Nicolas Born: Poesiealbum 167

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Nicolas Born: Poesiealbum 167

Born/Arnold-Poesiealbum 167

KEINER FÜR SICH, ALLE FÜR NIEMAND

Wie es mir vorkommt das kahle Licht
in dem ich still, eingesunken, weiteratme
− geräumter Saal, Stühle auf den Tischen
ich war nie so zufällig

Im Treppenflur weht die Zeitung auf
ich fühle mich auf einem Schiff, das Messing
blinkt, und schöne Handschrift in Kontoren.
Der Schmerz ist dünn geschliffen bis die Welt
erfährt. Die Welt erfährt nicht

Die Erde wiederholte sich, ich glaube du und ich
wir sind jetzt kaltgestellt, Vorfahrn von nichts.
Vertraute Wege sind weg
in irgendwelchen Zielen abgefangen

Abgefangene Nachrichten, scheinbares Leben
Datenungeheuer werden gesucht.
Gute Not, ihr Fehlen macht mich kopflos
überall verlangt das stille Geld zu arbeiten

Vom Fenster aus seh ich die Menge
eingehn in die Hallen, in die rieselnde Maschine
geplünderte Gesichter, der Morgen leergemacht
keiner mehr für sich, alle für niemand

Deine Schuhe stehen aufgeweicht neben dir
du bist so fest in deinem Gefühl zu mir, daß es
zu viel für mich ist,
die Ernte leuchtet, Prunkzeug der Wissenschaft
die Welt gesehen, durchschaut was nicht dahinter

Sonne da, gesiebt das Land von dir zu mir
so schön du bist von allem abgetrieben
wir können uns nicht treffen in den Zimmern
noch hier im Park der gefegt ist

 

 

 

Nicolas Born:

„Die Gedichte sollen roh sein, jedenfalls nicht geglättet; die rohe, unartifizielle Formulierung, so glaube ich, wird wieder Poesie, die nicht geschmäcklerisch oder romantisierend ist, sondern geradenwegs daher rührt, daß der Schreiber Dinge, Beziehungen, Umwelt direkt angeht, das heißt also, Poesie nicht mit Worten erfindet.“ (1967)
„Ich zeige Rituale und Übereinkünfte, die ich erkenne, bin aber ebenso darauf aus, mein eigenes Ritual und meine eigene Übereinkunft zu erkennen und loszuwerden.“ (1970)
„In neue Vorstellungsräume eindringen. Ganze Skalen von Empfindungen in Bilder und Bewegungen verwandeln. Mit der Entdeckung anderer Lebensmöglichkeiten eine Kettenreaktion von Wünschen und Sehnsüchten auslösen, die das standardisierte Lebens-Schema zersetzen.“ (1972)

Nicolas Born, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1981

Nicolas Born

Mit den Augen des Entdeckers geht Nicolas Born durch seine vom schönen Schein der Medienworte und Kaufangebote verhüllte Alltagswelt. Entdecken, um die Dinge als gesellschaftliche Realität auszuweisen, um Mechanismen zu durchschauen und durchschaubar zu machen – in Gedichten, deren eilende Zeilen im nicht abreißenden Strom der Erfahrungen und Assoziationen kein Entkommen zulassen. Phantasie und Fiktionen sind ihm Mittel beim Entwurf einer Gegenwelt, an die er nur einen Anspruch stellt: Maß zu sein für das Mögliche.

Verlag Neues Leben, Ankündigung, Heft 166, 1981

 

Dreimal Selbsterfahrung im Gedicht

(…)

Der einundvierzigjährige Nicolas Born ist der jüngste und zugleich bekannteste unserer drei Autoren. Sein vielbeachteter Roman Die er dab gewandte Seite der Geschichtet (1976) hat ihm den Bremer Literaturpreis eingebracht. Er ist Mitherausgeber des Rowohlt-Literaturmagazins. Nicolas Borns frühere Gedichtbände Marktlage (1967), Wo mir der Kopf steht (1970), Das Auge des Entdeckers (1972), ergänzt durch neunzehn seither geschriebene Gedichte und einige lyrische ,Notizen’, liegen nun gesammelt vor in Gedichte (Rowohlt Verlag 1978).
Borns Gedichte markieren am ehesten das nach dem Zerfall der Studentenbewegung (1968) gewandelte Bewußtsein der jungen intellektuellen Linken, das sich in der Neuen Subjektivität der Lyrik artikuliert. Auch Borns frühe Veröffentlichungen schließen das direkte politische Gedicht oder gar den Agitprop-Vers aus. (Bezeichnenderweise nahm er die politischen „berliner Para-Phrasen“ aus dem zweiten Gedichtband, auch einige andere schwächere Gedichte, in den Sammelband nicht auf.) Von Anfang an überwiegt eine Sensibilität, die überaus scharf, bewußt oberflächig, detailreich das Alltägliche und Triviale erfaßt, und zwar in engster Beziehung zum persönlichen Ich, zur Selbsterfahrung, ohne Rücksicht auf irgendwelche Tabus. Das provozierend Gesellschaftskritische versteht sich von selbst, bedarf nicht einer ideologischen Vorgabe.
Born hat von der neuen amerikanischen Lyrik der Olson, Creely, Frank O’Hara gelernt, ebenso von der „lyrischen Expansion“ Apollinaires, der die ästhetische Befangenheit aufriß für das Banale und Zufällige. Aber auch hier, Anregungen aufnehmend, ist Born „darauf aus, mein eigenes Ritual und meine eigene Übereinkunft zu erkennen und loszuwerden“. „Ich bin es. Ich bin es immer gewesen.“ Er ist alles andere als ein naiver Lyriker, was auch darin zum Ausdruck kommt, daß er wie kaum ein anderer seiner Generation zur Selbstironie fähig ist („auf Wiedersehn du alter Dichter in mir“).
Bemerkenswert bei den ersten Gedichten sind die „Nachrufe“ in ihrer unpathetischen Faktizität und Lakonie, etwa:

Am Morgen harkte er noch den Gartenweg

der alte Herr Barun 1891–1964

Ich, Born, Sohn des Born

habe ihn vom Fahrrad herunter gegrüsst

Am Abend starb er am Herzschlag.

Mit Vorliebe notiert Born scharf belichtete „Ausschnitte aus Lebensläufen“, konkrete alltägliche Hantierungen oder das, was präzise Datierungen und Ortungen an Lebensinhalt hergeben. Außenwelt und Innenwelt mischen sich zu einer genau erfaßten Gegenwärtigkeit wie in „Bahnhof Lüneburg. 30. April 1976“:

Es ist 5 Uhr 45, unausgeschlafene
Autolandschaft,
als habe damit alles endgültig seinen
Platz.

Welch ein Morgen und welch ein Auge
darin.
Wie verlassen und müde ich bin.
Wie krank und verwohnt ein Schnell-
zug vorbeiweht.

Die letzten Gedichte, das zeigt der Sammelband auch, haben manche anfänglichen Schwächen abgeschüttelt. Manche früheren Verse blieben allzu roh in der Faktenreihung stecken, blieben mitunter deklamatorisch oder deskriptiv. Auch ein so unstimmiges Bild wie „Die Nacht ist poetisch und rauh“ würde sich der Autor der letzten Gedichte nicht mehr erlauben.
Mit dem Band Das Auge des Entdeckers weitet sich nicht nur der Erfahrungshorizont, sondern wird Borns Handschrift im Gedicht sicherer und lockerer, werden die Verse stimmiger in ihrer poetischen Konkretheit, auch im Zusammentreffen von Persönlichem und dem allgemeinen Befund, von Ich-Erfahrung und Welt-Erfahrung. Im großen, litaneihaft: ausschwingenden Verstext „Im Innern der Gedichte“ gibt Born eine „Summe menschlicher Existenz“, realistisch und utopisch, falsche Erwartungen abbauend und am Ende, im wiederholten „du bist…“ dialektisch Begrenzung und Möglichkeiten des Menschen benennend. Das Gedicht beginnt:

Du kannst nicht davon leben
mit der Wirklichkeit zu konkurrieren
noch kannst du von der Wirklichkeit
leben
aber du kannst einen Eingriff überleben

Land und Wasser sind geblieben
der Himmel ist geblieben
und du bist geblieben
du hast dich auf nichts einzurichten
kleine Sonnen erleuchten deine Demokratie Und
du wählst das Leben und den Tod

Einige der neueren großen Gedichte Borns gehören zum Eindringlichsten, das heute im Gedicht sagbar ist, das „Liebesgedicht“, das eigentlich ein weitgespanntes Friedensgedicht ist, „Dick vermummtes Winterbild“ oder „Fortsetzungsgeschichte“. Die letzten Gedichte sind kein ,Neubeginn’, sondern das Ergebnis einer konsequenten Entwicklung des Lyrikers Nicolas Born. Wenn ihnen wenig Hoffnung mitgegeben ist („Gras stürzt, die Gärten stürzen, niemand / unterm Geldharnisch fühlt die Wunde / entsorgt zu sein von sich selbst“), so liegt das nicht an den Gedichten. Sie behaupten sich gegenüber der Erstarrung einer technifizierten Welt, weil sie noch fähig sind, konkrete Wahrheit und sinnliche Schönheit zu vermitteln.

Eberhard Horst, Neue Rundschau, Heft 4, 1978

Teilzeit-Niedersachsen

Beginnen wir am besten dort, wo gewisse naturgegebene Zweifelhaftigkeiten in jeder Hinsicht unstrittig sein dürften. Ich meine, daß weder Born noch ich geborene Niedersachsen sind und eine gewisse landsmannschaftliche Querspange in eine gänzlich andere Richtung weist. Demnach wurde Nicolas Born am 31. Dezember 1937 in Duisburg geboren und ich am 25. Oktober 1929 in Dortmund, was für uns nur gelegentlich ein Gegenstand literarischer Erörterungen war, aber als Teilzeit-Niedersachsen haben wir uns durchaus gemeinsam empfunden, wobei gerade das Wendland eine nicht ganz nebensächliche Rolle spielte.
Ich will Ihnen auch sagen, warum. Als mir Nicolas in den frühen Siebzigern erzählte, daß er sich nach einem reichlich schlenkrigen Curriculum doch allmählich ein festes Dach über den Kopf wünschte, am liebsten ein Reetdach im Kreis Lüchow-Dannenberg, sagte ich zu ihm, ah die Gegend kenn ich, da kommt nämlich meine halbe Familie her, denn in Hitzacker hat mein Großvater mal als Pastor gewirkt und im nahen Zebelin wurden nicht nur meine Mutter, sondern auch ihre beiden Brüder geboren, alles wunderbar verwunschenes Gelände auch heute noch und noch nicht bis zur letzten Elbschlinge mit Ytong-Steinen durchgepflastert, also „Glückauf!“ und viel Fortuna über dein Haupt und deinen weiteren Lebensweg.
Kennengelernt hatten wir uns allerdings weder auf diesem noch auf jenem Mutterboden, sondern in dem mobilen, quicken, wirbligen und in jeder Hinsicht colloquial gestimmten Berlin, wo Walter Höllerer in den frühen Sechzigern eine Pflanzschule mit dem Namen „Literarisches Colloquium“ eröffnet hatte. Die Idee war so einfach wie genial und speiste sich aus vielen sehr unterschiedlichen Quellen. Einerseits konnte sie sich auf gewisse Erfahrungen an amerikanischen „schools of creative writing“ berufen, andererseits griff sie durchaus auch auf viel ältere Traditionen zurück, ich denke an die sogenannten „Fruchtbringenden Gesellschaften“ der Barockzeit oder an die Versklopfer- und Silbenstecherschulen des Minne- und Meistersangs, aber natürlich hatte auch die Gruppe 47 mit ihren etwas zweifelhaften Vortrags- und Rezensionspraktiken in gewisser Hinsicht Pate gestanden.
Trotzdem lief hier alles ein bißchen anders. Während die Vorgabe der Themen weitgehend in die Hände etwas älterer und erfahrener Semester gelegt war (ich nenne neben Walter Höllerer und Hans Werner Richter noch Peter Weiss, Günter Grass und mich), blieb es den Alumnen überlassen, der Aufgabenstellung in freier Wahl ihrer Ausdrucks- und Darstellungsmittel gerecht zu werden. Dabei konnten die Textproduzenten jederzeit auch in die Rolle von Rezensenten oder Selbstverteidigern springen, was gelegentlich schon mal auf ein ziemlich rabiates Hauen und Stechen auslief. Um Ihnen wenigstens eine vage Vorstellung von der schon ziemlich exquisit zusammengesetzten Kombattantenschar zu vermitteln, verweise ich Sie mit Vergnügen auf solche nicht ganz unbekannt gebliebenen Namen wie Hubert Fichte, Peter Bichsel, Peter Schneider, Hans Christoph Buch, Hermann Peter Piwitt, Peter O. Chotjewitz, Klaus Stiller und – eben – unseren Nicolas Born, dessen Ausnahmeposition in diesem hochelaborierten Kreis uns noch ein bißchen beschäftigen soll.
Im Gegensatz zu seinen bis hoch unter die Schädeldecke mit Bücherwissen vollgestopften Kollegen, war ihm nämlich weder der Besuch einer Oberschule noch ein sich anschließendes Studium vergönnt gewesen, sondern nur der über zehn Jahre hinweg ausgeübte Brotberuf als Chemigraph in einer Essener Klischier- und Plakatdruck-Anstalt. Was ihm selbst rückblickend als vergleichsweise ätzende und ihn seinen eigentlichen Interessen entfremdende Tätigkeit nachging, schien uns anderen allerdings als eine beinah schon beneidenswerte Berührung mit der wirklichen Erfahrungswelt. Der Mann war irgendwie aus solidem Stoff gebaut und verfügte über Fähigkeiten und Fertigkeiten, die unserem sentimentalischen Interesse an praktischen Arbeitsvorgängen ein beachtliches Stückchen voraus war. Es versicherte ihn zumal der besonderen Zuneigung von Günter Grass, der nicht nur wußte, zu was ein ordentliches Mundwerk taugte, sondern auch was ein richtiges Handwerk wert war und der seine eigene Steinmetzlehre eher als ein frühes Adelsdiplom betrachtete. Entsprechend ungleich fallen die Bekenntnisse zu ihren Herkunfts- oder Heimatstädten aus. Wo sich dem einen sein Danzig von Buch zu Buch mehr verklärte, schien dem andern sein Duisburg eher wie ein grauer Schatten anzuhängen.
Also, er „türmte“, büxte aus, trampte in den folgenden Jahren durch halb Europa und schließlich sogar nach Syrien – suchte Anschluß an literarische Kreise und verschickte Sendschreiben an diverse von ihm geschätzte Autoren, hier sitz und dichte ich, ich kann nicht anders – fand in dem Lyriker Ernst Meister einen getreuen Freund und steten Förderer seiner Talente und debütierte auf dessen Vermittlung hin im Jahre 1961 mit einem Gedicht in der Neuen Ruhrzeitung – bis wir ihn in den Jahren 1963/64 in Walter Höllerers Berliner Talentschmiede wiederfinden, wo aus Rohdiamanten Kohinoore geschliffen wurden. Richtiger wohl, wo sich ungestüme junge Begabungen derart aneinander abschmirgelten, daß zeitweilig sogar die Befürchtung laut wurde, daß ein allgemeiner Collquiumsstil die individuellen Ausdrucksweisen zu überlagern drohe. Solche Bezweifelungen waren einschneidend, weil sie ja den Lehrbetrieb als ganzen in Frage stellten, nur daß unser Nicolas Born gegenüber solchen Versuchungen noch am ehesten gefeit schien.
Und er hatte es sich ja alles selbst einmal in sein autobiografisches Stammbuch geschrieben. Daß sich der Erdenlehm und der Dreck des Ruhrgebiets an seine Hacken heften würde wie eine durch kein Putz- und kein Scheuermittel wegzutilgende Mitgift der Natur. Und der Kleineleutemief des Reviers sich ihm in die Kleider hängen würde bis ans Ende seiner Tage und der Steinstaub seines Berufes nie mehr unter den Fingernägeln wegzukriegen sei, ob er wolle oder nicht. Aber er hatte in einer Art von selffulfilling prophecy schließlich auch noch angemerkt, daß gerade das verhaßte Milieu ihn vermutlich zum Schreiben veranlaßt habe – heißt, zur Flucht in einen anderen und ihm mehr Lebensglück und Selbsterfüllung verheißenden Beruf.
Und da sehen Sie nun auch schon oder ahnen doch bereits, worauf ich hinauswollte. Wo Sprache nämlich als Magie begriffen wird – und nicht bloß als krudes Mitteilungsinstrument – gehen die Wünsche und die Verwünschungen oft eine seltsame Einheit ein und verweben sich zu einer Art von (apotropäischem, das heißt schadenabweisendem) Schutzmantel, von dem unverträgliche Einflüsse oder Einflüsterungen schlichtweg abgewiesen werden.
Das meint, daß der sogenannte „Colloquiumsstil“ – eine Schreibart, die es meist auf schnelle Effekte, prompte Pointen und flache Lacher abgesehen hatte – einfach von ihm abglitt oder an ihm vorbeiwehte, und – statt dem neuen Großstadtklima nebst seinem colloquialen Citysound seine Reverenz zu erweisen, griffen Borns literarische Schreibversuche genau auf jenes Milieu zurück, von dem er sich eben noch so brüsk verabschiedet hatte.

Peter Rühmkorf, aus Susanne Fischer und Stephan Opitz (Hrsg.): Peter Rühmkorf: In meine Kopf passen viele Widersprüche. Über Kollegen, Wallstein Verlag, 2012
Peter Rühmkorf erhielt den Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen 2003. Der Text folgt dem Typoskript seiner Dankesrede zur Verleihung (Auszug, Titel von den Hg.).

 

GEDENKBLATT FÜR NICOLAS B.

Die Telefonmünzanlage spuckte die kleinen Stücke
aaaaazurück in meine Hand, eins
Nach dem anderen. Du standest neben mir
Mit diesem wollüstigen Lächeln. Das kenn ich,
aaaaariefst du, das kenn ich gut:
Der ewige Schaden an der Seele der Automaten
(Und Menschen). Komm mit in diesen Porno-Shop.
WIR KÖNNEN UNS ETWAS WÜNSCHEN. Das kann ich
Nicht, das kenn ich nicht, das hab ich nie gelernt,
aaaaaklagte meine äußere Stimme. So trieben wir
Weiter in diesem Farbfilm. UND DIE GESPENSTER
DER KINOS zeigten ihre hygienischen Rachen.
Weißt du einen andren Ort, wollte ich wissen,
aaaaadoch du sahst so verwechselt aus.
(Ist dir nicht wohl, mein Freund. Du hast
So bleiches Blut!) Es ist nichts. Nichts ist,
Sagtest du. Komm, laß uns weiterlaufen.

Uwe Lummitsch

 

SIE SIND UNS DRAUF-

aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaagekommen, Nicolas,
sie haben uns die Todesarten ausgespannt,
sind in den schon bewehrten Arm gefallen.
Na wer schon! Jene Könige der Unterwelt-
Labors, die Mäuseregenten, Geschwürezüchter.
– Sind Sie so wissenschaftsfeindlich ein-
gestellt? – Ich stehe auf Sand
und mache in Luft wie du: heikles
Gewerbe, nichts für den grünen Klee.
Ach wär ich das Bäuerlein, ginge
der Furche nach… Tausendjährig
idyllischer Dreck. Ich flieg den poetischen
Düngerbomber. – Was meinen Sie nur? –
Sie sind uns draufgekommen, Nicolas.
Wie listig von dir, jetzt zu schweigen.
Wie listig, Gedichte zu haben.

für Nicolas Born, 1988

Uwe Kolbe

 

FÜR NICOLAS BORN

Freunde tragen
schwer am Wohlbehagen ihrer
Freunde
die zurückgezogen wie Piloten
lange aufsteigend
winken von einer Hochebene
mit bloßen Händen
Und in Gesellschaft von Wildhütern
und Teerkochern
ihren Beruf überleben

Hannelies Taschau

 

Fakten und Vermutungen zum Poesiealbum + wiederentdeckt +
50 Jahre 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6

 

 

Mitschnitt der Preisverleihung des Peter-Huchel-Preises (postum) vom 3.4.2005

 

Zum 80. Geburtstag des Autors:

Ingo Plaschke: Nicolas Born: Der politische Poet, der viel zu früh starb
Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung, 28.12.2017

Hilmar Klute: Eine Welt für alle
Süddeutsche Zeitung, 21.12.2017

Ruth Johanna Benrath: RUNDLING ANERDE, Schreyahn an Damnatz
fixpoetry.de, 31.12.2017

Fakten und Vermutungen zum Autor + Stiftung + Archiv +
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