Ingolf Brökel: deutsch

Brökel/Ertel-deutsch

SIEMENS

vereinigt
durch das programm
durch das kabel
verbrüdert verschwestert
vermehrt der eine
wie der andere
abgeschirmt voneinander
mausklickweit
entfernt tasten wir weiter
ab die welt
ihren preis den code
dem schlußstrich zu.

 

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Über das Buch:

Wie kam es nach eben und also zu dem Lyrikband mit dem Titel deutsch?

Nach also nahm ich eine Pause −, ich wartete: es kamen, Gott sei Dank, noch Gedichte, aber hochgradig epigrammatisch verdichtet. Ich würde sie „Kurz-Schlüsse“ nennen. Ich fand schnell unveröffentlichte Texte, die in Sprechweise, Tonfall, Klarheit und Knappheit dazu paßten, „deutsch“ eben, also „deutsch“.

Im Titel deutsch könnte man nationale Töne, Gedanken vermuten?

Jedenfalls nicht vordergründig. Natürlich habe ich eine Vergangenheit: einen deutschen Lebenslauf, der deutsche Orte, deutsche Menschen, deutsche Situationen enthält. Aber in erster Linie ist es doch ein Sprach- und Ver(s)dichtungsspiel gewesen, das die deutsche Sprache hergibt und mit ihr noch immer Spaß macht.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie in einigen Texte die Grundsätze der Poetik verletzen?

Nein. Sie sprechen sicherlich die „33 Oden an Deutschland an“. Wissen Sie, es entstehen täglich tausende Gedichte: die Möglichkeiten des Gedichts sind sehr groß. In meinem Fall liegt die Poesie, wenn Sie so wollen, in der lakonischen Verknappung. Wenn es aber wirklich eine Poetologie geben sollte, sind gelungene Experimente immer hilfreich für die Theorie.

Aus einem Gespräch mit dem Autor erschienen im Programmheft von Druckhaus Galrev im Herbst 2011

Texte aus den letzten 20 Jahren deutscher Geschichte,

die konsequent, sarkastisch und knapp kritische Reflexion bieten und Persönliches, Literarisches, Politisches ins Feld führen. Ingolf Brökels Texte sind vom Sprach- und Ver(s)-dichtungsspiel getrieben, das die deutsche Sprache hergibt und das mit ihr noch immer Spaß macht!

Ankündigung zur Buchpremiere in der Volksbühne Berlin am 24.11.2011

Locker

Wer im vierten Gedichtband des Physik-Professors Ingolf Brökel treffende Situationsbeschreibungen zu Lage der Nation vermutet, liegt nur bedingt richtig. Der Autor spaziert vor allem durch Wortschatz, Grammatik und Rechtschreibung der deutschen Sprache. Er riskiert dabei kuriose Gratwanderungen – wie die zwischen Miss Bildung und Missbildung. Gern spitzt er satirisch zu, klopft Witz und Komik aus zwischenmenschlichen Verhältnissen und Augenblicken. Ob im Kaufland, im Fußballstadion oder im Nationaltheater – die Verse spüren Moden und Stimmungen nach: „nicht untergehen / ist angesagt“ im „Staatsbad“. Erkenntnisse über die Lage des Einzelnen filtert der Spaziergänger aus wörtlicher Rede. Pures Lesevergnügen bietet das Kapitel „Lehmann“. Es versammelt witzige Porträts von Geistesgrößen aus Wissenschaft, Sport und Literatur. Mit Prototypen wie „Ingenieur Riedel“ oder „Herrchen“ erklimmt Brökel den Satiregipfel. Was ihn vom Kabarettisten unterscheidet, ist die hochgradige Verdichtung zum Epigramm, das konsequente ausschöpfen von Wortbedeutungen zwischen konkretem und übertragenem Sinn. Gesellschaftskritik kommt als Sprach- und Verdichtungsspiel daher. Mit leichter Hand streut der Autor kleine Widerhaken ins lockere Epigramm-Geplänkel. Ob Kultur, Markt, Justiz oder Gesundheitswesen – kein Bereich, den er nicht aufs Korn nähme. Die zum Dreizeiler oder gar Einzeiler geschrumpften Verse sind amüsante Lokerungsübungen. Wenn Miss Bildung übers Ziel hinausschießt und abstürzt, wird es makaber. Wo kenntlich bleibt, dass nicht der Autor selbst spricht, sondern Geisteshaltung, Gemütslagen und Rollen karikiert, wirken die Gedichte auf subtile Weise provokativ.

Dorothea von Törne, Märkische Allgemeine Zeitung, 17./18.3.2012

 

Fakten und Vermutungen zum Autor

 

Ingolf Brökel (Text) & Erhard Ertel (Video/Musik)
Trailer zu Häschen in der Grube – Ein Stück Abend aufgeführt am 23. Oktober 2004.

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