Anna Griva: Glaub den Wörtern nicht. Sieh hin

Mashup von Juliane Duda zum Buch von Anna Griva: Glaub den Wörtern nicht. Sieh hin

Griva-Glaub den Wörtern nicht. Sieh hin

HERRENLOS IN DEN MEEREN

In meinem Auge trage ich einen Fisch;
jeden Morgen gleitet er von den Lidern
und läuft herrenlos in die Meere.
Seine Atemzüge bringen
die Oberfläche des Wassers zum Zittern,
und die Kinder lachen darüber,
dass irgendein verrückter Taucher
nach Schätzen jagt im flachen Wasser der Lagunen.

In der Nacht kehrt er zurück in seine Höhle,
auf meiner Iris macht er sich sein Bett,
und so schwimmen die Farben
zu dunklen Felsen hinaus.

Wenn ich noch eine Träne sehe auf einem Gesicht,
begebe ich mich zur Welle:
Irgendein Fischchen, denke ich,
will dem Auge einen Streich spielen,
aus dem es geboren wurde.
Deswegen schreie ich es auch an
und jaule wie ein Horn,
dass es Vorfahren hat auf den Inseln
und Engel auf einsamen Klippen,
es soll endlich nachhause zurückkehren,
und faulenzen in den Herzen.

Vielleicht trocknet dann irgendwann
die Qual der Menschen aus.

 

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Anna Griva, geb. 1985 in Athen,

hat Griechische und Italienische Philologie in Athen und Rom studiert. Sie unterrichtet Kreatives Schreiben an der Offenen Universität Athen und ist Übersetzerin italienischer Literatur der Renaissance.
In ihren vier bislang veröffentlichten Gedichtbänden erweist Anna Griva sich als Meisterin ganz unterschiedlicher Arten poetischen Sprechens – von autobiographisch geprägten Gedichten über Neuinterpretationen antiker Mythen bis hin zum Sprachexperiment. Die hier vorgelegte Auswahl versucht, Vielfalt und Qualität ihres spannenden Werkes einzufangen.

Verlag Reinecke & Voß, Klappentext, 2019

 

Beiträge zu diesem Buch:

Kristian Kühn: Beschwörung des Weiblichen
signaturen-magazin.de

Monika Vasik: Ein Körnchen Wasser auf dem Rücken der Wüste
fixpoetry.com, 9.5.2019

Bernd Leukert: Im Zeichen der Eule
faustkultur.de, 3.7.2020

 

Fakten und Vermutungen zur Autorin

 

Anna Griva liest (β’) …

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