STIMMT,
der Familienrekord ist auch der Weltrekord. Sein
sind die Zahlen, die sauberen Herr und Frau Zahlen. Sein
ist der Wind und der Gegenwind, der von Mondlicht
zu Strandsand, zu Volumen zermahlne. Obwohl
an der Tür Aufgang zur Bühne steht, kann dahinter
ein Sportplatz, ein Labor, eine Skoda-Vertrags-
werkstatt. Oder noch eine Tür, hochkant das Blatt, A3
Format voller Quellcode, voller Schlaf. Schon
der leiseste Vorzeichenfehler, Buchstaben-
dreher verbraucht einen Weltrekord Wasser. Alles,
sogar das Labor und erst recht die Vertrags-
werkstatt, muss mit aufs Blatt. Muss mit aufs
Blatt, muss mit aufs Blatt… echot, wer echoen
mag. Aber alles muss auch durch den Flaschen-
hals, wo das Echo schon wartet oder wo, toll
vor Erinnerung, eine Lilie ans Glas schlägt. Sein, ihr
ist die letzte Tür, also die hinter der, die hinter
der, an der Aufgang zur Bühne steht. Dass so etwas
bloß nicht noch mal passiert. Dieser Lärm Blatt
für Blatt; los, ab in den Flaschenhals, ab damit, ab.
![]()
Jörg Schiekes Gedichte
ziehen wie filmische Plots vorbei, in denen sich verblüffende Welten auftun, so alltagsnah wie surreal. Der Autor versteht sich aufs Groteske und Geheimnisvolle, spielt mit Rückblicken in ostdeutsche Stimmungslagen. Mit feinen Verschiebungen adaptiert er Trends und lässt Lebens- und Arbeitssphären in einem sprachlich fulminanten Facettenreichtum aufgehen.
Es gibt defekte Gäste-WLANs, Pizzakartons, mit denen man Frisbee spielt, und den berühmten Fahrradbären im Zirkus. Wer aber ist Silverman? Nicht fassbar, schillernd, silbrig und doch abgründig, er lacht, er kann uns das Passwort entziehen und besucht am Abend das Kulturprogramm. Er ist das schönste Geschöpf seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Jörg Schieke bietet mit seinem Gedichtband eine feinsinnige Collage – oder lyrische Parodie? – unserer unheilen Welt.
poetenladen, Klappentext, 2024








0 Kommentare