Was man nicht sagen kann, darüber soll man schreiben.
Heute ist so ein unsäglicher Tag, jedes Wort dafür unzureichend, also überflüssig. Und doch drängt es sich auf … und doch drängt es mich, dazu kurz ein paar Sätze zu notieren, die mehr (und anderes) bieten als ein seliger Seufzer oder ein Schnappschuss mit der Camera.
Ich verbringe diesen gleissenden spätherbstlichen Vormittag am Rand der frisch gemähten Wiese, liege hemdsärmelig auf meiner Pritsche; der wolkenlose Himmel, durchkreuzt von zwei markanten Kondensstreifen, zeigt sein tiefstes, von keinem Namen getrübtes Blau; die Bäume in der Runde und der Wald im Hintergrund bieten dagegen die wärmsten Farben auf – Gelb, Braun, Rot in vielen Abstufungen, dazu weiterhin eine reiche Skala von Grün, ebenso eklatant wie im Sommer, die Blätter kräftig, scharf konturiert, leicht glänzend; die Luft lind, sie kommt in sanften Stössen unters Hemd; am Wiesenrand und unter den Bäumen äugen viele frisch aufgeblühte, meist winzige Blumen, allesamt fein eingefärbt – violett, mauve, hellblau, dunkelblau, rotblau; die Vögel zwitschern und pfeifen, als ginge es schon wieder um die Paarung, um Nestbau; der Jubel des Frühlings weht herauf in den Herbst …
Märzember müsste dieser Monat heissen.
Geradezu zärtlich drängt sich hier der Klimawandel auf.
aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne








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