lesen wird so immer auch zum visuellen Erlebnis. Der Formkörper, konsequent als Phänomen materieller Alltagskultur verstanden und genutzt, entfaltet so ganz verblüffende Wirkungen. Und für alle, die mehr über Geschichte, Architektur und Potenzial des Sonetts wissen oder sich selbst an ihm versuchen wollen: Eine fundierte „Betriebsanleitung“ führt in Kompositionsgesetze und Handhabung ein. Eine neue Sonett-Epoche hat begonnen.

ISBN.de, Ankündigung

 

Dieses Buch zeigt auf 160 Seiten

bislang nicht wahrgenommene Facetten und unentdeckte Gestaltungsmöglichkeiten des klassischen Gedichttyps.

Das neue Sonett präsentiert sich im Kapitel

inbusschlüssel als Kabinettstück und Erklärungsmodell von Phänomenen der technischen Moderne;
Deutschmeister als scharfsichtiger Sachverständiger historischer und gesellschaftlicher Prozesse;
Warenlager als wortgewandter Werbetexter von (nicht immer ernst gemeinten) alten und neuen Produktverheißungen;
Dialogfeld als sensibler Interpret von Werken bildender Kunst, hier der Grafiken Gerd Grimms (1911–1998);
paar weise älter als klassisches, eine reife Beziehung erlebendes und dokumentierendes Liebesgedicht.

Eine profunde „Betriebsanleitung“ führt zudem in Geschichte, Theorie und Praxis des Sonettierens ein – nützlich für alle diejenigen, die es selbst einmal mit ihm versuchen wollen.

Ankündigungsflyer

 

 

Zylinder-Kopf-Dichtung

Tropfenfänger & kreisende Kolben: Dirk Schindelbecks „Markensonette“

Das Sonett ist eine der am strengsten reglementierten, technisch schwierigsten Formen poetischen Sprechens und gilt daher auch vielen als „höchste aller Dichtungsformen“. Vierzehn Zeilen, jeweils zwei Vier- und Dreizeiler, ein kompliziertes metrisches Schema mit Alexandrinern, Jamben und umarmenden Reimen, eine regelrecht argumentative Struktur mit These, Antithese und Synthese und natürlich ein Gegenstand von allererster Güte (bei Meistern wie Shakespeare war es die Liebe, bei Rilke genügte ein „poetisches Ding“): Kein Wunder, dass das Sonett nach 1945 nur noch wenige Freunde und Meister fand.

Sonette find ich sowas von beschissen
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich richtig krank zu wissen,
daß wer Sonette schreibt…

Immerhin, Robert Gernhardts berühmte „Materialien zur Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs“ waren selber ein formvollendetes Sonett.
Dirk Schindelbeck, Freiburger Historiker, Kulturwissenschaftler und Schriftsteller, hält es dagegen eher mit Goethes Sonett „Natur und Kunst“:

Wer Großes will, muss sich zusammenraffen
In der Beschränkung erst zeigt sich der Meister
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.

Schindelbeck hat über das Sonett promoviert und schreibt seit über vierzig Jahren Sonette. Nicht unbedingt über klassische Themen wie Kunst, Liebe und Vergänglichkeit, sondern über jene oft skurrilen Alltagsgegenstände aus der Frühzeit der Industriegeschichte, denen er auch in seiner Arbeit als Mode-, Technik- und Werbehistoriker begegnet: Fliegen- und Tropfenfänger, Hosenträger und Wankelmotoren, die „Es-ist-erreicht“-Bartbinde und Dr. Eckigs Flohfangmaschinen aus der Kaiserzeit, die Lippenstifte, Nylonstrümpfe und Rasierer der 50er.
Schindelbeck liebt am Sonett nicht nur die sprachliche und intellektuelle Herausforderung: Die traditionell zu künstlerischer Reflexion und Selbstreflexion tendierende Gedichtform ist für ihn „Aufnahmeapparatur, Kommentator und Markenartikel“ in einem. „Sonettieren“ ist für ihn Hobby und Leidenschaft, aber auch eine Art Werkzeug. Das Sonett kann seriell produziert, modular verknüpft und sogar gestapelt werden; es ist mathematisch-musikalische Denkfigur und Schreibtherapie, Weltaneignungsmodell und Rettungsanker und nicht zuletzt Prozessanalyse, Gebrauchsanleitung und Werbeprospekt seiner selbst. In „der monteur gibt auskunft“ – nicht nur die radikale Kleinschreibung erinnert an die kybernetische Literatur und konkrete Poesie – erklärt Schindelbeck in Sonettform die Funktionsweise eines Heizungsthermostats. Noch inniger verbunden sind technische und poetische Dichtung in seinem Sonett über eine (defekte) Zylinderkopfdichtung:

_jetzt hilft nur noch_den kopf herunter reißen_
motorblock schleifen: frische dichtung richten
auflegen_akkurat den kopf draufpassen_

 

so wird das schlimmste sich verhindern lassen_
wo technik ist_gibt’s dinge_die verschleißen_
_jetzt_kann_der_kopf_auch_wieder_richtig_dichten

In einem 15-teiligen Sonettkranz mit farbigem Schaltplan greift Schindelbeck selbstironisch Sollbruchstellen und Störfälle seiner „Großen Wortmaschine“ auf.
In seinen Sonetten über Demenz, Inkontinenz, Gehhilfen und letzte Liebe zeigt er eine meditative Gelassenheit und altersweise Melancholie, die fast schon an Andreas Gryphius erinnert: Der Mensch ist ein Erdenwurm, eitel und vergänglich, aber nichts in seinem Leben ist zu klein, um nicht von allen Seiten betrachtet, wohlwollend belächelt oder kritisch reflektiert werden zu können.
Manche der rund 70 Sonette sind mit erklärenden Fußnoten, andere mit emblematischen Bildern versehen: kuriose Werbeplakate, alte Schwarzweißfotos, ab und zu auch ein Diagramm, eine Dada-Grafik oder die wunderbaren New Yorker Straßenszenen des Freiburger Mode- und Werbegrafikers Gerhard Grimm mit mondänen Damen, traurigen Teenagern und wütenden Schwarzen. So zeigt Schindelbeck auf originelle Weise, dass das Sonett kein altmodisches, leeres Reimgeklapper ist, sondern ein „überaus alltagstaugliches Sendeformat“, das praktisch alles aufnehmen und als vergnügliches Lehrgedicht wiedergeben kann.

Martin Halter, Badische Zeitung, 16.9.2015

Einfach einzigartig!

Für mich das ungewöhnlichste Buch der letzten Zeit. Vom Titel her mag es irritieren. Doch wer es einmal aufgeschlagen und sich hineinvertieft hat, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Autor und Grafiker zeigen sehr virtuos, was sich aus der längst totgesagten Form des Sonetts noch immer herausholen lässt. Das ist Lyrik einmal ganz anders. Ein zupackendes Spracherlebnis verbunden mit einer großen Spannweite an Themen!

Heike Frank, amazon.de, 1.5.2016

Inspiration für eigene Sonette

Tatsächlich hatte ich bisher wenig bis gar nichts mit Sonetten zu tun. Das Buch hat mich fasziniert, weil es auf großartige Weise Alltagsgegenstände in literarisch anspruchsvoller Kunstform beschreibt. Was mich als Technokrat aber noch mehr fasziniert ist die Tatsache, dass ein Sonett den fast schon mathematischen Aufbau und eine hohe sprachliche Kunstfertigkeit miteinander verbindet. So hat es mich sogleicht animiert, mein erstes eigenes Sonett zu schreiben – welches ich meiner Partnerin gewidmet habe. Unbedingt lesenswert.

Amazon Kunde, amazon.de, 25.2.2016

 

 

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– Ein Glossar –

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