Raphael Urweiders Gedicht „lea schaue ich den mond an“

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RAPHAEL URWEIDER

lea schaue ich den mond an

lea schaue ich den mond an
der langsam voll wird denke
ich nicht an dich der mond
hat mit dir gar nichts gemein
lea seine bleiche seine schroffe
seine helle knochenweiße
oberfläche gleicht dir ganz
und gar nicht und doch liebe
lea denke ich an dich ob ich
den langsam vollen mond
nun sehe oder nicht da ich
bereits bevor ich ihn sah lea
vor allem an dich dachte

2007/2008

aus: Raphael Urweider: Alle meine Namen. DuMont Buchverlag, Köln 2008

 

Konnotation

Woher nimmt dieser Autor nur seine poetische Heiterkeit? Dabei müsste der eigene phänomenale Erfolg dem vielbegabten Berner Lyriker, Rapper und Musiker Raphael Urweider (geb. 1974) doch allmählich unheimlich werden. Es hat nicht viel gefehlt, und Urweider wäre im September 2007 zum alternativen Schweizer Kulturminister gekürt worden. Die Bürde des ministeriellen Amtes blieb dem Dichter erspart – dafür durften sich seine Leser 2008 an seinen Gedichten von der Liebe und der Liederlichkeit erfreuen.
Der versierte Sprachspieler Urweider folgt in seinen Liebesgedichten einem Verfahren des Liebesartisten Don Juan, der einst eine Liste mit über 1.000 Geliebten anfertigen ließ. Urweider begnügt sich mit zwei Dutzend Geliebten und ihren magischen Namen, denen er sein „Alphabet der Liebe“ widmet. Sein Liebes-Reigen erfasst alle 26 Buchstaben des Alphabets, wobei Triumphe wie Niederlagen verzeichnet werden. Die traditionelle romantische Parallelführung von Mond-Beschwörung und Liebes-Gesang hat er hier ironisch unterminiert. Der Mond erscheint als ein kaltes, totes Terrain – und wird schließlich unwichtig im Blick auf die vom Dichter vergöttlichte Lea.

Sabine Peters (Gedichtkommentar) Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2011, Verlag Das Wunderhorn, 2010

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