Nora Bossong: Kreuzzug mit Hund

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Nora Bossong: Kreuzzug mit Hund

Bossong-Kreuzzug mit Hund

REGENTEN

Das Auge blau ich glaube doch blau
Lapislazuli zerstampfter Stein ein Punkt
der jeden Winkel bis zum Grad Unendlich
spreizt hier hallt nur monochromes Flüstern
ein Lexikon verlegter Bedeutung Lapislazuli
Indigo Ultramarin oder doch nur Flackern
blau oder ich weiß nicht grün vielleicht auch
braun irgendwas Flackerndes dieser Moment
in dem jede Farbe bloß ferner Widerschein ist
eines Sonnensystems das unter dem Nabel
explodiert

 

 

 

Wer braucht noch Ritterromane

und Soldatenlieder – die Zeit der Helden ist lang vorbei. Monumente von gestern sind heute gegen Entgelt zu betreten, im Schatten des Mausoleums liegt die Shoppingmall. In Teheran werben Kinder auf Plakaten für das Jenseits, Orient ist nur der Name eines Wiener Hotels. Please hurry, we close!, mahnt ein Soldat im Felsendom, und im Radio sprechen sie nach dem Gebet über Krieg.
Nora Bossong reist in ihrem neuen Gedichtband von der deutschen Provinz übers Mittelmeer ins Heilige Land und weiter, der Zeitsprung ist ihre natürliche Gangart. Erfahrungshungrig spürt sie poetische Szenen zwischen jahrhundertealter Vergangenheit und konzentrierter Gegenwart auf. Fast beiläufig nimmt sie Menschen, Orte, Traditionen in den Blick und beschreibt sie mit subtilem Humor und Feingefühl, ohne ihnen ihre Geheimnisse zu nehmen.

Suhrkamp Verlag, Klappentext, 2018

 

Der Geist erstickt mit Graubrot

– Nora Bossongs Lyrik sagt mehr als tausend Reden über den Zustand der Politik und ihrer Hilflosigkeit. Der Gedichtband Kreuzzug mit Hund ist teilweise erstaunlich. –

Zum Glück werden Gedichtbände meist von der ersten Seite an gelesen, egal wie sinnvoll das im Einzelfall sein mag. Denn wer Nora Bossongs Kreuzzug mit Hund ab der Mitte aufschlüge, etwa beim Kapitel „Okzidentien“ oder „Altes neues Land“, der bekäme einen fatalen Eindruck. Wieder eine dieser Sammlungen von überbelichteten Reisedias! Ein lyrisches Ich durchmisst die Welt und zieht seine Impressionen im Großformat auf erhabene Verse, die wie Spannbeton Zeit und Raum überbrücken sollen. Bei Nora Bossong sind es Orient und Okzident:

Die Stadt Davids war mit Wellblech
abgedeckt,
I love Jerusalem
das Logo. In Berlin hatte ich noch Moses
gesehen
[…]

Andernorts lässt Bossong so kunstfertig wie belanglos die Assonanzen sprühen:

Knisternd schritt ich an Pfauen vorbei, ein Zweig
schrieb Zeilen, und Teufel hockten zwischen Rosen.

Teufel aber auch, diese unsägliche Tradition, Bildungsreisen poetisch aufzumöbeln! Sie stirbt einfach nicht aus:

Genua
Jemand hatte über Nacht, eine Nacht vor Jahrhunderten
die Stadt zusammengeschoben mit großen unsichtbaren
Händen, mittelalterliche Hochhäuser, deren Traufen
sich berühren an einem Punkt nah dem Unendlichen.

Wenn es schon Urlaubsselfies mit lyrischem Ich sein müssen, dann doch bitte gestochen scharfe, kontrastreiche, mit ordentlich Sättigung. Goethes Römische Elegien lesen sich heute ja nur deshalb noch einigermaßen mit Genuss, weil er seine Schweinereien hochkulturell verbrämt. Dieses Spannungsgefälle erzeugt den Reizstrom und eben nicht all die Jupiters und Ariadnes, die der Herr Minister in seinen Distichen antanzen lässt. Da kommt dem Leser und der Leserin allenfalls ehrfürchtiges Gähnen an. So geht es einem manchmal auch mit den Gedichten aus dem hinteren Teil von Nora Bossongs Kreuzzug. Das ist Deutschlehrerlyrik.

Aber zum Glück lesen wir Gedichtbände ja meist von Anfang an, und die A-Seite, also die ersten 65 Seiten von Bossongs Lyrikalbum, hält echte Hits parat.

ALTE TANTE POLITIK

Sie wohnt feudal, doch im Nebenraum:
Nationalgalerie, zweiter Stock links. Dort
steckt sie fest in einem Bild von sich selbst,
kommt nicht heraus, nicht vor, nicht zurück,
ein Porträt, das versucht zu gehen, Öl ohne Feuer.
[…]

„Sie wohnt feudal, doch im Nebenraum“, das hätte Enzensberger zu seinen besten Zeiten nicht besser dichten können. Die Politik als „Tante“ zu personifizieren ist das eine. Sie dann aber mit einem Bild zu vergleichen, das ausgerechnet in der „Nationalgalerie“ hängt und dort nur in einem Nebenraum, das ist brillant. Das Wortfeld Bild, Gemälde, Kunst, Porträt erweist sich im Kontext der Politik als verblüffend fruchtbar. Mit dieser Perspektivverschiebung rückt Bossong vieles gerade. Ihr lyrischer Blick sagt mehr als tausend Reden über den gegenwärtigen Zustand der Politik, ihre Hilflosigkeit und Lähmung: 

Das ist ihr Aufstand nach Vorschrift.

Nora Bossongs Verse sitzen wie angegossen. Dank feinem Rhythmusgefühl lassen sie trotzdem Spielraum für einen lockeren Groove: „Ich muss Ihnen sagen, es kommt nicht, es ist.“ („Unde malum“), „Sie hat sich aus ihren grauen Augen herausgeschlichen“ („Sachbearbeiterin K“), „Den Geist erstickt mit Graubrot, Fleiß und Schürzenfalten“ („Flachs“).

In ihrer „Verfallsstudie“ beweist die Lyrikerin, welches Potenzial ein expressionistisches Sonett noch nach über hundert Jahren bereithält. Georg Trakl lässt in seinem berühmten Gedicht  „Verfall“ eine heimelige Herbststimmung jählings in trostlose Todesahnung umschlagen. Der Österreicher hat damit mustergültig vorgeführt, was die große Stärke eines Sonetts ist, vielleicht bis heute sogar sein USP: Baue in den ersten beiden Strophen etwas auf, das du in den letzten beiden konterkarierst – oder philosophischer formuliert: dialektisch aufhebst.
Bossong dreht Spieß und Wirkung um. Ihre Anti-Idylle beginnt mit dem Terzett. Hier, in den Hinterhöfen dieser Welt, haben nicht einmal mehr Astern eine Chance – bei Trakl noch die Boten des Unheils „wie blasser Kinder Todesreigen“. Und sein unsterblicher Eröffnungsvers – „Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten“ – taucht bei Bossong ganz zum Schluss als Abgesang auf jedwede Hoffnung auf: 

Das letzte bisschen Frieden geht auf Raten aus.

„Verfall“ ist oft variiert und sogar parodiert worden. Für die „Verfallsstudie“ gilt: Die Abwechslung macht Freude.

Nora Bossongs Stärke liegt in der lässigen Perfektion, mit der sie die Tiefe an der Oberfläche versteckt. Im ersten Teil von Kreuzzug mit Hund wendet sie ihr Können auf aktuelle gesellschaftliche Themen an: den Zustand Europas, der Politik; das Individuum in der Bürokratie, im Elend, in der Krise. Schon allein ihr Mut, Gedichte mit Zeitstempel zu schreiben, ist respektabel. Dass Bossong es dabei schafft, jede verstimmende Absicht zu vermeiden, ist beachtlich. Dass ihr das mit konventioneller Technik gelingt, geradezu erstaunlich.
Als Jan Wagner 2015 als erster Lyriker den Preis der Leipziger Buchmesse für seine Regentonnenvariationen erhielt, hat das die Lyrikgemeinde gespalten. Der eine Teil ärgerte sich. Wenn schon den Preis für Poesie, dann bitte für relevante und nicht diese betuliche Gartenlaubenlyrik! Der andere ergriff Partei für Wagner und ärgerte sich wiederum darüber, dass konventionell angeblich immer gleich unkritisch bedeuten solle. Zu diesem Lager gehörte auch Nora Bossong. In der ZEIT vom Mai 2015 fragte sie rhetorisch, wie weit es her sei „mit dem kritischen Potenzial von Sprachirritation, wenn sie kaum jemanden erreicht?“. Mal abgesehen davon, dass Bossong in diesem Artikel Klischees über eine vermeintlich homogene Avantgarde wiedergibt, hat sie in einem Punkt völlig recht: Die Gleichung konventionelle Lyrik = konservative, gar restaurative Lyrik ist ebenfalls ein Klischee.
„Wo zum Teufel bleiben die Lyrik-Hämmer der Saison?“ hatte Robert Gernhardt vor Jahren einmal in einem Aufsatz geklagt. Die Frage ist ein Evergreen. Sie stellt sich jedes Jahr aufs Neue angesichts der vielen Mittelmäßigkeiten, die veröffentlicht werden. Hier schlägt einer zu. Zumindest bis Seite 65.

André Hatting, Die Zeit, 28.1.2019

Wie Brot schmeckt, wenn’s keins gibt

– Unterwegs sein heißt, nie wirklich anzukommen: Nora Bossongs Gedichtband Kreuzzug mit Hund erkundet Europa in einer globalisierten Welt. –

Wenn Nora Bossong über und an Europa schreibt, dann mit einem Seufzer. Steckt darin Larmoyanz oder Erschöpfung? Ist es ein liebevoller Ausstoß vielleicht? Ganz so eindeutig wird das selbst dann nicht, wenn „Ach Europa,“ auf den Worten „Wir muntern / sie auf und beteuern, dass es einmal gut ausgeht mit ihr“ endet. Denn als erstes Gedicht in Bossongs drittem Lyrikband markiert es den Auftakt eines Kapitels namens „Kurzes Asyl“ und zusammengenommen stecken diese drei Titel ein brisantes Themenfeld ab. Durch dieses führt Bossong ihr Publikum, indem sie einmal lyrisch quer durch die Welt reist und dabei in wenigen Worten viele Widersprüche freilegt. Es geht nämlich ums Ganze in Kreuzzug mit Hund, soll heißen um die Globalisierung der Welt und ihrer Geschichte.
Erfahrungen von unterwegs hat Bossong zweifellos einige gesammelt. Sei es zuletzt für ihre Reportagensammlung Rotlicht, die sie an der Schnittstelle von Sex und Kommerz von einem schummrigen Nicht-Ort zum nächsten führte, oder aber als Schriftstellerin; Stipendien in und Lesereisen durch irgendwelche mittelgroße Städte gehören ebenso zum Job wie der gelegentliche Aufenthalt in Rom oder Stippvisiten in den Nahen Osten.
Was von außen betrachtet aufregend klingt, das kann banaler Arbeitsalltag sein. In Kreuzzug mit Hund arbeitet Bossong aus dieser alltäglichen Banalität konzise die Konflikte heraus, die sich während einer kontinuierlichen Reise ohne endgültige Ankunft offenbaren.
In insgesamt neun Kapiteln geht es über viele Querverbindungen von der deutschen Küste durch die Bürostuben der Bürokratie auf die iberische Halbinsel, nach Israel und nach Iran. In erster Linie allerdings geht es vor und zurück durch alle Zeiten. In Spanien wird an die Pogrome gedacht, in Israel an die Ghettos von Galizien. Die Geschichte des beseufzten Europas flackert zwischen den dicht gestrickten Zeilen als gewalttätiger Spiegeleffekt auf. Von den Häuserwänden lässt Bossong ihr Publikum ablesen, wie tief sich Kreuzzüge, Kolonialismus und Kapitalismus in das globale Reich der Zeichen hineingeschrieben haben und was sie eint.
Ob da nun in Jaffa das Logo einer niederländischen Biermarke blinkt, in Wien ein „Hotel Orient“ steht oder tief in der Provinz eine im See festgefrorene Einkaufstüte daran erinnert, dass selbst die ödesten aller öden Orte noch mit dem Rest der Welt verbunden sind, solange es Discounter-Supermärkte gibt. Wohin der Weg auch führt: Alles ist miteinander verflochten, die Texte ebenso wie das, was sie beschreiben.
Das allerdings heißt nun keineswegs, dass Kreuzzug mit Hund ein ganzheitliches Bild anbieten würde. Bossong schreibt zwar in knappen, manchmal verknappten Sätzen, ihr Modus aber bleibt einer der lyrischen Aufarbeitung und zieht die Mehrdeutigkeit der Situation allen einfachen Erklärungsversuchen vor.
Die Autorin spielt die vermeintliche Homogenität einer auskartografierten Welt im Jahr 2018 gegen die Heterogenität individueller Erfahrungsweisen aus, schiebt Bilder ineinander wie Vielfliegende ihre Bordkarte über einen QR-Code-Scanner: lässig, beinahe nebensächlich und doch ungemein präzise.
So frontal der Ton in ihren Gedichten dabei bisweilen ist, wird ihre Sprache selten explizit. „Alles blieb näher, / solang ich dich abwies. Paradox des Fremden“, heißt es im Gedicht „Hotel“. Damit wäre das Hin und Her zwischen eindringlichem Blick aufs Geschehen und der poetischen Distanz der Gedichte perfekt umrissen: Es wird beobachtet, nicht geurteilt.
In Israel und in Iran, den Reisezielen der letzten beiden Kapitel, baut sich ein Ich vor den Erfahrungen auf, wie um das Gesehene zusätzlich zu filtern. Die Mutter dieses Ichs ruft in Jerusalem an, wieder wird geseufzt: 

Ach, Israel!, da muss ich auch mal hin.

Da schwingt auf kleinstem Raum eine große Sehnsucht nach einem Abschluss der Erinnerungsarbeit mit, die vermutlich nie ein Ende finden wird oder überhaupt sollte.
In Teheran hingegen gibt es Lektionen hinzunehmen: 

Aber du weißt nichts, sagt sie,
du weißt nicht, wie Brot schmeckt, wenn es kein Brot gibt.

Das klingt allerhöchstens isoliert nach moralinsaurem Pathos. Aber Bossong isoliert nichts, sondern führt Erleben und Erlebtes eng, um subtil Bruchstellen offenzulegen. Individuelles Wunschdenken und die große ernüchternde Welt, Privilegien und eine grundsätzlich andere soziale Realität: Weil sich das in diesem gekonnt komponierten Gedichtband Zeile an Zeile miteinander reibt, entsteht erst eine Eindringlichkeit, die nur selten forciert wirkt.
Selbst wenn im Anfangskapitel, in „Hanseträume“, von Insekten die Rede ist, die als „Containergut mit leisem Klang“ in deutschen Häfen einlaufen und die Gedichte eine ganz andere Geschichte der Migration erzählen, machen sie das nicht offensichtlich. Weil sie nicht müssen, weil der Konflikt zwischen Sprache und Zeitgeschehen sich wie von selbst entspinnt und weil schon das nächste Kapitel mit einem Rundgang durch deutsche Behörden aufwartet, wo nur müde „bitte wenden Sie sich an Schalter 2 aber der hat der bleibt geschlossen“ gestottert wird. Es geht weiter, und sei es nur ins nächste Wartezimmer. So entwirft Bossong in Kreuzzug mit Hund sieben Jahre nach ihrem letzten Gedichtband Sommer vor den Mauern eine Poetologie der beobachtenden Welterfahrung, die wenig mit erbaulicher Reiseliteratur auf der einen oder dogmatisch-politischer Lyrik auf der anderen Seite zu tun hätte. Unterwegs zu sein heißt in diesen Gedichten eben auch, nie wirklich anzukommen. In keinem Zuhause, bei keiner definitiven Wahrheit. So ist auch die Anrufung Europas am Anfang des Buchs zwiespältig: Sie ließe sich leicht als wohlwollende Kapitulation lesen. Womöglich aber auch als Mahnung, über all die Hoffnung auf eine bessere Zukunft das Handeln nicht zu vergessen. Es ist, mit einem Wort, kompliziert.
Mit Europa, mit Bossongs Gedichten. Kreuzzug mit Hund ist eine der wichtigsten Lyrikveröffentlichungen der jüngeren Zeit. Denn wo andere noch nach der Sprache suchen, mit der sie den Murks der großen weiten Welt erfassen und beschreiben möchten, hat Bossong sie ebendort gefunden.

Kristoffer Patrick Cornils, Süddeutsche Zeitung, 12.12.2018

Die verschreckte Zwergin Europa

– Nora Bossong findet in ihrem neuen Gedichtband poetische Bilder für die Dilemmata unserer Zeit. –

Kreuzzug mit Hund heißt der neue Gedichtband von Nora Bossong. Ein überraschender Titel, der irrige Assoziationen weckt. Nein, es geht keineswegs um bewaffnete Eroberungszüge, es geht nicht um einen christlich-abendländischen, einen vermeintlich gerechten Krieg, im Gegenteil. Das Buch vollzieht zwar eine Bewegung von West nach Ost, und es ist offenbar inspiriert von vielen Reisen: ins deutsche Bürokratenwesen, in die Provinz, in europäische Städte, nach Israel und schließlich in den Iran.
Ein Blick auf das titelgebende Gedicht „Kreuzzug mit Hund“ lässt ahnen, wie das mit dem „Kreuzzug“ gemeint ist. Es entstammt dem neunten und abschließenden Zyklus „Mysterien“ und ist in Teheran verortet. Das lyrische Ich verliert sich „müde vom Smog / und all den Mysterien“ in einer Sphäre zwischen Tag und Traum. Der Hund in diesem „Kreuzzug“ ist ein versehrter, hinkender Straßenköter und das Ich eine von zu vielen Eindrücken überwältigte Reisende, berauscht und bedrängt von Fremdheit, Schönheit und dreckiger Luft. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hat Nora Bossong den „Kreuzzug“ im Buchtitel als „Versuch einer Annäherung verschiedener Kulturen, verschiedener Mentalitäten, verschiedener auch Religionen“ erklärt. Die Reisende ist also weder im Zeichen des Kreuzes noch in unfriedlicher Absicht unterwegs, sondern nähert sich fremden Orten, Kulturen und Geschichten suchend und in der Hoffnung auf Verständigung.
Die 1982 in Bremen geborene Autorin hat Kulturwissenschaften, Philosophie und Literatur in Berlin, Leipzig und Rom studiert. Sie schreibt Lyrik, Romane, Essays und Reportagen und hat zurzeit die Poetikdozentur für junge Autoren der Hochschule RheinMain und der Stadt Wiesbaden inne. Bossong ist bereits mehrfach ausgezeichnet worden, darunter mit dem Peter-Huchel-Preis, dem Kunstpreis Berlin und dem Roswitha-Preis. Kreuzzug mit Hund ist ihr erstes Buch, das bei Suhrkamp erscheint.
Mit weit offenen Augen und Sinnen ist sie gereist, vereint die Unvereinbarkeiten der Wirklichkeit, fasst unfassliche Schönheit in Worte und spart den brennenden Plastikmüll nebenan nicht aus: die Pracht des Kuppeldachs der Lotfollah-Moschee in Isfahan und im Hof die PET-Flaschen, die sich im Feuer schmelzend „zu einem Tulpenkelch krümmen“ (in „Tulpenfieber“).
Dichtend setzt sie sich mit Politik auseinander, indem sie poetische Bilder findet für die Dilemmata unserer Zeit. „Ach Europa,“ heißt das erste Gedicht des Bandes. Es greift mit diesem Stoß-seufzer den Entstehungsmythos auf („Königstochter mit einer panischen Angst vor Stieren“) und beschreibt den Kontinent als „Panoptikum aus Irren und Ehrenbürgern, / Bagatellen und bösen Geistern“, als „verschreckte Zwergin am Ende der Welt“, an der „uns“ trotz allem irgendetwas liegt – weshalb wir sie aufmuntern „und beteuern, dass es einmal gut ausgeht mit ihr“. Es herrscht also skeptischer Realismus statt des Zweckoptimismus, mit dem politisch Mächtige so oft die Augen verschließen vor all den Rissen und Gräben nicht nur in Europa.
Es geht um moderne Kriege, worum sie geführt werden und womit: „die Lage wird / heute durch Mohnanbau bestimmt durch Zeissoptik beschossen“, und um ihre Folgen:

ein Kamerad ging zurück war nur noch leer ein Hüllenwesen („Stationiert“).

Es geht ums große Ganze, um das Böse, das unbegreiflich ist und uns doch in jedem Terroranschlag so real begegnet wie in uns selbst („Unde malum“). Erinnerungen werden zu poetischen Miniaturen: Erinnerungen an verlorene Lieben wie im Zyklus „Gespenster“ oder Erinnerungen (vielleicht) an die Kindheit im Zyklus „Versuch über Provinz“.
Tiere kommen häufig vor. Gerade weil sie keine Sprache haben, werden sie zuweilen Boten der poetischen Welt, so wie der lächelnde Pfau in „Könige. King David Hotel, Jerusalem“ im Israel-Zyklus „Altes neues Land“. In atmosphärisch dichten Momentaufnahmen verschränkt Nora Bossong Gegenwärtiges und Vergangenes, Erlebtes, Erlerntes und Erfundenes. Sie öffnet mit ihren reimlosen Versen Assoziationsräume, in denen sich ihre Spur verliert. Wenn sie von sich spricht, „ich“ sagt, hat sie die Leserin längst hineingezogen in ihr lyrisches Universum, und sie bleibt immer einen Schritt voraus.

Uta Grossmann, Frankfurter Rundschau, 29.11.2018

Europa – die verschreckte Zwergin am Ende der Welt

– Lyrischer Kreuzzug mit Hund: Die Berliner Dichterin Nora Bossong reanimiert den West-östlichen Divan.

Kreuzzüge gehören seit je zu den aggressivsten Politikprojekten – aber sind sie auch poesiefähig? Unter religiösen Imperativen versuchten einst die katholischen Mächte des Mittelalters die muslimische Welt im „Heiligen Land“ zu unterwerfen. Damit war die Lunte für verheerende Religionskriege gelegt. Wenn nun Nora Bossong diese Vokabel der imperialistischen Ambition in den Titel ihres neuen Gedichtbands rückt, erwartet man die Entzauberung des alteuropäischen Eroberungswahns.
Bossongs Kreuzzug mit Hund setzt denn auch ironische und melancholische Akzente, die den Machtanspruch von Religion und Politik unterlaufen. Bereits im ersten Kapitel werden uns zwei prominente alte Damen vorgestellt. Da ist zum einen die betagte Göttin Europa, die Gestalt des antiken Mythos, die einst von Zeus geschändet wurde. Sie schrumpft in der Perspektive des Eröffnungsgedichts zur „verschreckten Zwergin am Ende der Welt“, die der Aufmunterung bedarf. Überschrieben ist dieses kulturhistorische Streiflicht mit Enzensbergers berühmtem Stoßseufzer Ach Europa, mit dem er 1987 seine Sammlung von Länderreportagen betitelte.
Eine ähnlich ironische Betrachtung widmet Bossong der „Alten Tante Politik“, einer allegorischen Gestalt, die, vom Alter gebeugt, nur noch eine museale Existenz führt: 

… sie ist alt, sie ist endlos müde, träumt
vom Rücktritt, würde gern in den Farben untergehen.
Doch sie bleibt, und da hängt sie: Raum zwölf, Zweite
von rechts. Das ist ihr Aufstand nach Vorschrift.

In den folgenden Kapiteln entfaltet das lyrische Subjekt eine große Reisebewegung, die vom alten Okzident in den Orient führt: Nach poetischen Tiefbohrungen in Metropolen wie Madrid oder Genua oder kulturhistorisch reichen Orten wie dem Kloster Corvey führt der Weg tatsächlich ins „Heilige Land“ und schließlich zu den „Mysterien“ der persischen Kultur. In neun Kapiteln hat sich Nora Bossong einen eigenen West-östlichen Divan erschaffen, der kleine Erzählgedichte, streng gefügte Parabeln und impressionistische Vignetten enthält – von durchaus unterschiedlicher Qualität.
Lyrische Meisterstücke, wie das lyrische Gleichnis „Kurzes Asyl“, das die großen Migrationsbewegungen der Jetztzeit als bukolische Szene mit einer „Zickleinherde“ darstellt, wechseln sich ab mit erkennbar bildungstouristisch gefärbten Genrebildern („Hier gibt es Tortilla, Sardellen, roten Fusel“), die über poetisierte Tagesprotokolle kaum hinausgehen. In der letzten Abteilung des Bandes, den „Mysterien“, versucht Nora Bossong die ästhetische Utopie einer kulturellen Synthese von Orient und Okzident auszupinseln.
Die Versformel für die Zusammenführung der Gegensätze liefert das Schlussgedicht das Bandes, in dem das „tschilpende Orakel“ der Vögel Wirkungsmacht entfaltet: 

Pickten
Zukunft aus einer Schachtel: ein Vers Hafez, ein Funken
Assisi. Doch hier sprachen nicht die Heiligen mit Vögeln
sondern die Vögel mit uns…

Die Dichtung des persischen Mystikers Hafis, verbunden mit dem sozialen Impuls von Franz von Assisis Armenevangelium – das ist Nora Bossongs kühne Vision einer kulturellen Synergie, die sich gegen den clash of cultures auflehnt. Am Ende von Kreuzzug mit Hund bilanziert die Autorin in konzentrierten Geschichtsbildern die kulturellen Verluste. Sowohl in der deutschen Provinz als auch in der islamischen Republik des Iran haben die religiösen Heilsversprechen ausgedient: 

Die Preise für Tee steigen noch immer,
fürs Jenseits nehmen sie weiter ab.

Michael Braun, Tagesspiegel, 18.11.2018

unter „In Nora Bossongs Gedichten haben die Heilsversprechen ausgedient“ auch in Neue Zürcher Zeitung vom 29.12.2018

Kreuzzug mit Hund von Nora Bossong

– Lyrik schärft den Blick: In ihrem neuen Gedichtband schreibt die Berliner Schriftstellerin Nora – Bossong über Heimat und Fremde – und verortet damit sich und uns in der Welt. –

Alles beginnt mit einem Seufzer. „Ach Europa“ steht über dem ersten von knapp 70 Gedichten von Nora Bossong, die gerade in dem Band Kreuzzug mit Hund erschienen sind. Der Seufzer scheint ein Echo von Enzensbergers gleichnamigen „Wahrnehmungen aus sieben Ländern“ von 1987 zu sein. Mit ihrer Lyrik versucht die Wahlberlinerin, das Projekt Europa neu zu verorten. Ein Projekt, das sie als „Verwaltungschaos drapiert in Brüsseler Spitze“ beschreibt und zu einer „verschreckten Zwergin am Ende der Welt“ macht, mit der es dann aber doch „gut ausgeht“.
Darauf angesprochen, räumt die Charlottenburgerin ein, dass „dieses Konstrukt mit seinem Bürokratiekopf“ wenig Begeisterung hervorgerufen habe. „Es gab eine starke Müdigkeit. Alle haben sich zu sehr zurückgelehnt, zu viele Seifenblasen gekauft und sich zu wenige Gedanken gemacht. Ich glaube, viele haben die Demokratie als Selbstbedienungsladen empfunden“, erklärt Bossong an einem bedeckten Novembernachmittag in einem Café in ihrem Kiez beim Savignyplatz. Die Straßen draußen sind wie in ihren Gedichten beschrieben, „ausstaffiert mit nassem Laub“, als wollten sie beweisen, „dass Schönheit nichts bewirkt, zuhause nirgends ist.“
Doch draußen liegt nur der Plan, nach dem wir uns drinnen richten, schreibt sie. Also wenden wir uns drinnen ihren Gedichten zu, die in Miniaturen festhalten, was vor unserer eigenen Haustür und den Haustüren anderer geschieht. Das Politische ist dabei allgegenwärtig. Es gebe einen Aufbruch in ihrer Generation, sagt Nora Bossong:

Mir scheint, dass sich momentan wieder mehr Menschen engagieren – in Bündnissen, Initiativen und Foren. Ob das immer die richtigen Formen sind, da bin ich mir unsicher, manchmal ist mir das zu viel Glitzerfolie.

Sie habe nichts gegen Spaß und Ironie in der Politik, aber das Engagement dürfe nicht aufhören, wenn der Spaßfaktor einmal mal nicht gegeben ist, mahnt sie.
Ironie findet man auch in ihren neuen Gedichten, etwa wenn sie davon schreibt, dass im „Bürgeramt“ nichts dem Beamten gehört – „nicht der Locher nicht der Bildschirm nur der Schlumpf im Blumentopf“. Oder wenn sie die thüringische Provinz als „ausgeknipste Gegend“ besingt, in der eine verwehte Norma-Tüte unsere Zivilisation bezeugt:

Was wir als Heimat begriffen: das Knistern erfrorenen Plastiks.

Im Laufe der neun Zyklen, auf die Bossong ihre Gedichte verteilt hat, bewegt sich die weltgewandte Autorin aus dieser kalten und irgendwie traditionsvergessenen europäischen Heimat in wärmere, aber auch fremde Gefilde. Über Wien und Zypern geht es bis nach Jerusalem und Teheran.
Für die gläubige Katholikin waren diese Reisen mitunter auch spirituelle Erfahrungen. In der iranischen Hauptstadt begegnete ihr der Hund aus dem Titel dieses lyrischen Kreuzzugs, bevor er „zwischen zwei wartenden Wagen verschwand“. Bossong habe sich einen „eigenen West-östlichen Divan“ geschrieben, kommentiert der Tagesspiegel. Ihre Patenfreundschaft mit der syrischen Autorin Rasha Habbal im vielstimmigen literarischen Begegnungsprojekt „weiter schreiben“ hat dazu sicher beigetragen.
Ihre Gedichte sind auf Reisen oder im Alltag entstanden, wenn die Form passend erschien. Gerade sitzt sie an einem neuen Roman, nachdem im vergangenen Jahr ihre „Rotlicht“-Reportagen erschienen. Die Lyrik schärfe ihren Blick, sagt sie.

Die Zurückgenommenheit, das viele Weiß, das ein Gedicht umgibt, gibt etwas Raum und ermöglicht einen präziseren Blick auf die Wirklichkeit.

Das schätzt sie an der Lyrik. Durch sie könne man „genaues Lesen lernen, man kann Bilder lernen, die Imagination schulen“. Mit zielgerichtetem Lesen von Lyrik in der Schule kann sie nichts anfangen. „Das Verständnis für Kunstgenuss oder Literaturgenuss kommt da doch viel zu kurz“, sagt sie. „Und wenn Sie hier nicht passen wollen dann fragen Sie sich bitte selbst was da nicht stimmt“, heißt es in einer der lyrischen Vignetten. Das ist „mit Rechten reden“ in lyrisch. Aktueller kann Poesie kaum sein.

Thomas Hummitzsch, tip Berlin, 3.12.2018

Benommen im Smog

– Nora Bossong streift durch Amtsstuben, zitiert Enzensberger und findet die Sehnsucht in einem Taxi in Teheran. –

Deus lo vult!“ – „Gott will es!“ Vor 923 Jahren, im November 1095, soll mit diesem Ruf die Menge auf einem Feld vor Clermont Papst Urban II. zugestimmt haben. Er hatte zur Befreiung Jerusalems aufgerufen. So begann der Erste Kreuzzug, mit dem die katholische Kirche die muslimische Welt im „Heiligen Land“ unter ihre Herrschaft bringen wollte. Weitere folgten, und wenngleich sie sich im Einzelnen unterschieden, einte diese Bewegungen die paradoxe Idee, dass etwas Inhumanes wie Krieg in guter Absicht vom Zaun gebrochen werden könne. Damit ist man mittendrin in den Fragen, die in den Blick genommen werden in Kreuzzug mit Hund, dem dritten Gedichtband der 1982 in Bremen geborenen Nora Bossong. In neun Kapiteln findet eine Bewegung von Westen nach Osten statt, werden die Wegstrecken der Kreuzzüge nachvollzogen, von Europa über Israel bis nach Iran, werden politische, historische, religiöse Kontexte zu Gedichten.
Das Auftaktkapitel, „Kurzes Asyl“, widmet sich Europa, „dieser verschreckten Zwergin am Ende der Welt“. Das erste Gedicht zitiert mit dem Seufzer Ach Europa den Titel eines 1987 erschienenen Bandes mit Reportagen von Hans Magnus Enzensberger. So reiht sich Bossong in eine Tradition ein, die engagiertem Schreiben starkes Gewicht beimisst. Auch bei ihr schwingt etwas von der Ironie mit, wie sie anklingt in Enzensbergers bekanntestem Gedicht „Ins Lesebuch für die Oberschule“:

Lies keine Oden, mein Sohn, lies die Fahrpläne:
sie sind genauer.
(…)
Sei wachsam, sing nicht.

Man hört diese Tradition zum Beispiel in „Hanseträume“, wo einem eingeschleppten Fruchtfliegenschwarm der Garaus gemacht wird:

Sie kamen an in dreizehn Kisten, Containergut mit leisem Klang:
Fliegen aus anderen Fruchtregionen, wie fremde Vokabeln
belagerten sie die Fracht. Während zwei Reeder nach den
Insekten griffen, ihren Anspruch auf jede ihre Äußerungen
prüften, Kaufleute die unsichtbaren Flügel zählten
(…).

Das zweite Kapitel, „Bürgerliche Existenzen“, führt in die Enge der Amtsstuben, in denen den wenigsten so wie Kafka die Luft bleibt, die nötig wäre, um der verwalteten Welt etwas entgegenzusetzen. Auch hier ist der Ton sanft ironisch:

Und sagen Sie sind sie überhaupt beglaubigt was soll ich
anfangen mit Ihnen wenn es Sie schlichtweg nicht gibt
(…) da müssten Sie
sich bitte selbst drum kümmern was glauben Sie was ich bin
auch nur Entgeltgruppe acht neununddreißig Stunden die Woche
am Freitag dann bis zwei der Spalt in dem man lebt und der sich
am Montag um acht wieder schließt.

Europa in seiner Weite und Enge markiert nur eines der Spannungsfelder. Weitere entstehen durch die literaturgeschichtlichen Referenzen. Kapitel vier trägt ein Motto von Hans Jürgen von der Wense, eine Variation zu Enzensbergers zitierten Versen. Wense, der schreibend „der Zeitgeist-Öde ins Ewig-Unermessliche entkommen“ wollte, schlägt vor:

Lest nicht die Times, lest die Ewigkeiten!

Solche untergründigen Querverbindungen halten den Band, dessen Gedichte und Kapitel sich auf den ersten Blick stark voneinander zu unterscheiden scheinen, zusammen. Sie finden sich auch in den Motiven: Gedichte, in denen die in der abendländischen Mythologie bedeutsamen Ziegen auftauchen („Der diskrete Charme der Ziegen“, „Kurzes Asyl“, „Schlossansicht“), stehen neben solchen über Fliegen („Hanseträume“), sodass sich Motive reimen, da wird der November mehrfach besungen („Im letzten Moment November“, „Diktion“), zeigt sich in vielen Spielarten, wie der Band sein Material zugleich spielerisch und planvoll organisiert.
Und welches Ende nimmt dieser Kreuzzug mit Hund, in dem Religion, Politik, ideologische und ökonomische Interessen gleichermaßen aufs Tapet kommen, auf den sprachlichen Konferenztisch, um das Wort im Sinne dieser aus dem Französischen stammenden Redewendung mettre une affaire sur le tapis zu verwenden? Im neunten Kapitel steht das titelgebende Gedicht. Es schildert eine Mittagsszene in Teheran. Das sprechende Ich betrachtet einen Orientteppich und steigt dann, überwältigt vom Durcheinander aus Smog und Pracht, in ein Taxi:

Der Fahrer beugte sich über die Karte. Versunken, als suche er zwischen den Straßen eine weitere Stadt, doch als er anfuhr, begriff ich: Seine Sehnsucht war nur ein hinkender Hund, der zwischen zwei wartenden Wagen verschwand.

Im Vergleich der Sehnsucht des Taxifahrers, der auf der Karte nach Orientierung sucht, mit der Sehnsucht des Hundes kondensieren viele Momente des Bandes: der Wunsch, die Welt in ihrem Flüchtigen und Dauerhaften zu lesen, sich zu orientieren, die Aufmerksamkeit für das Detail, für die Bedürftigkeit der Kreatur, die sich, wie der Straßenhund, nicht verwalten, erziehen, domestizieren lässt. Dieser Kreuzzug geschieht nicht unter dem Banner von Siegessicherheit, ist stattdessen behutsame Annäherung an Übereinstimmungen und Fremdheit von Weltbildern, ist ein Gedichtband, der Maßstäbe mit virtuosen sprachlichen und konstruktiven Mitteln analytisch kühl und Anteil nehmend warm auf den Prüfstand stellt.

Beate Tröger, der Freitag, 29.12.2018

yin und yang

ich lese gerade kreuzzug mit hund. es ist sehr geradlinig und einfach. ich finde ich hätte gerne mir etwas verspielteres gewünscht, eine goldigere sprache. mir fällt auf dass sie ernsthaft schreibt, wobei ein abschweif für zukünftige bücher schön wäre. ich hatte etwas an frau scheuermann gedacht, der tag an dem die möwen zweistimmig sangen. aber es ist soviel kluges dabei solch interessantes. ich denke diese meinung ist subjektiv. frau bossong erzählt interessantes, aber man wird nicht direkt darauf hin gewiesen, in welchem ort sich das gedicht befindet. kreuzzug mit hund soll ja räume und wichtige denkmäler beschreiben, somit bleibt die orientierung eine metapher, die das buch doch interessant macht, auch wenn es mir zu rational erscheint. nora bossong ist einfach zu intelligent, da übersteigt ihr können etwas meine phantasie. ist aber keine kritik an ihrer ungebundenen form!

Uwe Kraus, amazon.de, 13.10.2019

Weitere Beiträge zu diesem Buch:

Thorsten Schulte: Poesie und Politik
literaturkritik.de, März 2019

Ingrid Isermann: Nora Bossong: Zug um Zug ein fulminanter, literarischer Kreuzzug
LITERATUR&KUNST, Heft 91, 01/2019

Rolf Birkholz: Die Preise für Tee und fürs Jenseits
Am Erker

Michael Krüger: Nora Bossong: Kreuzzug mit Hund
lyrikempfehlungen.de, 2019

Beate Tröger: Zwischen Ordnung und Zerfall
fixpoetry.com, 3.12.2018

 

 

Fakten und Vermutungen zur Autorin + Facebook
Porträtgalerie: Autorenarchiv Isolde Ohlbaum +
Dirk Skiba AutorenporträtsKeystone-SDA
shiyan 言 kou 口

 

Nora Bossong 2019 bei lesenswert im Gespräch mit Denis Scheck.

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