Bęrt Elsmann-Papenfuß: SEIFENSIEDER

Elsmann-Papenfuß/Elsmann-Papenfuß-Seifensieder

Elsmann-Papenfuß/Elsmann-Papenfuß-Seifensieder

DREIZEHNTES

Der Hetzrede Sinn dreht sich um einen ehrenden Sitz –
klingt zwar bescheuert, aber ein Hinsetzender
aaaaaunterliegt dem
Herdeninzest. Ein dezentes Hirn hat einen sehenden
aaaaaRitz, der Edens
Zithern zu Herzdiensten steht. Alle Reden, die sich
aaaaanur um Zinse
drehten, waren zwar sternziehend, ernstheizend, sehneritzend sinnlos;
aber der innere Kern konnte zu Zierden stehn. Alles was euch zu Sendern
zieht, könnte eventuell Trends ziehen, aber Kontroverse hindert
Szene; bedenkt doch den Mastschweinfiskus der Musikwissenschaft.
Aber du kannst der Kriegslist eines schuftigen Killers fluchen, und glutheiß
flickern, wenn Schrulliges kneift – denn der klinische Erstflug
der Linksrutschfliege bedingt die Keilschriftlesung zur Flüchtlingskrise.
Wenn du die Schriftstellerin mit’m schrilleren Stift bist, die mein Erfrischen stillt,

kannst du ja schon mal die restlichen Nichtleser streicheln.

 

AUSSER DER REIHE

traf ich mich 1 mit Elias Heidenbarsch2 an der Abrißhaldeneiche, in die erfrischte Stille gellten schiefste Triller – wir hegten Moses sein Gemsenethos wegen der alleinseligmachenden Themengosse3 der realen Liste-, die Schriftstellerei ist nun mal der Mistellärche ihre Stellmacherei für amtliche Leser. Elias entledigte sich des Flitterschleiers und wir zogen ’ne Linie Arschnasensoda4 für Lateinleser, die jedem Atelierschelm den frisch verwirbelten Malerscheitel begradigt hätte. Wir schwangen uns auf die Sackkarren und hirschten in die innere Transkei. Wer zu strömen geruht, entsorgte herum und störte Mehrung.
aaaaaWo wir hinstriffen,
aaaaahaben wir was an-,
aaaaaauf- und abgerissen.
Die Halsabschneiderei der Halbe-Sache-Insider und ihres vorgesetzten Sauereidrehers machte landab Reiche heiß; aller Seiten waren ganze Inseltäler der Anbetung des Ananasdorsches verfallen. Der ehrsam Torlose5, auf daß er uns harmlos störe, schritt auf den Mittelstreifen der irren Streßachse Schreinerstraße zu, sie bekam rasch ernste Risse. Wir wichen aus und begaben uns in Metalles Reich zur üblichen Rühreiadresse; aber der Marx-Engels-Platz war blau, soviel (Freie Deutsche) Jugend war da, also karriolten wir rüber zum Leninplatz und fanden in der Nationalitätenkaschemme Baikal Trost, knapp.
aaaaaSchreejawi tobte
aaaaa’ne taube Aufnahmesession
aaaaaim Untergrundstudio von Mantelrübe6.
Reingeschneit kam Goldbecherlakai7, hatte Blechdroge, Bergedolch und Hackegroll dabei, sie pflanzten ihre Krachgabelidole, bei Lichte besehen war die Albedo kärglich, aber Erika Gabeldoch vom Labor Hackeglied moderierte unverdrossen das strikte Geriesel von Radio Klageblech – statt der Nachrichten kamen unter Umständen Kirchenchöre8. „Faderer Kitt, im Felde winselt Polyp9“, ließ Sepp Fernstaub10 fallen. „Nimmer lieber als ,heutmorgestern‘“, pflichteten im Gefolge von Knud Wollenberger11 hereinschneiende Dänen frostig12 bei.
aaaaaMarion Brasch13
aaaaawar damals noch
aaaaader mauernde Kritikus.
Die Sündermutanten turnten säumend Staunende munter; es waren die Senderaumnutten, die die Struktur des Unmuts änderten, in Unrast mündeten und abgeurteilt die Tundren säumten. Es war der Takt, der rief14; der Rat, der keift, wenn der Kader trieft, erläßt ein Tarifdekret, geifert nach der idealen Haschbrise der neuesten Mundart. Ein stillerer Fetisch hätte es auch getan, ich kann das alles nur in Mustern andeuten; es war schließlich der ehrlose Morast der ausklingenden realen Existenz, in dem wir zugleich irre15 stocherten. Als in der Infernophase erster Seligkeit der Striegel kreiste, wurde leiser gestreikt und Geilstes kreiert; der Fährenspion hütete des Steigers Relikte – das listigere Sekret steilster Kriege verströmte einen greulich’ Reiz.
aaaaaWir spotteten Hohn
aaaaaaccording to Hermelin Euler
aaaaakokett auf Lunge raus – pardauz…
olle Prachterbse16, des Trabers Pech, spart Becher – trinkt immer noch aus der Flasche –; steilem Lacher, der Tausende umrennt, galt sein Trachten. Die Jünger Goethes murrten, hatten – während der Orgien fastend – von Mustern gehört, und Sorten gerühmt, die vom Freitod sangen; speziell einer, die Dosen angreift und die Gräfin tosend macht; daraufhin jedoch Kanonaden unprenzlauerbergischen Humors geerntet. Zu Recht, wir konnten das Joch bergen, waren wir doch mit Homer gestreunt und konnten uns getrost rühmen, ein Herrgottsmenü zu verdienen. Stefan Döring, gereift sodann und fortan siegend, bekam einen saftigen Orden. Ums Erbe herum umrandet Untreue17rosa Zankidole18 – Wir waren schon eine kantonistische „Jemeinde“, hingen allerdings abänderlich heiß – „verstrickt in den Staat, mitten im Kabelsalat“, versprach mir Elias hinter die Löffel – „am Zipfel der

Ausreisedreher19

 

 

 

Obwohl eine kanonisierte Ikone

der jüngeren ostdeutschen – mittlerweile vergangenen – Literaturgeschichte, vermag Bęrt Elsmann-Papenfuß mit seiner „angewandten Schrunst“ erfrischend unakademisch Gegenwärtiges zu artikulieren und mittelfristig Künftiges treffend herbei zu schreiben, bevor ich mich daran erinnere – irgendwie auch zu viel des Guten. Ein überreifes Werk.

Fancy Douwes Dekker

L.I.T.

(…) Seinem jüngeren Kollegen Bert Papenfuß ging auf seinen Ehepfaden irgendwann der zweite Namensteil „-Gorek“ verloren. Der muss nachgeklungen haben in seinen Poetenohren, denn nun stellt er vor den Papenfuß den Zweitnamen „Elsmann-“, als reichte es nicht völlig, dass es Doppelnamen-Tussen gibt, die als Kramp-Karrenbauer, Schäfer-Gümbel und Göring-Eckardt ihr je eigenes politisches Unwesen treiben.
Unter dem Namen Elsmann-Papenfuß kompilierte Bert Papenfuß das Werk Seifensieder, Untertitel: Angewandte Schrunst für eingewiesene Ausgeweihte (Brueterich Press, 2016). Auf der Rückseite des Buches wird der Dichter, als „kanonisierte Ikone der jüngeren ostdeutschen – mittlerweile vergangenen – Literaturgeschichte gepriesen. Darauf einen Nordhäuser Triple Grain.
Elsmann-Papenfuß berichtet aus seinem Leben, kapriziert sich wie gewohnt und bewährt aufs Radikale, keilt ein & teilt aus, fuchtelt mit dem dem Misteldegen, zitiert & beschwört in konsumkritischer Absicht DDR-Produktbezeichnungen, wie etwa Frottex & Opew. Doch lieber Frottex als Frontex, lieber Opew als OPEC. Elsmann-Papenfuß knittelt & rütttelt an der erstarrten deutschen Sprache & huldigt seiner Anarchomacke bis zum nächsten ruhmreichen Kladderadatsch. Er bleibt seinem Motto: Rumbalotte continua permanente! Für die Mutter der Ordnung – gegen den Vater aller Dinge!“ Die Seinstracht gebietet seichte Herunterschraubung? Ach was, zum Geleit fährt Elsmann-Papenfuß das reinste Understatement auf, bevor es „on the rampage“ geht, „auf ’ner sichel hoch zu hölle. Oder aber hoch aufn Prenzlauer Berg, auf diese gentrifizierte Fast-Alb ins Schwabelend.
Auswurfgraue Welten, Kiez & Nazion hatten wir schon, mehr als „zweihundert gramm staat“ – be assured – wird es nicht geben & d’accord: im Merkel-Reich von Maß bis in die Mitte ist es nie zu spät für Unkontrollierbarkeit & tumultane Zügellosigkeit. Um den Besatz an Drecksäcken klein zu halten, werden wir nicht zögern, mit Zottelzampen auf Trottelwampen zu zielen. Und wer den Sirtaki nicht ehrt, ist den Ouzo nicht wert.
(…)

Jürgen Schneider, Abwärts!, Heft 18, Januar 2017

 

 

Bücher, auf die wir uns nicht umsonst gefreut haben: Bęrt Elsmann-Papenfuß: SEIFENSIEDER

 

TELEPHOS AN PAPENFUSS

Ich Telefuß in Müßien
Die Wunde heilt nicht am Schenkel
WER SIE SCHLUG WIRD SIE HEILEN
Die Zeit, mit dem Rost der Lanze
Im Smartfon der Herzton die Eilmeldung
Willkommen und Abschiebung
Was für ein wüstes Reich ist das
Kein Unterschied KRIEG&FRIEDEN /
Wieviel Merde braucht der Mensch
Bis er ins Funkloch fährt
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaFreiheit ist
Zeitenbruch in der Halbstrophe – krank, karrank
Is schon ma’n juter Anfang
aaaJewesen, jib mich ma den Besen:
aaaNu ma raus mitten menschlichen Wesen

Volker Braun

 

 

Zum 60. Geburtstag des Autors:

Lorenz Jäger: ich such das meuterland
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.1.2016

Zeitansage 10 – Papenfuß Rebell
Jutta Voigt: Stierblut-Jahre, 2016

Zum 65. Geburtstag des Autors:

Thomas Hartmann: Kalenderblatt
MDR, 11.1.2021

Fakten und Vermutungen zum Autor + Archiv + KLGIMDb
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Autorenarchiv Isolde OhlbaumDirk Skibas Autorenporträts +
deutsche FOTOTHEK
shi 詩 yan 言 kou 口

 

Bild von Juliane Duda mit den Übermalungen von C.M.P. Schleime und den Texten von Andreas Koziol aus seinem Bestiarium Literaricum. Hier „Das Papenfuß-Gorek“.

 

Beitragsbild von Juliane Duda zu Richard Pietraß: Dichterleben – Bert Papenfuß

 

Bert Papenfuß liest bei OST meets WEST – Festival der freien Künste, 6.11.2009.

 

Bert Papenfuß, einer der damals dabei war und immer noch ein Teil der „Prenzlauer Berg-Connection“ ist, spricht 2009 über die literarische Subkultur der ’80er Jahre in Ostberlin.

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