Google und die (All)Macht des Wissens

Mashup von Juliane Duda zu der Kategorie „adhoc“

adhoc

Diese Woche haben wir eine AutorInnenkorrespondenz unter der Betreffzeile „Weg mit Google Analytics!“ geführt. Die Kernfrage lautete „Wie können Sie (gemeint ist planetlyrik.de) eine der Dichtung gewidmete Webseite von Google Analytics, einem digitalen Spionagedienst, beherrschen lassen?“ Zum Schutz der Privatsphäre können wir leider nicht die entsprechenden E-Mails veröffentlichen, aber vielleicht bringt ja der Film auf ARTE über Google und die Macht des Wissens neue Zusammenfassungen, Ausblicke und Bedenken. Hier zur Reportage und weiter unten im Scroll noch der Texttrailer des Senders. Wem das noch nicht Thriller genug ist, sollte sich im Anschluss  TPB AFK: The Pirate Bay Away From Keyboard anschauen.

Im Jahr 2002 fing Google an, Weltliteratur einzuscannen. Man schloss Verträge ab mit den größten Universitätsbibliotheken wie Michigan, Harvard und Stanford in den USA, der Bodleian Bibliothek in England und der Katalanischen Bibliothek in Spanien. Das Ziel war nicht nur eine riesige globale Bibliothek aufzubauen, sondern all dieses Wissen sollte noch einem verschwiegenen Zusatzzweck zugutekommen: Man wollte eine neue Form von „Artificial Intelligence“, von künstlicher Intelligenz entwickeln. Google bekam aber Probleme bei der Realisierung des Projekts: Mehr als die Hälfte – rund sechs Millionen – dieser Bücher waren urheberrechtlich geschützt. Autoren auf der ganzen Welt begannen, einen Feldzug gegen Google zu starten. Im Herbst 2005 reichten sowohl die amerikanische Autorengilde „The Authors Guild of America“ als auch die amerikanische Verlegervereinigung „The Association of American Publishers“ Klage ein. Drei Jahre später kam dabei die Google-Buch-Regelung, das „Google Book Settlement“ heraus. Diese Vereinbarung umfasste 350 Seiten und wurde im Oktober 2008 veröffentlicht. Dieses Abkommen hätte Google unglaubliche neue Macht verschaffen können. Die Google-Buch-Webseite war drauf und dran, nicht nur die weltgrößte Buchhandlung zu werden, sondern auch eine gebührenpflichtige Bücherei. Google hätte das Monopol auf die Mehrheit der im 20. Jahrhundert veröffentlichten Bücher gehabt. Im März 2011 entschied dann Richter Denny Chin nach Anhörungen gegen die Rechtsgültigkeit der Google-Buch-Regelung. Am Ende hatte eine bunte kleine Armee von Autoren und Buchhändlern eines der weltweit mächtigsten Unternehmen besiegt. In dieser Dokumentation werden in die zentrale Geschichte um die Google-Buch-Affäre andere problematische Aspekte des Themas „Internet“ eingewoben, wie Datenraub und Datenschutz, Download und Urheberrecht, Freiheit und Überwachung.

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