Hans Magnus Enzensberger: Die Geschichte der Wolken

Enzensberger-Die Geschichte der Wolken

ASTROLABIUM

Tympanon, Mater und Limbus:
vergangene Wörter aus Messing.
Wer wüßte schon, mit Alhidade,
Spinne und Regel, die Höhe der Sonne,
böhmische und babylonische Stunden
und den Stand der Gestirne
zu bestimmen, mit bloßen Händen?

Auf der Planisphäre das gestochene Bild
der Himmelskugel, Azimute,
Almukantarate und Horizont,
und über ihr kreisend ein zartes Netz
aus feinen Stegen, an deren Spitzen
Aldebaran, Rigel, Antares und Vega
zu sehen sind. Umgewendet
lassen Zodiak und Schattenquadrat
Horoskope berechnen, die Höhe
von Türmen und Gipfeln erkennen.

Ein Kalender, eine sinnreiche Sternenuhr,
ein Orakel, ein analoger Computer,
der im Museum schläft – altes Eisen
für Astronomen, die nichts mehr sehen.
Nur die fehlfarbenen Schemen des Bildschirms
und endlose Zahlenkolonnen.
Immer tiefer, in immer fernere Galaxien
blickt die erblindete Wissenschaft.

 

 

Inhalt

Hans Magnus Enzensberger schaut in diesen 99 Meditationen genau hin: Die Wolken sind ihm Fremdes und Gleichnis menschlichen Lebens. Er hält das einzelne Kleine, das Flüchtige fest und gibt ihm die Würde des Moments; und er fragt nach dem Ewigen, sucht das Gesetz, in dem Geborenwerden und Sterben nur zwei Seiten des Vergänglichen sind. „Das Ende der Welt kommt ohne Beobachter aus“, heißt es, aber so lange läßt Enzensberger sich die Neugier nicht nehmen. Und nicht die Gelassenheit, sich mit einer Spezies zu beschäftigen, von der eines feststeht: „daß sie uns überleben wird / um ein paar Millionen Jahre / hin oder her“.

Suhrkamp Verlag, Ankündigung

 

Die Schelme des Himmels

− Hans Magnus Enzensberger hat sich in der Geschichte der Wolken selbst entdeckt. –

Wenn sich die Lyrik besonders zeitgenössisch gerieren möchte, erweitert sie gerne ihren poetischen Wortschatz um das jüngste Vokabular der Naturwissenschaften. Formeln werden dann zu Chiffren, Fachbegriffe zu Allegorien. Je laienhafter das Verständnis, desto bedeutungsschwangerer das lyrische Beben. Natürlich ist die Poesie stets auf der Suche nach neuen Metaphern – und da auch ihr nicht immer ein Kornfeld in der flachen Hand wächst, hilft oft nur der Semantik-Transfer aus den Naturwissenschaften. So entsteht die Poetik der dritten Kultur: Was immer der Fortschritt an neuen Erkenntnissen anschwemmt, gleich wird es in Zeilen gebrochen und zur Metapher verabsolutiert. In einer verschwiemelten Synthese aus Präzision und Mysterium werden dann die je kleinsten Bausteine der Materie beschworen, als handle es sich um Van Goghs Bauernschuhe – ein eisiger Hauch von ungefiltertem, nackten Sein. Dabei ist es in aller Regel eine poetische Erschleichung, denn die Wahrheit dieser Bildwelt ist eine auf Treu und Glauben geliehene. Die Dichter – so resümieren wir – sollten die Quanten, Quarks und Strings den Teilchenbeschleunigern überlassen. Die sind, wenn es hart auf hart kommt, genauer.
Im lyrischen Werk von Hans Magnus Enzensberger begegnet dieses naturwissenschaftlich-semantische Tuning immer wieder – und diese Gedichte sind gewiss nicht seine besten. Sein jüngster Gedichtband aber, Die Geschichte der Wolken. 99 Meditationen, macht etwas anderes: Denn dort, wo die Naturwissenschaft in ihrem notwendigen Reduktionismus die Phänomene selbst zu beseitigen droht, da bringt sich der Lyriker Enzensberger ins Spiel, um das Eigenrecht der höheren Ordnungen, der emergenten Formen zu verteidigen. Nach der Lektüre dieses wunderbaren Gedichtbandes möchte man Enzensberger regelrecht den Sänger der Emergenz nennen. Mit den Mitteln seiner transparenten, versatilen, hochökonomischen Sprache nimmt er all jene Phänomene in den Blick, die die Naturwissenschaft als bloßen Schein auf ihre Entstehungsbedingungen zurückführt und um die Ecke bringt.
Und in der Tat kann man sich für ein solches Unternehmen keinen besseren Gegenstand als die Wolken vorstellen, diese Emergenz-Gaukler, die – auch wenn sie nur aus H2O bestehen – sich zu gestischen und mimischen Formen gestalten und umgestalten, denen nur dogmatische Blindheit eine eigenständige, emergente Qualität absprechen kann.
Wolken sind Grenzgänger, für kurze Momente von markantester Individualität, ehe sie sich wieder in amorpher Anonymität verlieren. Sie erzeugen Bedeutungen am laufenden Band und lösen sie schon mit der nächsten thermischen Drehung wieder auf. Wie Proteus sind sie vielgestaltig und nie zu fixieren – in ihrer eigentümlich hyperplastischen Ontologie graziös spielend auf dem Grat zwischen Sein und Vergehen:

So wie sie unmerklich vergehen,
haben sie keine Ahnung vom Sterben.
Ihrer Vergänglichkeit kann sowieso
keiner das Wasser reichen.

Die Geschichte der Wolken ist ein Zyklus aus zwölf Gedichten, der den gleichnamigen Gedichtband beschließt. Die Wolken „äffen alles, was fest ist, nach“. Sie sind Artisten der Selbstorganisation („Das eine von ihnen mißraten wäre, / wird so leicht niemand behaupten… Und das alles ohne Gehirn!“), „fliegende Bilderrätsel“, deren permanente Evolution keinen Fortschritt kennt, nur „Variationen noch und noch“. Anders als der gestirnte Himmel über uns lassen sie sich auf keine festen Bahnen festlegen – und werden gerade damit zu schelmischen Inbegriffen der spezifisch Enzensbergerischen reuelosen Wandlungslust. Denn natürlich: Wo immer die Gedichte von den Wolken sprechen, sprechen sie auch von sich selbst – und damit vom Verfasser dieser wolkengleich leichten Gedichte: „Leider, mit ihrem Leumund / steht es nicht zum besten.“ Es sei kein Verlaß auf sie, heißt es. Überhaupt haben sie kein spezifisches Eigengewicht und entziehen sich so jeder Identifizierung. „Schwere Vorwürfe, / zu schwer vielleicht, / für das was so schwebend lebt.“
Ob aber die Schönheit und der überschießende Formwille in den Wolken selbst oder nur im Auge des Betrachters liegt, ob Enzensberger die Wolken anthropologisiert oder die Dichtkunst metereologisiert, diese hochnotpeinliche Frage wird man derart schwebenden Gebilden wie Wolken und Gedichten nicht abpressen wollen. In ihrer Unentscheidbarkeit liegt ja ohnehin der erkenntnistheoretische Mehrwert dieser Wolken-Phänomenologie.
Enzensbergers letzter Gedichtband hieß: Leichter als Luft. Nun scheint Die Geschichte der Wolken diesen Komparativ noch einmal zu steigern. In Deutschland gehört die Selbstanklage in Sachen Tiefe und Schwere zwar schon seit längerem zum guten Ton. Wenn aber einer die Gesetze der Schwerkraft wirklich hinter sich gelassen hat und geradezu anstrengungslos als „fliegender Robert“ durch die Lüfte der Poesie schwebt, dann ist das Misstrauen gleichwohl sofort zur Stelle, ob da nicht doch die Grenze zwischen leicht und leichtfertig überschritten sei. Es ist gerade Enzensbergers Meisterschaft, die ihn an dieser Flanke verwundbar macht. Ein Stolpern zumindest würde den Schwierigkeitsgrad anschaulicher vor Augen führen: Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer.
Die ästhetische Leichtigkeit aber hat auch ihre moralischen Implikationen. Denn das Glücken der Form scheint ein Reflex des gelingenden Glücks zu sein. Warum, so mag sich mancher Leser herausgefordert fühlen, lässt sich dieser Enzensberger nicht vom Leid der Welt herunterziehen? Dabei wird das irdische Elend in den sechs Kapiteln des Buches keineswegs ausgeblendet. Aber doch in einen so weiten kosmologischen Kontext gesetzt, dass es zwar nichts von seiner Dringlichkeit, aber doch viel von seiner Exklusivität verliert. In der Geschichte der Wolken ist Enzensberger geradezu eine umgepolte Kassandra, die hartnäckig an jenes Glück erinnert, das ihre Zeitgenossen einfach nicht wahrhaben wollen: Natürlich sei, bekräftigt die „Astronomische Sonntagspredigt“, diese Welt ein Irrenhaus:

Doch erlaubt mir bitte,
in aller Bescheidenheit zu bemerken,
daß es alles in allem
ein ziemlich günstiger Wandelstern ist,
auf dem wir gelandet sind,

der reinste Rosenhag,
im Vergleich zum Neptun.

Diese Weite des Blicks aber bleibt konkret, sie verliert sich nie im Unendlichen: „Mit dem Unendlichen ist nicht gut Kirschen essen.“ Diese Warnung vor der Metaphysik gilt auch für das Leichte. Es ist hier keine puristische Essenz, das von allem Beiwerk Befreite, die letzte noch artikulierbare ontologische Formel – oder was sonst im Steinbruch der Moderne dem Wortmetz an heroischer Selbstbeschränkung abverlangt wird. Im Gegenteil: Das Überflüssige, hüte es. Viel nämlich / bleibt nicht von dir, wenn du es fortwirfst.

Ijoma Mangold, Süddeutsche Zeitung, 30.6.2003

Der Abschüttler

− Hans Magnus Enzensberger und die Kunst des Ballastabwerfens.−

Zu den am häufigsten zitierten Versen dieses großen Lyrikers zählen die ersten Zeilen des Gedichts „Der fliegende Robert“:

Eskapismus, ruft ihr mir zu
vorwurfsvoll.
Was denn sonst, antworte ich
bei diesem Sauwetter! –

So oft sind diese Zeilen zitiert worden, daß mancher sie schon für das ganze Gedicht halten mag. Aber es geht weiter, und was noch folgt, lohnt die Lektüre. Die letzten Zeilen lauten:

Ich hinterlasse nichts weiter
als eine Legende,
mit der ihr Neidhammel, wenn es draußen stürmt,
euern Kindern in den Ohren liegt,
damit sie euch nicht davonfliegen.

Gut zwanzig Jahre alt ist dieses Gedicht, und die Legende seines Verfassers ist in diesem Zeitraum noch einmal beträchtlich größer geworden. Erfolg und Ruhm genießen auch andere Schriftsteller in Deutschland, aber das Wort Legende schmiegt sich keinem so widerstandslos an wie Hans Magnus Enzensberger. In ihm, so die Fama, haben wir einen, der ist schneller als die anderen. Heller und klüger als der Rest, geschickter und gewitzter, gescheiter und gewandter. Beweglicher eben. Ein Equilibrist, jeglichem Stillstand abhold. Und deshalb von uns, den Fußlahmen, Schwerfälligen, kaum auch nur mit Blicken zu verfolgen. In Hans Magnus Enzensberger, so die Legende, da haben wir einen, der ist seiner Zeit immer ein Stückchen voraus.
Aber ist das nicht alles ganz falsch? Ist Hans Magnus Enzensberger nicht geworden, was er ist, weil er sich auf Wettläufe, die nicht zu gewinnen sind, schon lange nicht mehr einläßt? Nicht, daß er die Mühe scheute, oder daß er kein Herz für aussichtslose Unterfangen hätte. Aber auf sichere Niederlagen läßt er sich nur ein, wenn Kapital daraus zu schlagen ist, intellektuelles Kapital. Und poetisches. Wohl keiner seiner Lyrikbände läßt dies so deutlich erkennen wie der jüngste, Die Geschichte der Wolken mit ihren „99 Meditationen“. Mit diesem Buch gibt sich Enzensberger als Apologet der Beharrlichkeit zu erkennen – und als Entschleuniger. Die Schärfe seiner Beobachtung verdankt sich eben nicht der höheren Geschwindigkeit, sondern der geringeren. Wenn Enzensberger, der den Dingen gern auf Augenhöhe begegnet, hier einmal als Beobachter einen höheren Standpunkt einnimmt, der besseren Aussicht wegen, dann tut er das nach Art des Ballonfahrers, der sich langsamer im Äther bewegt als jeder andere Mensch. Mit ihm teilt Enzensberger noch eine andere Kunst, die schönste und gefährlichste vielleicht von allen. Es ist die Kunst, Ballast abzuwerfen.

Ja, ich habe es vermieden,
bis zur letzten Patrone zu kämpfen.
Unterlassen habe ich es,
dem Penner die Bruderhand zu küssen,
und beizeiten zu gießen
die fleißigen Lieschen des Nachbarn.

Was hier unter dem Titel „Unterlassungssünden“ aufgezählt wird, ist kein Geständnis und keine Beichte. Die Welt nicht verbessert und manchen Anruf nicht beantwortet zu haben, wird zwar eingestanden. Scheinbar demütig heißt es in der vorletzten Zeile: „Wenn ihr könnt, verzeiht mir.“ Aber erst der Schluß, „Oder ihr laßt es bleiben“, zeigt, was wirklich geschieht: Hier werden Zumutungen abgeschüttelt. Immer wieder geht es in diesen Versen um all das, was sich einer vom Leib halten will, weil er nur dann frei ist, frei genug ist für das, was ihm wichtig ist. „Je mehr da ist, / desto vermeidbarer ist das meiste. Nur / das Unauffällige bleibt, / seelenruhig“, heißt es in dem Gedicht „Ein kleiner Beitrag zur Verminderung“. Ganz ähnlich klang es schon vor acht Jahren, im Band Kiosk. Damals hieß es in „Minimalprogramm“:

Nur wer vieles übersieht,

kann manches sehen.
Das Ich: eine Hohlform,

definiert durch das, was es wegläßt.
Was man festhalten kann,

was einen festhält, das ist das Wenigste.

Aber was mag es sein, dieses „Wenigste“? Eine mögliche Antwort darauf gibt die „Überflüssige Elegie“: „Das Überflüssige, hüte es. Viel nämlich / bleibt nicht von Dir, wenn Du es fortwirfst.“
Aber auch die gehüteten Schätze können zur Last werden. „Endlich Ruhe!“ ruft das lyrische Ich erleichtert. Aber dann sind da noch die Bücher, „die dir etwas ins Ohr wispern“. Nicht zu vergessen die Wörter, die einen „anrempeln“. Zum Verrücktwerden, „dieser Mückenschwarm / schwirrend im inneren Ohr“. Die Schlaflosigkeit, an Schlaf ist „nimmer zu denken“, ist ein wiederkehrendes Motiv, und im Ohr schwirren nicht nur Wortmücken, sondern auch Stimmen, eine zumindest, „immer dieselbe / Ja, ich bin gemeint“. Die Botschaft? Zuletzt nur noch ein hoher Ton, der schmerzt,

wie von einem nassen Finger, der langsam,
langsam über den Rand eines dünnen Glases
streicht. Ein immer ferneres Klingeln,
das klingelt und mich nicht schlafen läßt.

Oft wird gefragt, ob es nicht auch eine Nummer kleiner täte. Das Zeitalter der Globalisierung kommentiert Enzensberger mit einem „Kleinen Abgesang auf die Mobilität“ – „Noch am ehesten auszuhalten / war es unter dem Birnbaum / zu Hause“. Oder die Unendlichkeit zum Beispiel, ist sie wirklich erstrebenswert? „Allerhand nämlich hat es für sich, / daß das, was vorbei ist, vorbei ist.“ Halten wir uns lieber an die Natur und ihre Schwestern, die Göttinnen, die ihre Meisterschaft in der „Beschränkung“ zeigen, und erfreuen wir uns an den „Vorzügen der Endlichkeit“, von denen der Titel des Gedichts spricht. Enzensbergers Beispiel sind die Kirschen dort auf dem Teller, „endlich vielfarbig“ und ein Genuß nur für kurze Zeit: „Morgen schon ist es aus mit ihnen, / aus und vorbei. Du mußt sie essen / jetzt oder nie.“
Die Beschränkung auf den Augenblick, der Genuß des Flüchtigen, die Wonnen des Gewöhnlichen, die Konzentration auf das scheinbar Überflüssige – Reduktion heißt das Programm. Aber es ist mehr Ehrgeiz als Tugend in dieser Bescheidenheit. Denn es geht ums Ganze, ums Glück, um die permanent gefährdete Fähigkeit, es zu empfinden. Das ist am deutlichsten in den zarten Liebesgedichten zu spüren, aus denen am schönsten die schlichte Dankbarkeit spricht für die so unwahrscheinliche Gegenwart des anderen.
Gern wird die Perspektive gewechselt, vom Menschen, der sich wider besseres Wissen noch immer für das Maß aller Dinge hält, zur Natur auch in ihren kleinsten Bestandteilen und wieder zurück. Wenn das lyrische Ich der Worte überdrüssig ist, gilt noch immer das Wort aus dem Band Blindenschrift von 1964: „Wirf das Buch fort / und lies.“ Zum Beispiel in den Wolken, denen ein zwölfteiliger Zyklus gewidmet ist, Höhepunkt und Abschluß des Bandes (F.A.Z. vom 28. Februar). Hier, auf dem Rücken liegend, in die Betrachtung der Wolken vertieft, ist das lyrische Ich ein einziges Mal uneingeschränkt glücklich und vermutet, die Wolken seien „gedankenlos / glücklich wie ich“. Einmal also Maßlosigkeit im Vergleich, wo sonst doch gerade aus dem Wahren der Proportionen bescheidenes Glück sprießen soll und bescheidene Erkenntnis: „Mit dem Rücken zur Gegenwart, / an die Reling gelehnt, sieht man weiter, sogar im Dunkeln.“ Und weiter: „So bemerkt man manches, / erwartet wenig, / versäumt nichts.“
Wie mögen wohl die Sichtverhältnisse am Ort der größten und schrecklichsten Stille sein, stiller noch als in der stillsten Wolke? Niemand weiß es, denn noch ist keiner den Weg ins Auge des Orkans gegangen. Aber in diesem Dichter haben wir einen, der sich bestimmt sehr dafür interessiert.

Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.8.2003

Bücher des Jahres (6)

Es gehört zu seinen poetischen Lieblingsübungen, den Meisterdenker Karl Marx auf den Kopf zu stellen. „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden verändert, es kommt aber darauf an, sie zu verschonen.“ Diese listige Umkehrung eines berühmten Marx-Diktums hat der Dichter Hans Magnus Enzensberger als Maxime für sein poetisches Alterswerk adoptiert. In der Kunst der Unterlassung, der Nicht-Intervention, der Welt-Verschonung und skeptischen Selbstbegrenzung hat er es inzwischen weit gebracht. Der linksliberalen Intelligenz eilte er als „Fliegender Robert“ mit eskapistischen Botschaften schon zu einem Zeitpunkt davon, als diese noch von einer revolutionären Transformation der bürgerlichen Demokratie träumte.
Spätestens 1982, mit seiner essayistischen Verteidigung der Normalität, waren Enzensbergers Abrissarbeiten am linksradikalen Weltgeist abgeschlossen. Der unspektakulären „Normalität“ und den mit ihr verbundenen „Wonnen der Gewöhnlichkeit“ ist er seither treu geblieben. Mit dem Gedichtband Zukunftsmusik von 1991 setzte er dann zum ersten Mal die Einübung in ästhetische Schwebezustände auf die poetische Tagesordnung. Das Gedicht „Gedankenflucht (IV)“, nachzulesen im Band Kiosk von 1995, bestimmt die Beobachterposition, auf der sich Enzensberger seither angesiedelt hat:

Bei dem, was der Fall ist, bleibt es nicht. Ja, sagt sie, ich will zurück, ich will weiter, unabsehbar, bewege ich mich, bin bewegt, bis auf weiteres bleibe ich, in der Schwebe.

Um diesen ästhetischen Schwebezustand nachhaltig zu stabilisieren, reaktiviert Enzensberger eine poetische Tugend, die fast in Vergessenheit geraten ist. Es ist die Grazie, jene Anmut und schöne Leichtigkeit, wie sie schon von den gleichnamigen altrömischen Göttinnen zum Lebensprogramm erhoben worden sind. Im Gedicht „Gnade“, das ebenfalls aus dem Band Kiosk stammt, formulierte der Dichter sein Bekenntnis zur Grazie:

Andererseits wäre ein wenig Grazie immerhin etwas. Das höchste der Gefühle. Ein wenig Grazie wäre besser als nichts, Ein wenig Grazie wäre mir schon genug.

Sehr schöne Exempel dieser Grazie sind nun auch im jüngsten Gedichtband Enzensbergers zu besichtigen. Hier vertieft er seine Beschäftigung mit den Materialeigenschaften flüchtiger Stoffe, die ihn mittlerweile weit mehr interessieren als die sozialen Aggregatzustände jener Gesellschaft, die ihn einst zu kulturrevolutionären Reflexionen provoziert hatte. Die Geschichte der Wolken erscheint ihm eben lehrreicher als die „Kritik der politischen Ökonomie“. Enzensbergers „moralische Gedichte“ von 1999 gefielen sich darin, nach jenen Gegenständen und Materien zu suchen, die „leichter“ sind „als Luft“. Damit geriet er unvermeidlich auch in die Sphären der Transzendenz. Denn „leichter als Luft“, so belehrte einen das Titelgedicht, sind nicht nur poetische und mathematische Phänomene, sondern auch rein metaphysische Objekte wie z.B. Heiligenscheine.
Wenn Enzensberger nun auf seine „Moralischen Gedichte“, die seinen Standort in einem altersweisen Stoizismus befestigten, „99 Meditationen“ folgen lässt, dann darf man die Verfeinerung jener quietistischen Philosophie des Rückzugs erwarten, die bereits in den vorangegangenen Gedichtbänden konturiert worden war.
Tatsächlich haben wir es diesmal mit subtilen lyrischen Grübeleien zu tun, in denen sich das Ich noch demonstrativer als je zuvor zu jener idyllisch gestimmten Schöpfungsfrömmigkeit bekennt, die zum Markenzeichen des späten Enzensberger geworden ist. „Meditationen“ – das meint zunächst nicht nur die Konzentration auf letzte Sinnfragen, die Seelenkunde des Menschengeschlechts, sondern auch die genaue Beobachtung einzelner, unscheinbarer Gegenstände. In den Bänden Zukunftsmusik und Kiosk entzündete sich das Interesse des Skeptikers noch häufig an den jeweils neuesten Erkenntnismodellen der Mathematik, Physik und Chaostheorie, also an „Bifurkationen“ und „Fraktalen“, an künstlichen Intelligenzen und „neuronalen Netzen“. In den „Meditationen“ erscheint diese naturwissenschaftliche Neugier gezügelt. Es gibt nur noch wenig Verweise auf die Faszinationen mathematischer und physikalischer Denkspiele. Allein das Umschlagbild der „Meditationen“ zeigt die schematische Darstellung einer sogenannten „Kreis-Struktur-Interferenz“. Bei der biologischen oder medizinischen Interferenz geht es bekanntlich um die Überlagerung oder Überschneidung verschiedener Systeme. Im entsprechenden Gedicht in Enzensbergers „Meditationen“ meint die „Interferenz“ die Überschneidung und Gleichzeitigkeit des Schönen und des Entsetzlichen.

Hoffnung wäre zuviel gesagt, aber wenn über den verwüsteten Dörfern ein doppelter Regenbogen erscheint, lassen sie, ein paar Minuten lang, ihre Messer sinken und sehen zu, wie er langsam vor ihren blutunterlaufenen Augen hin schwindet.

Die weitaus meisten „Meditationen“ entpuppen sich als Elogen auf die Selbstbehauptung des Subjekts im Blick auf die verschwindende Welt. In sechs großen Kapiteln und lyrischen Lektionen wird das lyrische Alphabet der Vergänglichkeit, der Kontingenz und des allmählichen Verschwindens durchbuchstabiert, gleichzeitig aber als Antidot gegen allzu viel Melancholie die Faszination an unsensationellen Alltagsdingen gesetzt. Ein müde gewordener Held des Rückzugs bereitet sich auf seinen endgültigen Abschied von der Welt vor, und erfreut sich bis auf weiteres an den Wundern der Evolution. Hier kommen auch viele religiöse Motive ins Spiel, Auseinandersetzungen mit theologischen Kernfragen, die auch schon in den früheren Bänden aufblitzten.
Die geschichtsphilosophischen Fernsichten des politischen Poeten hat der Skeptiker Enzensberger durch behutsame Erkundungen der Transzendenz ersetzt. In einer „Kleinen Theodizee“ fragt er direkt nach dem verborgenen Gott, der sich nach seiner Entzauberung durch die agnostizistischen Philosophien zurück gezogen hat und nun der orientierungsbedürftigen Menschheit die kalte Schulter zeigt:

Erst erfindet ihr Ihn, dann versucht ihr euch zu vertilgen, wechselseitig, in Seinem Namen, und dann taucht auch noch so ein armer Pfarrerssohn aus Sachsen auf und erklärt ihn für tot.

Wen wundert’s dass sein Interesse an solchen Wichtigtuern sich in Grenzen hält? Jetzt seid ihr beleidigt, nur weil Gott gähnt und von euch absieht.
Auf diesem religiösen Terrain wird es mitunter allzu behaglich, wenn der lyrische Evangelist der Demut und Selbstbegrenzung zu einer „Astronomischen Sonntagspredigt“ ansetzt. Dann wird die Selbstbescheidung Pose, die Demut Koketterie, und das Gedicht zum friedlichen Kalenderspruch:

Wenn von unserm Elend die Rede geht – Hunger Mord Totschlag etcetera – Einverstanden! Ein Irrenhaus! Doch erlaubt mir bitte, in aller Bescheidenheit zu bemerken, dass es alles in allem ein ziemlich günstiger Wandelstern ist, auf dem wir gelandet sind…



Die Passionen des Dichters, so zeigt sich immer wieder, gehören nicht mehr den trügerischen Versprechungen der Revolution, sondern den gattungsgeschichtlichen Evidenzen der Evolution. Wenn er auch den großen geschichtsphilosophischen Theorien schon lange entsagt und den guten alten Marx auf den Kopf gestellt hat, sieht sich Enzensberger doch an manchen Stellen veranlasst, anlässlich der ideologischen Blendungen durch die neue Modewissenschaft Genetik die alten, nur scheinbar obsoleten Fragen der Philosophie zu stellen. Und er bekundet ausdrücklich seine Freude daran, „dass manche der Ewiggestrigen / unter den Jüngeren / noch ein paar Fragen haben.“
Seine intellektuellen Vergnügungen bezieht er aber in erster Linie von jenen „profanen Offenbarungen“ im Alltag, die keiner Sinnstiftung mehr bedürfen. Denn die Abenteuer der Sinneswahrnehmung, die Faszinationen des Tastens, Riechens und Horchens sind, so die lyrische Conclusio, allen theoretischen Wahrheits-Deduktionen überlegen. Eine sich auf einem Geländer spreizende Elster, ein „betäubender Teergeruch“ oder eben „diese Wolke da über dem Pantheon“ haben für das Ich der „Meditationen“ mehr lebensphilosophische Beweiskraft als jede Maxime Hegels oder Adornos. Die „profane Offenbarung“ kann sich als Lob des Kühlschranks artikulieren, der sich im Gedicht in einen „schneeweißen Tabernakel“ und einen „eisigen Garten Eden“ verwandelt. Oder sie entfaltet sich als Hymnus auf die „Kompaktheit“ der Dinge, die den Menschen evolutionär überleben. Anstatt einen pathetischen Gesang auf die ewigen Themen Tod und Vergänglichkeit anzustimmen, bescheidet sich der Meditationskünstler Enzensberger mit einem „erdfarbenen Liedchen“ auf die Kartoffel.
Noch ein Gedicht über den Tod? Gewiß, aber wie wäre es mit der Kartoffel? Begreiflicherweise kommt sie nicht vor bei Homer und Horaz, die Kartoffel. Doch was ist mit Rilke und Mallarmé ? War sie ihnen zu stumm, die Kartoffel? Reimt sich zuwenig auf sie, erdfarben wie sie ist, die Kartoffel? Mit dem Himmel hat sie wenig im Sinn. Geduldig wartet sie, die Kartoffel, bis wir sie ans Licht zerren und ins Feuer werfen. Der Kartoffel macht es nichts aus, aber vielleicht ist sie den Dichtern zu heiß, die Kartoffel? Ja, dann warten wir eben noch ein Weilchen, bis wir sie essen, die Kartoffel, ein Weilchen besingen und wieder vergessen.
Wenn sich der Dichter doch noch einmal zu einer Meditation über die letzten Dinge hinreißen lässt, dann plündert er lieber die Arsenale der Astronomie und Kosmologie als die der Gesellschaftstheorie. Denn nur in der Kosmologie – und hie und da auch in der Theologie – tummeln sich jene „letzten Mohikaner der Metaphysik“, an die man noch letzte Fragen delegieren kann.
Das Gedicht „Astrolabium“ ruft in diesem Zusammenhang Albrecht Dürers berühmte Darstellung der Melancholie in Erinnerung. Die in sich versunkene Figur Dürers sinniert vor dem Hintergrund astronomischer Instrumente und allegorischer Darstellungen der modernen Naturwissenschaft. In Enzensbergers „Astrolabium“ tauchen jene alten astronomischen Instrumente zur Erforschung der Welträtsel wieder auf. Überhaupt sind es wieder einmal seltene, vergangene und versunkene Wörter, außer Gebrauch geratene Instrumente oder ausgestorbene Berufe, denen die Aufmerksamkeit des lyrischen Ich gilt. Sie werden emphatisch aufgerufen – oder sarkastisch zitiert, wenn es die Sterblichkeit und Hinfälligkeit des Subjekts vorzuführen gilt. Als Beispiel sei das Gedicht „Die Instrumente“ genannt, das sich einer trocken-sarkastischen Tonlage bedient, aber mitten in diesen Sarkasmus auch biblische Bildlichkeit einschmuggelt.
Augenschere, Marknagel, Blasensprenger – man hört es nicht gerne. Selbst die Chirurgen hüten sich, uns den Hohlmeißel vorzuführen, das wäre zu hart, den Uteruslöffel, das wäre nicht höflich, die Hirnspatel und den Leberhaken. Erst wenn es weh tut, in der Notaufnahme, vertrauen wir uns der Penisklemme, dem Blutschöpfer an. Ja dann! Gebenedeit, heißt es, jetzt auf einmal, seid ihr, Vulvaspreizer und Knochenraspel, unsere einzige Hoffnung, kurz vor der letzten Ölung.
Die katholischen Rituale der Sterbebegleitung, wie hier das Mariengebet und die Letzte Ölung, werden in schroffen Kontrast zu den Instrumenten der modernen Medizin gesetzt. Das ist ein poetisches Verfahren, das in den „99 Meditationen“ sehr häufig zum Einsatz kommt. Immer wieder prallen religiöse Motive mit den Fortschrittsprogrammen der modernen Lebenswelt zusammen – und es entsteht die genuin Enzensbergersche Ironie.
Auf einem anderen Terrain, dem der Liebesdichtung, nimmt sich der Ironiker dagegen ganz zurück. Denn – siehe da – ganz unauffällig haben sich in die Gedichte des Ironikers auch zarte Liebesverse und große Wörter eingeschmuggelt, die man ansonsten nur Idyllikern gestattet: die Vokabeln „Wehmut“ und „Glück“. Der diskrete Gedankenlyriker verwandelt sich überraschend in den Sänger der kleinen, sinnlichen Ekstasen. Es sind die „Temperaturen“ der Sinne, die alltäglichen Wunder des Schmeckens und Riechens, an die sich poetische Wunschbilder anlagern. In ein paar ganz einfachen Versen über die Nähe der Geliebten artikuliert sich schließlich ein Einverstandensein mit der Welt, das bei Enzensberger in dieser begütigenden Weise noch nie zu lesen war.

Es ist nur ein Hauch der dich mehr berührt als die Berührung, und dass du nicht weißt warum ist vielleicht das Glück.



Solche lebensbejahenden, idyllischen Verse, die mit großen Wörtern hantieren, markieren aber unfreiwillig auch ein poetisches Dilemma. Zwar verweigert sich der Autor programmatisch den „geflügelten“ und „goldenen Wörtchen“ jedweder Gesellschaftslehre. Dass er diesen Entschluss zur Sinnspruch-Askese nicht immer auf die eigenen Gedichte anwendet, macht die Schwäche so mancher „Meditation“ aus. Der Bewusstseinspoet Enzensberger erteilt sich mitunter allzu leichtfertig die Lizenz zum Kalenderspruch und zur plakativen Pointe, als gelte es, die Botschaft der Gedichte auf riesenhaften Transparenten zu verkünden. „Immer tiefer,“, so tönt es an einer Stelle, „in immer fernere Galaxien blickt die erblindete Wissenschaft.“ Und an anderer Stelle:

Und daraus folgt, dass der Mensch das Mittelmaß aller Dinge ist.

Nicht selten werden solche pauschal-kulturkritischen Resümees ausgestreut, die sich sehr zähflüssig über die Verse legen und dem Gedicht die geistige Beweglichkeit nehmen. Solche wohlfeilen kulturkritischen Lektionen werden allzu häufig bemüht, versetzt mit einigen Bemerkungen zur Verfallsgeschichte der „fixen Ideen“. Die Summa der intellektuellen Selbstbescheidung findet sich schließlich im Gedicht „Erkenntnislücken“:

Wichtiges entgeht uns, verdunstet rasch. Worauf es ankommt, worauf nicht – kaum unterscheidbar. Unser Gehirn ist zu klein, um zu begreifen, wie klein es ist.

Aus dem Dichter der kritischen Imperative, der – wie es in dem frühen Gedicht „anweisung an sisyphos“ hieß – „den zorn in der welt um einen zentner vermehren“ wollte, ist ein zurückhaltender Sänger der anthropologischen Konstanten geworden, ein Chronist des Unabänderlichen und all dessen, was der Fall ist. „Sich abfinden und auf Wasser sehn“: Das war die stoische Parole des späten Benn, die sich der Enzensberger der „Meditationen“ als Motto ausborgen könnte. Die Leidenschaft des späten Enzensberger gehört dem Anachronistischen und Überflüssigen, das quer liegt zur Funktionalität einer zweckrationalen Gesellschaft. Diesen von universeller Erkenntnisskepsis inspirierten Rückzug auf die Phänomene der Lebenswelt darf man wohl klassische Alterslyrik nennen. Sie überzeugt da, wo sich Enzensberger den Dingen selbst in eleganter Mimesis zuwendet und von sentenzschweren Versen absieht. Wenn er sich den Materien und Stoffen in genauen Beobachtungen nähert, wie im großen Titelgedicht über „die Geschichte der Wolken“ oder in der Meditation über die „saturnischen Gifte“ des Bleis, gelingt auch jene schöne Balance von Bild und Begriff, die das Wesen großer Bewusstseinspoesie ausmacht. Da präsentiert sich dann Enzensberger wieder als jener Dichter mit der „leichten, mozartisch schwerelosen Hand“, den Alfred Andersch schon 1957 in dem Verfasser des Gedichtbands verteidigung der wölfe erkannt hatte. In der Betrachtung der Wolken, der gewaltlosen „Himmelskünstler“ zeigt der Dichter, wie lächerlich der Hochmut der menschlichen Spezies ist, und dass der Mensch beim Blick auf die „riesenhaften Nomaden“ vor allem eins erfahren muss: seine evolutionäre Entbehrlichkeit.

DIE GESCHICHTE DER WOLKEN

1

So wie sie auftauchen, über Nacht
oder aus heiterem Himmel,
kann man kaum behaupten,
dass sie geboren werden.
So wie sie unmerklich vergehen,
haben sie keine Ahnung vom Sterben.
Ihrer Vergänglichkeit kann sowieso
keiner das Wasser reichen.

Majestätisch einsam und weiß
steigen sie auf vor seidigem Blau,
oder drängeln sich aneinander
wie frierende Tiere, kollektiv
und dumpf, ballen sich tintig
zu elektrischen Katastrophen,
dröhnen, leuchten, ungerührt,
hageln und schütten sich aus.

Dann wieder prahlen sie
mit eitlen Künsten, verfärben sich,
äffen alles, was fest ist, nach.
Ein Spiel ist ihre Geschichte,
unblutig, älter als unsre.
Historiker, Henker und Ärzte
brauchen sie nicht, kommen aus
ohne Häuptlinge, ohne Schlachten.

Ihre hohen Wanderungen
sind ruhig und unaufhaltsam.
Es kümmert sie nichts.
Wahrscheinlich glauben sie
an die Auferstehung, gedankenlos
glücklich wie ich, der ihnen
auf dem Rücken liegend
eine Weile lang zusieht.

2

Gegen Streß, Kummer, Eifersucht, Depression
empfiehlt sich die Betrachtung der Wolken.
Mit ihren rotgoldenen Abendrändern
übertreffen sie Patinir und Tiepolo.
Die flüchtigsten aller Meisterwerke,
schwerer zu zählen als jede Rentierherde,
enden in keinem Museum.
Wolkenarchäologie – eine Wissenschaft
für die Engel. Ja, ohne die Wolken
stürbe alles, was lebt. Erfinder sind sie:
Kein Feuer ohne sie, kein elektrisches Licht.
Ja, es empfiehlt sich, bei Müdigkeit,
Wut und Verzweiflung, die Augen
gen Himmel zu wenden.

Michael Braun, Deutschlandfunk, 29.12.2003

Das Ewige im Flüchtigen

Je te l’ai dit pour les nuages…

Paul Eluard

Sowohl in seinem neuesten Gedichtband als auch in seinem legendären Museum der modernen Poesie zeigt Enzensberger auf einzigartige Weise, wie man in einer Zeit des Flüchtigen ein kleines Stück Ewigkeit bewahren kann.
Wer nach der Kenntnis des Titels glaubt, auf dem Umschlag des Hardcovers ein paar flüchtig ziehende Wolken abgebildet vorfinden zu müssen, dürfte erstaunt sein, stattdessen eine an Schallplattenvinyl erinnernde schwarze Scheibe mit oszillierenden Rillen darauf zu erblicken (später klärt uns eine Anmerkung auf, das es sich um die Graphik einer „Kreis-Struktur-Interferenz“ von Ludwig Wilding handelt). Jedes Mal, wenn man das Buch zur Hand nimmt, jedes Mal, wenn man es wieder aus der Hand legt, grübelt man dieser enigmatischen Abbildung nach: ist sie ein Verweis auf den Charakter der hier versammelten Gedichte? 99 Meditationen – so apostrophiert sie Enzensberger im Untertitel. In der mittelalterlichen Mystik, so sagt mir das Lexikon, das ich konsultiere, bedeutete Meditation den Versuch, sich Klarheit über das Wesen Gottes zu verschaffen. Übersetzt in die Sprache unseres Säkulums dürfte das wohl heißen: sich Klarheit über die Dinge und Erscheinungen zu verschaffen, die einen umgeben. Denn genau über die Dinge unserer alltäglichen Wahrnehmung, die im Mittelalter ein breiter Konsens einer gottesgläubigen Christenheit trug, herrscht heute eben alles andere als Klarheit – wie soll man da überhaupt noch Gottes ansichtig werden?

Erst erfindet ihr Ihn,
dann versucht ihr
euch zu vertilgen,
wechselseitig,
in Seinem Namen,
und dann taucht auch noch
so ein armer Pfarrerssohn
aus Sachsen auf
und erklärt Ihn für tot.

Wen wundert’s,
daß Sein Interesse
an solchen Wichtigtuern
sich in Grenzen hält?
Jetzt seid Ihr beleidigt,
nur weil Gott gähnt
und von euch absieht.

(„Kleine Theodizee“)

Ich scheue mich, Enzensberger deshalb gleich als einen „Mystiker unseres Alltags“ bezeichnen zu wollen. In der Tat sind seine Gedichte aber, so schlicht, scheinbar sachlich und kunstlos sie auch daherkommen mögen, von einem untrüglichen Gespür für – ja sagen wir es ruhig: Transzendenz. Und sei es die Abwesenheit von Transzendenz; denn seine Gedichte müssen nun einmal mit dem Material auskommen, das ihm unsere Gegenwart bietet. Wenn uns das, was früher Sinn oder Inhalt hieß, heute Abhanden gekommen ist, wie ein gleichnamiges Gedicht ausmalt, so kann der Dichter nurmehr die Farce einer Odyssee vortragen, deren Ende nicht mehr die Rückkehr zu Heimat und Vertrautheit ist, sondern immer wieder von neuem in Fremdheit und Verwirrung mündet:

Ja, die Odyssee! Früher, da konnte sie
mancher auswendig, allerwenigstens
ein paar Zeilen. Die chemische Reinigung

mit der Chinesin ist auch nicht mehr da.
Was hast du gesagt? Im Ohr
staubt der Preßlufthammer. Und wo
ist jetzt diese im schrägen Licht
wunderbar glitzernde Wolke?
Weg! Und du, meine Liebe?
Auf einmal bist du enttäuscht.
Vor einer Minute noch schien es,
als wärst du entzückt! Aber jetzt
winkt schon wieder eine Neuerscheinung
blutrot aus dem Schaufenster,
an dem du vorbeischwebst, in dem
gestern noch dieses Fußballspiel lief,
unentschieden.

(„Abhanden“)

„Tirer l’éternel du fugitif“ – aus dem Flüchtigen das Ewige zu ziehen –, das war einst Baudelaires Devise, der sich seine Blumen des Bösen verdanken, und für Enzensbergers neue Gedichte könnte entsprechend gelten, dass er uns zeigen will: neben dem Flüchtigen, der Pest unseres technologischen Zeitalters, gibt – oder bereits: gab? – es ja noch etwas anderes, das sie früher einmal das Ewige nannten. Aber Enzensberger ist viel zu subtil, um uns mit Moralepisteln zu verschrecken. Seine Gedichte sind alles andere als moralistisch (wenngleich sie eine Menge von Anregungen bieten, so scheinbar altväterliche Begriffe wie „Moral“ neu zu überdenken), ebenso wenig haben sie es nötig, durch willkürlichen Avantgardismus der Form auffallen zu wollen – in dieser Hinsicht führen sie das ,disziplinierte Parlando‘ seiner letzten Gedichtbände fort –, sie sind, wenn diese Formulierung erlaubt sei, Gedichte von einer luziden, gelassenen Altersweisheit. Der Dichter dieses Bandes hat längst sein poetisches Universum abgesteckt, er ist einer der ganz wenigen Lyriker, der im kulturellen Gedächtnis der Nachkriegsdeutschen noch eine bescheidene Rolle spielen darf, und wenn er nun, im Alter, einen Kleinen Abgesang auf die Mobilität anstimmt, so ist das kein Rückzug vor den Zielen und Hoffnungen, für die er einst angetreten war, sondern die Heimkehr eines Umtriebigen in die Fülle des Erreichten:

Es war kalt in Bogotá.
Alle Restaurants hatten Ruhetag
in Mindelheim an der Mindel.
Auf Fidji strömender Regen.
Helsinki war ausgebucht.
In Turin streikte die Müllabfuhr.
Überall Straßensperren

in Bujambara. Die Stille
über den Dächern von Pécs
war der Panik nahe.
Noch am ehesten auszuhalten
war es unter dem Birnbaum
zu Hause.

(„Kleiner Abgesang auf die Mobilität“)

Welche Sprache unter diesem Birnbaum gesprochen wird, lässt Enzensberger offen. Ich nehme an, man ist dort, wie der Dichter selbst, polyglott.

Arból, albero, tree, arbre usw. – in einem guten Dutzend von Sprachen wird man das Wort für Baum – oder die Wörter für Wolken, Wasser, Wind… –, blättert man sich durch sein im letzten Jahr neu aufgelegtes Museum der modernen Poesie hindurch, wiederfinden. So vielen Sprachen, so vielen Dichtern, so vielen Arten, einen Baum, oder Wolken, oder Amseln… zu betrachten, kann man in dieser für die deutsche Poesie epochemachenden Anthologie nachgehen: immer wieder von neuem, blätternd, abschweifend, staunend, meditierend. Mit diesem Buch zeigte Enzensberger der deutschen Lyrik den Weg aus provinzieller Enge und hinterwäldlerischer Abgeschiedenheit; sein Erscheinen markiert den Anschluss deutscher Poesie an internationale Bestrebungen, ein Vorhaben, das später mit z.T. anders akzentuierten Anthologien von Höllerer, Brinkmann, Hartung oder Sartorius bis in die Gegenwart hinein fortgesetzt wurde. Museum – dieser Titel scheint heute einleuchtender zu sein, als er es damals gewesen sein mag. Dennoch war damit schon vorgegeben, was über vierzig Jahre später noch Die Geschichte der Wolken unterstreicht: Enzensbergers Absicht, das Bleibende, Beständige, Dauerhafte (nehmen wir „das Ewige“ lieber nicht so häufig in den Mund…) dem Flüchtigen, Vorübergehenden, Verschwindenden zu entreißen. Und so sollten die im Museum versammelten Gedichte eben nicht als ,historische‘ Trouvaillen gelesen werden, sondern als lebendiger Vorrat an Schreibweisen und Stilen, mit denen sich auch jedes heute geschriebene Gedicht auseinanderzusetzen hat, will es Gültigkeit über die Stunde seiner Entstehung hinaus beanspruchen.
Klaus Reichert sprach in seinem auf der diesjährigen Frühjahrstagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Jena gehaltenen Vortrag „Das Menschenrecht auf Kultur“ von der Tradition, die als Anregung und Stimulans für jede Gegenwart (und er meinte: gerade für unsere) unentbehrlich sei, weil sie so unendlich bereichernd wirke. Enzensbergers Gedichte, Übersetzungen und Herausgebertätigkeit dürften den besten Beweis für die Wahrheit dieser Aussage abgeben.
Bereits 1960 überschrieb Enzensberger einen der Abschnitte seines Museums mit Meditationen. Wir stoßen dort, zwischen Gedichten von Dylan Thomas und Paul Eluard, auf die Zeilen der „Elegie“ des 1944 von Deutschen erschossenen Polen Krzysztof Kamil Baczynski (Übersetzung: Karl Dedecius):

Flüchtige Wolken, himmlische Segel, Freunde der Bäume
auf Weltraumfirsten
Der Kopf fällt tiefer in rauhe Hände, der schmerzerfüllte,
die Arme dürsten.
Der schwimmende Vogel unter euch ist mein Herz, die große
finstere Nelke.
Wie soll ich flüchten in goldne Wälder vor meiner Unruh,
Vögel – Gewölke. […]

Am Ende von Enzensbergers eigenem Gedichtband kehren die Wolken in die Poesie zurück – seine Meditationen haben endlich denjenigen allzu flüchtigen lyrischen Gegenstand entdeckt, der trotzdem nie veralten dürfte, solange noch Gedichte in die Welt gesetzt werden:

Der blaue Himmel ist blau.
Damit ist alles gesagt
über den blauen Himmel.
Dagegen diese fliegenden Bilderrätsel –

obwohl die Lösung immerfort wechselt,
kann sie ein jeder entziffern.
Unfaßbar sind sie in höheren Lagen,
nebulös. Und wie sanft
sie hinsterben! So schmerzlos
ist wenig hier. Die Wolken,
sie haben keine Angst, als wüßten sie,
daß sie immer wieder zur Welt kommen.

Jan Volker Röhnert, titel-magazin.de, 2003

Zwischen den Bürgerkriegen

− 99 Luft-Spaziergänge: Neue Lyrik von Hans Magnus Enzensberger. −

In der intellektuellen Bundesliga ist Hans Magnus Enzensberger für den Denkanstoß zuständig. Als Essayist schreckt er auch vor Fouls nicht zurück, um sich vor den gegnerischen Toren Chancen zu erarbeiten. Einst zog er an Saddams Barthaaren den Vergleich mit Hitler herbei, und nun bekundete er kurz nach dem Irak-Krieg nicht etwa klammheimliche, sondern „triumphale Freude“ über den Sturz Saddams – darüber, dass „eine dieser Figuren krepiert“.

Ein bisschen Blut für Öl
Man merkt schon am Dröhnen der Worte, dass da einer seiner selbstgewählten Pflicht zur Sabotage gegen eingefahrene Denkschienen nachging. Enzensberger forderte in der Frankfurter Allgemeinen von den Gegnern des Irakkriegs nicht nur Dankbarkeit für die zügige Diktatorenbeseitigung, sondern auch noch das Einverständnis mit einer vollends moralbereinigten Politik. Wenn schon Krieg, dann auch Tote. Und wer „Kein Blut für Öl“ ruft und trotzdem Benzin tankt, ist ein Pharisäer. Was zu Ende gedacht ja nur bedeutet: Jeder, der Auto fährt, seine Wohnung heizt und in den Urlaub fliegt, muss auch bereit sein, dafür Blut zu vergießen (das der anderen, versteht sich). Wenn das der Bundesverkehrsminister hört!
Aber derselbe Enzensberger, der die Recht-Gläubigen und Linksbleiber von außen angreift, tröstet sie als Wortbild-Jongleur mit der skeptischen Heiterkeit seiner Gedichte. Schon dem haarsträubenden Hitler-Vergleich folgte 1991 die luzide Zukunftsmusik in Versen, und nun lässt er Die Geschiche der Wolken an uns vorüberziehen. 99 Meditationen, wie es im Untertitel heißt: Merk- und Trostverse für das denkende Gemüt.
Es sind ironisch-weise, rücksichtslose Rückblicke eines 72-Jährigen, die manchen Schock der Erfahrung relativieren – und mit neuer Beißwut schockieren. Ja, es mehren sich die Arztbesuche und Beerdigungen in Enzensbergers Gedichten; aber einen Lyriker, der sich vor 45 Jahren als Verteidiger der Wölfe einen Dichternamen gemacht hat, stimmen sie nicht altersmilde, sie machen ihn souverän. Statt Hader und Streit verdichtet er Raum und Zeit – zu Pointen: „Über Fehler sind sie erhaben“, heißt es im titelspendenden Zyklus über die Wolken – „Jede einzelne ist perfekt. / Kein Blitz, der dem andern gliche. / Und das alles ohne Gehirn!“
Ja, manch Seitenhieb ist auch dabei, auf alte Freunde wie Alfred Andersch etwa, dessen Vers-Devise „Empört euch, der Himmel ist blau!“ eine gelassene Entgegnung findet: „Der blaue Himmel ist blau. / Damit ist alles gesagt / über den blauen Himmel“. Selbst Banales wie Boris Beckers Besenkammerbeglückung bietet Enzensberger die Gelegenheit, Gesinnung durch Besinnung zu ersetzen. Knöpfe, Kirschen und die Kartoffel, die bei Rilke nicht vorkommt, treiben ihn zu Gedankenspaziergängen auf dem vertrauten Boden des Alltags, der immer das gleiche Muster hat, aber auch seine Fallen, Schlaglöcher, Heimtücken.
Schon der wohldurchdachte Umschlag dieses Buches ist ein Plädoyer für Vielschichtigkeit und Blickwinkel-Bewusstsein: Ein Kreis mit Rillen aus der Zeit, als Platten noch aus Vinyl waren; auf die durchsichtige Folie darüber ist noch so ein Kreis gedruckt – sobald sich Buch oder Betrachter bewegen, beginnts zu flimmern: Was immer das Auge da festgestellt hat, gerät ins Wanken.

Nicht bis zur letzten Patrone
Der Endlichkeits-Blues, der all diesen Versen auf dem Fuße folgt, ist aber mehr als ein mahnender Zeigefinger von Freund Hein. Er schärft nur den Blick dafür, dass wir zwischen den Bürgerkriegen leben, wie Enzensberger schon in seinem Jahrhundert-Essay über „Die große Wanderung“ gezeigt hat – und dass die Unsicherheit, die das auslöst, nicht nur staats- sondern auch ichzersetzend ist. Und erst im Brechtschen Trotz setzt es sich wieder zusammen:

Ha, ich habe es vermieden,
bis zur letzten Patrone zu kämpfen.
Unterlassen habe ich es,
dem Penner die Bruderhand zu küssen
(…)
Wenn ihr könnt, verzeiht mir.

Oder ihr laßt es bleiben.

Jens Dirksen, NRZ, 27.6.2003

Augenschere und Knochenraspel: Enzensberger goes Hip-Hop

−  Gedichte stehen in dem üblen, aber leider nicht unbegründeten Ruf, uns mit moralischem Tiefsinn langweilen zu wollen. Die neuen Gedichte von Hans Magnus Enzensberger sind geeignet, dieses Vorurteil zu widerlegen. Sie sind eingängige Genußmittel. −

Oft wird vergessen, daß Literatur eigentlich Genuß bedeutet. Besonders die Literaturform des Gedichts steht in dem üblen, aber leider nicht unbegründeten Ruf, oft mit langweiligem Tiefsinn vollgestopft zu sein, den man besser gar nicht erst ignoriert. Die neuen Gedichte von Hans Magnus Enzensberger sind geeignet, dieses Vorurteil zu widerlegen. Sie sind pure Genussmittel.
Wir haben seinen Gedichtband Die Geschichte der Wolken dem praktischen Test unterzogen und uns einige Stücke daraus als Digestif nach dem abendlichen Mahl mit Freunden gegenseitig vorgelesen, zwischen Dessert und Kaffee. Enzensbergers Band hat sich glänzend bewährt.
Das nicht ganz so appetitliche, aber umso komischere Gedicht „Die Instrumente“ sollte man sich bei solchen Gelegenheiten als Höhepunkt aufbewahren. Es geht so:

Augenschere, Marknagel, Blasensprenger −
man hört es nicht gerne.
Selbst die Chirurgen hüten sich,
uns den Hohlmeißel vorzuführen,
das wäre zu hart, den Uteruslöffel,
das wäre nicht höflich, die Hirnspatel
und den Leberhaken. Erst, wenn es weh tut,
in der Notaufnahme, vertrauen wir uns
mit geschlossenen Augen der Penisklemme,
dem Blutschöpfer an. Ja, dann!
Gebenedeit, heißt es, jetzt auf einmal,
seid ihr, Vulvaspreizer und Knochenraspel,
unsre einzige Hoffnung,
kurz vor der letzten Ölung.

Viele Gedichte in diesem Band sind an der Schnittstelle zwischen menschlicher Sensibilität und technisch-wissenschaftlicher Realität angesiedelt. Enzensberger liebt es, die Nachteile der technischen Zivilisation und das Elend im allgemeinen zu inszenieren: „Hunger Mord Todschlag etcetera – / Einverstanden! Ein Irrenhaus!“ Doch nichts liegt ihm ferner, als absolute Ansprüche der Moral gegen die relativen Vorzüge der Zivilisation auszuspielen. Enzensbergers Ethik ist dazu viel zu pragmatisch. Denn ohnehin gilt:

Die Klasse derjenigen Probleme,
die unlösbar sind,
ist größer als du denkst.
Vermutlich wächst sie mit jedem Tag.
Am besten, du denkst nicht daran,
es sei denn, du wärst Kosmologe,
Patient, Philosoph oder Eheberater.

Hans Magnus Enzensberger, geboren 1929, gehört zur Generation der letzten lebenden Großintellektuellen Deutschlands. Trotzdem geht es in seinem Gedichten nicht nur um Ehezwist, Krankheit und Tod, auch wenn Enzensbergers Lebenssicht und der Duktus seiner Gedichte von einem lakonischen Pessimismus gefärbt ist. Enzensbergers Alters- und Lebensklugheit ist so abgeklärt, daß sie sich schon wieder mit dem (allerdings oft moralisierenden) Realismus der Hip-Hop-Generation berührt. In dem Gedicht „Dem Spielverderber“ ist das auch formal auf vollendete Weise geglückt. Man muß es als Rap-Gesang lesen, mit der Betonung auf der letzten Silbe des Verses:

Sinnlos sei diese Euphorie,
einfach so, ohne Grund,
Ach, das verstehst du nie,
dafür gibt es, mein Freund,
keine Theorie.
Glücklich, hast du gesagt,
sei auch das Vieh,
das bißchen Glück sei nur
Mangel an Phantasie.
Armes Schwein, das du bist,
mon ami!
Doch das begreifst du nie.

Doch natürlich ist auch Enzensberger letztlich zu sehr Philosoph, um sich nicht vor allem für die Klasse der unlösbaren Probleme zu interessieren. Das Gedicht „Immer kleiner werdende Unterhaltungen“ konstatiert das Verschwinden der alten Themen: Gott, Sinn, Gerechtigkeit. Alles drehe sich nur noch um „Genome nach Maß, / Unsterblichkeit auf der Festplatte“, und so sei man manmal schon wieder froh, „daß manche der Ewiggestrigen / unter den Jüngeren / noch ein paar Fragen haben.“
Enzensbergers Gedichte atmen einen gesunden Sarkasmus, aber sie bewahren gleichzeitig eine lyrische Sensibilität. „Vor dem Techno und danach“ heißt ein Gedicht, dessen Titel als Gebrauchsanweisung für den Band brauchbar wäre. Es handelt von der Idee, dem „tauben Ohr unserer Kinder“ jenes Weiche, Unbekannte zu spüren zu geben, das in allen Versen Eichendorfs schläft.
Eine Idee von diesem Weichen, Unbekannten gibt uns auch die vibrierende „Kreis-Struktur-Interferenz“ des Op-Art-Künstlers Ludwig Wilding, die den Einband des Gedichtbands ziert. Sie macht das Buch auch dann noch zum Genuß, wenn es – nach dem Techno ist vor dem Techno – auf dem Kaffeetischchen zwischengelandet ist. Im Buchregal wird es nicht so schnell verschwinden.

Christoph Albrecht, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.4.2003

Die Geschichte der Wolken. 99 Meditationen

Das Buch macht durch sein äußeres Erscheinungsbild auf sich aufmerksam: Der Buchdeckel ist weiß, und zwischen Titel und Untertitel des Werkes befinden sich schwarze konzentrische Kreise, die nach innen kleiner werden. Der kleinste Kreis ist ausgefüllt von senkrechten Streifen, sodass das Gebilde fast aussieht wie eine Vinyl–Schallplatte. Das Buch ist eine durchsichtige Folie eingeschlagen, auf der sich an der gleichen Stelle wie auf dem Buchdeckel genau das gleiche Kreisgebilde befindet, sodass sich die beiden überlagern. Bewegt sich der Einband, entstehen immer wieder neue Interferenzmuster.
Dieses einfach erzeugte physikalische Phänomen könnte einen Rückschluss auf die Titel gebenden Wolken zulassen, die sich ebenfalls ständig verändern und sich niemals gleichen. Im Buch erfährt man, dass es sich bei der Einbandillustration um eine „Kreis–Struktur–Interferenz“ von Ludwig Wilding handelt, ein vielseitiger Künstler aus der Pfalz, den der Kunstwissenschafter Eugen Gomringer als „einsamen Meister des Illusionismus und der Sehräume, der künstlerisch–wissenschaftlichen Erforschung der Raumillusion“ bezeichnet. Bei genauerer Beschäftigung mit Enzensbergers Werken fällt tatsächlich dessen Vorliebe für die Verbindung (natur)wissenschaftlicher Betrachtungen mit künstlerischer Tätigkeit auf. Auf dem Buchrücken sind die Titel der Gedichte des Bandes aufgelistet. Es fällt dabei auf, dass es nur 88 sind. Die 99 Meditationen, die der Untertitel des Bandes ankündigt, setzen sich aus diesen 88 Gedichten, die den Obertitel des Einzelgedichts Die Geschichte der Wolken einschließen, und den elf folgenden Partien dieses Titelgedichtes zusammen.
Auf der ersten Seite des Buches steht unter dem Untertitel in Kursivschrift ein Zitat aus Andrew Marvell’s Werk The Rehearsal Transposed aus dem Jahr 1672: „It is the wisdome of Cats to whet their Claws in meditation of the next Rat they are to encounter.“ (Es ist klug von Katzen, dass sie beim Nachdenken über die nächste Ratte, der sie begegnen werden, ihre Klauen wetzen.). Andrew Marvell (1621–1678) war englischer Poet und gilt als der bedeutendste englische metaphysische Dichter neben John Donne. Sein Pamphlet The Rehearsal Transpos’d ist gegen den damaligen Erzdiakon von Canterbury und späteren Bischof von Oxford, Samuel Parker, gerichtet, seinerseits Verfechter der Diktatur des Klerus über den Staat. Daraus entstand ein regelrechter Krieg der Pamphlete, und Marvells Werk genoss große Beliebtheit im Volk – vom König bis zum Markthändler verfolgten alle mit wachsender Begeisterung Marvells und Parkers Disput, in dem sich Parker dank Marvells literarischer Gewandtheit mehr und mehr zum Narren machte. Marvells Vorzüge waren dessen außerordentliche Geschicklichkeit im Umgang mit Metaphern, Vergleichen, Sprichwörtern, Parodien und sonstigen Stilmitteln, die Parkers Argumente schlagfertig außer Kraft setzten. Nicht auszuschließen ist, dass Enzensberger mit dem Motto auf eine bestimmte Wahlverwandtschaft hinweisen wollte.
Der Gedichtband ist in sechs Kapitel eingeteilt. Das sechste Kapitel besteht aus dem 12–strophigen Gedicht Die Geschichte der Wolken, das dem Werk seinen Titel gab. Von der Kritik wird dieser Gedichtzyklus als der Höhepunkt des Buches bezeichnet. Häufig werden Parallelen zu Brentanos aber auch Brechts Dichtung gesehen. Die Themen von Enzensbergers Gedichten sind breit gefächert: Globalisierung, Kritik am Sittenverfall, Theologie, Gesellschaftskritik und Generationskonflikte. Hubert Spiegel charakterisiert diese Gedichte in seiner Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (vom 16.08.2003) so: „Die Beschränkung auf den Augenblick, der Genuß des Flüchtigen, die Wonnen des Gewöhnlichen, die Konzentration auf das scheinbar Überflüssige – Reduktion heißt das Programm.“

Hans Magnus Enzensberger-Projekt, enzensberger.germlit.rwth-aachen.de

Sehr weich gezeichnet

Enzensberger kann anders. Das weiß jeder, der ihn kennt.
Hier in seinen 99 Meditationen zeichnet er weich und milde ist sein Geist. Und das ist gut so.
Wenn man mit Leuten über Dichter spricht, über Lyriker, dann hört man oft die Meinung: mit dem Alter, da geht es dann bergab!
Ja, das hört man dann und wieget seinen Kopf und meint, einen guten Griff getan zu haben in die Kiste der Begriffe.

 Doch hier in seinen 99 Meditationen gibt ein ganz Großer seines Faches einen Abriss über sich.
Das heißt, er öffnet sich. Und was immer das bedeuten mag, mir bedeutet es viel, wenn jemand so distanziert über seine Beobachtungen spricht und wenn jemand z.B. so liebevoll über sein Frau redet, nein malt.
 „Ruhige Gespräche beim Dichter im vierten Stock, 
eingeschneit in seine Manuskripte,…“
 heißt es in einem seiner Texte.
Und so sehe ich ihn. Hut ab vor dem Künstler, der sich als Mensch zeigt!

Klaus Grunenberg, amazon.de, 19.9.2003

Von oben herab

1957 betrat ein 28-jähriger mit einem Gedichtband die literarische Bühne und revolutionierte und prägte sie nachhaltig mit seinem Erstlingswerk und zahllosen, in dichter Folge erscheinenden Büchern. verteidigung der wölfe hieß der Band, in dem sich Gedichte wie „Bildzeitung“ fanden, die seither in keiner Anthologie moderner Lyrik fehlen dürfen, und Hans Magnus Enzensberger der „zornige junge Mann“, wie ihn Alfred Andersch nannte. Hier sprach ein neuer Dichter mit einer unverkennbaren eigenen Stimme, setzte Reim wie freien Vers gleichermaßen gekonnt ein, beherrschte überdies die verschiedensten Gedichtformen, verfügte über enormes Wissen und Esprit und – wohl das Entscheidenste, das programmatisch sein ganzes Werk auszeichnen sollte – sah keinen Widerspruch zwischen Poesie und Politik, im Gegenteil: sie waren und blieben ihm untrennbar miteinander verbunden, eines Bedingung des anderen. Kein Wunder, daß da in der Rezeption schnell Namen wie Heinrich Heine und Theodor W. Adorno bei der Hand waren, Clemens Brentano natürlich auch, über den Enzensberger 1955 promoviert hatte, und Peter Rühmkorf, mit dem ihn nicht nur das gleiche Geburtsjahr, sondern auch eine ähnliche Sicht auf Wirklichkeit und Literatur verband.
Als dann 1960 sein zweiter Gedichtband landessprache und das Museum der modernen Poesie erschienen – eine beispiellose Sammlung von damals im deutschsprachigen Raum kaum bekannten und hier erstmals übersetzten Dichterinnen und Dichtern der Welt, die ungeahnte Bezüge über alle (Sprach-)Grenzen hinweg herstellte −, war klar, daß man es nicht nur mit einem begabten Dichter, sondern im besten Sinn des Wortes „poeta doctus“ zu tun hatte. 1963 erhielt Enzensberger als bis dahin jüngster Dichter den Büchner-Preis.
Zu dem in den folgenden Jahrzehnten stetig wachsenden Œuvre zählen neben Gedichten v.a. zahllose Essays, Romane, Dramen, Opernlibretti, Kinderbücher und Übersetzungen. Besonders hervorzuheben die Gründung der Zeitschriften Kursbuch (1965) und TransAtlantik (1980) sowie die Herausgabe der Anderen Bibliothek (seit 1985) und das unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr erschienene Wasserzeichen der Poesie (1989), mit denen er sich in die nicht nur deutsche Geistesgeschichte einzuschreiben vermochte.
Dennoch war Enzensberger nie unumstritten. Von Dandy und Snob war immer wieder zu lesen, von einem Hans Dampf, einem Chamäleon und einem Mann mit untrüglichem Riecher für den richtigen Zeitpunkt, einem Vielschreiber und Sammler, der sich die Arbeit anderer gekonnt zu Nutze mache. Kein Wunder bei einem Dichter und Denker, der sich formal wie inhaltlich immer wieder weit hinauslehnt und damit Angriffsflächen genug bietet – und dies nicht nur für Gegner und Neider.
Warum ich so weit aushole, hat mit seiner jüngsten Publikation zu tun: Eine Geschichte der Wolken heißt sie und trägt den Untertitel „99 Meditationen“. Vorangestellt ist als Motto ein Satz von Andrew Marvell, einem Pamphletisten und Vertreter der Metaphysischen Dichter Englands des 17. Jahrhunderts, was wohl einen Hinweis auf die Ausrichtung der versammelten Texte geben soll: politisch und religiös; und – das evoziert der Untertitel – meditativ. Doch damit beginnt schon das erste Problem: Titel, Untertitel und Motto wecken Erwartungen, die die Texte nicht einlösen, handelt es sich doch um Gedichte und, allzu oft, Predigten in belehrendem Tonfall, aber nicht um Meditationen – es sei denn, man bezeichnete damit jede über Gott und die Welt reflektierende und wie in diesem Fall räsonierende Äußerung. Aber auch die Gattungsbezeichnung „Gedicht“ ist unbefriedigend. Gewiß, einige wenige Texte sind gereimt, alle verfügen über Verse und die meisten über Strophen, aber ein besonderer Gestaltungswille – also gerade das Merkmal von Poesie im allgemeinen und Enzensbergers Lyrik im speziellen – fehlt hier. Man ist geradezu verleitet, von Prosa im Zeilenbruch zu sprechen, um nicht gleich das berüchtigte Diktum Marcel Reich-Ranickis von den „Gedachten“ (statt Gedichten) zu zitieren.
Irgendwie beschleicht einen das Gefühl, der Autor habe es sich mit den vorliegenden Texten leicht gemacht, und das trifft auch auf den Inhalt zu: zu beliebig erscheint die Zusammenstellung der Texte, zu oberflächlich, ja geradezu plakativ viele Äußerungen. Natürlich finden sich auch treffende, aphorismusartige Sätze („Unser Gehirn / ist zu klein, um zu begreifen, / wie klein es ist.“), daneben aber leider sehr viele sprachliche wie inhaltliche Entgleisungen, die wohl in keiner Schreibwerkstatt durchgingen („die beiden Wärmen“; „Am besten, ihr fallt / übereinander her, so lange, / bis keine Gekränkten / mehr übrig sind.“); dazu kommen der predigthafte Ton (den Enzensberger allerdings nur allzu gerne und schon seit seiner ersten Publikation anzuschlagen bereit ist), die bevorzugt am Textende angesiedelte moralisierende Anrede des Lesers bzw. des lyrischen Ichs („und du?“, „Ob das gesund ist?“) und der Blickwinkel dessen, der weiß, wo und wie es langgeht. Schlimmer aber wiegt in vielen Texten die fragwürdige Aussagerichtung: zu mißverständlich (oder zu salopp) artikuliert sich hier der Dichter. Wenn er z.B. in dem Gedicht „Immer kleiner werdende Unterhaltungen“ nach dem Vers „o Wissenschaft! Ecstasy! Euthanasie!“ schlußfolgert „Manchmal ist man froh, / daß manche der Ewiggestrigen / unter den Jüngeren / noch ein paar Fragen haben.“, dann drängt sich die nicht unwichtige Frage auf, was seiner Meinung nach unter „Ewiggestrigen“ zu verstehen sei, welche Fragen diese im Zusammenhang mit Euthanasie wohl stellen würden und v.a. warum man darüber froh sein soll.
Davon macht selbst das zwölfteilige Titelgedicht keine Ausnahme, das überdies keine Geschichte der Wolken, sondern, wenn schon, eine über die Wolken ist und zudem mit esoterischen Anflügen oder, je nach Lesart, verunglückten Bildern oder – auch das wäre in Betracht zu ziehen – schwer zu folgender Ironie aufwartet („Wolkenarchäologie – eine Wissenschaft / für die Engel.“; „Wahrscheinlich glauben sie [die Wolken] / an die Auferstehung“).
„meine weisheit ist eine binse“ – so beginnt Enzensbergers erstes Gedicht seines ersten Gedichtbandes, was sich durchaus als (Lebens- und poetisches) Motto lesen läßt. Allerdings scheint der Autor vergessen zu haben, wie er es weitergehen ließ: „schneide dich in den finger damit / um ein rotes ideogramm zu pinseln.“
„Was wird mit ihm geschehen, wenn der Zorn einmal nachläßt, wenn nicht mehr Empörung die leichte Hand regiert?“ fragte bereits 1958 Alfred Andersch. Ich fürchte, Hans Magnus Enzensberger hat uns mit diesem Buch seine Antwort gegeben.

Christoph Janacs, amazon.de, 20.3.2003

Enzensberger nicht ganz auf der Höhe

Ich bin sicher, daß, würde ein junger, noch vor seinem Debut stehender Autor das Manuskript mit den 99 Medidationen zu Suhrkamp schicken, man ihm die Publikation verweigern würde. Enzensberger hingegen hat schon einen Namen, das macht es leichter.
Mag sein, daß ich ihm hier Unrecht tue.
 Mag sein, daß ich vielleicht zu schnell Urteile.
 Mag sein, daß ich Nuancen übersehe.
Ganz ohne Zweifel hat Enzensberger für die deutschsprachige Dichtung enorm viel geleistet. Er wird als einer der Großen Literaten der Nachkriegszeit in die Geschichte eingehen. Aber es scheint, daß er in diesem Buch die Altersmilde etwas zu weit getrieben, die Altersweisheit etwas zu sehr auf das Banale, Augenfällige angewendet hat. Gewiß, das Banale, Alltägliche birgt für den Kontemplativen die Tiefen des Seins, darin hat der Autor vollkommen Recht. Aber hätte die dem Seienden innewohnende Tiefe, das Wunder der Dinge, nicht auch etwas mehr Dichtung, etwas mehr sprachliche Tiefe verdient ?
Enzensberger bleibt zu sehr an der Oberfläche, das Thema hätte ein wundervolles Buch ergeben können.

2ve, amazon.de, 19.6.2003

 

Hugo Loetscher: hans magnus enzensberger
DU, Heft 3, 1961

Zum 60. Geburtstag des Autors:

Eckhard Ullrich: Von unserem Umgang mit Andersdenkenden
Neue Zeit, 11.11.1989

Zum 70. Geburtstag des Autors:

Frank Schirrmacher: Eine Legende, ihr Neidhammel!
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6.11.1999

Hans-Ulrich Treichel: Startigel und Zieligel
Frankfurter Rundschau, 6.11.1999

Peter von Becker: Der Blick der Katze
Der Tagesspiegel, 11.11.1999

Ralph Dutli: Bestimmt nicht in der Badehose
Die Weltwoche, 11.11.1999

Joachim Kaiser: Übermut und Überschuss
Süddeutsche Zeitung, 11.11.1999

Jörg Lau: Windhund mit Orden
Die Zeit, 11.11.1999

Thomas E. Schmidt: Mehrdeutig aus Lust und Überzeugung
Die Welt, 11.11.1999

Fritz Göttler: homo faber der Sprache
Süddeutsche Zeitung, 12.11.1999

Erhard Schütz: Meine Weisheit ist eine Binse
der Freitag, 12.11.1999

Sebastian Kiefer: 70 Jahre Hans Magnus Enzensberger. Eine Nachlese
Deutsche Bücher, Heft 1, 2000

Zum 75. Geburtstag des Autors:

Hans-Jürgen Heise: HME, ein Profi des Scharfsinns
die horen, Heft 216, 4. Quartal 2004

Werner Bartens: Der ständige Versuch der Alphabetisierung
Badische Zeitung, 11.11.2004

Frank Dietschreit: Deutscher Diderot und Parade-Intellektueller
Mannheimer Morgen, 11.11.2004

Hans Joachim Müller: Ein intellektueller Wolf
Basler Zeitung, 11.11.2004

Cornelia Niedermeier: Der Kopf ist eine Bibliothek des Anderen
Der Standard, 11.11.2004

Gudrun Norbisrath: Der Verteidiger des Denkens
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 11.11.2004

Peter Rühmkorf: Lieber Hans Magnus
Frankfurter Rundschau, 11.11.2004

Stephan Schlak: Das Leben – ein Schaum
Der Tagesspiegel, 11.11.2004

Hans-Dieter Schütt: Welt ohne Weltgeist
Neues Deutschland, 11.11.2004

Zum 80. Geburtstag des Autors:

Matthias Matussek: Dichtung und Klarheit
Der Spiegel, 9.11.2009

Michael Braun: Fliegender Robert der Ironie
Basler Zeitung, 11.11.2009

Harald Jähner: Fliegender Seitenwechsel
Berliner Zeitung, 11.11.2009

Joachim Kaiser: Ein poetisches Naturereignis
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2009

Wiebke Porombka: Für immer jung
die tageszeitung, 11.11.2009

Hans-Dieter Schütt: „Ich bin keiner von uns“
Neues Deutschland, 11.11.2009

Markus Schwering: Auf ihn sollte man eher nicht bauen
Kölner Stadt-Anzeiger, 11.11.2009

Rolf Spinnler: Liebhaber der lyrischen Pastorale
Stuttgarter Zeitung, 11.11.2009

Thomas Steinfeld: Schwabinger Verführung
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2009

Armin Thurnher: Ein fröhlicher Provokateur wird frische 80
Falter, 11.11.2009

Arno Widmann: Irrlichternd heiter voran
Frankfurter Rundschau, 11.11.2009

Martin Zingg: Die Wasserzeichen der Poesie
Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2009

Michael Braun: Rastloser Denknomade
Rheinischer Merkur, 12.11.2009

Ulla Unseld-Berkéwicz: Das Lächeln der Cellistin
Literarische Welt, 14.11.2009

Hanjo Kesting: Meister der Lüfte
Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Heft 11, 2009

Zum 85. Geburtstag des Autors:

Arno Widmann: Der begeisterte Animateur
Frankfurter Runschau, 10.11.2014

Heike Mund: Unruhestand: Enzensberger wird 85
Deutsche Welle, 10.11.2014

Scharfzüngiger Spätaufsteher
Bayerischer Rundfunk, 11.11.2014

Gabi Rüth: Ein heiterer Provokateur
WDR 5, 11.11.2014

Jochen Schimmang: Von Hans Magnus Enzensberger lernen
boell.de, 11.11.2014

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Hans Magnus Enzensberger Der diskrete Charme des Hans Magnus Enzensberger. Dokumentarfilm aus dem Jahre 1999.

 

Hans Magnus Enzensberger liest auf dem IX. International Poetry Festival von Medellín 1999.

 

Hans Magnus Enzensberger – Trailer zu Ich bin keiner von uns – Filme, Porträts, Interviews.

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