Michail Lermontow

Mein Haus

Mein Haus steht überall, gehört zum All,
aaaaaZu jenem Raum, in dem nur Klänge schweben –
Des Lebens unentwegter Funkenfall.
aaaaaEs ist das Haus, zu dem die Dichter streben.

Sein First ragt hoch bis zu den Sternen,
aaaaaWeit ist die Wanderschaft von Wand zu Wand.
Der Hausbewohner misst die leeren Fernen
aaaaaMit seiner Seele, nicht mit Blick und Hand.

Gerechtigkeit ist ein Gefühl des Herzens,
aaaaaIst heilig wie das Korn der Ewigkeit:
Der Lauf der Zeit und Räume ohne Grenzen
aaaaaSind hier in einem Augenblick vereint.

Ein Werk der Himmelsmacht ist dieses Haus,
aaaaaSo schön gebaut für höhere Gefühle,
Darin zu leiden wählt mein Los mich aus,
aaaaaKein Ort, der besser mir dafür gefiele. 

1830, 1831 

[Als Vertonungsvorlage aus dem Russischen übersetzt für den Komponisten Walter Zimmermann.]

 

aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

0:00
0:00