Felix Philipp Ingold: Das Buch der Sprüche

Ingold/Winnewisser-Das Buch der Sprüche

WENDEZEIT

Eine Zeile zu weit im Buch der Natur –
allein steht die Menschheit auf einsamer Flur.

 

 

 

 

 

Das vorliegende Buch

soll, im Vertrauen auf den Eigensinn der Sprache, einige jener Vokabeln zum sprechen bringen, die heute als Jargonismen und Neologismen, als Renommier- und Modewörter, als politische und technische Termini im Wind sind; die aber keinen Sinn gewinnen können, da ihre Bedeutung schon immer, außerhalb der Sprache, vorgegeben ist. Daß aber auch solche Wörter – oder Namen – etwas zu sagen haben, wird deutlich, wenn man sie nur radikal genug auf die Sprache zurückbiegt.
Durch anagrammatische Verfremdung, durch lyrische oder (weit häufiger) parodistische Entfaltung über jeweils zwei gereimte Verszeilen hinweg werden die ausgepowerten Begriffe gewissermaßen zu sich selbst befreit; sie sprechen sich aus, indem sie ihr Sprachliches freisetzen; und indem sie die ihnen auferlegten Signifikate mit rein sprachlichen – also poetischen – Mitteln besprechen, denunzieren sie ihn. Die „Sprüche“ sind demnach nichts anderes als das Urteil der Wörter über ihre idiotische Bedeutung; Sprache beim Wort genommen: Klartext.

Felix Philipp Ingold, Nachwort, Oktober/Dezember 1985

 

Jan Kuhlbrodt: Versuch über Ingold
poetenladen.de, 28.10.2012

Zum 70. Geburtstag des Autors:

Ulrich M. Schmidt: Das Leben als Werk
Neue Zürcher Zeitung, 25.7.2012

Fakten und Vermutungen zum Autor + Forschungsplattform + KLG +
Preis
Porträtgalerie
shi 詩 yan 言 kou 口

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.