Adelbert von Chamissos Gedicht „Was soll ich sagen?“

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ADELBERT VON CHAMISSO

Was soll ich sagen?

Mein Aug ist trüb, mein Mund ist stumm,
Du heißest mich reden, es sei darum.

Dein Aug ist klar, dein Mund ist rot,
Und was du nur wünschest, das ist ein Gebot.

Mein Haar ist grau, mein Herz ist wund,
Du bist so jung, und bist so gesund.

Du heißest mich reden, und machst mirs so schwer,
Ich seh dich so an, und zittre so sehr.

nach 1820

 

Konnotation

Ein Dichter wird sprachlos vor der Dame seines Herzens – das ist eine Urszene der Liebespoesie und sie hat auch den literarischen Emigranten, Revolutionsflüchtling, Weltumsegler, Naturforscher und Dichter Adelbert von Chamisso (1781–1838) inspiriert. Seinem lyrischen Ich versagen die Kräfte, der Schmerz lähmt alle Lebensenergien – während das geliebte Du alle Daseinslust absorbiert.
Das lyrische Subjekt erklärt hier fast programmatisch seine Bereitschaft zur Unterwerfung unter die Geliebte. Der Text lebt von der klaren Zweiteilung der Verse und von der markanten Antagonistik seiner Aussagen – hier das klagende, schmerzerfüllte, von den Zeichen des Verfalls schon gezeichnete Ich, dort das übermächtige Du, das große Macht über den Klagenden besitzt. Diese herzzerreißende Szene einer unglücklichen Liebe, die in den 1820er Jahren entstanden ist, hat Robert Schumann 1840 vertont.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2008, Verlag Das Wunderhorn, 2007

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