2018-07-21

Titelbild von Juliane Duda zu der Beitragsserie „Felix Philipp Ingold: Endnoten“

Mir fehlt mehr und mehr der Impuls, die Ambition „zum Werk“, das Interesse, für andere „etwas zu sagen (zu haben)“, die Lust, mich als Autor am Wissenschafts- oder Literaturbetrieb zu beteiligen.
Nicht zuletzt fehlt mir das eigentlich doch selbstquälerische Bedürfnis, gelobt zu werden von Leuten, die mich mit Lob abfertigen – ich hab das hin und wieder (in besseren Zeiten) bei Preisverleihungen erlebt mit Juroren, die das Blaue vom Himmel über mich herab schwadronierten, ohne begriffen zu haben, wie und wozu ich bewerkstellige, was sie so wortreich herausstellen.
Das schwindende … das geschwundene Interesse, nach aussen zu treten, hat vermutlich auch damit zu tun, dass ich mich mit der Unergiebigkeit meiner Machenschaften allmählich abfinde und mir sage, dass ich die rasch knapper werdende Restzeit lieber in meiner Bibliothek und in meinem Wald verbringe, lieber lesend und reflektierend als schuftend und publizierend.
Meine Bibliothek ist die über Jahrzehnte herangewachsene, von meinem Atem imprägnierte Tapete eines ansonsten uninteressanten Lebens, ist intimer Teil oder zumindest intimes Dokument davon, in ihrer Zusammensetzung vermutlich ebenso wenig zu begreifen wie als Zeugnis meines intellektuellen Werdegangs.

 

aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne

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