Adelbert von Chamissos Gedicht „Geh du nur hin!“

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ADELBERT VON CHAMISSO

Geh du nur hin!

Ich war auch jung und bin jetzt alt,
Der Tag ist heiß, der Abend kalt,
Geh du nur hin, geh du nur hin,
Und schlag dir solches aus dem Sinn.

Du steigst hinauf, ich steig hinab,
Wer geht im Schritt, wer geht im Trab?
Sind dir die Blumen eben recht,
Sind doch sechs Bretter auch nicht schlecht.

1827

 

Konnotation

Die Biographie des romantischen Dichters Adelbert von Chamisso (1781–1838) wird von Widersprüchen geprägt: Sohn französischer Adliger, die im Zuge der französischen Revolution nach Preussen fliehen mussten, wurde er preussischer Offizier in den Napoleonischen Kriegen. So befand er sich im Spannungsfeld von französischer Muttersprache und deutschem Exil. Seine Werke in deutscher Sprache zu schreiben darf daher als bewusstes politisches Statement aufgefasst werden.
Ein Gelegenheitsgedicht scheinen diese 1827 geschriebenen zwei Strophen zu bilden. Mit einfachen Reimpaaren und einem überschaubaren Inventar thematisiert Chamisso das Älterwerden und Sterben. Als wollte der ältere Sprecher des Gedichts das Streben des jüngeren Adressaten im Blick das Faktum der eigenen Sterblichkeit korrigieren, drängt im zweiten Reimpaar der ersten Strophe der Sinn des Lebens ins Zentrum: Ist das Gedicht ein Appell zur Einübung in Demut?

Norbert Lange (Gedichtkommentar) Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2011, Verlag Das Wunderhorn, 2010

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