Viele Tiere kreuzen meinen Weg, wenn ich meinen täglichen Marsch durch Feld und Wald absolviere – Füchse, streunende Hunde und Katzen, versprengte Rehe, flitzende Vögel und Insekten aller Art, am seltensten ein Mensch.
Bin jedesmal irritiert, wenn ich meinesgleichen begegne, frage mich, was der von mir wohl haben oder wissen will; ob er mich gleich niederschlagen oder umarmen wird; ob es sich – was aus der Ferne nicht erkennbar ist – um einen Doppelgänger, einen Wiedergänger handelt, vielleicht auch nur um eine Sinnestäuschung.
Derweil kommt er näher, ist bald schon auf Augenhöhe mit mir, und nun?
Was geht er mich an! Was geh ich ihn an? Schon ist er vorbei. Kurz drehen wir uns nacheinander um, doch da ist nur einfach der ausgetretene Weg, der uns trennt, und der wimmelnde Ameisenpfad, der ihn wie ein Reissverschluss zusammenhält.
aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne








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