Schon gegen neun Uhr vormittags steht in und über meinem Baumgarten ein Schub von Mittagsglut.
Seltenster Augenschein: Kein Blatt rührt sich, auch die höchsten Wipfel ragen völlig reglos. Sieht aus, als wären sie eingesprüht mit einem unsichtbaren Festigungslack.
Und plötzlich, auf dem Pfad in den obern Gartenteil, ein Blättchen vom Apfelbaum, das vor mir unbewegt in der Luft hängt, da hängt’s, als hätte es sich definitiv von der Schwerkraft befreit. Befreit!
Aber nein, bei näherem Hinsehn wird klar, dass das in sich gekrümmte schwarzfleckige Blatt von einem einzelnen Spinnwebfaden im Freiraum zwischen den Hecken gehalten wird, vorm Fall bewahrt.
Vielleicht eine Minute hat das Staunen … hat mein Staunen gedauert, bis ich, einigermassen erleichtert, begriff, dass eben doch alles „der Fall“ ist unterm Gesetz der Erdanziehung.
Erleichterung? Erleuchtung? Die Anekdote vom Fall des Apfels bei Newton ist ein Beispiel ästhetischer − sinnlicher − Erkenntnis.
aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne








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