2019-01-01 

Titelbild von Juliane Duda zu der Beitragsserie „Felix Philipp Ingold: Endnoten“

Der Jahreswechsel hier in meinem provinziellen Refugium geschieht ohne Böller, ohne Feuerwerk und Kirchengeläut; einzig ein kleiner Trommlertrupp, weiss kostümiert und mit aufgesetzten Totenmasken, zieht tagsüber ab und an durch die menschenleeren Gassen – ein alter Brauch vor Ort; unklar, ob mit dem freudlosen Getrommel das alte Jahr ausgetrieben oder das neue begrüsst werden soll. Um Mitternacht unversehens ein Einzelgänger, der vor meinem Gartenfenster, knapp zwei Meter von meinem Bettrand entfernt, kurz haltmacht, ein paarmal sehr sanft auf eine Pauke schlägt und gleichzeitig ein feines sirrendes Geräusch erzeugt, mit einer Maultrommel vielleicht, oder mit einem Strauss von Hahnenschwänzen. Ich war schon eingeschlafen, bin davon aufgewacht und … aber die Störung empfand ich wie einen … nun ja, wie einen Engelsgruss.

 

aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne

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