Einer der grossen Toreros des 20. Jahrhunderts, Antonio Bienvenida, ist kurz nach seinem altersbedingten Rückzug aus der Arena an den Folgen eines tragischen Unfalls gestorben. Bei der Begutachtung einer Kuh, die für die Aufzucht von Kampfstieren eingesetzt werden sollte, wurde er von dem Tier unerwartet angegriffen und tödlich verletzt.
Dass nicht die Niederlage im Stierkampf, nicht ein „Tod in Schönheit“ Bienvenidas ruhmreiches Leben besiegelte, sondern das Horn eines sanften Muttertiers, nimmt sich wie die nachträgliche Verspottung eines Toreros aus, der einst bis zu sechs Kampfbullen an einem einzigen Tag niedergemacht hatte.
Man kann’s auch, mit ein wenig Aberglauben, anders sehen. Hat nicht vielleicht die Zuchtkuh, deren Nachkommen in der Arena öffentlich exekutiert werden sollten, vorab Rache genommen an einem Mann, dem im Verlauf seiner Karriere Hunderte von Stieren zum Opfer gefallen waren?
Als der landesweit verehrte Bienvenida bei seinem offiziellen Rücktritt nach allfälligen Zukunftsplänen gefragt wurde, hatte er hochgemut geantwortet: „Ich werde lernen müssen, nichts mehr zu sein.“
[Nach einem Bericht von Michel Leiris.]
aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne








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