Heinrich Heines Gedicht „Im wunderschönen Monat Mai“

HEINRICH HEINE

Im wunderschönen Monat Mai

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.

1822

 

Konnotation

In seinem vermutlich im Sommer 1822 entstandenen Mai-Lied hat sich Heinrich Heine (1797–1856) die Anfangszeile aus einem Poem seines literarischen Zeitgenossen Friedrich Raßmann (1772–1831) geborgt. Die „liebreiche Betriebsamkeit“ und der melodische Vers Raßmanns hatten ihn überzeugt, so dass er die bejahende Eingangszeile wieder für ein knappes Poem nutzte, in dem eine Jahreszeit als Katalysator der Liebe erscheint.
Was bei Raßmann zur Deklamation über die Gattung der Naturpoesie wird, bleibt bei Heine ein ganz leichtes und helles Lied. Es ist ein ungetrübt romantischer Ton, der noch nicht durch jene scharfe Ironie konterkariert wird, die Heine in seinen besten Texten auszeichnet. Im Buch der Lieder (1827) folgt das Mai-Lied auf den „Prolog“ zum „Lyrischen Intermezzo“. Es dient damit als Ouvertüre zu den lyrischen Frühlings-Skizzen mit den vielen Blumen und Vögeln, die Heine im „Intermezzo“ aufeinander folgen lässt.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2008, Verlag Das Wunderhorn, 2007

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0:00
0:00