Herta Müllers Gedicht „Dicker Mond schneidet Zitrone“

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HERTA MÜLLER

Collage von Herta Müllers Gedicht „Dicker Mond schneidet Zitrone“

 

2005

aus: Herta Müller: Die blassen Herren mit den Mokkatassen. Carl Hanser Verlag, München 2005

 

Konnotation

„Collagen machen süchtig“, sagt die 1952 geborene rumäniendeutsche Schriftstellerin Herta Müller – und dieser Sucht verdanken wir schönste Wort-Bild-Kunstwerke, die mit weitaus größerer Kompositionsdisziplin erstellt sind als die Produkte der Dadaismus-Pioniere, die dereinst das poetische Spiel mit Zeitungsschnipseln erfanden. In ihrem Collagewerk Die blassen Herren mit den Mokkatassen (2005) überschreitet Müller auf höchst artifizielle Weise die Grenzen zwischen Text und Bild.
Herta Müller entzieht den Wörtern jede Vertrautheit, setzt aus unzähligen Zeitschriften und Trivial-Heftchen neue Wort- und Sinn-Einheiten zusammen. Aus vorgefundener Sprache entsteht ein eindringliches „Alphabet der Angst“, zwischen Wahrnehmung und Phantasmagorie schwebende Poeme, die oft wie eine Traumerzählung beginnen und dann unerwartet eine bedrohliche Richtung nehmen. Die alten Traumata aus der Ceausescu-Diktatur sind hier immer noch präsent: Plötzlich kann ein Scherge der Macht vor der Tür stehen und mit willkürlicher Verhaftung drohen.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2008, Verlag Das Wunderhorn, 2007

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