Ernst Jandl: der beschriftete sessel

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Ernst Jandl: der beschriftete sessel

Jandl/Ranft-der beschriftete sessel

DER BESCHRIFTETE SESSEL

für harry & angelika

ich haben ein sessel
stehn JANDL groß hinten drauf
wenn ich mal nicht wissen
sein ich’s oder sein ich’s nicht
ich mich nur hinsetzen müssen
und warten bis von hinten wer
kommen und mir’s flüstern

 

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Nachbemerkung

daß sich dein leben zu
buchstaben verhärtet, du
wolltest es nicht so haben.

(e. j.)

Dahin ist es gekommen, unwiderruflich: Nicht nur Autor und Text sind dem Leser Ernst Jandls auf immer verknüpft, sondern vor allem die Existenz der Person des Autors und die in ihr – in dieser durchaus privaten Existenz – formulierten Aussagen. Das Gedicht und sein Autor – ein Gleiches? Oder: Das Verschwinden des Autors in seinem Gedicht?
Wer die Texte dieses Bandes in ihrer chronologischen Abfolge wahrnimmt, wird seit der Mitte der siebziger Jahre gravierende Veränderungen, notwendige Verluste erkennen. Jandls Gedichte verlieren ihre – zum Teil spielerische – Konstruktivität, die auch ein Signal von Freiheit war, von freier Verfügbarkeit des Materials Sprache. Der Abstand zwischen Autor und Text wird tatsächlich geringer:

Man könnte sagen, daß der Autor unter Umständen dazu kommt, daß er sich letzten Endes selbst als Material verwendet und schaut, was er da herausbringt. (Jandl, 1983)

Jandl schreibt auf ein Ende hin; das Grimassierende, Überdeutliche seiner späten Arbeiten wird zunehmend automatisiert; eigentlich wäre es gut zu schweigen, im Leben und in der Literatur. In seiner Rede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises (1984) zitiert Jandl aus Dantons Tod:

„… wozu sollen wir Menschen miteinander kämpfen? Wir sollten uns nebeneinandersetzen und Ruhe haben. Es wurde ein Fehler gemacht, wie wir geschaffen wurden, es fehlt uns etwas, ich habe keinen Namen dafür, wir werden es einander nicht aus den Eingeweiden herauswühlen, was sollen wir uns drum die Leiber aufbrechen.“ Das ist ein Wort zum Frieden, welches unsere Unvollkommenheit, unsere Fehlerhaftigkeit, unser vorauszusetzendes Scheitern einbezieht. Mehr wird für uns nicht zu erreichen sein, als uns nebeneinanderzusetzen und Ruhe zu haben.

Wer nichts mehr sagt, keine Überzeugungen, Ideologien, Utopien mehr zu vermitteln sucht, der hat den Kampf beendet; das wäre ein – letztes – humanes Ziel. Das Schreiben allerdings geht weiter:

Ich könnte mir also einen Autor vorstellen, der bis zuletzt schreibt und sich dann eine Kugel in den Kopf schießt oder ein Schlafmittel nimmt. Nehmen Sie Jean Améry: das war ja nicht ein Mann, der jahrelang resigniert geschwiegen und sich dann plötzlich umgebracht hätte. Sondern eigentlich hat er bis zuletzt gearbeitet. Er hat sich trotzdem als Person ständig diesem Punkt genähert, als Person und nicht unbedingt als Schreibender. Der Schreibende ist also offenbar ein Teil dieser doch etwas komplexeren Person. Keiner ist nur ein Schreibender, auch wenn er es vielleicht gerne wäre. Die Resignation könnte man sehr weit treiben, ohne deswegen aufzuhören zu schreiben.

 

(Jandl, 1983)

Vor fast vierzig Jahren hat Ernst Jandl mit dem Schreiben begonnen; seine ersten Gedichte veröffentlichte er mit sechsundzwanzig Jahren in der von Friedrich Polakovics geleiteten Literaturzeitschrift Neue Wege. Andere Augen, ein erster Gedichtband, in einer Auflage von eintausend Exemplaren im Bergland Verlag erschienen, fand in der Literaturkritik kaum Beachtung. Erst mit dem Erscheinen von Laut und Luise (1966) erregte Jandl die Aufmerksamkeit der Medien. Seitdem ist er für viele zum Inbegriff des agilen und konzilianten Promotors sprachexperimenteller Literatur geworden. Das mußte zu Mißverständnissen führen: Zu keiner Zeitwaren die Verfahren „konkreter Poesie“ für Jandl etwas Absolutes; hier wie in den Traditionen des Lautgedichtes oder der visuellen Wortkunst sah er Wege, heraus aus einer scheinhaften, allzu oft verlogenen Abbildnerei, die der Illusion ganzheitlichen Denkens und Lebens immer erneut Vorschub leistete.
Das Zentrale seines großen Werkes scheint mir bis zum heutigen Tag die Abbrucharbeit am Überbau Sprache zu sein; das hat nichts Dramatisches, aber – erschreckend – Konsequentes.

Daß dieses Leben keine Geheimnisse birgt – welches denn täte es? –, jedoch genug, das mir die Zunge lähmt, die Kehle schnürt… Wovon also ließe sich berichten? Einzig doch von Gedichten, solange sie nicht darangehen, ihren Autor in Stücke zu reißen. Er drückt sie an sich, und er hält sie zugleich von sich ab, indem er sie auf Wege befördert, auf die er selbst den geringsten Einfluß besitzt, hinaus zu den Menschen. Dort dann zeigen sie sich in ihrer je eigenen Gestalt und lassen sich vernehmen in ihrer je eigenen Sprache, und vergessen, wenn es nach seiner Absicht ginge, ihren Autor.

 

(Jandl, 1978)

Die hier vorgelegte Auswahl zeigt in der Chronologie ihrer Drucklegung Gedichte aus mittlerweile vierzehn Bänden. Der Autor kennt die Konzeption der Auswahl und hat sie gebilligt. Die Radierungen des Chemnitzers Thomas Ranft sind keine Illustrationen, sie stellen Korrespondenzen zu Texten her und dokumentieren eine Arbeitsbeziehung.
Dieses Buch ist ein Gruß des Verlages, des Grafikers und des Herausgebers an Ernst Jandl, der am 1. August 1990 fünfundsechzig Jahre alt wurde.

Klaus Pankow, Nachwort, August 1990

 

Beiträge zu diesem Buch:

heb: [Rezension zu „Der beschriftete Sessel“]
Stuttgarter Zeitung, 10.5.1991

Anonym: [Rezension zu „Der beschriftete Sessel“]
Der Morgen, 18.5.1991

Thomas Böhme: „die freude an mir“
Leipziger Volkszeitung, 31.5.1991

Thomas Böhme: Lust auf Jandl
Ostthüringer Zeitung, 12.10.1991

Peter Dittmar: Spiel mir das Lied vom Schatten!. Können die ostdeutschen Verlage ihr hohes Niveau bei der Buchillustration halten?
Die Welt, 22.6.1991

Achim Engel: Ernst Jandl: der beschriftete sessel
Stadtmagazin Insinde Magdeburg, Heft 10, 1991

Ulf Heise: Er „erfaßt die Sprache als Körpergeräusch“
Thüringer Tagblatt, 17.7.1991

Ulf Heise: Gegen das Possierliche in der Dichtung
Neue Zeit, 20.7.1991

Lothar Lang: Nachtwachen bei Reclam
Weltbühne, Heft 38, 10.9.1991

Ulf Heise: Sprache als Körpergeräusch
Chemnitzer Tageblatt, 13.9.1991

Anonym: Lyrik aus Leipzig. Reclam Ost hat sich Beachtung verdient
Westdeutsche Zeitung, 9.1991

Alexander von Bormann: Der Sund, die Sünde
Der Tagesspiegel, 13. 10. 1991

 

System und Opposition: Doppelte Bande zur DDR

Jandls Verlag stellte, auf der Grundlage eines Vertrags mit Aufbau in Ostberlin, in der Spätzeit der DDR wie kein anderer Westverlag ostdeutsche Autoren in sein Schaufenster, darunter Anna Seghers, Hermann Kant und Christa Wolf. Im Gegengeschäft kam Luchterhand-Literatur in die DDR, so auch schon 1975 Michael Scharangs Roman über einen Arbeiter Charly Traktor. Von Jandls Gedichtbüchern aus der Sammlung Luchterhand wurde indes keines übernommen, denn sie widersprachen – Antikriegsgedichte ausgenommen – jeder DDR-Doktrin. Erst 1978 wurden in einer Österreich-Anthologie1 des Verlags Volk & Welt, zuständig für internationale Literatur, 13 Gedichte von Jandl abgedruckt, darunter die Schlager „vater erzähl vom krieg“ und „lichtung“ sowie das Gemeinschaftshörspiel Fünf Mann Menschen. Jandl machte sich damals in einem Dankschreiben an den Mitherausgeber Dietrich Simon zum Sprecher aller Kollegen, „die […] wünschen, die Grenzen ihres eigenen Landes mögen nicht zugleich die Grenzen ihrer literarischen Welt sein“.2
1980 bereitete der Verlag Volk & Welt in Ostberlin eine erste Auswahl aus Ernst Jandls Gedichten vor. Das Buch Augenspiel. Gedichte, mit einem unbedruckten Umschlag aus transparentem Seidenpapier bibliophil aufgemacht, erschien 1981:3 Der Herausgeber Joachim Schreck4 vergaß nicht in seinem Nachwort Jandls Unabhängigkeit von der „Ideologie“ von den – in der DDR ausgegrenzten – „Experimentellen“ zu erwähnen:

Den Puristen unter den ‚Experimentellen‘, die im Kommunikationsbruch mit der Sprache ein Universalmittel sehen und zum Teil Hoffnung auf revolutionäre Gesellschaftsveränderung daraus ableiten, versagt er seine Gefolgschaft.5

Das markant am Ende platzierte Gedicht „vom aufrechten gang“,6 das an Ernst Bloch wie an Bert Brecht erinnert, könnte als Appell an die Führung von Staat und Partei gelesen worden sein. Denn „die volksvertreter […] könnten es jederzeit / auch anders“.
Die Entscheidung, dem österreichischen Lyriker ein erstes Buch zu widmen, war dem System des autoritären Staates gemäß eine politische. Jandl war zwar seit 1974 bei der Staatssicherheit angeschwärzt, als er dem regimekritischen Reiner Kunze den Salzburger Georg-Trakl-Preis für Lyrik verschaffte. Doch hatte der Sozialdemokrat auch einen Namen als Sprecher der Grazer Autorenversammlung, in welcher KP-Genossen und Sympathisanten mitwirkten wie Michael Scharang, Michael Springer, Marie-Thérèse Kerschbaumer, Elfriede Jelinek sowie der als ,Max Maetz‘ schreibende Oberösterreicher Karl Wiesinger und dessen Landsmann Franz Kain. Jandl sollte sich der DDR auch bald nützlich erweisen – als ein prominenter Ausländer, der sich, in der Diktion der Springer-Presse, als „nützlicher Idiot“ missbrauchen lasse. Er hatte 1976, als der Nationalpreisträger Stephan Hermlin in die Westberliner Akademie gewählt wurde, einen direkten Zugang zur staatsnahen Literatur in der DDR bekommen. Hermlin war für sein Engagement zugunsten Wolf Biermanns gemaßregelt worden, doch in der SED geblieben. Er sollte, in Konkordanz mit der Partei, sein Ansehen zu einer spektakulären Aktion von Künstlern und Wissenschaftlern für den Weltfrieden nutzen. Für die mit Hermlin als Aushängeschild geplante „Berliner Begegnung“ erwies sich Jandl als brauchbarster österreichischer Gast. Im Vorfeld der für 13./14. Dezember 1981 angesetzten Berliner Ost-West-Gespräche sammelte Bernt Engelmann, Vorsitzender des westdeutschen Schriftstellerverbandes (VS) in der Industriegewerkschaft Druck und Papier, Unterstützung für einen „Appell der Schriftsteller Europas“. Ein „breites Bündnis der Kulturschaffenden für Frieden und Abrüstung, gegen Raketen und Neutronenbomben“ sollte dadurch entstehen, wünschte die Ostberliner Akademie der Künste.7 Auch Jandl unterschrieb.8
Hermlin lud aus Österreich neben Jandl auch Friederike Mayröcker ein,9 sowie Günther Anders und Robert Jungk. Das Ministerium für Staatssicherheit bekam den Auftrag, die Teilnehmer kurzfristig zu überprüfen, lieferte jedoch nicht mehr als die Biographien im Munzinger-Archiv.10 Nur für Jandl wurde eigens ein politisches Profil erstellt:

Jandl ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Österreichs und vertritt konsequent sozialdemokratische Auffassungen. Auf der Grundlage der Schlußakte von Helsinki vertritt er die Positionen, daß strittige Probleme zwischen den Gesellschaftssystemen durch Regierungen auf politischem Wege gelöst werden müssen.11

Somit wäre von ihm in der aktuellen Zuspitzung des Kalten Krieges durch den NATO-Doppelbeschluß 1979 – US-Mittelstrecken-Atomraketen nach Europa – ein Plädoyer für den Stopp des Wettrüstens zu erwarten.
Die Zahl der Teilnehmer „aus nichtsozialistischen Ländern und Berlin-West“ schrumpfte. Böll sagte ab und auch Mayröcker, wegen Problemen mit ihrer greisen Mutter. Aus dem Westen kamen zuletzt neben den Österreichern nur Günter Grass, Adolf Muschg, Luise Rinser, Heinar Kipphardt, Günter Herburger und Peter Rühmkorf ins Hotel Stadt Berlin am Alexanderplatz, und aus dem Osten mit Stephan Hermlin: Stefan Heym, Hermann Kant, Christa Wolf, Erwin Strittmatter, Volker Braun, Rolf Schneider und Günter de Bruyn. Jandl begann im Plenum mit den Gedichten „vater komm erzähl vom krieg“ und „schtzngrmm“. Dem 5-Zeilen-Gedicht „fragment“, das er schon 1967 in Westberlin in Walter Höllerers TV-Sendung Ein Gedicht und sein Autor vorgetragen hatte, schickte er nun, als sein Statement zur Friedensbewegung, eine Erklärung voraus:

[Das Gedicht] spricht von der törichten Hoffnung auf Rettung. Das bedeutet törichte Hoffnung, solange man hofft, ohne selbst aktiv zu werden. Es bezeichnet oder zeigt die bloß zustimmende Haltung zu schönen Predigten als ebenso töricht und stellt schließlich die Frage, daß man die gefürchtete Katastrophe auf einen Zeitpunkt übermorgen verlegen könnte, um in der eigenen Vorstellung das Morgen, den jeweils folgenden Tag immer noch frei von dieser Katastrophe zu wissen.12

Eine Diskussion gab es nicht. Im Wortprotokoll der Staatssicherheit entschuldigte sich ein professioneller Mithörer für sein Versagen:

eine stenographische Wiedergabe der im vorgetragenen ‚Gedicht‘ enthaltenen, die Kriegsgeräusche darstellenden Lautmalereien war nicht möglich.13

In Wien zurück, lud Jandl Rolf Schneider und Robert Jungk in die Grazer Autorenversammlung ein.14 Nur der in Salzburg wohnende Friedens- und Umweltaktivist Jungk trat bei.
Die DDR öffnete sich Jandl weiter. Am 18. und 20. Januar 1982 präsentierte ihn Vera Oelschlegel, Hermann Kants Exfrau und danach mit hohem Parteiadel liiert, in ihrem Theater im Palast der Republik (TIP).15 Beide Termine waren restlos ausverkauft. „Es wirkt wie blanker Hohn und ist nicht leicht erträglich“, hielt der Lyriker Adolf Endler im Tagebuch (Sudelbücher) fest, „wenn Ernst Jandl vor ausgesuchtem Publikum im TIP seine quirligen Texte vortragen darf – ein Beweis dafür, wie ‚liberal‘ die DDR ist –, die ihm geistesverwandten jüngeren Autoren im Land jedoch mit striktem Auftrittsverbot geschlagen sind, von der Drucklegung ihrer Werke ganz zu schweigen […]“.16
Während dieses kurzen Aufenthalts in Ostberlin wurde Jandl – wie schon 1975 von Bernd Jentzsch – am 19. Januar von Richard Pietraß und dem Volk-&-Welt-Lektor Christlieb Hirte zu einer „Wohnungslesung“ entführt.17Bei der Fotografin Helga Paris las Jandl als erster. Dann stellten sich Junge vom Prenzlauer Berg mit Texten vor: Sascha Anderson, Stefan Döring, Jan Faktor, Eberhard Häfner und Bert Papenfuß-Gorek. Da saß auch Ekkehard Maaß, in der DDR bekannt als Sänger der Lieder des regimekritischen Russen Bulat Okudschawa.18 Papenfuß-Gorek (er legte später den zweiten Teil seines Namens ab) kannte Jandl am längsten; er hatte 1979 seinem Freund Richard Pietraß, Nachfolger von Bernd Jentzsch als Herausgeber des Poesiealbums, auf eine Reise nach Wien Texte für Jandl mitgegeben und bekam Widmungen von Jandl zurück. Sascha Anderson, seit 1975 Spitzel im Dienst der Staatssicherheit, hatte 1980 Kontakt zu Jandl gesucht in einem Brief aus Dresden, in dem er um einen Beitrag zu einer „edition sprachlos“ bat, die er mit Berliner Schreibenden, er nannte Pietraß, Papenfuß, Elke Erb, Mickel, Braun, vorbereite.19
Bei der Lesung bei Helga Paris gewann Papenfuß vollends Jandls Sympathie und Unterstützung. Als Jandl im Sommer 1983 von Papenfuß das Manuskript einer Gedichtsammlung bekam, schickte er es dem Luchterhand-Chef Hans Altenhein weiter mit einem Empfehlungsschreiben, das sogar eine DDR-Behörde überzeugt hätte können:

Nur des unbeschränkt verbreitbaren Buches bedarf es noch, um Bert Papenfuß-Gorek als einen Dichter ersten Ranges sichtbar zu machen, einen Dichter, der die Düsterkeit unseres historischen Augenblicks in Versen von hoher Originalität festhält, einschneidend und herausfordernd wie experimentelle Poesie, zugleich, Brecht darin ähnlich, fußend auf dem Fundament der deutschen poetischen Tradition.

Derart superlativisch hatte Jandl in Wien noch für keinen der Jungen, die zur GAV stießen, geworben. So wie bald auch den jungen Rheinländer Thomas Kling beachtete er Papenfuß-Gorek voll Respekt, ohne ihn in irgendeiner künstlerischen Abhängigkeit von sich zu sehen oder gar zu halten.
Hans Altenhein lehnte Papenfuß ab. Als dessen erstes Buch harm 1984 im kleinen Westberliner KULTuhr Verlag erschien, wurde Jandls für Luchterhand geschriebenes Gutachten als Vorwort mitgedruckt. „Ich fühlte mich natürlich sehr geehrt, war aber sauer auf die Erwähnung Brechts, weil ich damals meinte, mich doch wohltuend von dem altklugen Etatisten Brecht zu unterscheiden“, so Papenfuß.20 Jandl brachte Texte von Papenfuß in der Wiener Presse unter. Elke Erb, die schon prominente Kollegin, und bald auch mit Jandl und Mayröcker befreundet, bewahrte den durch Zwangslehre und Volksarmee traumatisierten Papenfuß mit einer Proforma-Anstellung 1985 bis 1990 als Sekretär vor einer Verfolgung durch den Staat als „Asozialer“. Als 1988 im Aufbau Verlag in der von Gerhard Wolf betreuten Edition Außer der Reihe sein 200-Seiten-Buch dreizehntanz21 erschien, wurde Jandls Lob neuerdings als Vorwort nützlich.22 1997 traten Jandl und Mayröcker mit Papenfuß beim Festival Venezia Poesia am Rande der Biennale auf, zu dem sie der von Peter O. Chotjewitz übersetzte Schriftsteller und Aktivist in der norditalienischen Arbeiterbewegung Nanni Balestrini einlud. Im Jahr darauf nahm Papenfuß in Wien den ihm von Alleinjuror Volker Braun zugesprochenen Erich-Fried-Preis entgegen.
Im September 1983 kam Jandl neuerdings nach Ostberlin und las wiederum bei Vera Oelschlegel und auch in der Stadtbibliothek. Im TIP saß Valeri Scherstjanoi, ein aus der Sowjetunion in die DDR übersiedelter Lautpoet und oft mit Rezitationen von Velimir Chlebnikov, Schwitters und Hausmann auf Tour. Dieser Kollege, den Jandl ein paar Mal beim Bielefelder Colloquium wiedersah, erinnerte sich:

Im Publikum (der Saal, der Raum ist überfüllt) wird gekichert und manchmal laut gelacht. So erlebe ich zum ersten Mal. Man lacht, aber der Dichter Jandl ist nicht lustig, hat große melancholische Augen und eine starke Stimme, die mich begeistert.23

1994, nach einer Lesung im Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek, wurde für Jandl kurz eine alte Wärmestube der inoffiziellen DDR-Szene wieder angeheizt: Ekke Maaß gab für ihn in seiner legendären Wohnküche ein Abendessen, mit Valeri Scherstjanoi, Gerhard Wolf und der Jandl-Freundin Sabine Hassinger als Gästen.24
Als die Staatssicherheit 1983 in Wien recherchieren ließ, welche Funktionäre aus der österreichischen IG Autoren „eine positive Grundhaltung zur Gestaltung der Beziehungen“ zum Schriftstellerverband der DDR hätten, wurde ihr Ernst Jandl gemeldet.25 Am 1. Juli 1986 wurde er zum Korrespondierenden Mitglied in der Akademie der Künste der DDR, zugleich mit Margarethe von Trotta, Walter Jens, Peter Rühmkorf und dem Komponisten Aribert Reimann. Im Jahr zuvor hatte Stephan Hermlin an Wolfgang Kohlhaase, Sekretär der Sektion Literatur und Sprachpflege, geschrieben:

Aus Österreich sollten wir Ernst Jandl und Friederike Mayröcker wählen. Jandl, Träger des Büchner-Preises, hat ebenso wie Friederike Mayröcker schon in der DDR gelesen und hat an der Berlin-Begegnung teilgenommen.26

Christa Wolf wollte die Zuwahl von Jandl, Adolf Muschg, Jannis Ritsos und Martin Walser unterstützen. Der formelle Vorschlag kam dann von Hermlin und Christa Wolf und wurde von Peter Hacks unterstützt. In Christa Wolfs mehrmals umgeschriebener Begründung ist Jandl beschrieben als:

Die Sprache als Material verwendend und durch ihren überraschenden Gebrauch neue Wirkungen erzielend, witzige, komische, aber auch gesellschaftskritische. Er verfremdet die Alltagssprache, die Sprache des Kritischen, des Werbe-Klischees, er unterbricht dadurch die eingefahrenen, nicht mehr befragten Bahnen zwischen den Zeichen und der Reaktion darauf bei denen, die sie aufnehmen. Er schockiert, provoziert Nachdenken. Durch die Ablösung des Klangbilds vom Schriftbild erweckt er Klanganalogien, die den Leser/Hörer wieder sehend und hörend machen. Er ist selbst sein wirkungsvollster Interpret.

Bei der Abstimmung am 24. Juni 1986 bekamen der Russe Daniil Granin, der nicaraguanische Dichter-Priester-Politiker Ernesto Cardenal, der südafrikanische Dramatiker Athol Fugard und der Schweizer Muschg sieben Stimmen; sechs fielen auf Jandl, so viele wie auf Italo Calvino, Natalia Ginzburg und Walter Jens; Max Frisch bekam nur zwei. Muschg nahm die Wahl nicht an. Für Jandl hatte sich nun wieder ein neues Forum aufgetan. Der Akademiepräsident Manfred Wekwerth fragte ihn sogleich nach seinen Wünschen.27 Jandl schlug vor, dass das Volk-&-Welt-Bändchen Augenspiel lieferbar bleibe, daneben hoffe er auf eine Inszenierung von Aus der Fremde in der DDR, die Ausstrahlung von Fünf Mann Menschen sowie auf drei Termine für Auftritte mit Musik vor Publikum. 1988 wurde Augenspiel in 3. Auflage gedruckt.
Das Original der Aufnahme-Urkunde blieb in der Akademie im Akt liegen.28 Gottfried von Einem, der in die Musikabteilung gewählt wurde, bekam seine Urkunde am 17. Dezember 1986 in der DDR-Botschaft in Wien überreicht, im Beisein von Hugo Huppert. Jandl hatte sich am 2. Dezember 1986 das Bein gebrochen, lag im Spital und war mehr als ein halbes Jahr nicht reisefähig. Erst Mitte November 1987 kam er zu einer ersten Plenartagung nach Ostberlin und stellte sich am Robert-Koch-Platz, betreut von Karl Mickel, mit einer Lesung vor.29 Sein Bewacher protokollierte, dass die Lesung nicht, wie ursprünglich geplant, ein Gespräch nach sich zog.30 Von der Festveranstaltung sei der Dichter nicht sonderlich angetan gewesen: Sein Kommentar:

Zu politisch. Politisch ist ja alles, aber das war zu vordergründig, zu plakativ.

Zu wenig Freiraum habe es gegeben für Gedankenaustausch und Gespräche mit Berufskollegen.

Von der Stadtrundfahrt war er so wenig angetan wie andere Gäste. Mit Taktgefühl überging er die Peinlichkeit, dass sein Name auf dem Anstecker falsch geschrieben war (Jandel statt Jandl).

Stephan Hermlin wollte auch Friederike Mayröcker in die Akademie aufnehmen. Hermann Kant und der Schriftstellerverband luden sie schon für Mai 1987 ins TIP zu einer Feier „750 Jahre Berlin“ ein. In einer Doppellesung mit Ernst trat sie im September 1988 in der Ostberliner Akademie auf. „Auf Wunsch der Lesenden fand keine Diskussion statt“,31 hielt das Protokoll für das Zentralkomitee der SED fest. Diese Berlinreise führte Jandl auch wieder ins TIP. Einen Mitschnitt dieses Auftritts gab Christlieb („Chris“) Hirte seiner bei Volk & Welt herausgebrachten 370 Seiten starken Jandl-Anthologie das röcheln der mona lisa. gedichte, szenen, prosa auf einer Kassette mit. Hirtes Edition wurde erst fertig, als die Mauer schon gefallen war – und Jandl zehn Verlagen in Westdeutschland und Österreich vergebens die Bitte vorgetragen hatte, Hirte als Lektor aufzunehmen.32 Auch das zweite in der DDR begonnene Großprojekt verzögerte sich: die Sammlung der beschriftete sessel,33ein 290-Seiten-Buch, illustriert mit Farbradierungen von Thomas Ranft, erschien erst im Jahr 1991 bei Reclam-Leipzig. Dessen Herausgeber Klaus Pankow34 hatte sich schon 1980 für Jandl eingesetzt: Als Joachim Schreck seine Auswahl Augenspiel dem Parteiapparat vorlegte, verfasste er ein positives Gutachten und danach eine der wenigen Rezensionen dieses in der DDR am bekanntesten gewordenen Jandl-Buchs. 1988 gab er ein Jandl-Bändchen für Kinder heraus: im delikatessenladen,35 eine weit ambitioniertere Auswahl als alle späteren Jandl-Bücher im Ravensburger Kinderbuchverlag. Im Sommer 1990 schrieb Klaus Pankow über Jandls Wirkung in der DDR:

Die Jandlschen Sprachbewegungen und ‚Sprachüberraschungen‘ eröffneten tatsächlich Frei-Räume. Nun hatte das Sich-Verweigern nichts Spektakuläres oder Sektiererisches mehr an sich. Jandl-Leser wurden einfach unfähig, die offizielle Sprache des real existierenden Sozialismus zu verstehen.36

Hans Haider, aus Hans Haider: Ernst Jandl 1925–2000. Eine konkrete Biographie, J.B. Metzler, 2023

„Die Unwiederholbarkeit gilt für jedes gelungene Gedicht“

– Gespräch mit Ernst Jandl am 18.8.1987 in Wien. –

Siegfried J. Schmidt: Ernst, wie schätzt Du die Situation der gegenwärtigen Literatur, gesehen vielleicht auch im Zusammenhang mit der Kunst, insgesamt ein? Ist das für Dich eher ein Zwischenspiel, was sich im Moment auf dem literarischen Sektor tut, oder siehst Du eine konsequente Entwicklung der Literatur in den letzten Jahrzehnten?

Ernst Jandl: Ich glaube, es ist sehr schwierig, über eine konsequente Entwicklung der Literatur einer bestimmten Zeit – und noch dazu der Jahrzehnte, die bis zum gegenwärtigen Moment führen – zu reden. Man sieht verschiedene Strömungen nebeneinander herlaufen. Man merkt vielleicht oder kennt aus seiner eigenen Arbeit diesen oder jenen Punkt, wo solche Strömungen einander berühren und aufeinander Einfluß ausüben. Es ist, glaube ich, auch aus der gegenwärtigen Sicht nicht feststellbar, ob eine Epoche von 20 oder 30 Jahren bis jetzt eher Zwischenspielcharakter hat oder nicht. Es fragt sich überhaupt, ob diese in der Literaturgeschichte übliche Betrachtungsweise von Bergen und Tälern, von einem Hinauf zu einem Höhepunkt und einem Hinab und dann einem neuen Anlauf in eine neue Höhe, überhaupt der Literatur oder den Künsten entspricht. Das einzige, was feststellbar sein dürfte, ist der Ernst und die Überzeugung, mit der Schriftsteller arbeiten. Es mag Zeiten geben, in denen es weniger Leute dieser Art gibt und in anderen mehr. Aber das ist eine Frage der Statistik, mit der ich mich nicht beschäftigen möchte. Ich glaube, daß die gegenwärtige Literatur wohl in allen Sprachräumen, die als literarisch produktiv betrachtet werden, von einer großen Zahl von Autoren ernsthaft in der verschiedensten Weise betrieben wird. Andererseits gibt es zahlreiche filterartig funktionierende Instanzen, die den Blick der Öffentlichkeit – soweit sie sich für Literatur interessiert – auf eine ausgewählte Menge literarischer Phänomene und literarischer Persönlichkeiten zu lenken versucht.

Schmidt: Dabei müssen Qualitätskriterien in irgendeiner Weise berücksichtigt werden.

Jandl: Ich glaube, daß Qualitätskriterien überall berücksichtigt werden, sowohl bei der Arbeit der Autoren wie bei der Selektion, die auf die verschiedenste Weise und in der verschiedensten Richtung geschieht durch Personen, die sich der kritischen bzw. der wissenschaftlichen oder mehr oder minder wissenschaftlichen Literaturbetrachtung widmen. Sie alle haben Qualitätskriterien. Ob es ein absolutes Qualitätskriterium gibt, das letzten Endes moralisch gesehen das einzig wirksame sein dürfte, kann ich nicht sagen, bezweifle es aber sehr.

Schmidt: Nun gibt es ja neben der Auffassung von Bergen und Tälern auch die Auffassung, daß in der gegenwärtigen Situation eine völlige Pluralität von Möglichkeiten da ist, und sich jeder Schriftsteller aus diesem Arsenal von Möglichkeiten relativ frei bedienen kann. Das hieße also: im gegenwärtigen Zeitpunkt ist alles gleichzeitig möglich. Man kann nicht mehr von maßgeblichen Trends reden, vielleicht höchstens in bezug auf den Buchmarkt, aber nicht in bezug auf die interne Entwicklung der Literatur. Würdest Du einer solchen Einschätzung zustimmen!

Jandl: Mit gewissen Einschränkungen. Es ist alles möglich, wozu Personen, die schreiben, sich entschließen und imstande sind. Es ist alles möglich, wozu Personen, die Literatur verbreiten, sich entschließen und imstande sind, wobei unter dieser Gruppe von Verbreitern von Literatur die Kritiker, die Wissenschaftler die Verleger, die Herausgeber von Zeitschriften usw. zusammengefaßt werden müssen.

Schmidt: Und wie, meinst Du, reguliert sich die Entscheidung des einzelnen Autors? Bleiben wir einmal bei den Autoren, die Du als ernsthafte Autoren bezeichnen würdest, die glaubwürdig sind in ihrem Geschäft. Glaubst Du, daß es eine Art von persönlicher Affinität zu bestimmten literarischen Möglichkeiten gibt? Hängt diese ab von literarischen Sozialisationen, also eher von zufälligen Entscheidungen und Entwicklungen, oder muß es da einen notwendigen Zusammenhang geben, damit man sagen kann: das ist eine authentische, glaubwürdige, überzeugende Lösung, unabhängig davon, in welchem literarischen Ausdrucksfeld sich jemand bewegt?

Jandl: Der Weg, den ein Autor schreibend einschlägt, ist zweifellos zu jeder Zeit bestimmt von Tendenzen innerhalb seiner Persönlichkeit – also von dem, was er als Mensch ist – was wieder sehr eng mit Sozialisation zusammenhängt, also mit allem, was durch die Gesellschaft, durch die Umwelt, durch die Familie usw. in ihn eindringt und von ihm so oder so beurteilt, verwertet oder verworfen wird. Und es ist mehr oder minder abhängig von der Literatur der Vergangenheit wie der Gegenwart, zu der er sich hingezogen fühlt, die wenigstens in einer gewissen Phase seines Schreibens, aber auch u.U. immer wieder im Verlaufe seines literarischen Arbeitens, für ihn eine starke Anziehungskraft besitzt, also, m.a.W., für ihn etwas wie einen Modellcharakter hat, wobei er sich lernend dem Moment mehr oder minder stark annähern wird, dann aber einiges gelernt habend sich vom Modell möglichst weit distanzieren wird, um seine eigenen Möglichkeiten mit Hilfe des Erlernten zu entdecken und zu realisieren.

Schmidt: Nun gibt es ja bei der Einschätzung solcher Möglichkeiten für jeden Autor Vorlieben und Abneigungen, die verbunden sind mit persönlichen Bewertungen. Du hast sicher bestimmte Literaturentwicklungen, die Du weniger akzeptierst, für weniger interessant hältst. Viele Deiner Arbeiten sind ja auch in einer bewußten Konfrontation mit anderen Möglichkeiten entstanden. Was sind für Dich literarische Möglichkeiten, die in der gegenwärtigen Situation oder während der Zeit, in der Du geschrieben hast, uninteressant waren?

Jandl: Ich meine, daß alles, worin man als Schreibender eine Möglichkeit sieht, interessant ist. Wobei Möglichkeit hier doch eingeschränkt ist auf Möglichkeit für einen selber. Die von anderen als Möglichkeiten gesehenen Wege, in denen man selbst überhaupt keine Möglichkeit erblickt, erscheinen vielleicht überhaupt oder alsbald als wenig interessant oder ganz uninteressant. Dabei gibt es gewiß Literatur, die ich selber nicht ernsthaft als eine Möglichkeit für mich betrachte und die mir doch zeitweise Vergnügen bereiten kann, Dinge, die mich unterhalten, Dinge, die mir Spaß machen, Dinge, die ich spannend finde. Vorausgesetzt ich befinde mich in einem Zustand, in dem ich solcher Beruhigungsmittel oder Stimulanzien bedarf. Dann plötzlich erlischt das Interesse daran, kann aber durchaus wiederkommen in einer bestimmten persönlichen Situation. Es gibt z.B. zweifellos Möglichkeiten realistischen Erzählens, des Erzählens einer Geschichte, vom Umfang der Short Story angefangen bis zum Roman. Im 20. Jahrhundert wurde vor allem auch von angelsächsischen Autoren ein Areal abgesteckt, das man als Bereich realistischen Erzählens bezeichnen könnte. Und es gibt viele jüngere Autoren, die sich einen eigenen Platz in diesem Gebiet schreibend zu erkämpfen suchen. Um aus meiner bescheidenen Kenntnis Namen zu nennen, die das Areal sozusagen abgesteckt haben: Ein Graham Greene ist sicherlich ein vorzüglicher Erzähler spannender Romane, spannender Begebenheiten. Ein Evelyn Waugh ein Kenner der menschlichen Seele mit einem außerordentlichen Humor. Und dieses Gebiet – ich habe jetzt an einem extremen Punkt angefangen – erstreckt sich natürlich bis zum ULYSSES von James Joyce oder bis zu BERLIN ALEXANDERPLATZ von Döblin und bis zu erzählenden Werken von Virginia Woolf oder William Faulkner. Dieser Bereich erscheint mir unerschöpflich. Unerschöpflich nicht so, daß ich meinen würde, es sei alles, was man dafür braucht und was man in diesem Bereich machen könnte, in unerschöpflicher Fülle da, und man müsse nur sich in den Bereich begeben und Material, das noch niemand anderer ergriffen hat, ergreifen; sondern von allen Seiten, vom Leben aller Menschen, von den gesellschaftlichen und politischen Umständen und Veränderungen, von allen Bereichen der Wissenschaft her erfolgt eine ständige ungeheure Zufuhr von möglichem Material realistischen Erzählens. Ich meine, daß auch die Sprache, die sich ja in einem permanenten Prozeß der Veränderung und der Erweiterung befindet, eine Unzahl an Möglichkeiten für realistisches Erzählen offenhält, wobei ich allerdings glaube, daß extreme Leistungen auf diesem Gebiet – wie etwa der ULYSSES von James Joyce oder BERLIN ALEXANDERPLATZ oder die Werke von Virginia Woolf oder Faulkner – einer Literatursprache als Basis bedürfen, die jede Generation sich neu zu erarbeiten hat, wie sie aber gewiß in Werken der genannten Autoren Graham Greene und Evelyn Waugh da ist, ohne daß man hier von außergewöhnlichen Eingriffen in die Sprache selbst sprechen könnte.

Schmidt: Siehst Du diese Möglichkeitsfülle für nichtrealistisches Erzählen auch?

Jandl: Ich weiß nicht recht, was ich mir unter nichtrealistischem Erzählen vorstellen soll, nachdem ich den ULYSSES von James Joyce zu den Meisterwerken realistischen Erzählens zähle.

Schmidt: Ich meine mit nichtrealistischem Erzählen z.B. Versuche, ohne eine erzählte Story auszukommen.

Jandl: Ich glaube nicht, daß das Erzählen unbedingt eine Story zur Voraussetzung hat. Das Erzählen ist auf jeden Fall ein Nacheinander, also ein – wenn man will – linearer Vorgang, der in dieser Weise auch durch den Leser aufgenommen wird, wobei nicht gesagt ist, daß der Autor in dieser Weise beim Schreiben seiner Erzählung verfährt, also einfach linear weitergeht; das geschieht in vielen Fällen nicht, was übrigens auch für Erzählungen mit einer Story oft genug der Fall ist. Um Deine Frage kurz zu beantworten: Ich sehe für die Möglichkeiten einer Erzählung ohne Story, also ohne eine nacherzählbare oder herauslösbare Story, die wie eine Art Gerippe die Erzählung durchzieht, und die ich auch durchaus als realistisch bezeichnen könnte – das hängt davon ab, wie weit man den Realismus faßt – ich sehe die Möglichkeiten dafür mindestens genauso groß wie für Erzählen auf der Basis einer Story.

Schmidt: Aber was wäre denn nichtrealistisches Schreiben?

Jandl: Nichtrealistisches Schreiben wäre das Schreiben, das sich auf die Realität der Sprache zu beschränken sucht und bewußt die Einwirkung außersprachlicher Realität zu vermeiden bestrebt ist. Wie weit sich das verwirklichen läßt, ist eine Frage. Nichtrealistisch erzählen heißt z.B., unsemantische Wortfolgen zu erzeugen, mit unsemantischen Zusammenhängen. Die Bedeutung ist zwar vom Wort nicht abzulösen; die Wörter können aber so aneinandergereiht werden, daß sich keine syntaktisch-semantischen Gebilde ergeben. Wenn man in dieser Weise fortfährt, lassen sich Abschnitte, Absätze und Prosakomplexe machen, die z.B. dem Prosarhythmus der gesprochenen Sprache mehr oder minder angenähert sind. Man liest diesen Text und ist am Ende durch diesen Text durchgegangen, hat permanent Eindrücke empfangen, die sich aber nicht zu einem abschließenden Bild formen. Ich denke an gewisse Texte von Gertrude Stein zum Beispiel, wo im Text keine konturierten Einzelheiten, keine Personen, keine Bilder vorkommen, wo von Story keine Rede ist, keine Vorgänge geschildert werden, sondern Sprachabläufe da sind, deren Reiz – sofern einer da ist – entdeckt werden muß, von einem Leser entdeckt werden muß, der an sprachliche Abläufe dieser Art zuerst einmal nicht gewöhnt ist. Und diese Texte müssen stark genug sein, d.h. die Reize auf den Leser müssen stark genug sein, um diese Barriere des Gewohnten zu durchbrechen. Das muß von beiden Seiten her geschehen. Und ich glaube, daß etwa Texte von Gertrude Stein stark genug sind, um das zu tun, vorausgesetzt sie finden einen Leser, der bereit ist, auch von seiner Seite diese Barriere des Gewohnten zu durchbrechen. Ähnlich einem Bild ohne Fixpunkt, ohne Konturen, eine Fläche flimmernd von Flecken.

Schmidt: Nun hat man gegen diese Art von literarischen Möglichkeiten eingewendet, das sei eine einmal zu vollziehende Möglichkeit, die nicht wiederholt werden könne. Diese Durchbrechung der gewohnten Erwartungen an Literatur, des gewohnten Schreibens von Literatur, sei historisch einmal zu leisten ähnlich wie die Duchampschen Entdeckungen innerhalb der Bildenden Kunst. Aber das seien keine Möglichkeiten, die man genauso fortsetzen könnte wie realistisches Erzählen. Und ein Schriftsteller wie Alfred Andersch hat sogar einmal gesagt, ein Schriftsteller, der keine Geschichten erzähle, sei inhuman.

Jandl: Anderschs Kritik läßt m.E. völlig außer acht, daß das Material, aus dem solche Texte gemacht sind, ein zutiefst humanes Material ist. Nur der Mensch verfügt über dieses Material. Er hat dieses Material produziert. Es ist sein eigenes Material, mehr als das Material irgend einer anderen Kunst. Und damit ist schon diese Behauptung des Inhumanen vom Material her – glaube ich – unhaltbar. Gerade diese Texte, bei denen man nicht in eine Situation gerät, wo man Literatur vergißt und Personen begegnet, in Handlungen verwickelt wird, in Vorgänge, Vorfälle verwickelt wird, Länder kennenlernt, sich in einer fremden Stadt befindet, – diese Literatur zeigt in jedem Moment nichts anderes als Literatur, und zwar Literatur als Kunst. Und das kann ich nur als zutiefst human bezeichnen. Es geht dabei um eine Darstellung, eine Selbstdarstellung von Kunst als einer vorn Menschlichen nicht zu trennenden Art von Tätigkeit. Also mit Begriffen wie human und inhuman kann man hier m.E. überhaupt nicht operieren, sondern die Begriffe human und inhuman sind nur anwendbar auf erzählende Literatur, wo z.B. unter gewissen politischen Aspekten dazu inhumane Literatur geschrieben werden kann, die etwa Gewalttat und Krieg verherrlicht oder Völkermord legitimiert. Das geschieht und ist geschehen auf dem Gebiet der erzählenden Literatur. Und das wird von bestimmten politischen Systemen forciert, in denen Literatur nur eine weitere Art der Machtausübung ist. Und gerade in solchen Systemen hat dann die Literatur, die ihre erste Aufgabe darin sieht, sich als Kunst aus Sprache zu zeigen, es unerhört schwer oder wird überhaupt jeder Möglichkeit der Verbreitung beraubt.

Schmidt: Darf ich noch mal zu dem Punkt kommen, daß Arbeiten wie die von Gertrude Stein oder etwa FINNEGAN’S WAKE nur als einmalige literarische Leistung möglich aber nicht wiederholbar sind.

Jandl: Die Unwiederholbarkeit gilt für jedes gelungene Gedicht.

Schmidt: Ja, das gilt sicher für jedes gelungene Gedicht als ein Gebilde. Aber wenn man jetzt mal einen bestimmten Schreibstil als literarische Entwicklungsmöglichkeit ansieht, also etwa die Art, wie Joyce in FINNEGAN’S WAKE mit über 20 Sprachen wie mit großen mythologischen Zusammenhängen umgegangen wird: Läßt sich so etwas in Form dieser Möglichkeit – ich will nicht sagen wiederholen, aber weiterentwickeln? Oder sind das bestimmte Endpunkte der Entwicklung, die nicht mehr wiederholbar sind, sondern die nur durch Neuansätze beantwortet werden können?

Jandl: Viele literarische Produkte, viele künstlerische Produkte sind Endpunkte einer Entwicklung – große wie kleine. FINNEGAN’S WAKE, wohl auch ULYSSES, sind Endpunkte. Es ist vielleicht überhaupt nicht richtig, dabei von Entwicklung zu sprechen. Endpunkte einer Entwicklung: das ist vielleicht irreführend. Sie sind Endpunkte, sie sind unwiederholbar. Aber man kann Anregungen der verschiedensten Art daraus erfahren, um dann etwas anderes weiterzumachen. Ich glaube, man kann Literatur nicht so sehen, als gäbe es nur einen Weg, oder als sei irgendeine Art von Literatur ein Weg, wo man Schritt für Schritt von Station zu Station – wie auf einem Kreuzweg – bis zur Kreuzigung gelangt, und damit ist der Endpunkt erreicht, vielleicht auch die Grablegung. Das glaube ich nicht. Aber es gibt natürlich ein Panorama, wenn man so will, ein sich veränderndes Panorama. Und der Mont Blanc ist Mont Blanc und wird nicht wiederholt, und der Himalaja ist der Himalaja und wird nicht wiederholt, und der Dachstein ist der Dachstein.

Schmidt: Wir haben anfangs über literarische Möglichkeiten gesprochen, die für den einzelnen interessant und ergiebig sind. Wenn Dir ein Autor Texte schickt und Dich bittet, dazu etwas zu sagen, was sagt Du ihm, was kannst Du ihm sagen? Was sind Deine Gesichtspunkte, fremde Texte zu beurteilen?

Jandl: Ich bekomme mehr Post, als ich lesen kann. Ich bekomme zuweilen auch Post von jungen Autoren, die mir mehr oder minder umfangreiche Proben ihrer Arbeit schicken. Die größten Schwierigkeiten habe ich mit Texten, die sich mehr oder minder offen auf mich, auf meine eigene Arbeit berufen. Die sind meistens ganz schlecht, oder ich habe das Gefühl, sie seien ganz schlecht. Aber ich kann das leider nur so von außen sagen. Ich lese mir das durch und sortiere mir – wenn man so will – die Gedichte nach solchen, die mir gefallen oder die etwas enthalten, was mir gefällt, und solchen, die mir mißfallen, oder die etwas enthalten, was mir mißfällt, und versuche dann, dem Autor zu schreiben, warum mir dies oder jenes gefällt oder mißfällt. Die mögen nun von jemandem sein, der noch nicht zu einem eigenen guten Gedicht gelangt ist. Aber auch an imperfekten Gedichten, die er mir geschickt hat, mag ich Stellen entdecken, die ich für gelungen halte. Dann werde ich ihm entsprechende Hinweise geben, die ihm vielleicht weiterhelfen. Es können aber auch Gedichte sein, an denen ich nichts Positives feststellen kann. Und dann muß ich sie zurückschicken und erklären, daß ich mich nicht für kompetent halte, diese Gedichte zu beurteilen. Ich habe keine Kriterien. Ich habe Kriterien nie von den Texten selber abstrahiert. Es ließe sich wohl tun. Aber ich habe keine Veranlassung gesehen, mir einen Katalog von aus Texten abgelösten Kriterien aufzustellen. Ich beurteile aufgrund meiner Erfahrung mit bestimmten Texten, also z.B. mit Gedichten. Und nichts anderes kann gewünscht sein oder verlangt sein oder erwartet werden, wenn ein beginnender Autor einem endenden Autor eine Auswahl seiner Gedichte schickt mit der Einstellung: Du hast mir so und so viele Jahrzehnte voraus, du hast so und so viel veröffentlicht, du hast dafür den einen oder anderen Preis bekommen, jetzt schau dir mal das an, was sagst du aufgrund deiner Erfahrung dazu. Redlicherweise kann man nicht mehr verlangen.

Schmidt: Nun werden Dir ja nicht beliebige Autoren ihre Texte schicken, sondern ich nehme an, die Dir Texte schicken, haben das Gefühl, daß sie in irgendeiner Weise besonders affin mit Deinem Werk sind.

Jandl: Nicht nur. Aber vielleicht in der Mehrzahl.

Schmidt: Gibt es dabei auch richtige Jandl-Imitationen?

Jandl: Das gibt es. Aber die sind eigentlich immer sehr schlecht, genauer gesagt, sie gefallen mir nicht. Ich will ja keine Imitatoren, ich will nicht zur Imitation anregen. Aber das eine oder andere gelungene Produkt, das sich auf irgendeine Anregung von mir zurückführen läßt, das würde mich schon freuen. Wenn das, was ich geschrieben habe, überhaupt keine Ausstrahlung auf andere, auf nachkommende jüngere Schreibende haben kann, ist das ein gewisser Mangel. Aber Kinder haben es gekonnt. Mit „Ottos Mops“ haben Kinder ganz hübsche Sachen gemacht. Und wenn von diesen vielen Kindern eines – das ist vielleicht auch eine zu große Hoffnung – sich weiter mit Sprache beschäftigt, und sei es auch nur aus dem Bewußtsein heraus, aus dem es meinetwegen „Hannas Gans“ geschrieben hat, dann wäre das schon etwas.

Schmidt: Mit Deinem Namen, mit Deinem Werk ist in den letzten gut 30 Jahren eine bestimmte Entwicklung verbunden. Du hast gerade gesagt, es wäre schön, wenn jemand sich durch einen Text wie „Ottos Mops“ hätte anregen lassen; wie siehst Du Dein eigenes Werk in der Rückschau auf die Literatur der letzten Jahrzehnte?

Jandl: Ich möchte da noch sagen, gerade durch „Ottos Mops“ haben sich ja Kinder anregen lassen, das ist eine Ausnahme. Hier habe ich Beispiele von Texten gefunden, die aus der Anregung durch ein bestimmtes Gedicht von mir entstanden sind. Aber daß jemand durch Gedichte wie „Schützengraben“ oder „Ode auf N“ oder andere angeregt worden wäre, das habe ich eigentlich nicht gesehen, vielleicht habe ich es nicht wahrgenommen. Vielleicht sind das auch die ungeeignetsten Beispiele für eine Anregung. Nun zu Deiner Frage: Wie sehe ich meine Literatur im Gesamtzusammenhang. Sie nähert sich an gewissen Stellen der konkreten Poesie. Vieles davon gehört in den Bereich der experimentellen Dichtung, wenn man den Begriff experimentelle Dichtung überhaupt verwenden mag. Ich weiß, manche tun es nicht, indem sie sagen: Ein Experiment ist eine unabgeschlossene Sache. Ein Experiment ist eine Sache, bei dem man schaut, was herauskommt, und Experimente werden solange durchgeführt, eine Serie von Experimenten wird solange durchgeführt, bis man das hat, was man eigentlich will. Was soll also der Begriff experimentelle Dichtung? Ich verwende den Begriff trotzdem; denn es entspricht durchaus der Herstellungsweise meiner Gedichte, der Dinge, die ich selbst schreibe, daß man einmal schaut, was daraus wird. Daß ich also nicht schon weiß, was daraus wird, weiß was werden soll, sondern einfach schau, was daraus wird. Oft wird nichts daraus. Ich schau halt, was draus wird, was draus werden kann. Und wenn ich es dem Publikum präsentiere, so schau ich auch, ob etwas daraus wird. Und das Publikum, das sich bei Lesungen meine Gedichte oder meine Texte anhört, scheint mir auch daran interessiert zu sein, ob etwas daraus wird. Nämlich ob etwas daraus bei dem Zuhörer, bei ihm als Zuhörer, bei ihr als Zuhörerin geschieht. Und wenn das der Fall ist, dann wird meistens gelacht. Das heißt also, gelacht wird nicht nur, weil es so lustig ist, weil es so komisch ist, sondern gelacht wird auch, wenn es funktioniert hat. Ich bin nicht derjenige, der sein Werk jetzt in den Gesamtkomplex hineinstellt, um dann nun sozusagen seine eigene Stelle im Panorama zu bestimmen. Ich glaube nur, daß wo immer diese Stelle meines Werkes sich befindet, die Stelle meiner Texte sich befindet, diese Stelle doch – wie groß immer und wie klein immer sie sein mag – eindeutig markiert ist als meine eigene Stelle. Und nicht nur deswegen, weil ich mir das so sehnlich gewünscht hätte, sondern doch aus gewissen Gründen, die mir vielleicht bis zu einem gewissen Grad auch bewußt sind, z.B. daß experimentelle Literatur ein gewisses unterhaltsames Moment besitzen kann. Daß sie verbunden sein kann mit Spaß, mit Humor, aber auch mit den verschiedensten menschlichen Gefühlen, auch dunklerer Art, und daß man auch mit großen Abweichungen – sowohl von der Normalsprache wie von der Poesiesprache – ja gerade mittels solcher Abweichungen Menschen sehr direkt treffen kann.
Dann habe ich vielleicht aus Unvermögen, es anders zu tun; gezeigt, daß man im Laufe eines Lebens Gedichte – aber dies im Laufe eines Lebens soll nicht wieder eine Entschuldigung sein, die Sachen laufen oft parallel – daß man sich mit Gedichten verschiedener Art beschäftigen kann. Daß es – jedenfalls für mich – nicht darum geht, konkret zu sein und zu bleiben, falls ich es je war. Ich bin ein Autor, der sich eigentlich immer mit kleinen Formen beschäftigt hat. Auch durch das Stück AUS DER FREMDE hat sich für mich da gar nichts geändert. Denn das Stück ist schließlich eine Aneinanderreihung von Dreizeilern. Literarische Großformen sind meine Sache bisher nicht gewesen und werden es wohl auch nicht sein. Ich sehe mich im Gesamtzusammenhang der gegenwärtigen deutschsprachigen Lyrik. Und ich glaube, daß ich eine Reihe von Gedichten geschrieben habe, die zwar nicht da wären, wenn ich sie nicht geschrieben hätte, ohne daß sie jedoch jemandem fehlen würden.

Schmidt: Das sagst Du.

Jandl: Erst wenn sie jetzt verschwinden würden. Wenn sie verschwinden würden und im Bewußtsein der Menschen noch irgend etwas davon da wäre, würde man vielleicht merken, da fehlt eines oder da fehlen zwei.

Schmidt: Wie ist eigentlich Dein Verhältnis zu Literaturkritikern und Literaturwissenschaftlern? Hast Du das Gefühl, fair behandelt zu werden?

Jandl: Ich glaube, daß beide eine ganz wichtige Funktion haben. Die Literaturkritiker sortieren den Buchmarkt – die Frankfurter Buchmesse meinetwegen – und bringen Möglichkeiten der Überschaubarkeit. Wenn man sich mit Literaturkritikern und ihrem Schreiben eingehender befaßt als ich es tue, wird man – und das wird jedem so gehen, der sich damit befaßt – alsbald merken, welchen Kritikern man eher folgt, wer also für einen schreibt, und wer eben einen anderen Teil des Leserpublikums sortierend bedient. Für die jeweilige Gegenwart ist die Literaturkritik eine sehr notwendige Sache. Die Literaturkritik trägt dazu bei, daß man Autoren und ihre Werke bemerkt. Und die Literaturwissenschaft hat einen ganz großen Anteil daran, daß Werke der Literatur am Leben erhalten bleiben, Werke lebender Autoren und Werke toter Autoren. Und daß dieser ganze Fundus an Literatur, der sich da so anhäuft durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte, immer wieder durchwühlt und immer wieder neu geschichtet wird. Literatur, so wie sie heute produziert wird, wie sie heute verbreitet wird, ist mir ohne eine Fortsetzung dieser Art von Literaturkritik und Literaturbetrieb, der ja schon ziemlich lange anhält, ist mir auch ohne Literaturwissenschaft überhaupt nicht vorstellbar.

Schmidt: Wenn Du die gegenwärtige Situation betrachtest, wo sind für Dich interessante Entwicklungen?

Jandl: Ich tue mich schwer mit dem Wort Entwicklung. Ich betrachte mit einigem Interesse das epische und dramatische Werk von Thomas Bernhard. Ich bin sehr betroffen von Stücken von Heiner Müller. Ich finde den Weg, den Friederike Mayröcker von kurzer experimenteller Prosa zu einer großen epischen Form ohne Story gefunden hat, sich erarbeitet hat, ganz außerordentlich. Ich halte das abgeschlossene lyrische Werk von Reinhard Prießnitz für das vielleicht überzeugendste Beispiel einer nachkonkreten Lyrik.

Schmidt: Und von den Jüngeren?

Jandl: Ich nenne zwei Lyriker: Franz Josef Czernin und Ferdinand Schmatz. Und als Prosaschreiber G.F. Jonke, Bodo Hell, Liesl Ujvary. Als Lyriker fallen mir noch Thomas Kling und Peter Waterhouse ein.

Schmidt: Wie siehst Du die Arbeiten Deiner Generationsgenossen, vor allem aus dem Umkreis der Wiener Schule, aus dem Umkreis der konkreten Dichtung? Jetzt nicht in der Einschätzung dessen, was sie von den 50er bis zu den 70er Jahren gemacht haben, sondern eher in dem, was sie heute produzieren?

Jandl: Ich schätze sehr hoch ein die Arbeiten von Gerhard Rühm auf verschiedenen Gebieten. Etwa auf dem Gebiet des Hörspiels. Sein Hörspiel über das Waldsterben hat mich äußerst beeindruckt. Seine Arbeit insgesamt ist für mich immer sehr interessant, spielt sich auf einem sehr hohen Niveau ab und ist äußerst konsequent. Ich schätze das Werk von Heinz Gappmayr. Hier wird wirklich ein ganz extremer Punkt erreicht. Das letzte, was ich von Achleitner kenne, ist der QUADRATROMAN. Der liegt schon einige Zeit zurück, ist ein erstklassiges Werk. Von Helmut Heißenbüttel gefallen mir die eher erzählende Prosa und die langen Gedichte gut. Der ist sehr witzig. Artmann hat – soweit ich die Dinge kenne – ein hohes Niveau gehalten. Und das typisch Artmannsche ist weiterhin ganz lebendig. Oskar Pastior hat sich m.E. an die Spitze der experimentellen Lyrik gestellt. Ludwig Harig ist ein ganz massiver Erzähler geworden, der hinreißende Sonette schreiben kann und schreibt. Von Eugen Gomringer habe ich erst vor kurzem in einem Ausstellungskatalog ein neues, sehr überzeugendes konkretes Gedicht gelesen, gesehen.

Schmidt: Die experimentelle Literatur hat ja lange als randständig gegolten. Siehst Du, daß diese Literatur die gegenwärtige Literaturszene nachhaltig beeinflußt hat?

Jandl: Sie ist da. Das ist alles, was man verlangen kann.

Schmidt: Und dann geblieben.

Jandl: Und dann geblieben. Und es gibt Literatur von Rang, die ohne die experimentelle Literatur nicht vorstellbar wäre. Aber es war für mich eigentlich nie zu erwarten, daß die experimentelle Literatur sozusagen den Gesamtbereich der Literatur erobert. Genausowenig wie ich erwartet hätte, daß die konkrete Poesie das je tun könnte. Ich meine, wir haben noch einiges zu erwarten an Aufzuarbeitendem, was aus der DDR kommt. Ich nenne Papenfuß-Gorek oder Sascha Anderson. Da wird noch einiges ans Licht kommen.

Schmidt: In den 70er Jahren ist ja sehr viel über die soziale Rolle der Schriftsteller gesprochen worden. Du selber hast dich ja auch z.T. stark engagiert. Siehst Du da, daß sich Dinge zum Guten verändert haben oder wie sähe Deine Utopie einer besseren Situation für Schriftsteller aus?

Jandl: Es haben sich in Österreich sicherlich Dinge verbessert, was, sagen wir, z.B. das Stipendienwesen (Preise aus öffentlichen Mitteln) betrifft und den Sozialfonds für Schriftsteller. Das sind große Veränderungen, große Verbesserungen. Ich muß sagen, eine Utopie einer für den Schriftsteller besseren Gesellschaft habe ich nicht, sehe ich nicht. Die beiden Extreme, mit denen man sich hier beschäftigen muß, sind die folgenden: Jeder, der schreibt, ist Schriftsteller und: aus einem langwierigen, harten, zuerst eigenen Enrwicklungsprozeß und von einem gewissen Punkte an Konkurrenzkampf kamen dann einzelne Schriftsteller heraus. Das Ganze irgendwie unter einen befriedigenden Nenner zu bringen, erscheint mir unmöglich. Schriftsteller als Beruf, da würde ich sagen: für jeden, der es sich leisten kann. Aber am lautesten kommt dieser Ruf nach dem Schriftsteller als Beruf von der Gruppe, von der Vielzahl derer, die sagen: wer schreibt, ist Schriftsteller. Ich bin Schriftsteller, ich schreibe. Dafür gibt es keine Lösung. Außer, die Schriftstellerei wird insgesamt auf den Status eines Hobbys erhoben, Schriftstellerei, Verlegerei wird ein Hobby. Freizeitgestaltung für alle, denen es Spaß macht.

Schmidt: Du glaubst, das ist die Entwicklung in den nächsten Jahren?

Jandl: Nein, sicher nicht. Dann ist es aus.

Schmidt: Also würdest Du auf jeden Fall sagen: Schriftstellerei ist nur als Hauptberuf möglich?

Jandl: Nein. Nein, das würde ich nicht sagen. Sondern Schriftstellerei, sagen wir lieber Literatur, muß in einem überaus harten Konkurrenzkampf sich durchsetzen. Der Konkurrenzkampf beginnt – das habe ich schon gesagt – bei einem gewissen Punkt. Ihm geht voran eine Phase des persönlichen Kampfes, des Kampfes mit sich selber, des Kampfes mit dem eigenen Leben und des Kampfes mit der Literatur, die einem gefällt.

Schmidt: Also Deine Vorstellung ist eher, daß es sich um eine Art von selbstregulierendem System handelt, in dem Literatur Literatur nicht nur produziert, sondern auch kontrolliert und auswählt?

Jandl: Man kann, glaube ich, nicht sagen, daß Literatur von außen her von irgendeiner Macht gesteuert würde. Sondern das geschieht natürlich im sich in ständiger Bewegung befindenden Großbereich Literatur, in dem letzten Endes alle drin sind, die sich mit Literatur beschäftigen. Mit dem Schreiben von Literatur, dem Rezipieren von Literatur, dem Kritisieren, dem Verbreiten von Literatur. Und da drängen immer neue hinein. Einigen gelingt es für einige Zeit, anderen überhaupt nicht. Einige etablieren sich. Plötzlich sind manche davon weg. Ich meine, ich sehe das ganze nicht isoliert von der übrigen menschlichen Welt. Die Literatur ist kein Konzentrationslager. Sondern sie steckt mittendrin. Aber über Distanzen hinweg gibt es dann die Brücken, die Verbindungen, die Informationswege und die Kämpfe. Aber ich glaube, das ist sowieso völlig klar.

Schmidt: Es gibt ja schon Vorstellungen, die ich nicht teile, aber die vertreten werden, daß Literatur weitestgehend von den Verlagen bestimmt, von Kritikern gesteuert wird. Da gibt es Stimmen dafür und dagegen. Die einen sagen: die Kritiker haben einen relativ geringen Einfluß. Andere sagen: sie haben zwar geringen Einfluß auf die materielle Verbreitung, aber einen großen Einfluß auf die Bewertungsstandards und auf die Qualitätseinordnung. Insofern ist es nicht ganz selbstverständlich.

Jandl: Also ich kann kein starres System erblicken. Und ich könnte kein starres System skizzieren.

Schmidt: Können wir noch zu einer letzten Frage kommen. Die konkrete Dichtung und die experimentelle Literatur haben sich immer schon sehr stark auch an anderen Künsten orientiert, an Musik, an Bildender Kunst. Das ist glaube ich vor allem für experimentelle Literatur sehr typisch gewesen. Siehst Du im Moment einen Zusammenhang zwischen dem, was z.B. im Bereich der Literatur passiert und dem, was etwa in der Musik oder in der Bildenden Kunst geschieht?

Jandl: Ich kann das nicht generell beantworten. Ich kann nur sagen, daß ich an Friederike Mayröcker sehe, wie sehr Bildende Kunst und Musik für ihre Arbeit notwendig sind und in ihre Arbeit hineinspielen. Ich sehe das Ineinandergreifen von Musik, Graphik und Text in einer faszinierenden Weise bei Gerhard Rühm. Und ich habe meine eigenen für mich sehr wichtigen Erfahrungen im Zusammenspiel mit Musikern gemacht. Zum Teil Musikern des Jazz, aber auch – etwa im Trio mit Orgel und Posaune – mit klassischen Organisten. Ich glaube aber nicht, daß es in erster Linie oder nur experimentelle und konkrete Poesie sind, die sich eingehend mit den anderen Künsten beschäftigen oder mit den anderen Künsten Kontakte geschlossen haben. Sie haben es gewiß getan. Und die experimentelle Dichtung und die konkrete Poesie waren u.a. auch der – wie ich glaube – gelungenste Versuch nach dem 2. Weltkrieg, die Literatur – vor allem auch die deutschsprachige Literatur – auf die Höhe der beiden anderen Künste zu bringen. Künste, die nicht vom Wort abhängig sind, und die sich daher in einer Zeit, da Europa weitgehend für die Kunst geschlossen war, anderswo – etwa in den USA – entfalten konnten. Und hier war dann – vor allem im deutschen Sprachraum – nach 1945 diese gewaltige Bemühung notwendig, Literatur wiederum zur Kunst zu machen.

Schmidt: Ist für Dich das, was im Moment unter dem Stichwort Postmoderne diskutiert wird, ein interessanter Diskussionszusammenhang?

Jandl: Nein. Ich fange mit dem Begriff der Postmoderne so gut wie nichts an. Wenn er bedeutet: alles ist möglich, alles ist erlaubt, gut. War es bisher anders?

Schmidt: Dahinter steckt die Vorstellung, die Moderne sei zu Ende. Eine Vorstellung, die ich nicht habe teilen können.

Jandl: Das ist auch ein Grund, warum ich diesen Begriff ablehne, bzw. mit ihm nicht umgehe; denn die Moderne kommt immer wieder neu.

Schmidt: Wahrscheinlich stehen hinter dem Konzept Posmoderne auch Entwicklungsgedanken, die Du m.E. zu Recht während des ganzen Gesprächs als eigentlich unangemessen bezeichnet hast. Du siehst den Zusammenhang eher als eine Auswahl von Möglichkeiten, die gesteuert wird von Individuen, von der Art, wie Individuen mit ihrem Leben und mit Literatur und mit Kunst umgehen können und nicht als eine irgendwie geartete lineare Entwicklung.

Jandl: Richtig. Wobei man zu Individuen noch hinzusetzen könnte: Gruppierungen aus Individuen. Wie etwa die Wiener Gruppe.

Schmidt: Hat es eigentlich irgendwelche ähnlichen Gruppierungen gegeben wie die Wiener Gruppe oder gibt es sie?

Jandl: Ja, es hat die Noigandres in Brasilien gegeben. Es hat einmal den Versuch gegeben, eine Stuttgarter Gruppe zu definieren (um Reinhard Döhl, Bense, Heißenbüttel, Mon, Harig). Aber die Wiener Gruppe hat ihre Einzigartigkeit doch durch die Jahre der Zusammenarbeit, der Gemeinschaftsproduktion.

Schmidt: Und das Bielefelder Colloquium?

Jandl: Natürlich, ja.

Schmidt: Aber das ist keine Gruppe.

Jandl: Das ist keine Gruppe. Aber es ist eine sehr wichtige Sache. Ein zentraler Punkt für konkrete und experimentelle Poesie. Wie z.B. auch Heimrad Bäcker mit seinen NEUEN TEXTEN und der EDITION NEUE TEXTE und den Autoren, die sich darum gruppieren, der auch wieder eine Verbindung zu Bielefeld herstellt.

 

ERNST JANDL

Duft
Luft
Gruft
Schuft

Blut gut
Hut Mut

Haus gleich
Schmaus

Schluck
Schluck
Schlucken
ohne
mucken

Magen
Jucken
Innen
zucken
zuckt
zuckt
lahmer
ei der
daus
märchen
aus
jägerlein
messerchen
bauch
hinein
tut nicht
not
rotes
mädchen
tot

Peter Wawerzinek

 

DER GARTEN, FUNKELND WIE SEINE GEWÄSSER
für Ernst Jandl

mit zwei leeren Plastiksäcken über
den Hof, mir entgegen, mit zwei leeren windgeblähten
Plastiksäcken mir entgegen, über den Hof,
Abendessen zu holen für uns, links warum linkerhand
frage ich mich, rechts vermutlich die Zigarette, die
Zerreiszprobe, mir entgegen, linkerhand
die beiden im leichten Wind nach oben gebauschten
Plastiksäcke, statt Einkaufstasche, über
den Hof, mir entgegen, nie mehr zu verwischen
in mir dieses Bild, über den Hof, schwankend,
du, sorgend, linkerhand, und jetzt ja jetzt die
deutliche Erinnerung an die rechterhand
Zigarette, und an die Lippen
geführt, und dein Kusz, und
da ist wieder einer jener seltenen
Wahrheitsmomente, für die es sich lohnt weiter
zu leben, um derethalben
ich dich zu lieben glaube, zum Beispiel
Tremolo so verflochten, während ich,
Irrwisch, die Augen beschattend, dasz
schwimmenden Spiegels Spur
darin
du nicht sehen sollst

Friederike Mayröcker

 

Wie man den Jandl trifft. Eine Begegnung mit Ernst Jandl, eine Erinnerung von Wolf Wondratschek.

Ernst Jandl im Gespräch mit Lisa Fritsch: Ein Weniges ein wenig anders machen.

Eine üble Vorstellung. Ernst Jandl über das harte Los des Lyrikers.

Ernst Jandl und die Musikaus der Ö1 Sendung: „Ernst Jandl und Musiker:innen“ vom 1.8.2025

Lieder nach Ernst Jandl Anna Mabo und Clemens Sainitzer am 26.7.2025 beim Festival Glatt & Verkehrt in Krems

Christian Muthspiels historisches Jandl-Solo für und mit ernst im Rahmen des Brucknerfests 2008

Weltgebräuche am 26.10.1986 in der Grazer Stadtpfarrkirche mit Ernst Jandl, Rezitation, Martin Haselböck, Orgel, und Christian Muthspiel, Posaune

 


 

Zum 65. Geburtstag des Autors:

Hans Haider: Die Berliner tageszeitung gratuliert zum 65. Geburtstag

Zum 70. Geburtstag des Autors:

Karl Riha: „als ich anderschdehn mange lanquidsch“
neue deutsche literatur, Heft 502, Juli/August 1995

Nils Jensen: Interview mit Ernst Jandl. Laudatio für einen lauten Dichter
Buchkultur, Nr. 35, Oktober 1995

Hans Haider: 1994 und 1995 – Zweimal ein 70. Geburtstag
Hans Haider: Ernst Jandl 1925–2000. Eine konkrete Biographie, J.B. Metzler, 2023

 

Fakten und Vermutungen zum Autor + Instagram + KLGIMDbPIAÖM + IZA + Archiv 1, 2 & 3Internet Archive + Kalliope + Georg-Büchner-Preis 1 & 2 + weiteres 12
Porträtgalerie: akg-images + Autorenarchiv Isolde OhlbaumAutorenarchiv Susanne Schleyer + Brigitte Friedrich Autorenfotos + deutsche FOTOTHEKGalerie Foto Gezett + gettyimages + IMAGOKeystone-SDA
shi 詩 yan 言 kou 口
Nachrufe auf Ernst Jandl: der FreitagDer SpiegelDer Standart ✝ Die WeltDie Zeitgraswurzelrevolution ✝ Schreibheft ✝ Süddeutsche Zeitung ✝ Buchkultur

Weitere Nachrufe:

André Bucher: „ich will nicht sein, so wie ihr mich wollt“
Neue Zürcher Zeitung, 13.6.2000

Martin Halter: Der Lyriker als Popstar
Badische Zeitung, 13.6.2000

Norbert Hummelt: Ein aufregend neuer Ton
Kölner Stadt-Anzeiger, 13.6.2000

Karl Riha: „ich werde hinter keinem her sein“
Frankfurter Rundschau, 13.6.2000

Thomas Steinfeld: Aus dem Vers in den Abgrund gepoltert
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.6.2000

Christian Seiler: Avantgarde, direkt in den Volksmund gelegt
Die Weltwoche, 15.6.2000

Klaus Nüchtern: Im Anfang war der Mund
Falter, Wien, 16.6.2000

Bettina Steiner: Him hanfang war das Wort
Die Presse, Wien, 24.6.2000

Jan Kuhlbrodt: Von der Anwesenheit
signaturen-magazin.de

Zum 90. Geburtstag des Autors:

Alexander Kluy: „Und was wirst du dann sagen?“
Buchkultur, Österreich Spezial, 2015

 

Zum 20. Todestag des Autors:

Gedanken für den Tag: Cornelius Hell über Ernst Jandl
ORF, 3.6.2020

Markus Fischer: „werch ein illtum!“
Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, 28.6.2020

Zum 100. Geburtstag des Autors:

Thomas Schmid: „Wir haben uns von dem, was die moderne Welt zur Hölle macht, seit 1945 noch nicht getrennt“
Die Welt, 31.7.2025

Klaus Nüchtern: Der Dichter gehört gehört
FALTER, 29.7.2025

Marcus Golling: So wie Ernst Jandl wird kein anderer jemals jandeln
Südwest Presse, 30.7.2025

Maria Renhardt: Ernst Jandl zum 100. Geburtstag: Gedichte[,] die nicht kalt lassen
Die furche, 31.7.2025

Peter Gnaiger: ottos mops trotzt: Zum 100. Geburtstag von Dichter-Legende Ernst Jandl
Salzburger Nachrichten, 25.7.2025

Tobias Stosiek: Ein „Sprachenschmutzer“
BR Klassik, 1.8.2025

Teresa Präauer: „die welt ist laut / laut ist schön!“
Süddeutsche Zeitung, 31.7.2025

Thomas Blum: t-t-t-t / t-t-t-t!
nd, 31.7.2025

Bernd Melichar: „Was ich will sind Gedichte die nicht kalt lassen“
Kleine Zeitung, 31.7.2025

Bernd Noack: Rinks oder lechts – die Richtung stimmt immer nie: Ernst Jandl zum 100. Geburtstag
NN.de, 31.7.2025

Florian Neuner: „auf den schaufeln von worten“
junge Welt, 1.8.2025

Michael Luisier: Der steinige Weg des Genies
SRF, 1.8.2025

Paul Jandl: Depressionen und Krisen quälten ihn – nur der Witz konnte ihn von sich selbst befreien
Neue Zürcher Zeitung, 1.8.2025

Walter H. Krämer: Ernst Jandl: Ottos Mops kotzt
evangelisch.de, 1.8.2025

Ronald Pohl: 100 Jahre Ernst Jandl: Erst durch seine Dichtung werden die Spießer lebendig
Der Standart, 1.8.2025

Ernst Jandl zum Hunderter: Neun Menschen erinnern sich
Die Presse, 1.8.2025

Peter Mohr: Wenn Ottos Mops kotzt
titel-kulturmagazin.net, 1.8.2025

Arne Rautenberg: du sein blumenbein
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1.8.2025

Christoph Hartner: Er hat uns eine ganz neue Sprache hinterlassen
Kronen Zeitung, 1.8.2025

Post macht Marke – Jandl macht Sprache
ots.at, 14.10.2025

Bernhard Fetz: „Bei Jandl findet man die Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts repräsentiert“
hr2.de, 1.8.2025

 

 

Bild von Juliane Duda mit den Texten von Fritz Schönborn aus seiner Deutschen Dichterflora. Hier „Jandldadei“.



Peter Wawerzinek parodiert Ernst Jandl.

 

Ernst JandlDas Öffnen und Schließen des Mundes – Frankfurter Poetikvorlesungen 1984/1985.

 

Ernst Jandl … entschuldigen sie wenn ich jandle.

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„Suppe Lehm Antikes im Pelz tickte o Gott Lotte"

Hormon

hohe Norm; roher Mohn. – Mormon mit Horn im Moor.

Michel Leiris ・Felix Philipp Ingold

– Ein Glossar –

lies Sir Leiris leis

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