Florian Birnmeyer: Im Dickicht lebt es sich leichter

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Florian Birnmeyer: Im Dickicht lebt es sich leichter

Birnmeyer-Im Dickicht lebt es sich leichter

GAMER

araber sind smash
du musst og sein
trump ist pass
franzosen sind smash

putin ist pass
papa ist soo cringe,
ihr seid fettsäcke
ich bin ein sigma

wer ist hier alpha?
siiiiiiix seeeeven
das ist so sus aber

irgendwie auch slay
wir sind alle brainrot
dieses gedicht ist lit.

 

Trennzeichen 25 pixel

 

Mit Gedichten sprachlich in die Zukunft gehen

Ein Gedichtband. Auf den man sich einlassen muss. Dieses Muss im wörtlichen Sinn, denn fängt man einmal an, die Gedichte zu lesen, dann lassen sie nicht los; nicht im poetisch-ästhetischen Sinn, so ausgewogen fein sind sie tariert, so mitnehmend sind ihre Inhalte, Themen, so sehr geht man als Leser mit; wie der Dichter schreibt: … mit Tinte und Takt/ von fern zu mir/ … ein Raum/ aus Tönen.
Bezüge werden hergestellt, kenntnisreich und doch verständlich auch ohne Recherche z. B. zur griechischen Antike, Satzfetzen anderer Sprachen eingebaut, englisch for real, die Wiederkehr des Ilias … Florian Birnmeyer spielt gekonnt mit Motiven über die Zeiten hinweg, und schafft es, Rahmen zu verschieben und sie mühelos sprachlich wie zeitlich zu verschränken, dass der Leser, ich, mich dennoch mühelos zurechtfinde im Geflecht seiner Komposition. Und er beklagt: statt epos/ bist du bloß/ fragment. – Und nötigt uns gerade in diesem Fragmentarischen Annäherung, Bewunderung ab. Für, zum Beispiel, die völlige Rücknahme des Gesagten auf das Wesentliche, für die poetische, ästhetisch ausgewogene Aussage, die sich in die Gedanken des Lesers eingräbt, ja, ihn nicht verlassen möchte, so macht sie ihn wundervoll, voller Wunder und wohlig schauern; der Welt abgewandt und doch in dieser Welt mit ihren Sprachen, die so schön harmonieren können, ja könnten, über alle Grenzen hinweg; ja, unser Florian Birnmeyer ist Dichter und Ästhet, er ist auch in seinen Gedichten Pädagoge, Anleiter, führt heran an die Kunst der Poesie, die ihm von der Hand geht, und in der wievielten Überarbeitung noch konzentrierter, noch eindringlicher gelingt. Eine Kunst zum Bewundern …
Unser Dichter Florian Birnmeyer ist ein sensibler Ausloter von sprachlich-poetischen Möglichkeiten. Er ist auch Pädagoge im Bereich der Sprache, auch hier ein sensibler Vermittler der Vielfalt, der Präzision wie zugleich der schwebenden Stimmungsherausforderung von gesprochener wie geschriebener Sprache. Im Gedicht pointiert er, ohne zu polarisieren, es sind offene Pointen, für die der Leser unbedingt sein eigenes Sprachempfinden, das er aus seiner eigenen Biografie, seinem Lernen an Sprache entwickelt hat, einbringen muss. Dann erschließt sich ihm die ganze Vielfalt und Schönheit der poetischen Sprache dieses Dichters – wenn er, der Leser, sich hineinfallen lässt, sich ganz aufnehmen lässt von der Schönheit dieser Poesie. Und, ja, es erfolgt nicht irgendwann ein ernüchterndes Erwachen, im Gegenteil, diese Sprache lebt im bereiten Leser fort, sie bereichert dauerhaft. Sie kann ihn herausholen aus der Depression, der Verzweiflung am Unvollkommenen, am Anrennen gegen die Wirklichkeiten.
Und der Dichter Florian Birnmeyer ist auch ein präziser Beobachter. Sieht, zum Fluss hin, wo der Blick dann sich verschränkt mit inneren Bildern; und der wandert nach oben zu den Vögeln. Eindringlich beschrieben, man hat das Bild vor Augen, ist tief berührt, verweilt und freut sich daran. Auch diese Bilder bleiben im Sinn, werden künftig bei eigenen Sichten abgeglichen, zu Eigenem verarbeitet. Und immer wieder verhaltene Brüche in den Gedichten, vorsichtige Wendungen zu Neuem, zu Unerwartetem hin. Das schafft je neue Überraschung, lässt die Lektüre nie in Langeweile versanden, im Gegenteil. Eine Intention, die dem Dichter gelingt, dass nicht nur er, sondern auch der Leser sich Neuem öffnet und es finden kann, ohne dass er gar direkt sucht.
Ein Gedicht heißt Worthorcher. Ja, das ist er, dieser Dichter, ein Horcher nach Worten, ein Wortnachhörer, liest man die Gedichte laut, dann versteht man es besser: dem Klang des Wortes nachhorchen, diesen Klang geradezu als Ton, als Lebenston in sich aufnehmen, immer wieder, und so zu einer Vielstimmigkeit gelangen, die den Dissonanzen, den ausbleibenden Harmonien im Leben entgegengesetzt werden kann. So der ideale Leser in der Auseinandersetzung mit Gedichten.
Hat diese Gedichtsammlung, abseits aller ästhetischen, aller sprachlichen Abenteuer, auch eine gesellschaftliche, eine politische Relevanz? Es ist vielleicht meine explizite Meinung, dass Gedichte, ernsthaft den Leser ansprechende Gedichte, immer politisch relevant sind. Dass sie ihn animieren. In dem Moment, wo Texte, zumal Poesie, für sich in Anspruch nehmen, nur für sich zu stehen, und das tun diese Gedichte des Florian Birnmeyer zweifellos, in dem Moment, wo sie sprachlich Eigenheit, Eigenart propagieren, gegen den Mainstream, in dem Moment, in dem sie zum Nach-, zum eigenständigen Denken anregen, sind sie immens politisch. Und damit haben sie eine immanente politische Relevanz, zweifellos. Nicht (nur) diese Gedichte; vielleicht jedes, das uns auffordert, Stellung zu beziehen zu der uns umgebenden Welt und dem, was sich aus ihr heraus uns entgegenstellt.
Florian Birnmeyer schafft so, mit diesen Gedichten, einen Kosmos, in dem wir uns zurechtfinden sollen. Dies ist die Aufgabe in einer Zeit, in der Sprache nicht mehr unbedingt für die Vielfalt der Welt und für deren Beschreibung steht, sondern verkürzt für Messages in social media, Rumpfdarstellungen des heutigen Lebens im weltweiten Netz darstellt, nur noch kurze Nachrichten, die um Aufmerksamkeit heischen. Auch damit spielt der Autor unserer Gedichte, sehr subtil und in Andeutungen, und das alles bezieht er ein in die Ausfächerung seiner Gedanken in Sprache, die unsere Welt umfasst. Und genau damit greift er uns auf, an, damit animiert er uns Leser, ihm ein Stück weit zu folgen, um dann in je eigenständige Richtungen zu gehen, mit Sprache, mit, dann, unserer eigenen Sprache. Und damit hat der Autor erreicht, was Sprache maximal erreichen kann – die Existenz des Einzelnen zu sichern, zu erweitern, ihm, dem Einzelnen, zu ermöglichen, so sprachlich und damit lebend in die Zukunft zu gehen.
Als wundervolle Zugabe die französischsprachigen Gedichte, selbst verfasst oder übersetzt, fein die Sprache und ihre Melodie gegeneinandergesetzt, ein Eintauchen in das Französische, in diese verzaubernde Welt einer singenden Sprache, die die Gedichte zu einem besonderen Erlebnis machen. Er, der Dichter, wandert durch Paris, Arc de Triomphe, la Tour Eiffel, Pont des Arts, und Montmartre, andere Orte werden dichterisch ausgeleuchtet, schön die Gegenüberstellung deutsch – französisch, und die herbe Liebeserklärung an Nürnberg, Norimberga. Florian Birnmeyer lotet aus, Nähe und Distanz, mit feinem Gespür für Nuancen, und vor allem, was mit Sprache ausgeleuchtet werden kann, wie Sprache in Orte hinein wirkt, in konkrete wie imaginäre Welten. Und schafft dabei bei jenen, die sich darauf einlassen, innere Welten voller Wunderlichkeiten, die ein Gefühl von Zugehören vermitteln.

Uli Rothfuss, im März 2026, Nachwort

 

Was bleibt von einem Sommer,

wenn er vergangen ist?
Ein leises Nachglühen – eine Bewegung der Zeit, die weiterwirkt.
In Im Dickicht lebt es sich leichter verdichtet Florian Birnmeyer jene leise, präzise Poetik, die bereits Storchenstolz geprägt hat. Die Gedichte kreisen um Nähe und Verlust, Liebe und Trennung, um die Frage, was Sprache bewahren kann, wenn Erfahrung entgleitet.
Persönliches verbindet sich mit Mythos, Literatur, Natur- und Stadtbildern; Jahreszeiten werden zu inneren Landschaften, das Dickicht zum Schutzraum des Ungesagten, Paris zu einem Ort zwischen Illusion und Ernüchterung.
Im Dickicht lebt es sich leichter ist ein Gedichtband, der nichts erklärt und viel nachklingen lässt – ein Buch zum Wiederlesen, zum Verweilen, zum Offenbleiben.

Geest-Verlag, Klappentext, 2026

 

Beitrag zu diesem Buch:

Ralph Schüller: Florian Birnmeyer: Im Dickicht lebt es sich leichter
lyrikgesellschaft.de, 21.4.2026

 

 

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