Hendrik Rost: Das Liebesleben der Stimmen

Rost-Das Liebesleben der Stimmen

POETENVERFÜGUNG

Wenn ich sterbe, soll es beginnen,
das selbstvergessene Leben –
verfahrt mit mir, wie ihr beliebt,
aber die Asche verstreut am Fluss,
wo wir Kinder an Sommertagen
Klebstoff schnüffelten und zusahen,
wie die Bisamratten die Böschung
untergruben. Ausgehend von meiner
heutigen Verfassung habe ich nichts
gegen geistige Einschränkungen,
sie gleichen dem ewigen Lernen:
Am Ende ist alles vergessen. Furcht
vor Bindung und nie dazuzugehören.
Bin ich so dement, dass ich dieselben
Verse immer wiederhole, stellt
den Ton ab. Bringt mich an einen
sicheren Ort, wo die mutmaßlichen
Erinnerungen ausgeschlachtet werden.
Ich stimme der Entnahme von
Zitaten uneingeschränkt zu.
Soll es ihnen besser ergehen
als einer Vita. Und meine allerletzten
Stunden verbringe ich sehr gern
im Beisein eines fachlichen Beistands,
der mich zwar spät, aber letztgültig ein-
weiht in die Geheimnisse der Metrik.
Wie Ideen in Dingen leiden!
Bis auf besseres Wissen gilt Intuition.
Die Stimmen, räusper, noch glühen sie
wie ein lange behaupteter Sommer.

 

 

 

Inhalt

Hendrik Rost gelingt hier fast alles, er beschwört die große Geschichte und die kleinsten Dinge des Alltags, und er zeigt, wie beides ineinander verwoben ist.
Mit seinem neuen Gedichtband erweist sich Hendrik Rost als einer der maßgeblichen Lyriker seiner Generation. Souverän und tiefenscharf nimmt er die Welt in den Blick, vergewissert sich der eigenen Rolle darin, fragt nach den geschichtlichen Gewordenheiten. Ohne Scheu und seiner poetischen Mittel vollkommen bewusst, kann er die Schönheit von Landschaften oder die Brisanz der kleinen Dinge zum Sprechen bringen. Rosts Gedichte zeigen, wie kunstvoll und innig die vielen Stimmen, die Welt und Literatur bevölkern, verbunden sind.

Wallstein Verlag, Ankündigung

 

Beiträge zu diesem Buch:

Monika Vasik: säg noch ein bisschen weiter
fixpoetry.de, 2.8.2016

Marina Büttner: Hendrik Rost: Das Liebesleben der Stimmen
literaturleuchtet, 3.6.2016

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Am 1.4.2014 sprachen Hendrik Rost und Ron Winkler untere der Überschrift Kontrastprogramm in der literaturwerkstatt berlin mit Insa Wilke über ihre Bücher und ihr Schreiben.

 

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Fakten und Vermutungen zum Autor
shi 詩 yan 言 kou 口

 

Hendrik Rost liest sein Gedicht „Gesellschaftsvertrag“.

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