29. März

Fernsehgespräch, als Wiederholung, mit Ionesco, der gestern gestorben ist und der sich jetzt, aus dem Jenseits sozusagen, lustig macht über die Kritik, die Interpretationen, die Belobigungen, die sein Werk provoziert hat.
Nie habe er, betont Ionesco, Kunst machen wollen, seine Welterfolge … »Die Stühle«, »Die kahle Sängerin« … habe er bloß zum Spaß für seine Freunde geschrieben, als Vorlage dazu habe ihm ein altes Lehrbuch der englischen Sprache gedient, dem er Sätze wie »der Boden ist unten«, »der Stuhl hat vier Beine« entnommen habe, um sie frei, dem Zufall gehorchend, anzuordnen. An so etwas wie Kunst oder einen Gott glaube er nicht; er könne aber auch nicht glauben, daß es so etwas wie Kunst, so etwas wie Gott nicht gebe.
Ionesco, dies mein Eindruck, schreibt … wie man lacht; man lacht, weil man lachen muß, nicht weil man lachen will.
Das Lachen, wie das Schreiben, ist hinreißend; für den, der’’s tut.


aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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