Heinz Pionteks Gedicht „Terra incognita: Gedichte“

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HEINZ PIONTEK

Terra incognita: Gedichte

Hier
noch ein weißer Fleck
und ich, der Eingeborene.

Hier
sind Druckbuchstaben
meine Fußstapfen.

Hinter
ausgestrichenen Wörtern
lauere ich.

Hole mich mit deinem Blick
in die bewohnte Welt.

nach 1960

aus: Heinz Piontek: Früh im September. Werke in 6 Bänden. Bd. 1: Lyrik. Schneekluth Verlag, München 1982

 

Konnotation

Ich vermute, dass derjenige ein Gedicht am genauesten interpretiert, der es mehrere Male hintereinander kommentarlos vorliest“, sagte der in Schlesien geborene Schriftsteller Heinz Piontek (1925–2003). Diese Überlegung macht Lyrik einerseits zu einem unbefragbaren Wert, der der Diskussion entzogen wird. Andererseits hat Piontek den Vorgang des Schreibens selbst immer wieder kritisch in den Blick genommen.
Ist Lyrik auch eine Welt, ein bewohnbares Land? Das fragt das Gedicht „Terra incognita“. Der Dichter stellt sich hier distanziert dar. In den Augen von „Zivilisierten“ wäre er als der „Eingeborene“ mehr oder weniger barbarisch; einer, der noch im Stadium des (Worte) jagenden Höhlenmenschen lebt. Die beiden letzten Zeilen spitzen den klassischen Konflikt zwischen „Leben“ hier und „Literatur“ da zu: Der Dichter als einsamer Insulaner sehnt sich nach einem Mitmenschen. Dieser romantische Topos wird durch den bescheidenen Duktus des Sprechens unterlaufen; man glaubt dem Ich seine Sehnsucht.

Sabine Peters (Gedichtkommentar) Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2011, Verlag Das Wunderhorn, 2010

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